01.12.2015

Austauschprogramme: Fort mit den Lernenden!

Austauschprogramme bieten für Lehrbetriebe grosse Chancen. Die Erfahrungen von Unternehmen zeigen, dass es sich aus verschiedensten Gründen lohnt, Lernende ins Ausland zu entsenden.

Von: Reto Stern   Drucken Teilen   Kommentieren  

Reto Stern

Reto Stern ist Leiter Programmentwicklung und Partnerschaften bei AFS Interkulturelle Programme Schweiz.

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«Die Schweizer Berufsbildung muss sich weiter internationalisieren», forderte 2013 Jörg Teusch, damals Präsident von Berufsbildung Schweiz. Anlass dazu war der Bericht der Austauschorganisation AFS Schweiz zum Thema «Die Berufslehre wird mobil».

Teuschs Appell folgten leider nur sehr wenige Lehrfirmen, obwohl ver­schiedenste Schweizer Grossunterneh­men seit Jahren gute Erfahrungen mit Austauschprogrammen machen. Die Lonza AG gehört in der Schweiz zu den Pionieren, was die Entsendung von Lehrlingen betrifft. Bereits 1999 hat das im Wallis gegründete Chemie- und Pharmaunternehmen mit Hauptsitz in Basel ein entsprechendes Pilotprojekt lanciert. «Wir haben damals nach einem Weg gesucht, wie wir unsere Lehrstellen attraktiv machen können. Heute sprechen für uns verschiedenste Gründe dafür, un­sere Lernenden ins Ausland zu schicken», sagt Paul Briggeler, Leiter der beruflichen Grundbildung bei Lonza. Über die Jahre haben sich für das Unternehmen drei Hauptgründe herauskristallisiert, Lernen­de ins Ausland zu schicken:  

1. Austauschprogramme fördern die Arbeitgeberattraktivität

Lehrfirmen, welche Auslandsaufenthalte während der Lehre anbieten, positionie­ren sich attraktiv und rekrutieren enga­gierte und motivierte Schulabgänger.  

2. Selbstständigkeit der Lernenden

Jugendliche verfügen nach einem Aus­tauschjahr über überdurchschnittliche Sprachkenntnisse; sie sind zudem beruf­lich und persönlich selbstständiger und reifer. Sie verfügen über verbesserte Sozi­alkompetenzen und sind gelassener Neu­em gegenüber. Man muss sie für den Rest der Lehre weniger «an die Hand nehmen».  

3. Loyalität der Ausgelernten

Verlassen Ausgelernte die Firma, ist die Chance grösser, dass sie nach einigen Jahren oder dem Besuch einer Fachhoch­schule erneut und mit mehr Fachwissen zurückkehren – in die Firma, welche ih­nen ein Auslandsjahr während der Lehre ermöglichte und damit eine einmalige Er­fahrungen im Leben. So verringern sich Rekrutierungskosten und -zeit sehr stark.  

Mehrstufiges Auswahlverfahren

Austauschprogramme stellen – bei allem Nutzen für die Beteiligten – in jedem Fall hohe Anforderungen an die Teilnehmen­den. Um sicherzustellen, dass der Aus­tausch zu einem befriedigenden Erlebnis wird, gliedert sich die Auswahl in mehrere Phasen. So können durch die Kommuni­kation der Möglichkeit eines Austausches etwa bei Schnupperlernenden bereits im Vorfeld der Lehre Interessierte angezo­gen werden. Firmenintern werden unter den Lernenden dann geeignete Kandida­ten ausgesucht. «Grosses Engagement in der Lehre, ein starker Charakter und ‹Bodenhaftung› sind zwingende Voraus­setzungen für eine Auswahl», sagt Paul Briggeler. Bei Lonza kommen Austauschprogram­me für alle drei- oder vierjährigen Lehr­berufe infrage – von Logistikern über Laboranten bis zu Polymechanikern. Schliesslich müssen die Lernenden das Anmeldeverfahren von AFS Schweiz, der Organisation, welche die Austausche ab­wickelt, durchlaufen. Dort ist eine starke intrinsische Motivation für einen kulturel­len Austausch wichtig.  

Geringer administrativer Aufwand

Seit über 60 Jahren engagiert sich AFS Schweiz für den internationalen Jugend­austausch. Seit den 90er-Jahren arbeitet AFS auch mit Lehrfirmen zusammen und sendet Lernende in Jahresaufenthalte. Das Mobilitätsprogramm für Berufsler­nende wurde Ende 2014 von der EU-Kommission für Bildung und Kultur als «Good Practice» bezeichnet. Die Partnerschaft mit der Austauschor­ganisation AFS ist für die Lonza wichtig: «Wir sind froh, dass sich der administra­tive Aufwand für uns in Grenzen hält», sagt Paul Briggeler.

Das sechs Jahrzehnte umfassende Know-how von AFS verrin­gert den Aufwand in der Lehrfirma auf ein Minimum: Es gilt lediglich den Lehr­vertrag zu sistieren und einen Folgever­trag auszustellen. Flugbuchung, Auswahl einer Gastfamilie und einer Schule vor Ort und – sicherlich am wichtigsten – die Be­gleitung und Betreuung der Austauschteilnehmenden zu jedem Zeitpunkt, auch in eventuellen Krisensituationen, sind bei AFS in professionellen Händen. Die starke Einbindung des Lernenden schon während der Vorbereitung stärkt die Motivation und sensibilisiert für die He­rausforderungen, die es im Ausland zu meistern gibt.  

Die jahrzehntelange Erfahrung bei der Austauschorganisation zeigt, dass eine solide Vor- und Nachbereitung des Aus­tauschs sowie eine strukturierte Beglei­tung während des Auslandaufenthalts den Nutzen massiv erhöhen. Die Teilnehmenden können so längerfristig profitie­ren und nachhaltige Fortschritte in ihrer Persönlichkeitsentwicklung machen. Die frühzeitige Einbindung der Lernenden ist hierfür ein wichtiger Faktor: Durch die aktive Rolle in der Vorbereitung sowie ei­ne gemeinsame Verarbeitung nach dem Austausch wächst das Programm weit über die Hin- und Rückflugdaten hinaus.  

Das Beispiel der Lonza AG zeigt, dass sich der Mut zu einem Pilotprojekt lohnt. Da die Lehrfirmen auf die bestehenden Strukturen der Austauschpartner zurück­greifen können, zeigen sich Nutzen und Bedürfnisse oftmals schneller als bei lang­wierigen Abklärungen. Mit einer soliden Evaluation können Anpassungen von Jahr zu Jahr vorgenommen und schnell einge­baut werden. Mit der externen Zusam­menarbeit hält sich der Initialaufwand der Lehrfirma ausserdem in Grenzen.  

Sprachgewandt und sozialkompetent

Längerfristig sind die Lernenden, die nach ihrer Rückkehr begeistert über ihre Erfah­rungen berichten, die beste Werbung: Dies motiviert Jugendliche, sich bereits im ersten Lehrjahr für ein Austauschprogramm zu bewerben und sich entspre­chend in der Firma zu engagieren. Neben der Perspektive einer neuen Kultur, wel­che die Rückkehrenden in die Firma ein­bringen, darf so auf eine gute Motivation unter den Lernenden gezählt werden. Bei einer internationalen Firma wie Lonza ist Englisch als Fremdsprache sehr wich­tig. Bei Austauschteilnehmenden, die nicht nur in die Fremdsprache, sondern auch in die Arbeitskultur des Gastlan­des eingetaucht sind, ist die Sprachför­derung nach der Rückkehr kein Thema mehr. Dank der Auseinandersetzung mit der teilweise höchst unterschiedlichen Lebensrealität im Gastland verfügen die Rückkehrenden ausserdem über starke Sozialkompetenzen, die auch auf die Kol­leginnen und Kollegen im Betrieb wirken.  

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