29.06.2017

Generation 50+: Wo sind die Jobs für die über 50-Jährigen?

Die Medien sind wieder einmal voll mit meist negativen Berichten zum Thema der Generation 50+. Die NZZ berichtete kürzlich darüber, Sendungen dazu auf SF1 oder im Radio gehören beinahe zur Tagesordnung und die Tageszeitung Der Bund beschönigte sogar die Zahlen bei den älteren Arbeitnehmern in Bezug auf die Zahl der Stellensuchenden. Fakt ist: Es klagen immer mehr über 50-Jährige, dass sie keinen Job mehr finden. Dabei macht sich Frustration breit.

Von: Paul Beerli   Drucken Teilen   1 Kommentar  

Paul Beerli

Paul Beerli ist Präsident des Verwaltungsrats von Grass & Partner AG, dem führenden Unternehmen im Trennungsmanagement auf Geschäftsleitungs- und Kaderstufe Schweiz.

Portrait

 
am 12.07.17 15:32 schreibt Daniel G. Neugart
Ein erstklassiger und umfassender Artikel.

Viel zuwenig in Betracht gezogen wird in diesem Zusammenhang, dass diese 50Plus-Generation sich zunehmend verselbständigt und den direkten Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern (oder Auftraggebern) sucht. Gerade Outplacementfirmen und Stellenvermittlungen sollten diese Entwicklung im Auge behalten, um den Zug nicht zu verpassen.

Der Schweizerische Arbeitnehmer- und Arbeitslosenverband 50Plus (SAVE 50Plus Schweiz) sucht Kooperationen mit eben diesen dominanten Player auf dem Arbeitsmarkt. In unserem Verband bezeichnen wir solche innovative Unternehmungen als "Multiplikatoren" während wir unsere Mitglieder als "DAS POTENZIAL!" bezeichnen.

Bei uns wird nicht gejammert und geflucht. Wir bieten konkrete Dienstleistungen an und spielen der Wirtschaft und der Politik damit in die Hände. Jemand der sich mit dem Thema 50Plus-Potenzial beschäftigt sollte unsere Eigeninitiative weder unterschätzen noch ignorieren. Zwischen 40 und Rente ist man per Definition der Wirtschaft ein "älterer Arbeitnehmender" und dieses demografische Segment umfasst über ein Drittel der Schweizer Gesamtbevölkerung!

Unser Verband hat unterdessen gegen 1000 Mitglieder und diese 50Plus-Generation hat alles was es braucht um erfolgreich zu sein! Wir suchen uns selbst unser Einkommen und die meisten möchten lieber im Jobsplitting-Model das tun was sie am besten können und das zu einem Pensum dass Sinn macht. Der Preis wird direkt vereinbart. Abgerechnet wird über "virtuelle Arbeitgeber" wie PayrollPlus AG" oder andere Unternehmungen. Gesucht werden also Kooperationspartner die als Arbeitgeber abrechnen.

Die Personaldienstleistungen müssen sich etwas einfallen lassen. Viele tun das schon und sind deshalb auch Firmenmitglied in bei unserem Verband.

Beste Grüsse
Daniel G. Neugart
Präsident
SAVE 50Plus Schweiz
 
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Generation 50+

Generation 50+ – Chancen auf den Arbeitsmarkt

Auf der politischen Ebene muss sich die Generation 50+ auseinandersetzen mit einem möglichen höheren Rentenalter, mit tieferen Renten (Rentenreform 2020) und der Masseneinwanderungsinitiative (MEI), wobei der Bund versprochen hat, er werde die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Die Zukunft wird es zeigen.

Innovation und Individualität ist gefragt

Betrachten wir das Thema der Generation 50+ für einmal positiv. Wo sind denn die Jobs und beruflichen Lösungen für ü50? Die meisten stellensuchenden ü50 streben nach einer neuen Feststelle, am besten in der gleichen Funktion und in der gleichen Branche. Dabei wird grobfahrlässig verkannt, dass es nebst dem offiziellen, bekannten Stellenmarkt (Inserate in Zeitungen, im Internet und Intranet und in den Sozialen Medien sowie Jobangebote bei Personalvermittlungen und Headhuntern) noch folgende vier Möglichkeiten gibt:

  1. Verdeckter Stellenmarkt
  2. Interimmanagement
  3. Verwaltungsräte
  4. Nachfolgelösungen für KMU

Verdeckter Stellenmarkt

In der Schweiz arbeiten rund 5 Mio. Arbeitnehmende. Bei einer Fluktuationsrate von 10% ergeben sich pro Jahr ca. 500‘000 neu zu besetzende Stellen. Davon ist ungefähr ein Drittel dem offiziellen, bekannten Stellenmarkt zuzurechnen. Im sogenannten verdeckten Arbeitsmarkt schlummern somit ca. 300’000 Stellen. Um diesen verdeckten Stellenmarkt zu knacken, benötigen die Stellensuchenden spezielles Wissen über die Bearbeitung dieses Arbeitsmarktes.

Interimmanagement (m/f)

In der Schweiz arbeiten rund 4000 Menschen als Interimmanager, davon ca. 1000 als Vollprofi-Interimmanager. Das Durchschnittsalter der Interimmanager beträgt rund 50 Jahre. Zusätzlich beinhaltet diese berufliche Variante eine hohe Zeitautonomie. Der Jahresumsatz im Interimmanagement Schweiz wird auf ca. 600 Mio. CHF geschätzt.

Verwaltungsräte (m/f)

In der Schweiz gibt es rund 500‘000 Unternehmen. Bei den Aktiengesellschaften werden jährlich ca. 7000 Verwaltungsräte gesucht, vor allem für KMU. Gegen 99% dieser Mandate sind dem verdeckten Markt zuzuordnen. Verwaltungsratspräsidenten oder Verwaltungsräte werden nun mal nicht per Inserat gesucht. Um diesen verdeckten – für ü50 sehr attraktiven Markt – anzugehen, brauchen die Stellensuchenden profundes Wissen über die Vorgehensweise.

Nachfolgelösungen für KMU

In der Schweiz werden bis im Jahre 2021 rund 70‘000 KMU die Nachfolge lösen müssen. Davon sind sehr viele Ein- bis Fünf-Mann- oder Frau-Betriebe bis hin zu Unternehmen mit einer Belegschaft von mehreren hundert Mitarbeitenden. Ungefähr 30% der Nachfolgelösungen findet mittels MBI (Management-Buy-In) statt, d.h. eine firmenexterne Person übernimmt das Unternehmen. In diesem Segment wiederum sind unterschiedliche Übernahme-Modelle denkbar, sei es eine direkte Übernahme des Unternehmens, einer über die Jahre verteilten Abbezahlung des Kaufpreises (Earn-Out) oder mit dem Start als VR oder Interimmanager/Projektleiter in einem solchen Unternehmen. Auch denkbar und realistisch ist der Einstieg als Angestellter mit der Option beispielsweise das Unternehmen nach einem halben Jahr zu kaufen. Das gegenseitige Kennenlernen von Käufer und Verkäufer bedarf immer seiner Zeit. Deshalb ist es einfacher, innerhalb einer „eingestimmten Beziehung“ die effektiven Verkaufsverhandlungen zu führen.

Die Bedingungen einer Nachfolgelösung können sich im Verlauf des Nachfolgeprozesses wenig bis sehr stark verändern. Mit diesem Wissen sollte der Käufer in die Verhandlungen gehen. Der Markt ist atomisiert, d.h. sehr viele Organisationen haben Kenntnisse über eine mögliche oder geplante Nachfolgelösung. Treuhänder, Anwaltskanzleien, Banken mit speziellen Nachfolgeberatern, Taxmanager, Service Clubs, Familienmitglieder dieser Unternehmen, Universitäten mit speziellen KMU-Desks, VR-Circles, Alumnis, etc. stehen sich dabei manchmal gegenseitig auf den Füssen.

Eine spezielle Herausforderung bei der Nachfolgelösung ist der Faktor Zeit: Der Übernehmer tut gut daran, sich einen Horizont von einem halben bis fünf Jahre vor Augen zu halten. Der „Reifegrad“ des Unternehmensverkäufers ist dabei entscheidend: Wie lange sucht er schon seine Nachfolge? Welche Nachfolger hat er definitiv ausgeschlossen (Familie, Management)? Welche Dokumente liegen vor (testierte Jahresbilanzen, Absichtserklärung)? Hat der Verkäufer seine persönlichen Ziele nach dem Unternehmensverkauf definiert und kommuniziert? Last but not least: Wie verläuft die emotionale Kurve des Verkäufers?

Bei der Nachfolgeregelung von KMU geht es beim Kaufpreis nicht immer um Millionen von Franken. Von den 500’000 Unternehmen in der Schweiz sind rund 90% Mikrounternehmen mit einem bis fünf Mitarbeitern. Bei der Prüfung eines Unternehmenskaufs gilt es zu beachten, dass jede Nachfolgeregelung immer sehr individuell anzugehen ist. Keine Situation gleicht der anderen. Auch für den Käufer. Hier lohnt es sich, das eigene (familiäre) Umfeld einzubeziehen. Vielleicht ergibt sich sogar die Möglichkeit, eigene Familiemitglieder passend im neuen Unternehmen einzubinden.

Neue Kleinunternehmer mit BISS

Menschen, die jahrzehntelang Arbeitnehmer waren, schätzen als neue Kleinunternehmer besonders die neu gewonnene Zeitsouveränität und generell das neue Umfeld:

B = Die Begeisterung ist zurück, neue Energie strömt förmlich in den Körper.

I = Die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen und eigenen Produkten und Dienstleistungen ist in der Regel höher.

S = Einen Sinn in der neuen Aufgabe zu sehen ist für viele Neo-Unternehmer ein Schlüsselerlebnis, auch der in der Vergangenheit
     erlebten Corporate Politics geschuldet.

S = Mehr Spass und Freude: Ein Gefühl, auf das man nicht mehr verzichten möchte.

Generation 50+ – Persönliche Standortbestimmung ist unerlässlich

Entscheidend für den Erfolg der beruflichen Neuorientierung für die Generation 50+ ist eine transparente und ehrliche Auslegeordnung der eigenen Fähigkeiten und Natur-Talente sowie der finanziellen Möglichkeiten. Die Kenntnis über die Individualität ist massgebend. Verborgene Talente sind im alten Job gar nicht oder nur wenig zur Anwendung gekommen. Man beurteilt heute die persönliche familiäre Situation anders als noch vor ein paar Jahren. Die Kinder haben die Erstausbildung abgeschlossen. Finanzielle Privatverpflichtungen gehen allmählich oder sogar stark zurück. Man will mit der Generation 50+ einen lang gehegten Wunsch endlich umsetzen.

Empfehlenswert ist ein Austausch mit einer neutralen Person. Man kann zwar den Anfang einer Standortbestimmung mit der Familie starten. Doch um den Fächer der Optionen aufzutun, ist eine neutrale Person für den Austausch und die Entwicklung von Visionen unerlässlich. Viele ü50 kennen zwar ihr bisheriges Unternehmen sehr gut, können sich jedoch nicht allzu gut vorstellen, was es im Arbeitsmarkt für Optionen gibt. Sie haben über zehn, 20 oder mehr Jahre im gleichen Unternehmen oder Konzern gearbeitet und haben den Blick nach aussen vernachlässigt.

Content und Context

Eine persönliche Standortbestimmung ist immer ein Prozess und umfasst sowohl das berufliche als auch das private, gesundheitlich und finanzielle sowie geographische Umfeld. Die Grundsatzfrage ist zu klären, mit welchen Talenten und Erfahrungen (Content) kann man in welchem beruflichen Umfeld (Context) erfolgreich und zufrieden sein. Speziell das mögliche Ziel, ein Unternehmen zu kaufen, bedarf detaillierter Abklärungen. Die beginnt mit der eigenen Persönlichkeitsstruktur: Bin ich der Typ, der das alleine stemmt? Bin ich der Typ, der lieber eine Aufgabe im Team löst? Bin ich der Firmenrepräsentant? Welche Unterstützung anderer Personen würde ich benötigen? Muss ich die Akquisition von Aufträgen selbst machen oder gibt es intelligente Lösungen in diesem Bereich, wenn ja, welche? Es gehört Mut dazu. Auch die Tatsache, dass heute über 50-Jährige bei guter Gesundheit noch 30 und mehr Jahre vor sich haben. Was für eine schöne, ermutigende und lebensfreudige Aussicht.

Fazit Generation 50+

Wir wissen jetzt, dass es zusätzlich zum öffentlich bekannten Stellenmarkt einen ganzen Strauss an Optionen und Varianten für eine berufliche Neuausrichtung für über 50-Jährige gibt:

  • 300‘000 Feststellen im verdeckten Markt
  • 7000 VR-Positionen - 1000 – 4000 Interim-Möglichkeiten
  • 70‘000 Nachfolgelösungen bei KMU

Gesucht sind Mitarbeitende und Unternehmertypen, die ein Unternehmen Stück für Stück besser machen können. Das ist im Grundsatz keine Frage des Alters, sondern eine der inneren Haltung. Für eine neue berufliche Lösung braucht es Neugier, Offenheit und viel Herzblut.

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