19.10.2021

Restrukturierungsprogramm: Potenzielle Risiken kennen und vermeiden

Im Beitrag werden die fünf Hauptrisiken untersucht, die man oftmals bei einem gross angelegten Restrukturierungsprogramm übersieht. Wir zeigen, wie sich diese Risiken minimieren lassen.

Von: Andreas Rudolph   Drucken Teilen  

Andreas Rudolph

Andreas Rudolph ist Managing Director bei LHH Schweiz. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der HR-Branche mit profundem Wissen über Outplacement und Talententwicklung. Andreas ist auch ein begeisterter Redner zum Thema «Future of Work».

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Restrukturierungsprogramm

Die Aussage, dass Unternehmen in allen Branchen mit beispiellosen Veränderungen konfrontiert sind, ist fast schon zum Klischee geworden. Aber ungeachtet des Klischees ist dies tatsächlich der Fall. Wir leben und arbeiten in einer sich ständig verändernden Welt. Viele Unternehmen haben kürzlich signifikante personelle Veränderungsprozesse durchlaufen oder stehen kurz davor. Das kann bedeuten, dass Mitarbeitende, denen die entsprechenden Fähigkeiten fehlen oder die nicht mehr in die Unternehmensstruktur passen, entlassen und gleichzeitig Schlüsselpersonen in neue Rollen versetzt werden, die dann nach neuen Talenten suchen. Die effektive Bewältigung dieser personellen Veränderungen ist heute eine alltägliche und geschäftsentscheidende Aufgabe, welche die Unternehmen meistern müssen.

Ein Grossteil des europäischen Arbeitsmarkts legt seit Beginn der Pandemie eine unfreiwillige Pause ein. Die Schweiz ist da keine Ausnahme. Ob durch staatliche Konjunkturpakete, grosszügige Unterstützung von Unternehmen oder umfangreiche und zugleich einfach in Anspruch zu nehmende Kurzarbeitsentschädigungen wurden Mitarbeitende und Unternehmen etwas vor den Auswirkungen der Krise geschützt. Da auch das Jahr 2021 von der Pandemie betroffen ist, wird mit Hochdruck auf die Weiterführung dieser staatlichen Massnahmen gepocht und, wo irgendwie möglich, müssen Unternehmen ihre Mitarbeitenden halten. Allerdings war bereits zu abzusehen, dass einige Unternehmen jetzt handeln und Restrukturierungsmassnahmen vornehmen müssen, um auch 2021 und darüber hinaus noch zu bestehen und erfolgreich wirtschaften zu können.

Umfang der Restrukturierung

Obwohl die Konjunkturaussichten weiterhin gut sind und sich einige Märkte schneller und andere langsamer erholen, belasten die zweite Welle der Pandemie und die hohe Arbeitslosigkeit den Arbeitsmarkt. Trotz der staatlichen Unterstützungsmassnahmen zum Erhalt von Arbeitsplätzen entschlossen sich Unternehmen aus verschiedenen Branchen für die Streichung von Tausenden von Stellen – ein bisher einmaliges Ausmass.

Viele Unternehmen sind aus Existenzgründen schlichtweg gezwungen, Stellen abzubauen. Und so werden bis zum Jahresende diejenigen bestehen, die diese Übergangszeit erfolgreich managen. Gross angelegte Restrukturierungsprogramme sind hoch komplex und erfordern einen weitreichenden gemeinschaftlichen Ansatz für das gesamte Unternehmen, sowie einen erheblichen zeitlichen und ressourcenintensiven Einsatz. Die Risiken, die mit einer falschen Umsetzung eines gross angelegten Restrukturierungsprogramms verbunden sind, können enorm sein. Für manche Unternehmen können sie sogar verhängnisvoll sein.

Den Menschen in den Mittelpunkt rücken

Unternehmen sind darauf angewiesen, dass ihre Experten aus dem Personalwesen einen wesentlichen Teil jedes gross angelegten Restrukturierungsprogramms unterstützen. Eine Restrukturierung, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht, unterscheidet einen erfolgreichen von einem hoch riskanten Prozess. Dieser «menschliche« Aspekt erfordert technisches Fachwissen zu Themen wie Arbeitsrecht, Sozialplänen und spezifischen Ansätzen für die berufliche Übergangsphase, sowie Möglichkeiten und Kapazitäten für Kommunikation, Programm- und Veränderungsmanagement. Alle Komplikationen, die im Rahmen verschiedener lokaler Anforderungen entstehen, machen ein Restrukturierungsprogramm noch komplexer.

Risikobewertung

Umfassende Personalabbauprogramme können sehr komplex sein und erfordern die Einbeziehung zahlreicher Beteiligter, darunter Regierungsbehörden, Sozialpartner und die Medien. Bei jedem Restrukturierungsprogramm ist es von grösster Bedeutung, negative Auswirkungen durch die Veränderung zu vermeiden, um positive und nachhaltige Ergebnisse für alle Betroffenen sicherzustellen. Ein massgeschneiderter Ansatz für die Unterstützung und den Umgang mit verschiedenen Mitarbeitergruppen ist notwendig, um maximale Wirkung zu erzielen.

Die folgenden fünf potenziellen Risiken werden bei gross angelegten Restrukturierungsmassnahmen oftmals übersehen:

1. Mitarbeiterengagement

Risiko: hoch

Das Risiko eines schwachen Engagements und eines sich verschlechternden Betriebsklimas ist hoch. Auf die Fragen und Bedenken der Mitarbeitenden muss angemessen eingegangen werden, da Unklarheiten und Frustration schnell zu einer negativen Stimmung unter der verbleibenden Belegschaft führen können. Diese Bedenken können auch den Umgang mit den entlassenen Mitarbeitenden betreffen, denn die verbleibenden Mitarbeitenden achten im Normalfall sehr genau darauf, wie fair dieser Prozess abgewickelt wird.

2. Erheblicher Produktivitätsverlust

Risiko: moderat

Die unvermeidbare Beeinträchtigung infolge einer Restrukturierung wirkt sich auch auf die Produktivität aus. Aber in welchem Masse? Sind die Führungskräfte ausserstande, für transparente Kommunikation während dieses Prozesses zu sorgen, besteht ein moderat hohes Risiko für erhebliche Einbussen bei der Produktivität.

3. Schädigung der Arbeitgebermarke

Risiko: moderat

Vertrauensverlust infolge eines mangelhaft gesteuerten Restrukturierungsprogramms kann negative Auswirkungen auf den Umsatz, das Engagement und das Ansehen des Arbeitgebers haben. Die Folgen sind möglicherweise nicht sofort spürbar, werden aber sicherlich im Laufe der Zeit sichtbar. Aus diesem Grund liegt in diesem Fall ein moderat hohes Risiko vor.

4. Ziele nicht vollständig erreicht

Risiko: moderat

Wenn nicht klar ist, wie der Erfolg aussehen und gemessen werden soll, besteht ein moderat hohes Risiko, dass die Restrukturierung scheitert. Ein gut durchdachter und realistischer Plan kann erheblich zum Erfolg einer Restrukturierung beitragen.

5. Unmut der Austretenden

Risiko: moderat

Ein auch nur teilweise mangelhaft gesteuerter Konsultations- oder Kommunikationsprozess kann sich negativ auf die Gefühlslage der ausscheidenden Mitarbeitenden auswirken. Zwar scheiden diese Personen aus dem Unternehmen aus. Ein moderates Risiko besteht dennoch, da ein ungenau definierter Prozess, Fehlstarts oder Widersprüchlichkeiten auf das Unternehmen schädigend zurückfallen können.

Die Zahl der Rechtsklagen hat in hohem Masse zugenommen, und auch die Kosten für die Implementierung von Restrukturierungsprogrammen haben sich in den letzten Jahren erhöht. Unternehmen scheitern, da sie das korrekte Verfahren nicht eingehalten haben, keine geeigneten Beratungsgespräche geführt oder die Entlassungsabfindung falsch berechnet haben. Als Personalabteilung ist es von entscheidender Bedeutung, in jeder Stufe mit voller Transparenz zu agieren.

Fazit

Aufgrund der weiteren sich abzeichnenden Veränderungen in diesem Jahr können Experten aus dem Personalwesen positive Massnahmen zur Unterstützung ihres Unternehmens mit durchgeplanten Restrukturierungsprogrammen treffen. Jetzt ist es an der Zeit, die Bausteine zusammenzufügen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Vorgesetzten, die Personalabteilung und die kaufmännischen Leiter später einen reibungslosen Übergangsprozess zur Anwendung bringen können und dass die Risiken so gering wie möglich gehalten werden.

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