28.10.2015

Lohnangaben in Stellenanzeigen: Lohntransparenz lohnt sich

Der Lohn ist im Bewerbungsprozess nach wie vor ein Tabuthema. Dass es auch anders geht, zeigt die Schweizer Personalberatung Careerplus. Sie publiziert den Salärrahmen seit einem Jahr im Stelleninserat und hat damit gute Erfahrungen gemacht.

Von: Ralph Hofbauer   Drucken Teilen   Kommentieren  

Ralph Hofbauer

Ralph Hofbauer ist Chefredaktor des HR-Magazins personalSCHWEIZ. Zudem ist er als freier Journalist tätig.

 

 

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Lohntransparenz

Salärrahmen in den Stelleninseraten

Wer über die Personalberatung Careerplus online eine Stelle sucht, wird überrascht. Im Stelleninserat ist zu lesen: «Mitarbeiter Rechnungswesen mit mehrjähriger Erfahrung und fachbezogener Weiterbildung, Jahreslohn zwischen 75 000 bis 85 000 Franken.»

Careerplus gehört zu den ersten Schweizer Unternehmen, welche die Lohntransparenz in Stelleninseraten aktiv fördern. «Wir haben vor rund einem Jahr damit begonnen, den Salärrahmen in den Stelleninseraten zu publizieren. Dabei legen wir das Salär mit einer Bandbreite von 10 000 bis 20 000 Franken fest – je nach Anforderungsprofil», sagt Vanessa Hunkeler, die bei Careerplus für die Stand orte Olten, Basel und Luzern verantwortlich ist. Je spezifischer die Stellenausschreibung, desto enger wird der Salärrahmen gesetzt.

Transparenz liegt im Trend

Auch andere Schweizer Unternehmen haben damit begonnen, ihre Löhne in Stelleninseraten publik zu machen, unter anderem die die Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ) und die Stellenplattform Experteer.ch. Ein Tabubruch, der eigentlich längst fällig ist, wird in Stelleninseraten doch im Detail beschrieben, was der Arbeitgeber den potenziellen neuen Mitarbeitenden bietet und was er von ihnen erwartet. Bewerber müssen in ihrem Bewerbungsschreiben fast alle persönlichen Daten von sich preisgeben, doch die Details zur Entlöhnung bleiben fast bis ganz zum Ende des Rekrutierungsprozesses ungewiss. Ein Informationsungleichgewicht, das in Zeiten, in denen vielerorts mehr Transparenz gefordert wird, wenig zeitgemäss anmutet.

In Österreich müssen Unternehmen gemäss Gleichstellungsgesetz schon seit mehr als zwei Jahren in Stelleninseraten den Mindestlohn angeben. Damit soll für gleich lange Spiesse in den Lohngesprächen gesorgt und die Situation von Frauen in Lohnverhandlungen verbessert werden. Dies ist laut Experten jedoch umstritten, da der Mindestlohn oft so tief angesetzt wird, dass der Verhandlungsspielraum immer noch sehr gross ist. Das Gleichstellungsgesetz in der Schweiz umfasst hingegen keinen Artikel zum Thema Lohntransparenz in Stellenanzeigen und es gibt bisher auch keine Bestrebungen, ein Gesetz zu erlassen, das dies vorschreibt. Dennoch meint Vanessa Hunkeler: «Wo Transparenz und Gleichberechtigung herrscht, ist auch die Lohngleichheit und Lohngerechtigkeit besser verankert».

Kritiker melden Bedenken an

Es gibt allerdings auch kritische Stimmen gegenüber der Lohntransparenz in Stellenanzeigen. So warnt Martin Poreda, Mitbegründer der Arbeitgeberplattform Kununu, auf dem Blog von VBZ-Personalchef Jörg Buckmann davor, dass sich bei zu tiefen Lohnangaben echte Topshots gar nicht erst bewerben würden. Bei zu hohen Gehältern würden sich hingegen oftmals unterqualifizierte Kandidaten melden, angezogen vom hohen Gehaltsversprechen.

Auch bei Careerplus gibt es vereinzelt Kunden, die befürchten, dass sich gut qualifizierte Kandidaten aufgrund des Salärrahmens nicht bewerben. Dies ist aber gemäss Vanessa Hunkeler nicht der Fall: «Gut qualifizierte Kandidaten melden sich bei uns und fragen nach. Beispielsweise, ob sich das Anfangssalär in Zukunft noch entwickeln lasse.» Zudem habe sich die Anzahl an passenden Bewerbungen bei spezifischen Profilen mit engem Salärrahmen im Vergleich zu vorher erhöht.

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