25.06.2018

Betriebliche Mentoren: So steigt die Life-Balance

Von den instinktiven Grundbedürfnissen bis hin zur Selbstverwirklichung: Die Bedeutung der Arbeit tangiert uns Menschen auf allen Ebenen. Da sie ein Teil des Lebens ist, sollte man daher besser von Life-Balance als von Work-Life-Balance sprechen. Betriebliche Mentoren können helfen, diese nachhaltig zu verbessern.

Von: Sonja Kupferschmid Boxler  DruckenTeilen Kommentieren 

Sonja Kupferschmid Boxler

Sonja Kupferschmid Boxler verfügt als Arbeits- und Organisationspsychologin und Klinische Psychologin über wissenschaftlich fundiertes Know-how im Bereich der Psychologie. In ihrer Tätigkeit als Leiterin Produkte/Entwicklung beim Coachingzentrum Olten setzt sie sich mit dem Themenschwerpunkt der Resilienz auseinander. Ihr Praxisbezug gründet ausserdem in ihrer täglichen Arbeit als Coach und Psychotherapeutin.

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Eine Geschichte zum Einstieg: «Ein Student war auf dem Weg zu einer wichtigen Prüfung. Als er durch die Gänge lief, fiel ihm eine Tür auf, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Er wusste, wenn er durch diese Türe ginge, würde er ein erfülltes Leben haben – Glück, Zufriedenheit und alles, was er sich wünschte. Aber er musste ja zur Prüfung! Und er sagte sich: «Nachher, nach der Prüfung gehe ich durch diese Tür!» Und er ging nach der Prüfung diesen Gang wieder entlang, aber die Tür war weg. Einige Jahre später war derselbe Mann – mittlerweile Manager in einem grossen Unternehmen, erfolgreich, anerkannt, beliebt – auf dem Weg zu einem wichtigen Geschäftsmeeting. Es sollten grundlegende Entscheidungen für das Unternehmen getroffen werden. Da war sie wieder, diese Tür, die Glückseligkeit verströmte. Und er wusste: «Wenn ich durch diese Türe träte, wäre ich zufrieden und glücklich.» Und er sagte sich: «Nachher, nach dem Meeting habe ich Zeit, dann werde ich durch diese Türe gehen!» Und nach dem Meeting – Sie ahnen es schon – war die Tür nicht mehr da. Viele Jahre später: Unser Mann sitzt in seinem Garten auf seiner Bank, schaut seinen Enkeln beim Spielen zu, hat alle Zeit der Welt. Und da ist sie wieder, diese Tür, die Glückseligkeit preist. Und er denkt sich: «Jetzt gehe ich hindurch!» Aber als er aufstehen will, versagen ihm die Beine.»

Arbeit hat eine grosse Bedeutung für uns Menschen

Wen regt diese Geschichte nicht zum Nachdenken an? Und wer hat sich noch nie dabei erwischt, «unwichtige» Dinge auf morgen zu verschieben und dem Glaubenssatz «zuerst die Arbeit und dann das Vergnügen» zu folgen? Zweifellos nimmt die Arbeit in unserem Leben einen zentralen Stellenwert ein – rechnen wir nur mal die Stunden zusammen, welche wir an unserem Arbeitsplatz verweilen. Auch das Bewusstsein darüber, dass wir oft mehr Zeit mit unseren Arbeitskollegen verbringen als mit unserer Familie, verdeutlicht die Bedeutung der Arbeit. Unsere Arbeit dient, neben dem Erwerb von Geld, auch der sozialen Einbettung und der Persönlichkeitsentwicklung. Die Motive, welche die Erwerbsarbeit befriedigt, können anhand des Modells der Bedürfnishierarchie, das der Psychologe Abraham Maslow entwickelt hat, schlüssig zugeordnet werden.

Arbeit befriedigt unsere Motive auf der Stufe der sozialen Bedürfnisse nach Kontakt (Stufe III), auf der der Anerkennung und Wertschätzung (Individualbedürfnisse, Stufe II) und auf der des transzendenten Bedürfnisses nach Selbstverwirklichung (Stufe I). Ebenso stellt die Arbeit natürlich auch die physiologischen Bedürfnisse (Stufe V) und den Wunsch nach Sicherheit, Recht und Ordnung (Stufe IV) sowie Freiheit von Bedrohung sicher. Menschliche Arbeit hat also nicht nur einen Ertrag, sie hat auch einen Sinn. Für die Mehrzahl der Menschen ist sie Gewähr eines gelingenden Lebensprozesses: Sie ermöglicht soziale Identität, Kontakte zu anderen Menschen über den Kreis der Familie hinaus und ermöglicht einen strukturierten Tagesablauf. Arbeit befriedigt also Bedürfnisse auf allen Stufen – kein Wunder also, dass wir die Gestaltung und Gewichtung dieses Lebensbereiches von Zeit zu Zeit reflektieren sollten.

Arbeit als Teil einer stimmigen Life-Balance

Das Leben hält nun aber verschiedenste Bereiche für uns bereit und besteht nicht nur aus Arbeit. Diese Lebensbereiche sind weit differenzierter zu erfassen als «Life» und «Work». An dieser Differenzierung erscheint insbesondere problematisch, dass überhaupt eine Trennung zwischen «Life» und «Work» vorgenommen wird, wo doch die Arbeit Teil des Lebens ist. Je differenzierter die einzelnen Bereiche genannt werden, desto individueller werden sie. In Umfragen werden beispielsweise Lebensbereiche genannt wie «Ich-Selbst», «Gesellschaft und Kultur», «Vitalität» oder auch «soziale Beziehungen». Um ein erfülltes Leben zu führen, beziehen sich Menschen auf mehr als nur einen Lebensbereich. Wer jedoch in jedem Lebensbereich das Optimum erreichen wollte, bräuchte schnell einen 40-Stunden-Tag. Also gilt es, Prioritäten zu setzen, Vereinbarkeiten zu prüfen und in Auswirkungen zu denken. Dies ist in der Hektik des Alltags leichter gesagt als getan, weshalb hier Unterstützung nicht schaden kann.

Professionelle Begleitung von Entwicklungsprozessen

Genau bei solchen Fragestellungen können betriebliche Mentoren zum Einsatz kommen. Sie helfen den Mitarbeitenden professionell, zielfokussiert und unter der professionellen Anwendung fundierter Tools und Methoden, arbeitsplatzbezogene Fragestellungen zu reflektieren. Betriebliche Mentoren unterstützen Einzelpersonen bei der Bearbeitung von Fragestellungen und geben diesen hilfreiche Tools für den Arbeitsalltag mit, unterstützen sie bei der Reflektion, ermöglichen Perspektivenwechsel, geben hilfreiche Weiterentwicklungsimpulse und tragen so einen wichtigen Teil zu einer stimmigen Life-Balance der Mitarbeitenden einer Organisation bei. Der Nutzen für die Organisation liegt auf der Hand.

Die Unterstützung von Mitarbeitenden in Organisationen ist ein grosses Bedürfnis in der Arbeitswelt. Dies einerseits wegen den stetig steigenden Anforderungen und andererseits wegen der immer schwierigeren Trennung sowie Vereinbarkeit der verschiedenen Lebensbereiche. Diese Kombination fordert die Organisation und ihre Mitarbeitenden stärker heraus, weshalb Unterstützung in der Begleitung von Entwicklungsprozessen von Mitarbeitenden für eine langfristige gesunde Organisation unabdingbar ist.

Anerkannter Fachausweis

Das Handwerk der betrieblichen MentorInnen ist somit so abwechslungsreich wie auch anspruchsvoll und bedarf einer fundierten Ausbildung sowie soliden Qualitätssicherung. Im Jahr 2014 erkannte das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) den neuen Berufstitel «Betrieblicher Mentor mit eidgenössischem Fachausweis» offiziell an und wurde so einem aktuellen Bedürfnis von Organisationen gerecht. Der Fachausweis «Betrieblicher Mentor» stellt eine Zusatzqualifkation dar, welche sich über vielfältige Handlungskompetenzen definiert. Um nur ein kurzes Beispiel zu geben: Die Absolventen dieses Fachausweises verfügen nach erfolgreichem Abschluss dieser Weiterbildung über ein reflektiertes Begleitungskonzept, in welchem sie differenziert ihre Haltung, ihre Methoden, ihr Menschenbild sowie ihr Marketing erläutern können.

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