20.10.2016

Afrikaentsendungen: Zu neuen Ufern

Immer mehr Unternehmen entsenden Mitarbeitende nach Afrika. Dies trotz Sicherheitsbedenken und hohen Kosten für die Entsendung.

Von: Marco Dilenge   Drucken Teilen   Kommentieren  

Marco Dilenge

Marco Dilenge ist Regional Marketing Manager Europe, Middle East, Africa bei Crown World Mobility und deren Mutterunternehmen Crown Worldwide Group.

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Das enorme Wachstumspotenzial Afrikas wird durch interessante Fakten untermauert: Südafrika hat es im Bericht zur globalen Wettbewerbsfähigkeit 2015/16 des Weltwirtschaftsforums erstmals auf die Liste der 50 wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften geschafft. Die Region hat mit 1,1 Milliarden Menschen eine der weltweit jüngsten Bevölkerungen. Afrikas Mittelklasse umfasst über 315 Millionen Menschen und wächst weltweit am schnellsten. Und in den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Internetnutzer in Afrika zehnmal so schnell gestiegen wie im globalen Durchschnitt.  

Crown World Mobility hat 20 Kunden aus verschiedenen Branchen – darunter drei Schweizer Unternehmen – zur Mitarbeitermobilität nach Subsahara-Afrika befragt.

Gründe für Entsendungen

Hauptgründe für Auslandsentsendungen sind der Mangel an Fachkräften vor Ort, Expansion in Schwellenländer sowie die Karriereförderung der Mitarbeitenden. Schwierig wird es für die örtlichen Behörden und ansässigen Unternehmen, wenn Fachkräftemangel und eine hohe Arbeitslosigkeit vorherrscht. Um die Einstellung lokaler Arbeitskräfte zu fördern und die Zahl ausländischer Fachkräfte zu begrenzen, haben Länder wie Angola, Kenia, Mozambique und Nigeria inoffizielle und offizielle Quoten eingeführt. Entsendungen erfolgen meist zielgerichtet für sehr wichtige Stellenbesetzungen – über 70 Prozent der befragten Unternehmen entsenden zehn oder weniger Mitarbeitende in einzelne Länder Afrikas. Die am häufigsten genannten Ziele in Afrika sind Accra, Lagos, Johannesburg und Kapstadt.

Lange Aufenthalte

Fast alle Firmen nutzen traditionelle, langfristige Entsendungsmodelle. 67 Prozent der Unternehmen gaben an, dass die Familie in der Regel im Heimatland bleibt, während der Mitarbeitenden entsandt werden. Kurzfristige Entsendungen werden immer häufiger als Alternative eingesetzt. Überraschenderweise gab die Hälfte der befragten Unternehmen an, ihre Mitarbeitenden dauerhaft nach Afrika umzusiedeln. Diese werden durch ein «Lokal Plus»-Paket (zusätzliche befristete/unbefristete Leistungen im Vergleich zu einheimischen Angestellten) unterstützt.

Zahlreiche Herausforderungen

Als die grössten Herausforderungen für Entsendungen nach Afrika gelten Sicherheit (94 Prozent) und die damit verbundenen Mehrkosten, Anpassung der Mitarbeitenden und deren Familien an die lokale Kultur (56 Prozent), sowie vorab die Bereitschaft der Angestellten, entsandt zu werden (56 Prozent). 28 Prozent der Unternehmen gelingt es nicht, Sicherheitsbedenken auszuräumen. Entsprechend lehnen bei 33 Prozent der Firmen die Mitarbeitenden Entsendungen aus Sicherheitsgründen ab. Extrem hohen Lebenserhaltungskosten für Expats steht häufig eine vergleichsweise geringe Lebensqualität mit schlechterer Infrastruktur gegenüber. Daher muss der geschäftliche Nutzen eines Aufenthalts in hochpreisigen Städten wie Luanda, Lagos oder Accra klar auf der Hand liegen.  

Um Sicherheitsbedenken zu überwinden führen zwei Drittel der Unternehmen vor einer Entsendung eine Sicherheitsunterweisung für Mitarbeitende und Familie durch. Ein Drittel der Firmen organisieren eine Sicherheitsprüfung der Unterkunft im Zielland, und jede zweite Firma lässt Sicherheitsmassnahmen durch ein internes Team nach der Ankunft am Zielort durchführen. Der angebotene Wohnraum wird vom Arbeitgeber angemietet oder ist bereits Unternehmenseigentum. In 50 Prozent der Fälle werden ein Wagen und ein Fahrer zur Verfügung gestellt.  

Herausfordernd sind zudem die Anpassungsfähigkeit der Mitarbeitenden und deren Familien an die lokale Kultur sowie der Umgang mit deren Erwartungen. Bei 22 Prozent der Unternehmen ist ein interkulturelles Training bei Entsendungen nach Afrika verpflichtend, während 28 Prozent der Firmen dieses überhaupt nicht anbieten. Sie gehen davon aus, dass Mitarbeitende mit Auslandserfahrung bei einer erneuten Entsendung kein weiteres Training benötigen. Die Realität zeigt aber, dass auch erfahrene Angestellte davon profitieren, die kulturellen Normen und Werte des Ziellandes besser kennen zu lernen, um deren Auswirkung auf das Arbeitsumfeld und den Lebensalltag zu verstehen.

Fragen, die es in Bezug auf die Sicherheit zu stellen gibt: ·

  • Welche Richtlinien sind vorhanden? Wann wurden sie zuletzt aktualisiert?
  • Welche weiteren Massnahmen vor der Entsendung ermöglichen die Bereitstellung von wichtigen Informationen?
  • Was kann vor Ort während der Entsendung getan werden?
  • Wie sieht die Notfall-Vorbereitung aus?
  • Wüssten die Familien, was sie tun müssten und wohin sie gehen könnten?

Wer geht?

Nicht immer ist der Auswahlprozess der zu entsendenden Mitarbeitenden gut ausgearbeitet, und mancher Manager, der die Stelle besetzen muss, hat bereits eine von ihm bevorzugte Person im Kopf. Für 61 Prozent der Befragten ist die fachliche Qualifikation bei der Auswahl des Assignees das wichtigste Kriterium. 14 Prozent der Unternehmen nutzen interne Assessmenttools für die Kandidatenauswahl. Für ein Drittel der Befragten zählen nur die fachliche Qualifikation und die Bereitschaft zur Entsendung als Auswahlkriterien. 33 Prozent der Unternehmen berücksichtigen auch frühere Auslandserfahrungen. Ebenso viele Firmen schätzen eine Orientierungs-Reise der Mitarbeitenden mit (Ehe-)Partner als wichtig ein. Die Hälfte der Unternehmen gab als Auswahlkriterium die Bereitschaft der Angestellten an, sich an schwierigen Zielorten den Herausforderungen aktiv zu stellen. Diese letzten drei Kriterien zeigen den Versuch, die Erwartungen von Mitarbeitenden und Familienangehörigen an die Afrika-Entsendung besser der Realität anzupassen.

Erschwerte Immigration

Immigrationsverfahren für Entsendungen nach Afrika können länger dauern als erwartet. Nicht selten tritt eine Lücke zwischen dem Zeitpunkt auf, wenn der Bedarf an einem entsandten Mitarbeitenden identifiziert wird und deren Ankunft in Afrika. Diese Lücke kann den kontinuierlichen Geschäftsbetrieb stören und den Angestellten samt Familie im Ungewissen lassen. 72 Prozent der befragten Unternehmen befürworten daher eine enge Zusammenarbeit zwischen Mobility Team und Geschäftsleitung, um für realistische Erwartungen im Einwanderungsprozess zu sorgen. 30 Prozent sagten aus, dass die zeitliche Lücke weiterhin ein Problem ist, welches gelöst werden muss. Nicht selten finden bereits Geschäftsreisen statt, bevor die Arbeitserlaubnis erteilt wurde. Dabei gehen die Mitarbeitenden fälschlicherweise davon aus, dass ihr Entsendungsstatus bereits begonnen hat.

Kompensation für Herausforderung

39 Prozent der Firmen haben in ihrer Relocation Policy keine Freizeit-/Erholungsprogramme für Entsendungen an herausfordernde Orte, während die übrigen Unternehmen folgende Beispiele als Bestandteil nannten:

  • Jährliche Erholungsreise an einen frei wählbaren Ort mit Familie
  • Verdopplung des bezahlten Heimaturlaubs, wenn der Zielort mit einem Wert von über 25 Prozent als Herausforderung eingestuft wird
  • Fünf bezahlte Urlaubstage für Erholungsreisen zum nächstgelegenen Zentrum der Region (i.d.R. Dubai) inkl. Flugkostenerstattung
  • Ein Flug alle vier Monate
  • Ein zusätzliches Ticket für einen Heimaturlaub jährlich pro Familienmitglied

Korruption

Da viele Unternehmen immer strengere Vorschriften bezüglich der Korruptionsbekämpfung erlassen, ist es interessant zu sehen, welche Fortschritte sie bei deren Sicherstellung machen. 67 Prozent der Unternehmen gaben an, keine Informationen darüber zu haben, ob Probleme mit Korruption auftreten. Die Hälfte der Befragten bieten keine Anti-Korruptionsschulungen an oder wissen nicht, ob solche Schulungen im Unternehmen im Rahmen der Entsendungsvorbereitung angeboten werden.

Entsendung planen

Vom Beginn bis zum Ende des Entsendungsprozesses muss im Unternehmen gut kommuniziert werden. Erfolgreiche Entsendungen nach Afrika müssen im Unternehmen vorausgeplant werden. Wenn Mitarbeitende für Entsendungen nach Afrika in Erwägung gezogen werden, müssen daher alle Beteiligten (Talentakquise, Personalabteilung, Global Mobility Team und Angestellte) in die Vorplanung einbezogen werden. Im Verlauf des Entsendungsprozesses muss ein reger Informationsaustausch stattfinden. Schnell kann es zu Verzögerungen kommen, daher sollten sowohl der Mitarbeitende als auch das Unternehmen jederzeit wissen, worauf sie sich einstellen müssen.

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