12.05.2017

Lohnabrechnung: Diese Bestimmungen m├╝ssen Sie beachten

Aus rechtlicher Sicht kann die Lohnart und die Berechnung der Lohnh├Âhe frei vereinbart werden. Lesen Sie in diesem Beitrag, welche Bestimmungen unbedingt einzuhalten sind. Somit bleiben Sie immer auf der rechtssicheren Seite.

Von: Thomas Wachter   Drucken Teilen   Kommentieren  

Thomas Wachter

Nach mehreren Stellen in verschiedenen Unternehmungen, arbeitet T. Wachter nun seit 12 Jahren im Personalamt des Kantons Luzern. Fr├╝her als Bereichspersonalleiter, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung, aktuell als Leiter HR-Support sowie Mitglied der Gesch├Ąftsleitung. Weitere T├Ątigkeiten sind: Lehrgangsleitungen und Dozent f├╝r Personalmanagement, -administration und -f├╝hrung. T.Wachter ist unter anderem Autor und Herausgeber der WEKA-Werke ┬źPersonalPraxis┬╗ und ┬źPraxisleitfaden Personal┬╗.

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Lohnabrechnung

Anforderungen an die Lohnabrechnung und -auszahlung

Dem Arbeitnehmer ist gem├Ąss OR Art. 323 b Abs. 1 eine schriftliche Abrechnung zu ├╝bergeben. Die Lohnabrechnung ist so zu gestalten, dass Brutto- und Nettolohn sowie Zuschl├Ąge und Lohnabz├╝ge klar und ausreichend detailliert daraus hervorgehen und der Arbeitnehmer diese ├╝berpr├╝fen kann. Insbesondere sind bei der Auszahlung von Ferienzuschl├Ągen diese sowohl in Prozent wie in Franken anzugeben. Vermerke wie inkl. Ferien reichen nicht aus, dabei besteht das Risiko, dass der Ferienzuschlag noch einmal gefordert wird.

Dabei ist der Arbeitgeber zudem verpflichtet, Sozialversicherungsbeitr├Ąge und Quellensteuer direkt vom Bruttolohn abzuziehen und Familienzulagen vorzuschiessen.

In der Praxis kann eine Regelung gew├Ąhlt werden, wonach eine Lohnabrechnung jeweils nur erstellt wird, wenn bei der Berechnung bei der Lohnauszahlung eine Ver├Ąnderung eintritt, also beispielsweise zus├Ątzlich Spesen ausbezahlt werden oder variable Lohnbestandteile eingerechnet werden.

Ein Arbeitnehmer hat Anspruch auf einen Vorschuss im Ausmass der bereits geleisteten Arbeit, sofern der Arbeitgeber in der Lage ist, diesen zu gew├Ąhren.

Gem├Ąss Gesetz ist die Barauszahlung des Lohnes vorgesehen. Geldschulden sind n├Ąmlich so genannte Bringschulden und m├╝ssen dem Gl├Ąubiger, also dem Arbeitnehmer, ├╝berbracht werden. Dennoch sind die Zeiten vorbei, als der Lohn pers├Ânlich in der Geldt├╝te ├╝berbracht wurde. Selbstverst├Ąndlich werden heute Lohnzahlungen bargeldlos auf die Konti der Mitarbeitenden verg├╝tet. Das wird deshalb in den Arbeitsvertr├Ągen in der Regel so vereinbart.

F├Ąlligkeit des Lohnes

Der Lohn ist dem Arbeitnehmer am Ende jedes Monates auszurichten. In einem Gesamt- oder Normalarbeitsvertrag k├Ânnen auch l├Ąngere Fristen festgelegt werden. Im Einzelarbeitsvertrag k├Ânnen nur k├╝rzere, nicht aber l├Ąngere Zahltagsperioden verabredet werden oder es kann ein anderer Zahlungstermin vereinbart werden (Art. 323 OR).

Bei einem Austritt sind alle Forderungen aus dem Arbeitsvertrag werden f├Ąllig (Lohn, Anteil 13. Monatslohn, Boni, Erfolgsbeteiligung, Abgangsentsch├Ądigung, Provisionen, etc.) am Ende des Arbeitsverh├Ąltnisses f├Ąllig, sofern nicht etwas anderes vereinbart wurde.

Kommt der Arbeitgeber seiner Pflicht zur Lohnzahlung nicht nach, so haben die Mitarbeitenden die folgenden M├Âglichkeiten:

  • Setzen einer Nachfrist zur Lohnzahlung mittels eingeschriebenem Brief
  • Lohnklage beim Gericht
  • Betreibungsgesuch gegen den Arbeitgeber. Dabei ist eine unterschriebene Schuldanerkennung oder ein Gerichtsurteil erforderlich.
  • Verweigerung der Arbeitsleistung nach Mahnung, Nachfristsetzung und entsprechender Androhung
  • Fristlose K├╝ndigung durch den Arbeitnehmer gem├Ąss Art. 337a OR. Voraussetzung ist eine Mahnung, Nachfristsetzung zur Lohnsicherstellung und entsprechender Androhung. Der Arbeitgeber bleibt dennoch lohnzahlungspflichtig bis zum Ablauf der ordentlichen K├╝ndigungsfrist.
  • Bei Zahlungsunf├Ąhigkeit des Arbeitgebers mit Konkurser├Âffnung (oder Nichter├Âffnung des Konkurses infolge offensichtlicher ├ťberschuldung), Pf├Ąndungsbegehren oder einer Nachlassstundung resp. Konkursaufschubs: Beantragen einer Insolvenzentsch├Ądigung bei der Arbeitslosenkasse des Kantons.

Weitere Bestimmungen zum Lohn und zur Lohnabrechnung

"Der Arbeitgeber hat dem Arbeitnehmer den Lohn zu entrichten, der verabredet oder ├╝blich oder durch Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag bestimmt ist" (Art. 322 Abs. 1 OR). Es besteht somit Vertragsfreiheit betreffend Lohnh├Âhe. Eingeschr├Ąnkt ist die Vertragsfreiheit lediglich sofern ein Gesamtarbeitsvertrag oder ein Normalarbeitsvertrag Regelungen enth├Ąlt (eher die Ausnahme) oder im Fall, wenn keine Vereinbarung betreffend Lohn getroffen wurde (es ist dann der ├╝bliche Lohn geschuldet).

Weitere Vorschriften zum Lohn und zur Lohnabrechnung bestehen u.a. zur Anrechnung des Naturallohns (Unterkunft und Verpflegung, Art. 322 Abs. 2 OR), zum Anteil am Gesch├Ąftsergebnis (Art. 322a OR), zur Provision (Art. 322b und Art. 322c OR), zur Gratifikation (sofern verabredet, Art. 322d OR) und zum Akkordlohn (Art. 326 und Art. 326a OR).

Vereinbarungen ├╝ber die Verwendung des Lohnes im Interesse des Arbeitgebers, also beispielsweise die Verpflichtung einen Teil des Lohnes f├╝r Bez├╝ge im eigenen Unternehmen zu verwenden, sind ung├╝ltig (Art. 323b OR).

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