14.12.2016

Case Management: Wiedereingliederung in fünf Schritten

Ein professionelles Case Management begünstigt die rasche Rückkehr von kranken oder verunfallten Mitarbeitenden an den Arbeitsplatz. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie die Wiedereingliederung in fünf Schritten gelingt.

Von: Julia Keller   Drucken Teilen   Kommentieren  

Julia Keller

Julia Keller ist Sozialver­sicherungsfachfrau mit eidg. Fachausweis und Case Managerin CAS.

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Im Case Management geht es darum, den Mitarbeitenden mit der Hilfe zur Selbsthilfe zurück an den Arbeitsplatz zu führen. Dies stellt sicher, dass der Arbeitgeber das Know-how des Mitar­beitenden nicht verliert. Zudem sind die Einarbeitungskosten für neue Mitarbei­tende nicht zu unterschätzen. Das Case-Management-Team stellt im Rahmen der geplanten Umsetzung Kontakt mit allen involvierten Sozialversicherungen, den Krankentaggeldversicherungen, den Ärz­ten und allenfalls mit den Angehörigen her. Die Unterstützung durch die IV er­möglicht Hilfsmittel am Arbeitsplatz und andere Eingliederungsmassnahmen.

Rückführung ohne Druck

Die Rückführung an den angestamm­ten oder angepassten Arbeitsplatz soll schrittweise, mit stetigen Steigerungen der Leistung, erfolgen. Damit wird der Wiedereinsteigende wie auch das Ar­beitsumfeld nicht überfordert und die Wiedereingliederung wird nachhaltig. Um einen Einarbeitungsversuch ohne Druck zu gewährleisten, kann es sein, dass der Arbeitgeber auf die Weiterleis­tung der Taggelder angewiesen ist. Viele Taggeldversicherungen sind jedoch froh, wenn der Arbeitgeber den Schritt mit dem Mitarbeitenden in die Reintegration wagt, denn eine Kündigung fördert die Arbeitsfähigkeit nicht. Somit lohnen sich die Aufwendungen für alle Parteien.

Praxistipp:
Je länger eine Person ohne Arbeit bleibt, desto kleiner werden erfahrungsgemäss die Chancen, dass sie eine angepasste Arbeitsstelle fi ndet. Deshalb ist ein sofor­tiges Handeln bezüglich Anmeldung des Case Managements oder zumindest eine Früherfassung bei der IV angezeigt.

Das folgende Beispiel veranschaulicht den Idealfall einer Wiedereingliederung eines erkrankten Mitarbeitenden mithilfe eines Case Managers.

Beispiel:
Herr F. ist seit 2 Monaten krank. Er hat regelmässig Kontakt mit der Personalad­ministratorin, Frau E. Diese ist nicht über die Art der Krankheit informiert. Die Krankentaggeldversicherung zahlt Taggelder, ergreift ansonsten jedoch keine anderen Massnahmen. Frau E. möchte die Situa­tion verbessern und Herr F. wieder zurück an den Arbeitsplatz führen. Sie schaltet ihre angeschlossene Case Managerin ein.

Unter Berücksichtigung der folgenden fünf Schritte kann bei optimalen Verhält­nissen eine rasche Rückkehr an den Ar­beitsplatz erreicht werden:
1.   Situationsanalyse
2.   Assessment
3.   Zielsetzung und Planung
4.   Implementierung des Plans
5.   Evaluation

1. Situationsanalyse

Zuerst besprechen die Case Managerin und Frau E. im Gespräch die Situation, den Auftrag und das weitere Vorgehen. Herr F. wird von Frau E. über das Case Management informiert und muss da­mit einverstanden sein, bevor die Case Managerin mit ihm Kontakt aufnimmt. Danach sucht sich die Case Managerin die weiteren relevanten Informationen zusammen. 2. Assessment Beim Kennenlernen kann Herr F. mit der Case Managerin Gespräche unter vier Augen führen. Diese Gespräche bleiben vertraulich und helfen der Case Mana­gerin die Situation richtig einzuschätzen und anschliessend entsprechende Ziele zu visualisieren und die weitere Planung an­zugehen. Die Case Managerin evaluiert die Ressourcen von Herrn F. und hört sich die Probleme genau an.

2. Assessment

Beim Kennenlernen kann Herr F. mit der Case Managerin Gespräche unter vier Augen führen. Diese Gespräche bleiben vertraulich und helfen der Case Mana­gerin die Situation richtig einzuschätzen und anschliessend entsprechende Ziele zu visualisieren und die weitere Planung an­zugehen. Die Case Managerin evaluiert die Ressourcen von Herrn F. und hört sich die Probleme genau an.

3. Zielsetzung und Planung

Zusammen wird ein erreichbares Ziel er­arbeitet und vertraglich festgehalten. Es wird ein Zeitplan definiert, wann welche Ziele überprüft werden. In Zusammen­arbeit mit dem Arbeitgeber werden die Ziele kommuniziert und mit dem direk­ten Vorgesetzten erste Abklärungen über die Realisierung diskutiert. Das Kostendach wird mit der Personaladmi­nistratorin Frau F. festgelegt. Auch der Kontakt mit der Krankentaggeldversicherung wird verstärkt. Sie goutiert die Bestrebungen und die gute Mitarbeit des Erkrankten.

4. Implementierung des Plans

Die Invalidenversicherung wird ins Boot geholt, um entsprechende Hilfsmittel für den Arbeitsplatz zu sichern. Nach Abspra­che mit der Krankentaggeldversicherung übernimmt sie während der Einarbei­tungsphase, bis Herr F. wieder ein gewis­ses Mass an Produktivität erreicht hat, die Taggelder in vollem Umfang. Die medi­zinische Betreuung wird durch die Case Managerin beurteilt und verbessert. Die Einarbeitungsphase muss realistisch, ziel­führend und mit allen vorhandenen Res­sourcen geplant werden. Es gilt die Res­sourcen von Herrn F. zu aktivieren, wobei bei der Ressourcenpflege im Privatleben viel Feingefühl gefragt ist. Die wichtigsten Ressourcen für die Heilung und die Wie­dereingliederung sind seine Familie und seine Arbeitskollegen.

Die Familie unterstützt ihn mit:

  • Mut zusprechen
  • Organisation der Transporte zum Ar­beitsplatz
  • der vorläufigen Abnahme der haushäl­terischen Aufgaben Die Arbeitskollegen unterstützen ihn mit:
  • Wohlwollender Aufnahme ins Team
  • tatkräftiger Unterstützung bei der Ein­arbeitung

Mit den neuen Hilfsmitteln kann der Mit­arbeitende nun üben und findet sich da­mit langsam zurecht. Er kann monatlich die Arbeitsfähigkeit (bzw. Produktions­fähigkeit) erhöhen und findet nach wei­teren sechs Monaten zurück an seinen alten, verbesserten Arbeitsplatz.

5. Evaluation

Während der ersten Zeit mit dem vollen Pensum von Herrn F. wird die Arbeit der Case Managerin nun darin liegen, die Kontinuität sicherzustellen. Sie wird den Arbeitsprozess regelmässig überwachen und gewährleistet, dass Herr F. integriert bleibt. Die Case Managerin ist geschult, Anzeichen eines sich anbahnenden Rück­falles sofort zu erkennen und Gegen­massnahmen einzuleiten. Auch die familiäre Situation muss sich wieder einpendeln. Herr F. hat Glück, dass seine Familie ihn trotz seiner bleiben­den Behinderung weiterhin im Haushalt und bei Freizeitaktivitäten unterstützt.

Auch die familiäre Situation muss sich wieder einpendeln. Herr F. hat Glück, dass seine Familie ihn trotz seiner bleiben­den Behinderung weiterhin im Haushalt und bei Freizeitaktivitäten unterstützt. Mit zwei weiteren Besuchen an der Ar­beitsstelle kann die Case Managerin den Fall abschliessen. Sie weist in ihrem Ab­schlussbericht auf die speziellen Faktoren der Arbeitsplatzerhaltung hin. Mit dem Ergebnis sind alle Beteiligten zufrieden. Zum Abschluss gehört immer ein Gesamt­rückblick mit einer Einschätzung aller re­levanten Faktoren. So kann die Qualität des Case Managements gewährleistet werden.

Wenn alles nichts nützt

Oft ist es auch mit der Hilfe von allen Be­teiligten für den Arbeitgeber nicht mög­lich, den Arbeitsplatz so anzupassen, dass die erkrankte oder verunfallte Person ihre volle Leistungsfähigkeit wieder erreichen kann. Dann muss eine neue Anstellung gefunden werden. Dies geschieht nach Wunsch mit dem Case-Management-Team mithilfe der Regionalen Arbeitsver­mittlungsstellen (RAV), der IV und dem sozialen Netzwerk. Bei langjährigen Mit­arbeitenden kann es durchaus im Interes­se des Arbeitgebers liegen, die Betreuung durch das Case Management weiterzu­führen.

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