25.09.2017

PWA: Personalrekrutierung in Zeiten des „Bachelorwahns"

Laut Bundesamt für Statistik verfügt bald jede zweite Person in der Schweiz über einen Hochschulabschluss. Dies bedeutet, dass sich das Image der Berufslehre ändert. Woher nehmen Unternehmen in einem solchen Umfeld das mittlere Kader? Wir schauen uns hier diese Trends genauer an und zeigen mit dem PWA-Wirtschaftsprogramm eine mögliche Lösung auf.

Von: Roland Wirth   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. oec. hsg Roland Wirth

Roland Wirth ist ausgebildeter Volkswirtschaftler (Dr. oec. hsg) und seit vielen Jahren in der Bildungslandschaft tätig. Seine Leidenschaft gilt der praxisorientierten Erwachsenenbildung. Aktuell leitet er als Rektor die Kaderschule Zürich, welche das zukunftsweisende Learn-Management-System elob entwickelt hat. Die Plattform unterstützt Unternehmen im Wissensmanagement. www.elob.ch

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Die interessante Altersgruppe für die Personalrekrutierung wird immer kleiner

Die für die Rekrutierung langjähriger Mitarbeiter interessante Altersgruppe der 20- bis 34-Jährigen nimmt relativ zur Gesamtbevölkerung laufend ab. Dies ist eine direkte Folge der steigenden Lebenserwartung und der tiefen Geburtenrate, vgl. www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/15/08/dos/blank/06/01.html. Die absolute Zahl dieser Altersgruppe wird durch die Migration mehr oder weniger konstant bleiben. Die Zuziehenden aus dem Ausland verfügen gemäss Bundesamt für Statistik entweder über ein Hochschulstudium oder haben praktisch keine in der Schweiz gefragten Qualifikationen. Es fehlt die „praxisorientierte Mitte“, aus welcher bisher das mittlere Kader rekrutiert wurde.

Tiefer Graben zwischen der ländlichen und der städtischen Schweiz

Grob lässt sich die Deutschschweiz geografisch zweiteilen. Einerseits in eher ländliche Regionen, wo die Gymi-Quote traditionell tief ist und auch heute nur schwach wächst. Die Wirtschaft ist eher KMU-basiert, internationale Konzerne fehlen, die Immobilienpreise sind in den letzten Jahren nur schwach gestiegen. In diesen Gebieten gilt die Berufslehre als guter und üblicher Weg in die Arbeitswelt, nur wer gerne in die Schule geht und die notwendigen Fähigkeiten zeigt, macht eine Matura.

Andererseits haben wir die eher städtischen Regionen, wo internationale Konzerne die Szene dominieren, viele hochqualifizierte Expats zugezogen sind und wo die Bodenpreise explodierten. Dort lag die Maturaquote schon immer höher als auf dem Land, erstaunlicherweise finden wir hier aber auch die grössten Wachstumsraten. Die Matura gilt als Königsweg, der wenn irgendwie möglich zu gehen ist. Die Lehre wird zunehmend ein Restgefäss für jene, welche die Matura trotz Nachhilfe und Privatschule nicht schaffen.

Es gibt Politiker, welche explizit eine Maturaquote wie in Deutschland (über 40%, rasch steigend) oder Frankreich (80%) fordern. Dies würde eine deutliche Senkung des Niveaus der Matura bedeuten. Und – volkwirtschaftlich relevanter – die Abschaffung der qualitativ hochstehenden Berufslehre. Natürlich gibt es auch starke Gegenkräfte, welche das duale System als Wettbewerbsvorteil der Schweiz hochhalten und demzufolge eine Maturaquote von unter 20% fordern.

Man kann von diesem Streit halten, was man will, in einem Punkt irren beide: Die Politik hat kaum Einfluss auf die Entwicklung der Maturaquote. Dies wird deutlich, wenn man einzelne Kantone betrachtet und geografisch in die beiden obigen Kategorien einteilt. Trotz identischer Rahmenbedingungen und kleinräumigen Verhältnissen sind die Unterschiede massiv. In den städtischen Zürcher Bezirken Meilen oder Horgen etwa ist die Quote in den letzten paar Jahren von 25% auf fast 40% gestiegen – während sie in ländlichen Bezirken (Pfäffikon oder Dielsdorf) bei unter 15% verharrt.

Die Gründe für diesen Trend haben also nichts mit den Rahmenbedingungen des Staates zu tun, sondern liegen im individuellen Verhalten. Für viele Eltern ist eine Hochschulkarriere des Nachwuchses der vermeintlich einzige Weg zum Glück. Natürlich sind selber viele dieser Eltern Akademiker oder Expats, welche das Schweizer Berufsbildungssystem nicht kennen und das schlechte Image der Berufslehre aus ihrer Heimat hierher importieren. Die Jugendlichen selber wollen auch ans Gymnasium – nicht aus Bildungshunger, sondern weil das ganze Umfeld auch geht. Dass auf diese Weise das bewährte duale Bildungssystem auf der Strecke bleibt, liegt auf der Hand. In den städtischen Regionen finden vor allem KMU kaum mehr brauchbare Lehrlinge. Volkswirtschaftlich handelt es sich um eine Fehlallokation der Ressource Mensch. Es mühen sich junge Leute in der Schule ab, die glücklicher wären, hätten sie am Ende des Tages eine Mauer hochgezogen oder eine Buchhaltung sauber erledigt. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend anhält und sich langsam, aber sicher auch in ländlichere Gebiete ausweitet.

Die PWA als Lösungsmöglichkeit

Woher sollen die Unternehmen den mit unserer Arbeitsweise vertrauten Nachwuchs mit Entwicklungspotential hernehmen? Der klassische Lehrabgänger mit Höherer Berufsbildung wird immer seltener.

In der Deutschschweiz gibt es seit 1982 eine Lösung, die PWA (Postmaturitäre Wirtschaftsausbildung). Die PWA ist ein Angebot der Kaderschule Zürich und ihrer Partnerfirmen. Das zweijährige Programm besteht aus einem Schul- und einem Praktikumsteil. Es richtet sich an MaturandInnen, die nicht studieren möchten.

Mit diesem Programm wird die breite Ausbildung im Gymnasium für die Unternehmen nutzbar gemacht. Die PWA ist eine Brücke von der schulischen in die praktische Berufswelt, vgl. www.kszh.ch/allgemein-pwa/bildungspolitische-einordnung-der-pwa. Fast 75% der PWA-PraktikantInnen werden nach dem Praktikum fest angestellt. Die PWA ist damit ein wichtiges Instrument in der Personalrekrutierung für motivierte Nachwuchskräfte in der Nische zwischen Lehr- und Hochschulabgängern.

Im Schulteil wird den PraktikantInnen alles beigebracht, was sie für eine qualifizierte Arbeit in der Praxis brauchen. Die Fächer Betriebswirtschaft, Rechnungswesen, Recht und Volkswirtschaft werden mit internen Prüfungen abgeschlossen, in Informatik wird das SIZ extern erworben, in Englisch das Cambridge BEC und in Französisch das DELF. Nach dem Schulteil beginnen die 18-monatigen Praktika, in welchen die Unternehmen die Leute Vollzeit zur Verfügung haben. Die Gestaltung des Praktikums und die Festlegung der Ausbildungsziele sind Gegenstand der individuellen Absprache zwischen PraktikantIn und Partnerfirma. Der bürokratische Aufwand hält sich für die Partnerfirmen in engen Grenzen: Es muss einen Feedbackmechanismus geben, damit gewährleistet ist, dass die abgemachten Ziele auch erreicht werden. Dies geschieht idealerweise mit dem normalen Qualifikationssystem des Unternehmens. Selbstverständlich brauchen die PraktikantInnen vor allem am Anfang eine Betreuungsperson, die Intensität der Betreuung unterscheidet sich aber nicht von der Einarbeitungsphase bei einem normalen Arbeitsverhältnis. Am Schluss des Praktikums erstellt die Partnerfirma ein Arbeitszeugnis, welches Bestandteil des Diploms ist.

Genaueres erfahren Sie auf www.kszh.ch.

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