17.04.2019

Sharing is Caring: Wie Co-Working die Arbeit revolutioniert

Immer mehr Schweizer wollen flexibel arbeiten – vom Home-Office, geteilten Büros bis hin zum Co-Working-Space – in der heutigen Arbeitswelt ist alles möglich. Aus HR-Sicht ist flexibles Arbeiten eine Herausforderung und ein Gewinn zugleich.

Von: Regina Sindel  DruckenTeilen 

Regina Sindel

Regina Sindel managet die Marken von IWG für die DACH-Regionen. Sie arbeitet in den zahlreichen flexiblen Büros der IWG-Marken Spaces und Regus an ihrem Wohnort Barcelona und geniesst es, wechselnde Arbeitswege zu haben.

Jobsharing

Flexibles Arbeiten ist die Zukunft. Das zeigt die Regus-Studie zum Thema «Arbeitsplatzgestaltung», die im Herbst 2018 veröffentlicht wurde. Darin wurden für 16 Länder Daten erhoben und untersucht, die bereits flexible Arbeitsmodelle eingeführt hatten. Eine Hochrechnung für die Schweiz ergab ein voraussichtliches, rasantes Wachstum des Co-Working bis zum Jahr 2030 dank des zu erwartenden vermehrten Einsatzes von flexiblen Arbeitsmodellen.

200'000 neue Stellen

Die Zahlen sind massiv: Die Regus-Studie geht von einem Anstieg der Schweizer Bruttowertschöpfung um rund 44 Millionen Franken sowie bis zu 200000 neu geschaffenen Arbeitsplätzen bis 2030 aus. Zu den Vorteilen von flexibler Arbeit gehören vereinfacht gesagt eine höhere Produktivität des Unternehmens und der Mitarbeitenden, geringere Fixkosten für Büros und die Zeiteinsparung von Millionen von Stunden durch den Wegfall des Pendelns. All diese Faktoren machen die Bruttowertschöpfung aus, die flexible Arbeitsmodelle zur Wirtschaft beitragen.

Für die Schweiz könnte die Bruttowertschöpfung bis 2030 auf insgesamt rund 90 Millionen Franken steigen. Dies entspricht dem erwähnten Anstieg von rund 44 Millionen Franken, verglichen mit 2017 basierend auf dem Wachstum im Co-Working.

Grünes Co-Working

Zudem zeigt die Studie: Die Schweizer können dank flexiblem Arbeiten bis 2030 jährlich bis zu einer Million Tonnen CO2einsparen. Wie das geht? Co-Working bietet die Möglichkeit, von überall zu arbeiten – also beispielsweise auch in unmittelbarer Nähe des Wohnortes. Dadurch können nach Hochrechnung jedes Jahr bis zu 18 Millionen Stunden Pendelzeit eingespart und so Kohlendioxidemissionen gesenkt werden. Flexibles Arbeiten leistet also auch einen Beitrag zur «Agenda 2030» und unterstützt das Ziel der Schweiz, eine nachhaltige Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene voranzutreiben.

Garry Gürtler, Geschäftsführer IWG Schweiz, erklärt: «Flexibles Arbeiten leistet einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz. Laut dem UN-Umweltprogramm müssen die jährlichen Treibhausgasemissionen bis 2030 um weitere 12 bis 14 Milliarden Tonnen gesenkt werden, um die Erderwärmung auf einen Wert von zwei Grad Celsius zu beschränken. Dadurch, dass Arbeitnehmer näher an ihrem Zuhause arbeiten und so Pendelzeiten verringern, könnten jährlich mehrere Millionen Tonnen Kohlenstoff eingespart werden. In einer solchen Krisensituation der Umwelt ist flexibles Arbeiten nicht nur ein geschäftliches oder persönliches Anliegen, sondern eines, das auch dem Planeten zugutekommt.»

War for Talents

Erstmals interessieren sich Personalmanager aus aller Welt für betriebliche Immobilien. Warum? Weil sich die Ansprüche der Spitzenkräfte geändert haben. Eine aktuelle Studie zeigt, dass 87 Prozent der Arbeitnehmer gerne die Möglichkeit hätten, flexibel zu arbeiten. Das veraltete Konzept von Arbeit, das darin besteht, täglich ins Büro zu fahren, dort von 9 bis 17 Uhr zu arbeiten und anschließend wieder nach Hause zu fahren, scheint zunehmend überholt zu sein. Flexibilität ist die neue Waffe im «Kampf um die Talente» – und Unternehmen auf der ganzen Welt machen zunehmend von ihr Gebrauch.

Für Unternehmen jeder Grösse kann die Fähigkeit, Spitzenkräfte anzuwerben, zu halten und zu beschäftigen, wegweisend sein. Die Steigerung der persönlichen Produktivität der Mitarbeitenden liefert letztlich einen direkten wirtschaftlichen Vorteil. Längst ist bekannt, dass die Gestaltung des Arbeitsplatzes die Produktivität steigern kann. 2014 eröffnete die Firma Samsung ihren neuen Hauptsitz mit den Worten: «Die kreativsten Ideen entstehen nicht, während man vor seinem PC-Monitor sitzt.» Das Unternehmen fügte hinzu, dass das neue Gebäude «so gestaltet wurde, dass nicht nur kooperatives Arbeiten angeregt, sondern auch die Art von Innovation gefördert wird, die man sieht, wenn Menschen aufeinandertreffen». Als Amazon seinen Hauptsitz «Spheres» in Seattle eröffnete, gab das Unternehmen an, dass der grosse Vorteil unter anderem darin liege, dass der eindrucksvolle Arbeitsplatz als Mittel zur Rekrutierung von Spitzenkräften diene. Inzwischen haben Unternehmen erkannt, dass flexibles Arbeiten zudem einen enormen Wettbewerbsvorteil liefern kann.

Die Sicht der Führungskräfte

Das lässt viele Personalmanager aufhorchen. IWG hat vor Kurzem eine Umfrage zum Thema flexible Arbeit unter 18000 Führungskräften aus 96 Ländern durchgeführt. Die Ergebnisse waren verblüffend:

  • 91 Prozent sagten, dass flexible Arbeitsräume den Mitarbeitenden in ihrem Unternehmen eine höhere Produktivität ermöglichen
  • 80 Prozent gaben an, dass ihr Unternehmen durch flexibles Arbeiten qualifiziertere Mitarbeitenden rekrutieren und halten könne
  • 78 Prozent sagten, dass eine zunehmende Anzahl an Unternehmen sich für flexible Büroräumlichkeiten entscheidet, um auf die Nachfrage der Mitarbeitenden zu reagieren
  • 72 Prozent sagten, dass der Zugriff auf ein umfangreiches Netzwerk an flexiblen Arbeitsräumen sie für qualifizierte Mitarbeitende attraktiver macht

Was also tun, wenn sich die beste Spitzenkraft für einen Job nicht am selben Standort wie Ihr Unternehmen befindet? Üblicherweise würden man die Person davon überzeugen, umzuziehen. Vielen erscheint dieses Konzept im Zeitalter der Digitalisierung allerdings etwas überholt. Denn die technologische Revolution hat die Branche verändert.

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Digitalisierung macht flexibel

Sowohl die Digitalisierung als auch die zunehmende Konnektivität haben dazu beigetragen, dass Menschen mobiler geworden sind. Darüber hinaus hat das Aufkommen der Cloud dazu geführt, dass Informationen auf sicherem Weg und von überall geteilt und zugänglich gemacht werden können. In den USA hat sich die Zahl der Jobs, bei denen Mitarbeitende bei ihrer Arbeit nicht an einen bestimmten Ort gebunden sind, seit 2005 mehr als verdoppelt. Wenn sich heute der qualifizierteste Mitarbeitende für einen Job nicht dort befindet, wo das Firmenoffice ist, stellt sich die Frage, warum die Firma nicht einfach zu ihm kommt.

Derartige Trends liefern auch eine Erklärung dafür, warum führende Unternehmen in fast jeder Branche heute – in diesem Moment – flexible Arbeitsplatzstrategien anwenden, um auf ihrem Gebiet einen Wettbewerbsvorteil zu erhalten. Dabei geht es nicht nur um die Anwerbung von Talenten, sondern auch darum, diese zu halten. Nicht nur die Leiter des betrieblichen Immobilienmanagements, sondern auch die Personalmanager sind hier die treibende Kraft.

Ihre Mitarbeitenden lieben vielleicht ihre Arbeit, wollen aber nicht unbedingt in der Stadt leben. Kein Problem. Vielleicht möchten sie auch mal Zeit im Ausland verbringen und ein neues Land entdecken. Sie können ihnen diesen Wunsch erfüllen – vorausgesetzt, ihre Firma hat einen Work-Space-Partner mit einem weitreichenden, globalen Netzwerk.

Mitarbeitende halten

Darüber hinaus kann ein flexibler Arbeitsplatz auch von Vorteil sein, wenn es darum geht, Mitarbeitende zu halten, die aufgrund verändernder Lebensumstände sonst ihren Job aufgeben oder reduzieren müssten – zum Beispiel berufstätige Eltern oder Fachkräfte in Altersteilzeit. Eine flexible Arbeitsplatzstrategie kann Pendelzeiten für berufstätige Eltern reduzieren und diesen ermöglichen, in der Nähe ihrer Kinder zu bleiben. Für Eltern kann dies auch ein Signal sein, dass ihr Arbeitgeber sich für sie einsetzt, um sie als wichtige Mitarbeitende seines Unternehmens nicht zu verlieren. Auch für ältere Arbeitnehmer wäre flexibles Arbeiten von Vorteil. Diese könnten ihre Arbeit weiterhin normal erledigen – ohne die Verpflichtung, regelmässig an einen festen Ort gebunden zu sein.

Flexibilität hilft beim Wachstum

«Nicht nur kann flexibles Arbeiten dabei helfen, qualifizierte Mitarbeitende zu halten, es hilft auch dabei, neue Spitzenkräfte zu akquirieren» meint Garry Gürtler. Er rät Unternehmen, sich an die neuen Bedürfnisse der Mitarbeiter anzupassen, denn ihre Zufriedenheit liefert letztlich auch einen direkten wirtschaftlichen Vorteil für das Unternehmen.

Im «War for Talents» können flexible Arbeitsplätze eine vielversprechende Lösung sein. Gegenüber IWG machten die befragten Führungskräfte folgende Angaben:

  • 89  Prozent glauben, dass flexibles Arbeiten das Wachstum ihres Unternehmens fördert 
  • 87 Prozent glauben, dass flexibles Arbeiten dazu beiträgt, dass ihr Unternehmen wettbewerbsfähig bleibt 
  • 82 Prozent gaben an, dass sie durch flexibles Arbeiten eine Präsenz in neuen Märkten schaffen können

«Wenn ein Angestellter mit dem Wunsch nach flexiblen Arbeitsmöglichkeiten auf ein Unternehmen zukommt, ist dies kein Zeichen von mangelndem Engagement, sondern eine Chance für das Unternehmen und den Personalverantwortlichen», so Garry Gürtler.

Kein Wunder, dass die Personalmanager auf einmal Experten für betriebliche Immobilien sind.

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