04.10.2021

Modernes Outplacement: 5 Trends bei der beruflichen Neuorientierung

Pandemie, Digitalisierung und New Work 4.0 – die Ansprüche an die Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung steigen kontinuierlich. Was bedeutet das für ein modernes Outplacement und welches sind die wichtigsten Kriterien bei der Suche nach der passenden Unterstützung?

Von: Gabriela Licci, Holger Schimanke   Drucken Teilen  

Gabriela Licci

Gabriela Licci ist Partnerin und Mitinhaberin bei Schluchter, Licci & Partner AG mit Standorten in Basel, Zürich, Schaffhausen und Zug. Das Unternehmen hat in über 15 Jahren über 3000 Outplacements und Coachings auf allen Managementstufen durchgeführt und gehört zu den führenden Dienstleistern in diesen Bereichen.

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Dr. Holger Schimanke

Dr. Holger Schimanke ist Senior Consultant & Partner bei Schluchter, Licci & Partner AG mit Standorten in Basel, Zürich, Schaffhausen und Zug. Das Unternehmen hat in über 15 Jahren über 3000 Outplacements und Coachings auf allen Managementstufen durchgeführt und gehört zu den führenden Dienstleistern in diesen Bereichen.

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Modernes Outplacement

Outplacement vollzieht seit den letzten Jahren einen deutlichen Wandel. Die Pandemie und die rasanten Veränderungen am Arbeitsmarkt beschleunigen diese Entwicklung. Das Spannungsfeld von Kostendruck bei den Firmen einerseits und gestiegenem Qualitätsanspruch der Klienten andererseits wächst. Dieser Beitrag gibt einen Einblick in die neuesten Trends.

Trend 1: Die Arbeitswelt der Zukunft wird zunehmend Thema im Outplacement.

Die Digitalisierung und der demografische Wandel haben gemäss aktueller Studien einen besonders grossen Einfluss auf die Arbeitswelt der Zukunft. Die Digitalisierung ermöglicht die Automatisierung und effizientere Prozesse. Dies hat einen entscheidenden Einfluss auf die Zusammenarbeit der Menschen untereinander. Der demografische Wandel befeuert den Fachkräftemangel, vor allem digitale Spezialisten werden gesucht. All das hat eine unmittelbare Auswirkung auf die Zielsetzung von Stellensuchenden, da in Zukunft andere oder sogar neue digitale und soziale Kompetenzen gefordert sind.

Ein gutes und modernes Outplacement hat diese Veränderungen am Arbeitsmarkt im Blick und ist in der Lage, Chancen und Risiken bei der individuellen Zielsetzung für Klientinnen und Klienten zu erkennen. Vor allem in der persönlichen Standortbestimmung und der beruflichen Vision gewinnt der Wandel des Arbeitsmarkts an Bedeutung. Denn dort werden die eigenen fachlichen wie sozialen Kompetenzen und die persönlichen Wünsche auf den sich ändernden Arbeitsmarkt optimal abgestimmt.

Tipp: Achten Sie darauf, dass Ihr Outplacement-Anbieter den Arbeitsmarkt der Zukunft in die Beratung miteinbezieht! Eine gute Beratung kennt die Skills, die in der Zukunft gefordert sind und Wege, die eigene Vision Realität werden zu lassen.

Trend 2: Die Nachfrage nach individuellen Outplacement-Lösungen steigt.

Outplacement soll bei gleicher Qualität immer günstiger werden. Das führt häufig zu Standardisierung im Leistungsangebot der Beratung, nicht selten auf Kosten der Stellensuchenden. Firmen kommen auch immer häufiger mit einer festen Budgetvorgabe und fragen nach einem individuellen Angebot und keinem «Produkt von der Stange». So findet man am Markt eine Vielzahl an sehr unterschiedlichen Outplacement-Angeboten, bei denen Dauer, Aufwand, Qualität und Ergebnis stark variieren. Bei vielen Anbietern zeigt sich der Trend, in Ergänzung zum etablierten Angebot mit unlimitierter Anzahl Meetings auch individualisierte Programme anzubieten, bei der die Anzahl an Treffen limitiert ist. Für eine festgelegte Anzahl Stunden bei festem Budget erhalten Klienten die Möglichkeit, ihre wichtigsten Themen je nach individueller Fragestellung und Situation zu diskutieren und Lösungen zu erarbeiten. So haben Klienten einen zeitlich begrenzten Zugang zum vollen Erfahrungsschatz des Beraters.

Tipp: Für jedes Budget besteht die Möglichkeit, Mitarbeitenden im Trennungsfall eine Unterstützung anzubieten. Es lohnt sich, nach einem individuellen Angebot zu fragen und dies inhaltlich zu prüfen, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Trend 3: Digitalisierung ändert die Arbeitsweise im Outplacement

Die Pandemie hat die Bedeutung von digitalen Tools beschleunigt, sie kommen nun auch im Outplacement, nur schneller als erwartet. Bereits in den 90er-Jahren stellte sich die Frage nach effizienterer Abwicklung von Massenentlassungen. Moderne Tools wie E-Learning, Webinare, Lebenslauferstellung im Internet oder Online-Eignungstests sind heute im Bewerbungsprozess zum Standard geworden. Die Vielfalt an Tools im Internet, auf LinkedIn, YouTube und Social Media führt dazu, dass Klienten nur schwer abschätzen können, was in ihrem Fall überhaupt geeignet ist. Das ist in der emotionalen Lage des gekündigten Mitarbeitenden kontraproduktiv: Die Betroffenen sind evtl. ausgepowert und/oder voller Zukunftsängste. Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie, wie z.B. Homeoffice und damit verbundene Videomeetings schaffen zusätzlich Distanz und können sogar sozial isolieren.

In der Praxis haben sich digitale Tools als Ergänzung zur persönlichen Beratung wie z.B. Persönlichkeitstests in Kombination mit der gemeinsamen Auswertung etabliert. Ebenso bietet die Durchführung von Online-Netzwerkevents wie Social Media Workshops in der Gruppe eine motivierende Alternative zu Videos oder Tutorials im Selbststudium. Das ersetzt jedoch nicht den persönlichen Austausch, speziell in einer emotional geprägten Anfangsphase.

Tipp: Hinterfragen Sie reine Onlineangebote! Fragen Sie nach den digitalen Tools, die Ihr Outplacement-Anbieter einsetzt und finden Sie heraus, welchen Stellenwert er persönlichen Meetings beimisst. Digitales Arbeiten in Kombination mit dem persönlichen Austausch bietet die effizienteste Möglichkeit der Selbstreflexion und hilft den Klienten, die Krise schneller zu überwinden.

Trend 4: Weiterbildungen rücken stärker in den Fokus

Die Anforderungen von Klienten an ein Outplacement sind sehr vielfältig, wobei eine Frage immer häufiger gestellt wird: «Was für eine Ausbildung soll ich machen, um meine Jobchancen zu erhöhen?». Das McKinsey Global Institute hat vor drei Jahren in einer Studie zur Future of Workforce prognostiziert, dass in der Arbeitswelt 2030 Arbeitnehmende z.B. 55% mehr digitale Fähigkeiten besitzen müssen als heute. «Lifelong Learning» ist heute gelebte Verbesserung der eigenen Arbeitsmarktfähigkeit. Ein gutes und modernes Outplacement orientiert sich nicht nur auf die Erhöhung der Jobvermittlungschancen, sondern ermutigt Klienten auch, neue Wege zu gehen und sich an einem langfristigen Ziel zu orientieren. Neugier und die Freude an Weiterbildung sind dabei unschätzbare Motivatoren für eine nachhaltige Karriereentwicklung.

Tipp: Ist eine Weiterbildung ein Schritt zum langfristigen Ziel oder nur die Verbesserung der Chancen auf einen neuen Job? Fragen Sie Ihren Outplacement-Anbieter nach seinem Konzept zum Thema Weiterbildung!

Trend 5: Die Anforderungen an die Beratung im Outplacement steigen.

Neue digitale Tools, die Modernisierung des Bewerbungsprozesses, neue Fragestellungen der unterschiedlichen Generationen zur eigenen Karriere – die Anforderungen an die Berater im Outplacement nehmen in Breite und Tiefe zu. Ein guter Berater muss den Klienten immer einen Schritt voraus sein. Wie erkennt man Qualität? Nach einer Studie des Harvard Business Review 2009 wählte HR vor allem anhand der Praxiserfahrung aus: Ein gutes Outplacement kann nur von Experten begleitet werden, die sich täglich auf die Kernkompetenzen fokussieren und sich kontinuierlich weiterbilden. Eine langjährige Berufserfahrung in Führung, Change-Management, Beratung, HR, Coaching, Psychologie und Wirtschaft neben langjähriger Outplacementerfahrung sind zentrale Voraussetzungen für hohe Qualität.

Tipp: Ein modernes Outplacement bietet Menschen eine klare Bezugsperson. Der Berater trägt die Verantwortung für den Gesamtprozess. Er beherrscht eine Vielfalt an Methodenkompetenzen, bildet sich kontinuierlich weiter und ist in der Lage, mit grosser Empathie eine vertrauensvolle Beziehung herzustellen. Ein Team aus Beratern verfügt über mehr Kompetenzen als einzelne. Machen Sie sich ein umfassendes Bild, nicht nur über die Outplacement-Firma, sondern auch über deren Berater!

Was macht ein modernes Outplacement aus?

Eine Trennung im Guten minimiert die Risiken nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für HR-Businesspartner und Vorgesetze. Das positive Feedback fällt auf das Unternehmen zurück und stärkt das Image im Sinne einer guten Investition in ein nachhaltiges Employer Branding. So zeigt sich in der Praxis immer wieder, dass ein gutes und modernes Outplacement eine Win-win-Situation für Klienten und Firma ist.

Modernes Outplacement - Ein Fazit

Beim genaueren Hinsehen zeigt sich bei vielen Trends, dass es sich lohnt, Inhalte kritisch zu hinterfragen. Ist ein echter Mehrwert erkennbar oder ist es nur alter Wein in neuen Schläuchen?

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