09.10.2017

Lohnentwicklung: Entwicklung der letzten neun Jahre

So zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk werden im Herbst vonseiten der Arbeitnehmerorganisationen Lohnforderungen, basierend auf einer Vielzahl von Analysen und Statistiken, gestellt. Kurz darauf werden diese von Arbeitgeberorganisationen mit anderen Statistiken und Umfragen pariert.

Von: Thomas Landolt, Roland Stoll   Drucken Teilen   Kommentieren  

Thomas Landolt

Thomas Landolt ist Inhaber und Geschäftsführer der Firma Landolt & Mächler Consultants GmbH. Er ist Ingenieur und Personalleiter SKP mit langjähriger Erfahrung als HR-Leiter in verschiedenen Industriefirmen. Herr Landolt führt seit 20 Jahren Salärvergleiche für verschiedene Branchen in der Schweiz durch.

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Roland Stoll

Roland Stoll ist Senior Compensation Consultant bei der Firma Landolt & Mächler Consultants GmbH. Er ist Ingenieur mit einer Weiterbildung MAS in Human Capital Management. Herr Stoll hat 20 Jahre Erfahrung in der Gestaltung und Einführung von Gehaltsmanagement-Systemen in der Schweiz und international.

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Lohnentwicklung

Die Entwicklung der Löhne in der Schweiz

Nur über wenige Themen wird so emotional diskutiert und gestritten wie über Löhne. Für uns alle darf es gerne «ein bisschen mehr» sein – das liegt in der Natur der Sache. Wie haben sich die Löhne in den letzten neun Jahren nun tatsächlich verändert? Basierend auf den Daten des Landolt & Mächler Salärvergleichs zeigen wir auf, wie sich die Löhne im industriellen Umfeld in den letzten neun Jahren für gleichwertige Tätigkeiten verändert haben.

Vergleichen – aber wie?

In der Tagespresse ist zu lesen: «Gemäss Lohnumfrage sind die Löhne von 2008 bis 2017 um X Prozent gestiegen.» Wie muss ich diesen Wert interpretieren? Was bedeutet das für mich als Polymechaniker, HR-Fachfrau oder Abteilungsleiterin konkret? Wir haben die Entwicklung der Löhne in den letzten neun Jahren für zwölf Standard-Anforderungsprofile (Funktionsstufen) untersucht. Als Grundlage diente uns die Landolt & Mächler Funktionsmatrix. Damit kann bestmöglich sichergestellt werden, dass wir tatsächlich «Äpfel mit Äpfeln» vergleichen.

Die zwölf Funktionsstufen können in folgende drei Hauptkategorien zusammengefasst werden:

  • Funktionsstufen 1–3: Angelernte Tätigkeiten bis Einstiegsniveau für Profi le mit Eidgenössischem Berufsattest (EBA)
  • Funktionsstufen 4–7: Typische Profi le für Berufsleute mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ)
  • Funktionsstufen 8–12: Typische Profi le für Akademiker (Profi l FH mit mindestens 2–3 Jahren Berufserfahrung) sowie Vorgesetztenfunktionen

Entwicklung von 2008 bis 2017

Für die Auswertung wurden die Lohndaten (ohne CEO-Saläre) von durchschnittlich rund 500 Firmen aus allen Regionen der Schweiz analysiert. Der grösste Anteil der Firmen stammt sowohl 2008 als auch 2017 aus dem industriellen Umfeld. Die Entwicklung der Löhne pro Funktionsstufe zeigt ein Bild, das bei einer ersten Betrachtung nur teilweise dem entspricht, was man aufgrund vorherrschender Meinungen erwarten würde. Der durchschnittliche Anstieg über alle Funktionsstufen liegt bei +6,3 Prozent (teuerungsbereinigt, also reale Erhöhung), mit einer Bandbreite von +3,2 Prozent bis +11,3 Prozent. Es fällt auf, dass die Löhne für die einfachsten Tätigkeiten (Funktionsstufe 1) am stärksten angestiegen sind. Mitarbeitende mit etwas anspruchsvolleren Aufgaben (Funktionsstufe 3) gingen dafür fast leer aus. Seit Jahren ist der Fachkräftemangel ein omnipräsentes Thema. Die klassischen Jobs für qualifi zierte Berufsleute EFZ sind den Funktionsstufen 4 bis 7 zugeordnet. Mit einem Anstieg von 5,1 Prozent seit 2008 hat diese Berufsgruppe einen eher unterdurchschnittlichen Lohnzuwachs erhalten – das erstaunt. Bei Stellen, welche typischerweise mit Akademikern besetzt werden, zeigt sich ein differenziertes Bild. Die Stelleninhaberinnen oder Stelleninhaber mit wenig Berufserfahrung konnten von Lohnerhöhungen weniger profi tieren. Anspruchsvollere Kaderstellen und Fachexperten haben jedoch einen überdurchschnittlichen Lohnzuwachs erhalten.

Was sich wirklich lohnt

Abwarten und Tee trinken ist ein schlechter Ratgeber, wenn es darum geht, Ende Monat mehr in der Lohntüte zu haben. Die vergangenen Jahre haben deutlich gezeigt: Wer mehr verdienen will, muss auch mehr leisten und sich gezielt weiterbilden. Last but not least muss Frau und Mann gewillt sein, anspruchsvollere Aufgaben mit mehr Verantwortung zu übernehmen. Durch die Übernahme anspruchsvollerer Aufgaben kann das Salär substanziell verbessert werden. Beispiel: Ein Polymechaniker hat sich fachlich weiterentwickelt und wird von der Funktionsstufe 4 auf die Stufe 5 «befördert ». Sein Marktwert erhöht sich damit um rund 10,5 Prozent. Firmen, welche den Lohn nicht dem höheren Marktwert anpassen, riskieren, wertvolle Fachkräfte an die Konkurrenz zu verlieren.

Fazit und Ausblick

Wie sich die Löhne in der Schweiz langfristig entwickeln, ist von vielen kaum vorhersehbaren Faktoren abhängig. Auch wenn sich der Horizont in der nächsten Zeit aufhellen sollte – und danach sieht es im Moment tatsächlich aus –, der Kostendruck aus dem Ausland und die Währungsunsicherheit werden bleiben. Der Aufbau von Kompetenzen, welche in der Wirtschaft gefragt sind, lohnt sich langfristig. Mit einer fundierten Grundbildung und anschliessender Weiterbildung ist es im industriellen Umfeld leichter, eine attraktive Stelle zu finden und zu halten. Gleichzeitig ist in den Firmen Potenzial bei der Altersgruppe der 45- bis 55-Jährigen vorhanden. Es fällt auf, dass diese Kategorie in Weiterbildungskursen und Seminaren unterdurchschnittlich vertreten ist.

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