15.01.2019

Salarium: Die künstliche Lohnungleichheit

In den letzten Jahren häuften sich die Anfragen von HR-Verantwortlichen und Mitarbeitenden aus unserm Kundenkreis, wie die Ergebnisse von Salarium des Bundesamts für Statistik (BfS) richtig zu verstehen sind. Denn durch statistische Grundannahmen werden die Ergebnisse völlig verfälscht.

Von: Thomas Landolt  DruckenTeilen Kommentieren 

Thomas Landolt

Thomas Landolt ist Inhaber und Geschäftsführer der Firma Landolt & Mächler Consultants GmbH. Er ist Ingenieur und Personalleiter SKP mit langjähriger Erfahrung als HR-Leiter in verschiedenen Industriefirmen. Herr Landolt führt seit 20 Jahren Salärvergleiche für verschiedene Branchen in der Schweiz durch.

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Trotz deutlichem Hinweis, dass diese Zahlen keine Lohnempfehlungen seien, werden die Ergebnisse als real wahrgenommen und von Angestellten zu Salärgesprächen beigezogen. Das ist verständlich, stammen die Resultate doch von einem Bundesamt, dessen Kernauftrag «das Erstellen von repräsentativen Statistiken zum Nutzen der Schweiz» ist. Mit diesem Artikel möchten wir etwas Licht ins Dunkel von Salarium bringen und erläutern die wichtigsten Zusammenhänge und Risiken.

Wie und welche verfügbaren Datenquellen in der Praxis genutzt werden, ist schlussendlich aber ein freier Entscheid des einzelnen Unternehmens. Unsere selbst erhobenen Daten und Ergebnisse werden von Salarium oft deutlich überschritten. Rückfragen bei Mitbewerbern ergaben ähnliche Beobachtungen. Dies führt bei Salärgesprächen und Verhandlungen oft zu Unsicherheit und Fragen über die Zuverlässigkeit der Ergebnisse sowohl auf Seiten der HR-Verantwortlichen als auch bei den Angestellten. Die mit Salarium berechneten Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern sowie die regionalen Auswertungen sind nach unseren Erfahrungen ebenso erklärungsbedürftig.

Wie werden die gesammelten Daten vom BfS ausgewertet?

Die vom BfS erhobenen rund 750‘000 Saläre werden gesamthaft inkl. der mitgelieferten Kriterien gemäss Fragebogen in einer Datenbank zusammengefasst. Mit Salarium kann die Datenbank nach einigen Kriterien ausgewertet werden, beispielsweise nach Branche, Region, Ausbildung oder Geschlecht. Salarium liefert im Internet die Ergebnisse in Form von Tabellen.

Beispiel: Maschinenbau / Ingenieur / ETH / 40 Jahre / 15 Dienstjahre

Region

BfS-Frau

BfS-Mann

Differenz

SGB*

Genf

8'215

9'435

-12.90%

8'780

Mittelland

7'826

8'988

-12.90%

8'330

NW

8'304

9'537

-12.90%

8'480

ZH

8'425

9'676

-12.90%

9'170

Ost

7'945

9'124

-12.90%

8'690

Zentral

8'174

9'388

-12.90%

9'150

Tessin

6'377

7'324

-12.90%

7'200

* Schweizerischer Gewerkschaftsbund / Lohnrechner.ch / Mittelwert (Männer-Frauen)

In den ersten vier Spalten von links sind die Ergebnisse von Salarium aufgelistet, in der rechten Spalte die Ergebnisse aus dem Lohnrechner des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB). Bei Salarium fallen zwei Resultate/Fakten besonders auf:

  • Die Salärdifferenz zwischen den Geschlechtern ist bis auf die Kommastelle in allen Regionen gleich gross, und zwar unabhängig, ob es sich um Mechaniker oder um Ingenieure handelt. Eine konstant gleiche Salärdifferenz zwischen Männer und Frauen über alle Regionen ist nicht glaubwürdig. Im Salarium werden fixe Differenzen verwendet, die offensichtlich nicht aus den Analysen der einzelnen Regionen stammen sondern übergeordnet festgelegt wurden.
  • Salarium weist die Saläre der Männer und Frauen separat aus. Das BfS berechnet offensichtlich aus dem Durchschnittssalär (Männer-Frauen-Region) unter Vorgabe einer konstanten selbstdefinierten Differenz (z.B. 12.9 Prozent) jeweils die Frauen- und die Männersaläre. Durch diese «künstliche» Differenz werden alle Saläre der Frauen systematisch zu tief (-6 bis -8 Prozent) und alle Saläre der Männer systematisch hoch (+6 bis +8 Prozent) ausgewiesen. Die aus dem Durchschnittswert errechneten Frauen- und Männersaläre entsprechen nicht den geschlechtsspezifisch erhobenen Daten. Typischerweise werden durch die Berechnungen aber Differenzen in Branchen/Tätigkeiten ausgewiesen, in denen Frauen oder Männer bekanntlich äusserst selten sind. Andererseits werden mögliche Lohnungleichheiten mit diesem Vorgehen geradezu betoniert. Fatalerweise sogar bei allen gleichen Tätigkeiten, denn Salarium berechnet die Unterschiede nur bei den gleichen und nicht bei den gleichwertigen Tätigkeiten. Damit entwertet sich Salarium zu einer unbrauchbaren Quelle und wir vermissen beim BfS die notwendige Sensibilität gegenüber dem Thema Lohngleichheit. Bei Salärdiskussionen sollten diese Fehlinformationen von Seite Salarium unbedingt geklärt werden.

Der SGB zeigt, wie man es besser macht

Einen ganz anderen Ansatz verwendet der SGB-Lohnrechner. Im Bewusstsein, dass Männer und Frauen gleich viel verdienen oder verdienen sollten, werden in dieser Anwendung nur die Durchschnittssaläre ausgewiesen, ohne eine zusätzliche geschlechtsspezifische Trennung. Damit liefert der SGB eine bessere Grundlage für das Mindestziel: Gleiche Saläre bei gleicher Tätigkeit.

Schlussfolgerung und Empfehlung

Salarium ist als direkte Quelle nicht brauchbar. Die geschlechtsspezifischen Ergebnisse müssen in der Praxis zuerst immer zusammengeführt werden. Erst die berechneten Mittelwerte (von Frauen- und Männersalären) könnten brauchbare Hinweise über die Marktverhältnisse geben. In dieser Form wurden sie pro Tätigkeit, Branche usw. ursprünglich berechnet. Die separaten geschlechtsspezifischen Saläre wurden offensichtlich nachträglich erstellt, dadurch werden zu tiefe Frauen- und zu hohe Männersaläre verbreitet. Salarium ist unglaubwürdig und definitiv kein Beitrag des BfS zur Lohngleichheit.

Eine Alternative zu Salarium bietet der SGB-Lohnrechner. Dieser verwendet die gleiche Datenbasis, fächert die Saläre pro Region, Branche, Tätigkeit usw. auf und weist ein allgemeines Durchschnittssalär aus, das für beide Geschlechter gelten kann. Damit leistet der SGB einen positiven Beitrag zur Lohngleichheit.

Eine Eigenheit haben jedoch alle Lohnrechner, welche auf den Daten des BfS basieren: Es werden teilweise Inkonvenienz-Entschädigungen wie z.B. für Schicht- / Nacht- oder Sonntagsarbeit in die Durchschnittswerte eingerechnet.

Eine bessere Alternative: Verwenden Sie die Daten des «Landolt & Mächler»–Salärvergleichs

Er zeichnet sich aus durch einen transparenten Markt, 100 Prozent geprüfte Daten, aktuelle Funktionsbeschreibungen und top aktuelle Saläre etc. Unsere Berechnungen sind nachvollziehbar und die Resultate werden aus den Daten der betreffenden Region und Funktion gewonnen. Das erhöht die Genauigkeit der Resultate erheblich und verschafft Ihnen Sicherheit in der Praxis.

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