16.02.2017

Ferienanspruch: Diese Regelungen müssen Sie beachten

Der Arbeitgeber hat dem Arbeitnehmer jedes Dienstjahr wenigstens vier Wochen, dem Arbeitnehmer bis zum vollendeten 20. Altersjahr wenigstens fünf Wochen Ferien zu gewähren. Für ein unvollständiges Dienstjahr sind Ferien entsprechend der Dauer des Arbeitsverhältnisses im betreffenden Dienstjahr zu gewähren. Erfahren Sie, welche Regelungen im Detail bei Ferienanspruch gelten.

Von: Thomas Wachter   Drucken Teilen   3 Kommentare  

Thomas Wachter

Nach mehreren Stellen in verschiedenen Unternehmungen, arbeitet T. Wachter nun seit 12 Jahren im Personalamt des Kantons Luzern. Früher als Bereichspersonalleiter, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung, aktuell als Leiter HR-Support sowie Mitglied der Geschäftsleitung. Weitere Tätigkeiten sind: Lehrgangsleitungen und Dozent für Personalmanagement, -administration und -führung. T.Wachter ist unter anderem Autor und Herausgeber der WEKA-Werke «PersonalPraxis» und «Praxisleitfaden Personal».

 
am 03.03.15 18:39 schreibt beat berger
Hallo
Ich habe eine frage. Ich schaffe im strassenbau und ab diesem jahr werden uns 4 wochen ferien als betriebs ferien vor gegeben. 2 im sommer 2 im winter und eine woche dürfen wir frei wählen im jahr.... Ich finde es ist nich rechtens uns 4wochen fix vorzugeben und eine ist frei wählbar... Ist das legal?
Mfg beat
 
am 07.03.15 09:40 schreibt Thomas Wachter
Sehr geehrter Herr Berger
Grundsätzlich ja, weil der Arbeitgeber von Gesetzes wegen dazu berechtigt ist, den Zeitpunkt der Ferien des Arbeitnehmers festzusetzen. Das Interesse des Arbeitgebers, den Betrieb während einer gewissen Zeit im Jahr zu schliessen, wird als berechtigt akzeptiert. Geregelt ist der Zeitpunkt der Ferien in Art. 329c Abs. 2 OR.
Freundliche Grüsse Thomas Wachter
 
am 19.10.16 20:26 schreibt Marco Sandrini
Mein Arbeitgeber bezahlt mir eine Weiterbildung welche 18 Tage in 4 Blöcken in Anspruch nimmt und sich über ca. 8 Monate erstreckt (CAS mit 18 Präsenztagen). Im Gegenzug erfolgt eine Verpflichtung meinerseits im gesetzlichen Rahmen die Fa. 2 Jahre über den Abschluss hinaus nicht zu verlassen.
Als zusätzlichen persönlichen Effort erwartet der Arbeitgeber, dass ich 9 der 18 Arbeitstage von meinem Feriensaldo abbuche. Ist dies angebracht bzw. rechtlich zulässig?

Vielen Dank für Ihre Hilfe und beste Grüsse,

Marco Sandrini
 
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Ferienanspruch

Der Ferienanspruch

Alle Mitarbeitenden haben Anspruch auf Ferien: Jugendliche unter 20 Jahren mindestens 5 Wochen, sonstige Mitarbeitende mindestens 4 Wochen. Viele Betriebe gewähren ab 50 oder 60 Jahren längere Ferien.

Wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin mehr als einen Monat nicht arbeitet, kann der Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen den Ferienanspruch kürzen. Bei Krankheit und Unfall wird der Ferienanspruch ab dem 2. vollen Monat um einen Zwölftel gekürzt. Bei teilweiser Arbeitsverhinderung ist die Berechnung anzupassen.

Der Arbeitgeber bestimmt den Zeitpunkt der Ferien und nimmt auf die Wünsche des Arbeitnehmers soweit Rücksicht, als dies mit den Interessen des Betriebes vereinbar ist. Wenigstens zwei Ferienwochen müssen zusammenhängen, damit sich der Mitarbeitende richtig erholen kann. Die Ferien sind rechtzeitig anzuordnen und dürfen nicht aufgrund der Betriebsauslastung kurzfristig verfügt werden.

Der Arbeitgeber muss den Mitarbeitenden während den Ferien den vollen Lohn zahlen. Ferientage dürfen in der Regel nicht durch Lohn abgegolten werden. Ausnahmen gelten bei sehr unregelmässigen Arbeitsverhältnissen oder aus betrieblicher Notwendigkeit am Ende eines Anstellungsverhältnisses.

Regelmässig Schwierigkeiten macht die Ferienberechnung bei Teilzeitmitarbeitenden. Der Grund liegt darin, dass die Handhabung unterschiedlich ist. Beispiel: Der Ferienanspruch kann bei einem 50% Pensum mit 10 Ferientagen à 8 Stunden oder als 20 Ferientage à 4 Stunden definiert werden.

Dienstjahr oder Kalenderjahr

Nach Obligationenrecht wird der Ferienanspruch pro Dienstjahr festgelegt. Es sind uns allerdings keine Firmen bekannt, welche das – mit Ausnahme der Lernenden – so handhaben. Dabei müsste der Ferienanspruch für jeden Mitarbeitenden einzeln gerechnet werden. Aus praktischen Gründen haben die Firmen auf das Kalenderjahr umgestellt.

Obwohl allgemein üblich, empfiehlt es sich, in den Anstellungsbedingungen aus Gründen der Rechtssicherheit festzulegen, dass der Ferienanspruch pro Kalenderjahr gilt.

Für Lernende berechnet sich der Ferienanspruch immer pro Lehrjahr, nicht pro Kalenderjahr wie dies bei allen andern Mitarbeitenden in der Regel gehandhabt wird.

Nach OR meist 4 Wochen Ferien

Der Anspruch beträgt gemäss Obligationenrecht (OR)

  • für jugendliche Mitarbeitende unter 20 Jahren: wenigstens 5 Wochen,
  • für sonstige Mitarbeitende: wenigstens 4 Wochen.

Im Gegensatz zu einem weit verbreiteten Missverständnis gelten die 4 Wochen Ferien auch für über 50- und 60-jährige.

Üblicherweise werden im Kalenderjahr, in welchem die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter das 20. Altersjahr vollendet, noch 25 Ferientage gewährt. Abweichungen sind möglich, weil der Anspruch in diesem Jahr eigentlich pro rata besteht.

Im individuellen Arbeitsvertrag können die Ferientage zusätzlich erhöht werden. Oftmals werden älteren Mitarbeitenden mehr Ferien zugestanden oder das Kader erhält einen höheren Ferienanspruch, wobei damit die Mehrstunden abgegolten werden.

Praxis-Beispiel
Im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie ist folgender Ferienanspruch festgeschrieben: 35 bis 25 Tage von 17 bis 20, 25 Tage ab 20, 27 Tage ab 40 und 30 Tage nach 50 Jahre.

Ein- oder Austritt

Der Ferienanspruch eintretender oder austretender Mitarbeitenden bemisst sich pro rata der Dauer des Arbeitsverhältnisses im Jahr des Ein- oder Austrittes.

Der Pro-rata-Anspruch beträgt:

  • 1,67 Ferientage pro Monat bei 4 Wochen Ferien
  • 2,08 Ferientage pro Monat bei 5 Wochen Ferien
  • 2,50 Ferientage pro Monat bei 6 Wochen Ferien

Praxis-Beispiel
Bei einem Eintritt am 1.3. beträgt der Ferienanspruch 10/12, bei einem Austritt am 31.8. sind es 8/12.

Praxis-Tipp
Wir empfehlen Ihnen, bei Berechnungen von unterjährigen Ansprüchen – wie beispielsweise den Ferienanspruch – die Monate jeweils mit 30 Tagen zu rechnen und das Jahr mit 360 Tagen. Grund: der Monatslohn ist ebenfalls unabhängig von der Anzahl Kalendertage oder Arbeitstage im betreffenden Monat.

Ferienanspruch bei Teilzeitmitarbeitenden

In der Praxis ergeben sich oft Fragen im Zusammenhang mit Teilzeitangestellten, weil unklar ist, wie die Ferien berechnet werden müssen.

Teilzeitangestellte und Aushilfen haben den gleichen Ferienanspruch wie Vollzeitangestellte, also mindestens 4 Wochen.

Praxis-Beispiel
Eine Mitarbeiterin arbeitet 60% Teilzeit. Sie hat einen Ferienanspruch von 5 Wochen und eine wöchentliche Sollzeit von 25,2 Stunden. Sie arbeitet jeweils Dienstag und Mittwoch den ganzen Tag und Donnerstag und Freitag am Vormittag. Eine Woche Ferien umfasst 3 volle Tage à 8,4 Stunden. Ihr gesamter Ferienanspruch sind 15 Tage. Nimmt sie an einem Donnerstag und Freitag Ferien, so sind dies zwei halbe Ferientage.

Ein Mitarbeiter arbeitet 80% Teilzeit. Er hat einen Ferienanspruch von 4 Wochen und eine wöchentliche Sollarbeitszeit von 32 Stunden. Er arbeitet jeweils Montag bis Freitag 6,4 Stunden. Eine Woche Ferien umfasst 5 Tage à 6,4 Stunden. Sein gesamter Ferienanspruch sind 20 Tage. Nimmt er an einem Donnerstag und Freitag Ferien, so sind dies zwei ganze Ferientage à 6,4 Stunden.

Rechtliche Grundlagen

In folgenden OR-Artikeln finden sich die Bestimmungen zum Ferienanspruch:

Artikel 329aDauer der Ferien
Artikel 329bKürzung des Ferienanspruchs bei Arbeitsverhinderung
Artikel 329cZusammenhang und Zeitpunkt
Artikel 329dFerienlohn, Abgeltungsverbot, Verweigerung und Rückforderung des Ferienlohns
Artikel 345aAbs. 3: Ferienanspruch der Lernenden

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