15.07.2019

Global-Mobility-Umfrage: Selbstständig organisierte Umzüge immer beliebter

Unternehmen versuchen heute mehr denn je, die Personalbindung zu festigen und neue Talente zu gewinnen, und ihre Richtlinien stärker an den Mitarbeitenden auszurichten. Dies berührt viele unternehmenspolitische Aspekte wie die Unternehmenskultur, flexible Arbeitszeiten, das Mentoring und die Karriereplanung bis hin zu globalen Mobilitätsprogrammen.

Von: Marco Dilenge  DruckenTeilen 

Marco Dilenge

Marco Dilenge ist Regional Marketing Manager Europe, Middle East, Africa bei Crown World Mobility und deren Mutterunternehmen Crown Worldwide Group.

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Global-Mobility-Umfrage

Global-Mobility-Umfrage von Crown World Mobility

Eine aktuelle Studie von Crown World Mobility richtete sich an Global-Mobility- und Personalfachleute und liefert wichtige Erkenntnisse zu den Themen Flexibilität und Wahlmöglichkeiten, mitarbeiterinitiierte Entsendungen und selbständig organisierte Umzüge. Die Daten wurden anonym von den Teilnehmern erhoben und bieten einen wertvollen Einblick in die heutige Global Mobility Landschaft.

Die mehr als 100 Befragten der Global-Mobility-Umfrage repräsentieren ein breites Spektrum sowohl an Mobility-Experten als auch an den von ihnen verwalteten Programmen – von weniger als 50 Entsendungen pro Jahr bis hin zu 5000 Auslandsentsendungen. Nur 25 Prozent von ihnen hielten ihre Programme für «innovativ» oder «wegweisend», während 50 Prozent der Studienteilnehmer angaben, ihre Programme und Richtlinien seien traditionell, man arbeite aber an flexibleren und innovativeren Lösungen.

Flexibilität und Wahlmöglichkeiten innerhalb der Programme

Warum sind Flexibilität und Wahlmöglichkeiten im Hinblick auf Global-Mobility-Programme so wichtig? Letztlich geht es immer um die Ausrichtung auf den Mitarbeitenden: Wenn die Anpassung an individuelle Bedürfnisse als Schlüssel zu Mitarbeiterwünschen und -bindung gilt, erscheint diese Art der Personalisierung auch für die Mobilitätspolitik sinnvoll.

Auf die Frage, ob ihre Programme flexibel genug für eine solche Personalisierung sind, gaben zwei Drittel der Befragten an, dass sie mit einem flexiblen Programm arbeiten oder dessen zusätzliche Einführung für das nächste Jahr geplant sei.  Vereinfacht gesagt bieten flexible Programme Führungskräften und ihre Mitarbeitenden mehr Möglichkeiten, z.B. durch zielgerichtete, segmentierte Ansätze für Mitarbeiterumzüge, was dazu beitragen kann, den Bedürfnissen sowohl des Mitarbeitenden als auch des Unternehmens gerecht zu werden. Der Nachteil solcher flexiblen Programme ist Inkonsistenz. Ihre Anwendung kann auf Grundlage laufender Budgets oder anderer Geschäftsfaktoren erfolgen, was bedeutet, dass sie nicht immer gleichmässig im gesamten Unternehmen eingesetzt werden. Dies kann zur Folge haben, dass einige Bedürfnisse des Personals erfüllt werden, andere hingegen nicht.

Mitarbeiterinitiierte Entsendungen

Immer häufiger werden Umzüge von Mitarbeitenden initiiert. Auch diese Umzüge bieten dem Mitarbeitenden ein hohes Mass an Flexibilität und verschiedene Wahlmöglichkeiten, ihre Abwicklung kann aus Unternehmensperspektive jedoch eine Herausforderung darstellen. 56 Prozent der Teilnehmer der Global-Mobility-Umfrage gaben an, dass ihr Unternehmen eine spezifische Regelung für von Mitarbeitenden veranlasste Umzüge anbietet. Diese Programme sind häufig niedriger budgetiert, sodass ein entsprechender Umgang mit den Erwartungen der Mitarbeitenden notwendig ist.

Die Benennung von Richtlinien und Plänen für kostengünstige Umzüge erfordert einen kreativen Ansatz, der die Erwartungen des Mitarbeitenden richtig lenkt. Viele Mitarbeitende mögen diese Programme, weil sie dadurch die Möglichkeit haben, sich national oder international zu bewegen und neue Bereiche zu erkunden und damit ebenfalls ein gewisses Mass an Flexibilität und Wahlmöglichkeiten verbunden ist. Die dafür bereitgestellten Mittel sind jedoch in der Regel geringer als für andere Formen von Entsendungen oder Transfers. Zu den kreative Namen, die bei der Steuerung der Erwartungen für solche Einsätze helfen sollen, zählen Backpack Move, Adventure Move oder Selbstinitiierter Umzug.

Umzüge in Eigenregie

Selbständig organisierte Umzüge werden in der Regel auf zwei Arten finanziert, entweder durch eine Pauschale oder durch eine gemanagte Pauschale. Pauschal finanzierte Umzüge basieren auf einer für den Mitarbeiterumzug bereitgestellten Barpauschale. Entsprechend muss der Mitarbeitende im Rahmen dieser Pauschale von A nach B ziehen. Dies beinhaltet die Kosten für die Reise, die Einwanderungsformalitäten und den Transport persönlicher Gegenstände sowie für sonstige mit dem Umzug verbundene Ausgaben. Restbeträge darf der Mitarbeitende zwar behalten, den bereitgestellten Betrag überschreitende Ausgaben zahlt er aber selbst. 68 Prozent der Befragten der Global-Mobility-Umfrage gaben an, dass diese Art Umzug insgesamt nicht einmal ein Viertel ihrer Mitarbeiterumzüge ausmacht.

Die gemanagte Pauschale ist ein Budget, das nach den Wünschen des Mitarbeitenden verwendet werden kann, wobei einige Punkte wie z. B. die Ausgaben für Einreisepapiere oder andere spezifische Massnahmen und Kosten bereits vorgegeben sind und der Mitarbeitende über den Rest entscheidet. Verbleibende Mittel darf der Mitarbeitende bei diesem Umzugstyp nicht behalten. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass diese Art Umzug insgesamt nicht einmal ein Viertel ihrer Mitarbeiterumzüge ausmacht.

Offensichtlich gibt es jedoch einen Trend zugunsten frei verwendbarer und gemanagter Pauschalen. Da Millennials die Global-Mobility-Landschaft wesentlich mitbeherrschen werden, rücken ihre Werte und Bedürfnisse in den Vordergrund. Millennials mögen es flexibel und treffen ihre Entscheidungen gern selbst (DIY). Schliesslich fällt es Arbeitnehmenden durch die neuen Technologien heute sehr viel leichter, pauschal bezuschusste Umzüge zu verwalten und zu organisieren und sich über ihre Möglichkeiten zu informieren.

Selbständig organisierte Umzüge sind einfach zu erklären, verringern den Verwaltungsaufwand und bieten Mitarbeitenden die Eigenständigkeit, die sie schätzen. Bedenken in Bezug auf selbstorganisierte Umzüge betrafen die Sicherheit, die Auswirkungen auf die Produktivität der Arbeit, die Haftung des Unternehmens und die Verfolgung des Aufenthaltsortes des Mitarbeitenden.

Kommunikation von Richtlinien und Programmen
Im Hinblick auf die Entwicklung und Kommunikation von Richtlinien steht Global Mobility von Mitarbeitenden an einem Wendepunkt. Mobilitätserwägungen stehen bei Änderungen auf Unternehmensebene eher selten im Vordergrund, was fragwürdig ist, da bereits die Mitarbeitenden selbst feststellen, dass Mobilität, Flexibilität und Wahlmöglichkeiten unerlässlich sind. 50 Prozent der Befragten räumten ein, dass keine Anpassung der Richtlinien an die Bedürfnisse ihrer Benutzer stattgefunden habe. Warum nicht? Nur 62 Prrozent der Studienteilnehmer, die ihre Programme als «innovativ» bezeichneten, stellen ihren Mitarbeitenden diese überhaupt online zur Verfügung, damit sie ihre Optionen einsehen können. 83 Prozent der «innovativen» Unternehmen kommunizieren Informationen zu Mobilitätsfragen noch immer per E-Mail; nur 15 Prozent bieten eine Anwendung (App) an, die ihre Mitarbeitenden beim Umzug unterstützt. Hier gibt es noch viel Spielraum für die Richtlinienvereinfachung und -straffung sowie für das Angebot tatsächlich innovativer Wege, auf denen Informationen kommuniziert und die Mobilität von Mitarbeitenden unterstützt wird.

Jetzt handeln

Mobility-Teams müssen ihre Richtlinien und Praktiken jetzt attraktiver für Mitarbeitende und benutzerfreundlicher für alle sonstigen Beteiligten gestalten. Diese zehn Erkenntnisse aus der Global-Mobility-Umfragehelfen bei der Planung der nächsten Schritte:

  1. Eine flexible Politik zur Erfüllung von Geschäfts- und Budgetvorgaben muss die Regel sein.
  2. Flexible Regelungen erfordern höhere Beratungskompetenz im Bereich Global Mobility.
  3. Inkonsistenz ist der grösste Nachteil flexibler Programme.
  4. Programme mit Wahlmöglichkeiten für Mitarbeitende stehen noch am Anfang.
  5. Von Mitarbeitenden veranlasste Umzüge nehmen zu.
  6. Selbständig organisierte Umzüge werden als herausfordernd und chaotisch, flexibel und unabhängig beschrieben.
  7. Die grössten Bedenken im Hinblick auf selbstorganisierte Umzüge bestehen darin, dass der Mitarbeitende eine negative Erfahrung machen könnte.
  8. Der Technologiefokus sollte bei Ansätzen mit gemanagter Pauschale grösser sein als bei der reinen Bereitstellung von Pauschalen.
  9. Die Global-Mobility-Richtlinien der meisten Unternehmen sind trotz geänderter Bedürfnisse und Vorlieben der Mitarbeitenden unverändert geblieben.
  10. Die Kommunikation der Programme muss sich den Anforderungen anpassen und für innovativere Wege öffnen.

Im Hinblick auf die Zukunft ihrer Mobilitätsprogramme sollten Unternehmen nicht nur darauf achten, wieviel Flexibilität und Wahlmöglichkeiten den Mitarbeitenden eingeräumt werden, sondern auch darauf, wie Richtlinien kommuniziert und verwaltet werden. Technologien und Innovationen sollten einbezogen werden, um die Abläufe sowohl aus Unternehmens- als auch aus Sicht der Mitarbeitenden zu vereinfachen. Da selbstständig organisierte Umzüge zur Norm werden, werden solche flexiblen und innovativen Managementinstrumente über den Erfolg zukünftiger Mobilitätsprogramme entscheiden

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