29.09.2016

Nebenberufliche Weiterbildung: So gelingt der Spagat zwischen Job und Weiterbildung

Job und Weiterbildung sind nicht leicht unter einen Hut zu bringen. Der Spagat zwischen Arbeit und Lernen kann an den Kräften zehren. Folgende sieben Tipps helfen Ihnen, souveräner mit der Doppelbelastung umzugehen.

Von: Heike Eberle   Drucken Teilen   Kommentieren  

Heike Eberle

Heike Eberle, Jahrgang 1967, ist Unternehmerin und Beraterin. Seit fast 10 Jahren leitet sie die kaufmännischen Geschicke des familiengeführten Bauunternehmens. Als engagierte Dipl.-Betriebswirtin und Kommunikationstrainerin schlägt ihr Herz für die drei wichtigen Betriebssäulen KLR: Kommunikation (intern wie extern), Liquidität und Rentabilität. Sie führt, treibt an, hinterfragt und setzt sofort um – alles unkompliziert, zielstrebig und ergebniswirksam. Mit anderen Worten ausgedrückt: Die heutige Herausforderung besteht darin, das Unternehmen und sich selbst klug zu managen.

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Die Welt dreht sich immer schneller. Was gestern noch hip war, kann übermorgen schon wieder aus der Mode gekommen sein. Dieser Wandel zwingt uns, uns den ständigen Herausforderungen zu stellen, und bedingt letztendlich ein lebenslanges Lernen. Ehrgeizige und tüchtige Menschen nehmen diese Herausforderung gerne an und nutzen jede Möglichkeit, sich weiterzubilden. Am Abend, in der Mittagspause oder an Wochenenden. Verschnaufpausen kennen diese Menschen nicht. Sie sind stattdessen ständig dabei, ihre Wissenslücken zu schliessen, denn ihre Karriere ist ihnen wichtig.

Mit diesen 7 Tipps die Doppelbelastung meistern

Neben dem Job kann die ständige Weiterbildung aber auch zur Belastung werden. Und genau hier sehe ich eine Gefahr für jeden Einzelnen, der sich keine Ruhe gönnt. Denn wer ständig auf höchstem Niveau seinen Geist und Körper fordert, der kann ausbrennen. Um diese Gefahr einzudämmen, möchte ich Ihnen hier 7 Punkte vorstellen, wie Sie mit dieser Doppelbelastung besser umgehen können, zum Wohle Ihrer Gesundheit. Schliesslich ist das Schlittern in einen Burnout das Letzte, was wir brauchen können.  

1. Druck abbauen

Die Doppelbelastung von Job und Weiterbildung baut einen gewaltigen Druck auf. Im Job sein Bestes geben, die Weiterbildung mit Bravour bestehen und dann das Gelernte noch umsetzen – je mehr Themen aufschlagen, desto stärker steigt der Druckpegel. Infolge des hohen Arbeitsaufwands steigt möglicherweise die Fehlerquote, die Nächte werden kürzer und die Schlafqualität leidet. Ein unausgeglichener erschöpfter Mensch begegnet morgens missmutig seinen Mitmenschen. Eine endlose Schleife mit gesundheitlichen Auswirkungen beginnt. Treten Sie rechtzeitig auf das Bremspedal und entlarven Sie Ihre Druckmacher! Hinter dem Druckmacher steckt ein lausiger Antreiber, der Sie piesackt und unentwegt peitscht. Lassen Sie das nicht zu. Laden Sie Ihre gegenteiligen Persönlichkeitsanteile ein, die Leichtig- und Lässigkeit, und schliessen Sie mit diesen Anteilen einen Pakt gegen den Druckmacher. Immer dann, wenn der Druck in Ihnen aufsteigt, sagen Sie innerlich stopp, nehmen ein paar Atemzüge und laden Ihre Komplizen der Leichtigkeit ein!  

Machen Sie bewusst Pausen und ruhen Sie sich auf Ihren verdienten Lorbeeren aus. Das Leben besteht nicht nur aus Lernen und Arbeit. Das Leben ist ein Spiel mit allen Facetten: Vor der Arbeit kommt Freude am Nichtstun.  

2. Sich selbst lieben  

Wer sich selbst annimmt und sich selbst liebt, geht mit sich sorg- und achtsam um. Welche Mutter würde ihr Kind missbrauchen? Diese provokante Frage soll Ihnen klarmachen, dass wir mit uns selbst häufig schlimmer umgehen, als wir es mit anderen jemals tun würden. Zwar heisst es: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Doch für manche von Ihnen muss es heissen: Liebe dich selbst wie deinen Nächsten.

Dies gilt insbesondere für die Menschentypen, die sich bis zum Exzess fordern, Leistung nach Strich und Faden abrufen, unter Anerkennungsdefiziten leiden und sich keine Pausen, keinen Feierabend gönnen. Mangels Selbstliebe verkümmern sie, bleiben auf der Strecke und kritisieren sich masslos selbst. Machen Sie Schluss mit dieser Selbstausbeutung! Machen Sie Termine mit sich selbst. Tragen Sie in Ihren Kalender eine Stunde mit sich selbst ein: Eine nette Verabredung zum Plaudern, eine Sportstunde, eine Tee-Session bei Kerzenlicht, ein wohlduftendes Bad. Statt Weiterbilden einfach zwischendurch mal Wellnessen. Lassen Sie sich diese Termine aber nicht durch fremde Eindringlinge zerstören.  

3. «Heilige Zonen» schaffen  

Das oben beschriebene «Selbstliebe-Programm» führt automatisch zu den «heiligen Zonen». Smartphone aus, Sonntagsruhe, Tür hinter sich zu. Dazu gehört natürlich eine Portion Abgrenzung: Denn ein Nein zu anderen heisst ein Ja zu sich selbst. Das ist für Menschen mit minderem Selbstwert ein Quantensprung. Aber ein schöner und befreiender! Denn die heiligen Zeitinseln, die Sie sich reservieren, sind wahre Kraftquellen, aus denen Sie schöpfen.  

Auch Hochleistungssportler können nicht dauerhaft auf Höchstleistung trainieren, sie legen auch Regenerationstage ein, an denen sie ihren Körper zur Ruhe kommen lassen. Und so ist es auch mit Ihnen: Verplanen Sie nicht alle Tage in der Woche mit Weiterbildungen, Besprechungen und Jobthemen. Lassen Sie Ihren Geist zur Ruhe kommen.

4. Soziale Kontakte pflegen

Hilfreich in einer hohen Anstrengungsphase sind soziale Kontakte, soziale Kontakte und nochmal soziale Kontakte. Menschen, die einem guttun, helfen über anstrengende Hochleistungsphasen hinweg. Ein Partner, der Verständnis für Ihre Situation aufbringt, der Ihnen den Rücken für eine gewisse Zeit freihält. Aber auch gute Freunde, denen man sich anvertrauen kann und die einem ihr Ohr leihen, wenn mal etwas Kritisches zu besprechen ist, tun der Seele einfach gut. Aus diesem Grunde rate ich Ihnen, Ihre sozialen Kontakte trotz Zeitmangel nie einzustampfen. Denn Seelenverwandte sind zu jeder Zeit ein segensreicher Zugewinn für ein ausgeglichenes und befriedigendes Leben.

5. Mut zur Lücke haben

Weiterbildungsjäger haben immer nur eines im Kopf: Nach der Weiterbildung ist vor der Weiterbildung. Eine Weiterbildung jagt die nächste. Fast schon ein Weiterbildungswahn! In der Schule hiess es: «Habe Mut zur Lücke.» Das ist auch im Berufsleben eine sinnvolle Gegenmassnahme, um ins Gleichgewicht zu kommen.

Insbesondere Perfektionisten, die alles haargenau nehmen, die oft kein Ende sehen, dazu alles in sich aufsaugen und mit dem Geleisteten unzufrieden sind, sollten sich diese «Lückentheorie» aneignen. Lernen Sie, Dinge loszulassen. Nicht jede Weiterbildung bringt Sie persönlich weiter. Und nicht jede Weiterbildung ist für Sie die richtige. Fragen Siesich deshalb immer wieder, ob Sie die entsprechende Weiterbildung wirklich brauchen und welchen Nutzen sie für Sie hat.

6. Die Intuition fördern

Fachwissen zu horten, kann auch eine Sucht sein. Am Anfang meiner beruflichen Karriere habe ich auch gemeint, mich ständig fortbilden zu müssen. Natürlich gibt es immer wieder Neuerungen und Themen, an denen wir feilen müssen und uns neues Wissen aneignen müssen. Aber in manchen Gebieten dürfen wir gerne unseren gesunden Menschenverstand einschalten – unsere Intuition, unser Bauchhirn. Wir haben in uns ein ungeahntes Wissenspotenzial, das wir anzapfen können. Wenn wir uns diese Fähigkeit bewusst machen, gehen wir leichter durchs Leben. So weiss auch unsere Intuition sehr genau, welche Fort- und Weiterbildung für uns die richtige ist, ob unsere Arbeit für uns die richtige ist und welches Mass an Weiterbildung das richtige ist.

7. Achtsamkeit schulen

Achtsamkeit ist eine sehr wichtige Fähigkeit in unserem hektischen und digital geprägten Zeitalter. Mit der Digitalisierung verwischen die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit. E-Mails werden noch spät abends abgerufen und erinnern uns an die Arbeit und die damit verbundenen Probleme. Durch diese Entwicklung müssen wir uns zwingen, achtsamer mit dem umzugehen, was wir wie tun.

Achtsam ist derjenige, der seine Arbeitim Flow macht. Achtsam ist derjenige, der vollkommen präsent ist. Und wer achtsam ist, der tut alles mit seinem ganzen Herzen. Ich behaupte, ein achtsamer Mensch kommt nicht auf Burnout-Abwege, weil er genau weiss, waser und wie er es tut. Er liest nicht eine E-Mail, während er gleichzeitig telefoniert,sondern konzentriert sich auf das, was ansteht. Er verliert sich nicht, sondern ist fokussiert und konzentriert. Mit diesen beiden Eigenschaften gewinnt er im Job und ist effizient, weil er sich nicht verzettelt. So erzielt ein achtsamer Menschbessere Ergebnisse. Er macht einen wundervollen Job und absolviert begeistertseine Weiterbildung.

Fazit: Die Einstellung muss stimmen

Job und Weiterbildung müssen keine Burn-out-Fallen darstellen. Mit der richtigen Einstellung und vor allem auch den nötigen Pausen werden Sie das Beste rausholen. Und denken Sie daran: Sie sind bei allem Streben der wichtigste Mensch auf diesem Planeten! Lassen Sie es sich gut gehen!

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