26.06.2017

Elektronisches Lernen: Die Mythen des E-Learnings

Seit den neunziger Jahren ist E-Learning ein Muss für Hochschulen und grössere Unternehmen. Seither wird der definitive Durchbruch des digitalen Lernens oft verkündet, doch wirklich stattgefunden hat er nie. Trotz hoher Investitionen und leistungsfähiger Technologie sind die Fortschritte in Effizienz und Kosten des elektronischen Wissensmanagements gering. In diesem Beitrag untersuchen wir die wichtigsten Gründe dafür und definieren Kriterien für elektronisches Lernen, welches Wissen nachhaltig festigt.

Von: Roland Wirth   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. oec. hsg Roland Wirth

Roland Wirth ist ausgebildeter Volkswirtschaftler (Dr. oec. hsg) und seit vielen Jahren in der Bildungslandschaft tätig. Seine Leidenschaft gilt der praxisorientierten Erwachsenenbildung. Aktuell leitet er als Rektor die Kaderschule Zürich, welche das zukunftsweisende Learn-Management-System elob entwickelt hat. Die Plattform unterstützt Unternehmen im Wissensmanagement. www.elob.ch

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E-Learning

E-Learning als Selbstzweck

Im Zuge des betrieblichen Strebens, keine Trends zu verschlafen, wurde die Einführung des elektronischen Lernens vor über zwanzig Jahren als eine der ersten Digitalisierungsmassnahmen vorangetrieben. Vor allem Hochschulen und Grossunternehmen legten sich für teures Geld E-Learning-Plattformen zu. Oft wurden zuerst die Werkzeuge beschafft und erst anschliessend geprüft, wo sinnvoller Einsatz überhaupt möglich ist.

Nutzung als Datenablage

Relativ rasch wurde festgestellt, dass der Funktionsumfang der Systeme bei Weitem nicht ausgeschöpft wurde. Dies wurde häufig der fehlenden IT-Affinität und Rückwärtsgewandtheit der Lehrenden zugeschrieben. Dabei liegt der Grund auf der Hand: Solange der Lernprozess über Präsenzveranstaltungen läuft, braucht es kein paralleles E-Learning. Eine Datenablage wie Dropbox oder Sharepoint und ein Mailverteiler reichen als Begleitung des Unterrichts völlig aus. So wurden hochpotente Systeme als blosse Ablage für Foliensätze missbraucht und die Technik vermochte keinen Mehrwert zu generieren.

Lernen mit Videos

Wie sieht elektronisches Lernen heute aus? In den letzten Jahren haben wir mit den Videoclips eine audiovisuelle Lernrevolution erlebt. Dies ist für einfachere Inhalte sehr gut geeignet. Die Clips beruhen aber auf einem passiven Lernkonzept. Für anspruchsvolle Inhalte reicht blosses TV-Schauen nicht, es braucht es ein aktives Engagement der Lernenden, sonst ist die Verankerung des Wissens ist nicht von Dauer.

E-Learning muss Präsenzveranstaltungen ersetzen

Elektronisches Lernen erbringt die versprochenen Effizienzgewinne nur dann, wenn es Präsenzveranstaltungen ersetzt. Seien es Vorlesungen an einer Hochschule oder Produkteschulungen in der Wirtschaft. Die Kombination von Präsenz- und E-Learning (das sogenannte «Blended Learning») ist eine Kombination der Nachteile beider Methoden. Es gilt der Grundsatz: Wenn E-Learning, dann richtig. Das Streichen der Präsenzveranstaltung erzeugt die Gefahr des Sinkens des kognitiven Niveaus. Dies passiert entweder, weil der Inhalt in so kleine Häppchen aufgeteilt wird, dass die Lernenden vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Es wird bloss noch Wissen reproduziert und kreatives Problemlösen vernachlässigt. Ob jemand die grossen Zusammenhänge versteht, muss eine menschliche Lehrperson erfühlen. Gerade im betrieblichen Alltag ist dieses Erfühlen wichtig, um die Effizienz des Prozesses sicherzustellen. Welchen Anforderungen muss ein E-Learning-System folglich genügen, damit die Vorteile der Face-to-Face-Veranstaltung auf dem elektronischen Weg erhalten bleiben?

Was braucht es für nachhaltigen Lernerfolg?

Es braucht gut strukturierten Inhalt. Die Aufbereitung des Inhalts ist die wichtigste Aufgabe der Verantwortlichen – letztlich Chefsache, die sich nicht delegieren lässt. Dafür braucht es grossen Ressourceneinsatz. Die Software soll hier durch sanften Zwang unterstützend wirken, ohne die Kreativität einzudämmen.

Der Lernprozess muss zielführend sein, damit er effizient ist. Der Weg zu klar definierten Lernzielen muss alles Notwendige enthalten, aber nichts zu viel. Daher müssen E-Learning-Module genau an die Zielgruppe angepasst werden, denn jede bringt andere Voraussetzungen mit.

Daneben begünstigt methodische Abwechslung ein schönes Lernerlebnis. Text bleibt das Rückgrat komplexer Theorie. Er sollte aber durch Grafiken, Videos, Aufgaben, Selbst- und Fremdeinschätzungen unterbrochen werden. Die Lernenden dürfen dabei nicht dem Konsummodus verfallen, sondern sollen permanent aktiviert werden. Dies geschieht über konkrete Aufträge: Ein Video etwa wird mit dem Fokus auf eine bestimmte Fragestellung angeschaut und eine Reaktion eingefordert.

Lernen hat idealerweise eine soziale Komponente. Diese muss durch die Software in Form von moderierten Foren oder Blogs abgedeckt werden. Dadurch entsteht eine Community von Menschen, welche an den gleichen Inhalten arbeiten.

Selbstverständlich braucht es Lernkontrollen. Es hat sich leider eingebürgert, auch komplexe Inhalte mit blossen Ankreuzfragen zu testen. Damit ist zwar ein maschinelles und kostengünstiges Feedback möglich, inhaltlich überzeugt dieses Vorgehen jedoch nicht. Das Verständnis auf höheren Kognitionsstufen und Transferwissen kann auf diese Weise nur mangelhaft überprüft werden. Natürlich lassen sich Multiple-Choice-Fragen austüfteln, welche sich auf grössere Zusammenhänge beziehen, jedoch wird damit bloss die «Rätsellösekompetenz» der Kandidaten gefördert, nämlich das Herausfiltern auf sprachlicher Spitzfindigkeiten. Es braucht als sinnvolle Ergänzung weitere Aufgabentypen mit Freitext und offenem Lösungsweg, welche von Menschen beurteilt werden.

Es braucht beim E-Learning also keine Präsenzveranstaltungen, jedoch Coaches, welche über die Software ein substantielles Feedback geben und mit den Lernenden interagieren. Die menschliche Kreativität und das menschliche Gefühl sind nach wie vor unersetzbarer Bestandteil eines kognitiv anspruchsvollen Lernprozesses. Bis die Maschinen auch diese Aufgabe übernehmen können, wird noch viel Wasser den Rhein hinunterfliessen.

Eine funktionierendes E-Learning beruht also auf einer Plattform, welche die obigen Kriterien umsetzt. Die Organisation muss die Ressourcen für die sorgfältige Aufbereitung der Inhalte und die Coaches bereitstellen, welche den Lernprozess begleiten. Als Lohn winkt die zeitlich und räumlich ungebundene Wissensvermittlung ohne Abstriche beim Inhalt.

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