09.01.2015

Outplacement: In schwieriger Situation gemeinsam Weichen stellen

Noch vor einigen Jahren wurden Trennungsentscheidungen mit Entlassung wegen «Versagen» und «Unfähigkeit» oftmals in unqualifizierter Weise zu Ungunsten des betroffenen Menschen ausgelegt. Mittlerweile hat sich das Bewusstsein soweit entwickelt und gewandelt, dass unausweichliche Trennungsentscheidungen auch gelegentlich mit dem (Fehl-) Verhalten des Unternehmens bzw. der Führung zu tun haben können. Die Folgewirkung bleibt nicht aus: vielen betroffenen Mitarbeitenden wird auf der erzwungenen Suche nach einer neuen, passenden Herausforderung vom bisherigen Arbeitgeber eine externe, professionelle Unterstützung und Begleitung ermöglicht. Das Outplacement ist eine mögliche Form dazu.

Von: Alex Müller   Drucken Teilen   Kommentieren  

Alex Müller

Alex Müller war nach längeren Auslandaufenthalten als Personalverantwortlicher bei einer grösseren Bank und später als HR-Leiter einer psychiatrischen Universitätsklinik tätig, wo er reiche Erfahrungen in allen Sparten des Personalmanagements sammeln konnte. Heute arbeitet er als freier Fachautor und Publizist sowie als selbstständiger Berater von Führungskräften, mit Schwerpunkt Out-/Newplacement.

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Outplacement

Auch wenn sich die Wahrnehmung zu Trennungen von Mitarbeitenden positiv verändert hat, so ist der Trennungsentscheid für beide Seiten – insbesondere aber für den Betroffenen – mit ein­schneidenden, ja bedrohenden Aspekten verbunden: Steht der Entscheid auch am Ende eines län­geren, vielleicht zermürbenden Prozesses zwischen den Parteien, der Mitarbeitende wird immer mehr oder weniger unvorbereitet getroffen. Bisher gültige Wert- und Weltvorstellungen werden von einem auf den anderen Moment über den Haufen geworfen und die allzu menschlichen Gefühle von Versagen, Verlieren, Abgeschoben oder Weggeworfen sind nachvollziehbar und nur zu gut ver­ständlich. Hinzu kommen Ängste zum allfälligen Statusdefizit, zur Zukunft und nicht zuletzt zum damit verbundenen Gesichtsverlust im beruflichen wie auch privaten Umfeld. Plötzlich ist nichts mehr wie vorher, man wird aus der Bahn geworfen, das Sicherheitsnetz wird gekappt und man wird unfreiwillig zum Suchenden in einem mehr oder weniger schwierigen (Markt-) Umfeld.

Ein Trennungsentscheid geht in der Regel auch beim Arbeitgeber nicht spurlos vorüber und hinter­lässt erfahrungsgemäss einen fahlen Nachgeschmack über das eigene „Handeln“: Haben wir als Arbeitgeber alles unternommen, um diesen Mitarbeitenden nicht unfreiwillig in eine ungewisse Zukunft schicken zu müssen? Was hätten wir anders machen müssen? Haben wir möglicherweise in unserer Führungs- und Coaching-Funktion versagt?

In dieser Situation kann die professionelle Begleitung eines von einer Trennung betroffenen Mitar­beitenden in Form eines Outplacements von beidseitigem und – trotz unerfreulichem Anlass - auch Mehrwert schaffendem Nutzen sein: Der Arbeitgeber ist sich seiner sozialen Verantwortung gegen­über dem Mitarbeitenden bewusst, nimmt diese wahr und setzt damit ein klares Zeichen. Der Mit­arbeitende erhält eine aktive, umfassende und auch vorsorgliche Begleitung in einer leicht eska­lierenden Situation.

Was heisst «Begleitung»?

Das Outplacement-Programm ist ein aktiver Begleitprozess, welcher idealerweise unmittelbar nach dem Trennungsentscheid einsetzt und über mehrere definierte, individuell gestaltbare Schritte bis zum Antritt einer neuen Stelle bzw. der Aufnahme der Selbständigkeit führt. Es ist ein aktives, kompetentes und zielbewusstes Coaching, getragen von Motivationskraft und partnerschaftlichem Miteinander, unter Einbezug des persönlichen Engagements des Betroffenen, zur Gestaltung der neuen beruflichen Zukunft. Dieser Prozess des partnerschaftlichen Miteinanders vermittelt der be­troffenen Person Zuversicht, stärkt das Selbstwertgefühl, hilft Ängste abbauen und fördert die Ei­geninitiative. Durch aktives Zuhören, konstruktives Hinterfragen, motivieren und mit einer sinn­vollen Lenkung wird eine dem aktuellen Zustand entsprechende Dynamik in den Prozess gebracht. Gleichzeitig wird die Sicht für andere, vielleicht verborgene Aspekte und Wege freigelegt.

Die aktive Outplacement-Begleitung ist somit ein geführter Ver- und Bearbeitungsprozess in mehreren konsequenten Schritten, der von der Trennungsverarbeitung, über die Analyse zur per­sönlichen Strategie, dem persönlichen Marketingkonzept, den aktiven Suchanstrengungen im Markt und schliesslich zum Selektions- und Auswahlprozess führt, unter Berücksichtigung marktrele­vanter, aktualisierter Methoden. Der Entscheid zur persönlichen Strategie wird dadurch auf einer realistischen Basis unter Einbezug von Fähigkeiten, Stärken, Schwächen sowie Freude und Wün­schen in abgesicherter Form gefällt.

Das Ziel der aktiven Outplacement-Begleitung ist es, den Kandidaten – nach einem Tiefschlag - in mehreren Schritten an die Fähigkeit heranzuführen, eigeninitialisiert einen langfristigen Entscheid zu seiner Laufbahngestaltung zu fällen und diesen danach mit aller Konse­quenz und Beharrlichkeit umzusetzen. Dabei ist es nicht entscheidend, den Prozess in mög­lichst kurzer Zeit zu durchlaufen, sondern in insgesamt verkraftbaren, portionierten und dem Ver­arbeitungsprozess des Betroffenen entsprechenden Schritten voranzutreiben. Aus Erfahrung dauern Neuorientierungsprozesse bis zum Antritt einer neuen Stelle durchschnittlich 6-12 Monate.

Wichtige Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Outplacement

  • Outplacement als Coaching-Prozess ist nur auf der Basis einer vertrauensvollen, partner­schaft­lichen, offenen, ehrlichen und gegenseitig respektvollen Beziehung erfolgreich möglich. Es braucht eine absolute Vertrauensbasis zwischen Coach und betroffener Person, die den mitunter stürmischen Phasen des Verarbeitungs- und Neuorientierungsprozesses jederzeit Stand hält. Die beiden Partner müssen sich mögen.
  • Dementsprechend ist ein offenes, vertrauensvolles Gesprächsklima zu schaffen an einer ruhigen, angenehmen Örtlichkeit ohne Störungen. Auf diese Weise können auch heikle Themen in aller Offenheit zielgerichtet und umfassend angegangen werden.
  • Der Coach nimmt grundsätzlich eine neutrale Haltung ein, beurteilt und hinterfragt Aussagen der betroffenen Person positiv-kritisch, regt auch an, um dadurch mitzuhelfen, im gesamten Outplacement-Prozess notwendige, abgesicherte und tragfähige Resultate sicher zu stellen.
  • Für den Abschluss eines erfolgreichen Outplacement-Prozesses von entscheidender Bedeutung ist die gründliche und zielstrebige Verarbeitung der Trennung durch den Betroffenen. Es dürfen dem bisherigen Arbeitgeber gegenüber keine Ressentiments hängen bleiben. Der Blick nach vorn ist Fokus – der Blick zurück soll nicht beeinträchtigen.
  • Eine nicht zu unterschätzende Wirkung hat das persönliche, positive, proaktive Engagement und Mitwirken der betroffenen Person grundsätzlich wie auch in den einzelnen Teilschrit­ten. Das beinhaltet auch ein Committment der betroffenen Person zu Schritten und Vorgehen des – allenfalls individuell angepassten – Outplacement-Prozesses.
  • Durch den Trennungsentscheid und die häufig damit verbundene Freistellung entfällt für die betroffene Person der bis anhin gelebte Tagesrhythmus. Der konsequente, geführte Outplace­ment-Prozess und die regelmässigen, wöchentlich oft mehrfachen Sitzungen bringen dem Outplacement-Kandidaten einen wünschenswerten und geschätzten minimalen, aber auch sinnvollen Tagesrhythmus zurück.

Tipps für den Alltag

Als Arbeitgeber bzw. Auftraggeber für ein Outplacement ist es sinnvoll, im Selektionsprozess folgenden Punkten Beachtung zu schenken:

  • Die zwischenmenschlichen Aspekte sind für ein erfolgreiches Outplacement von entscheiden­der Bedeutung. Dementsprechend sollte der Outplacement-Kandidat den künftigen Outplace­ment-Begleitpartner nach Wahrnehmung der offerierten Evaluationskontakte selber auswählen können. Damit ist auch ein erster Schritt getan, die Trennung positiv zu verarbeiten und Ver­antwortung für die eigene Zukunft zu übernehmen.
  • Outplacement-Programme sind auf die spezifische Situation und Bedürfnisse des Outplace­ment-Kandidaten abzustimmen. Entsprechend lassen sich auch sinnvolle, effiziente und ziel­führende Teiloutplacement-Schritte definieren.
  • Aus Erfahrung dauern Outplacement-Prozesse je nach Situation des Kandidaten und des Marktes unterschiedlich lange. Es ist deshalb sinnvoll, das Angebot des Outplacements zeitlich nicht zu begrenzen und diese aktive Form der Begleitung bis zum Entscheid zur neuen Stelle bzw. der Aufnahme der Selbständigkeit zuzusichern.
  • Die persönliche Vertraulichkeit muss vollständig gewahrt bleiben. Folglich muss das Repor­ting an den Auftraggeber nach dementsprechend klar definierten Spielregeln erfolgen.

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