08.06.2018

Erreichbarkeit: Stets zu Diensten

In Deutschland beschränken immer mehr Konzerne die Erreichbarkeit ihrer Mitarbeitenden durch administrative Massnahmen. In Schweizer Grossunternehmen hält man von solchen starren Regelungen hingegen wenig.

Von: Ralph Hofbauer  DruckenTeilen Kommentieren 

Ralph Hofbauer

Ralph Hofbauer war Chefredaktor des HR-Magazins personalSCHWEIZ.

 

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Arbeit und Freizeit verschmelzen

Mit dem Feierabend ist die Arbeit für einen Grossteil der Erwerbstätigen nicht zu Ende. Die technische Möglich­keit der ständigen Erreichbarkeit durch Smartphones, Laptops und Tablets lässt die Grenzen zwischen Arbeit und Frei­zeit zunehmend verschwimmen. Immer mehr Arbeitnehmende fühlen sich dazu verpflichtet, am Abend, am Wochenende oder in den Ferien geschäftliche E-Mails abzurufen und zu verschicken. Dringen­de Telefonanrufe während der Freizeit erschweren das Abschalten zusätzlich.  

Verschiedenste Studien unterstreichen die­se Tendenz hin zur ständigen Verfügbarkeit der Arbeitnehmenden. Die 2012 von der Swisscom publizierte Lifebalance-Studie zeigt auf, dass 57 Prozent der Erwerbstäti­gen nach Feierabend und am Wochenen­de beruflich erreichbar sind – sei es per Te­lefon (88 Prozent), per E-Mail (65 Prozent) oder per SMS (59 Prozent). Als wichtigsten Grund für die Erreichbarkeit ausserhalb der Arbeitszeit nennen die Befragten die Ver­antwortung gegenüber Arbeitskollegen, aber auch gegenüber Kunden.  

Erreichbarkeit  auch in den Ferien

Doch nicht nur am Feierabend und am Wochenende, selbst in den Ferien ist die Mehrheit der Schweizer verfügbar. Wie eine repräsentative Telefonumfrage unter 1200 Erwerbstätigen zeigt, die das Link-Institut 2013 im Auftrag von comparis.ch durchgeführt hat, sind 56 Prozent der berufstätigen Schweizer in den Ferien für den Chef und die Arbeitskollegen er­reichbar. 43 Prozent der Befragten, die in den Ferien erreichbar sind, gaben an, dass ihr Arbeitgeber dies von ihnen erwarte.  

Tatsächlich ist die ständige Erreichbar­keit der Mitarbeitenden für die meisten Schweizer Grossunternehmen eine unab­dingbare Voraussetzung, so zum Beispiel für die ABB: «Für ein international täti­ges Unternehmen ist die digitale Erreich­barkeit der Mitarbeitenden wichtig. Ein Projektleiter oder Service-Mitarbeitender auf Piquet muss in Notfällen jederzeit gut erreichbar sein», sagt Medienspre­cher Markus Gamper. Dabei ist es nicht zuletzt die globale Zusammenarbeit, die eine Verfügbarkeit über geregelte Büro­zeiten hinaus erforderlich macht: «Da wir ein international tätiger Konzern sind, ist der Feierabend relativ. Wenn in der Ar­beitstag in der einen Zeitzone zu Ende ist, beginnt er in einer anderen Zeitzone erst», sagt Verena Gölkel, Head Group Communications der Sulzer AG.  

Deutsche Konzerne setzen Grenzen

Die im Februar 2014 publizierte Ge­sundheitsbefragung des Bundesamtes für Statistik zeigt, dass jeder fünfte Erwerbstätige in der Schweiz meistens oder fast immer unter berufsbedingtem Stress steht. Die ständige Erreichbarkeit verstärkt die bereits hohe Stressbelas­tung zusätzlich. In Deutschland räumen deshalb immer mehr Grossunternehmen ihren Mitarbeitenden das Recht auf die Nicht-Erreichbarkeit in der Freizeit ein. Bei VW haben die Arbeitnehmervertre­ter bereits vor zwei Jahren eine Regelung durchgesetzt, nach der die E-Mail-Server eine halbe Stunde nach dem offiziellen Feierabend abgeschaltet werden. So will der Betriebsrat die Belegschaft vor einer übermässigen Stressbelastung schützen. Dem Beispiel von VW sind in jüngster Zeit verschiedenste deutsche Konzerne mit Kodexen der Nicht-Erreichbarkeit gefolgt: Der Pharmakonzern Bayer und der Energieversorger Eon kommunizieren ihren Angestellten explizit, dass sie in ihrer Freizeit keine E-Mails bearbeiten sollen. Bei Daimler können die Mitarbeitenden darüber entscheiden, ob während ihrer Ferien-abwesenheit eingehende E-Mails automatisch gelöscht werden sollen. BMW erfasst die digitale Mehrarbeit in der Frei­zeit seit kurzem auf einem Stundenkonto.

Selbstverantwortung ist gefragt

In der Schweiz hält man von solch strik­ten Regelungen, wie sie in Deutschland immer häufiger getroffen werden, aller­dings wenig: «Übergreifende und starre Regelungen machen wenig Sinn», sagt Josef Huber, Leiter Mediendienst der Swisscom. Vielmehr setzt man auf die Selbstverantwortung der Mitarbeiten­den: «Als Arbeitgeber vorzuschreiben, wann jemand offline oder online zu sein hat und den Server zu gewissen Zeiten abzustellen, widerspricht dem Prinzip der Selbstverantwortung.»

Auch die ABB setzt in Bezug auf die Er­reichbarkeit auf die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden, wie das Unterneh­men auf Anfrage mitteilt. Wie alle ange­fragten Unternehmen relativiert die ABB den Zwang zur ständigen Erreichbarkeit:

Auch bei Roche verneint man einen Zwang zur ständigen Erreichbarkeit: «Grundsätzlich wird nicht vorausgesetzt, dass am Wochenende oder am Abend die E-Mails oder Kurznachrichten beantwor­tet werden», sagt Mediensprecherin Ulri­ke Engels, und fügt an: «Das Thema Be­lastbarkeit von Mitarbeitenden nehmen wir sehr ernst.» So hat Roche beispiels­weise bestimmte Zeiträume festgelegt, in denen Telefonkonferenzen zwischen den USA und der Schweiz stattfinden sollten, damit die Verfügbarkeit in der Freizeit auf ein Minimum eingegrenzt werden kann. Auch der Mediendienst der Swisscom ne­giert einen Zwang zur ständigen Erreich­barkeit und verweist auf die umfassenden Massnahmen im Bereich der betrieblichen Gesundheistförderung. Dennoch wird man den Eindruck nicht los, dass die Ver­fügbarkeit in der Freizeit von den Schwei­zer Grossunternehmen zwar nicht offiziell vorgeschrieben wird, aber zumindest von Mitarbeitenden in Schlüsselfunktionen dennoch implizit erwartet wird.  

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