02.02.2018

Corporate Wellbeing: Man braucht Erholungsphase

Programme, die das Wohlbefinden fördern, werden für Unternehmen immer wichtiger. Mit Mara Lascar, Gründerin von Joy Corporate GmbH, sprechen wir über Corporate Wellbeing.

Von: Mara Lascar   Drucken Teilen   Kommentieren  

Mara Lascar

Mara Lascar Sie ist ausgebildete Journalistin und hat als Moderatorin sowie Nachrichtensprecherin in Ihrer Heimatstadt Bukarest gearbeitet. Verfügt über mindestens 15 Jahre internationale Erfahrung in Verkauf, Marketing und Key Account Management. Sie hat in verschiedenen internationalen Firmen in den Bereichen Finanzen, Medizin/Pharma und Advertising gearbeitet und kennt aus eigener Erfahrung das anspruchsvolle Corporate Arbeitsumfeld. Sie ist jetzt Geschäftsführerin und Gründerin der Firma Joy Corporate GmbH in Basel.

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Corporate Wellbeing

personalSCHWEIZ: Was ist Corporate Wellbeing genau?

Mara Lascar: Wohlbefinden bedeutet ein ganzheitliches bio-psycho-soziales Konstrukt. Es ist sehr interessant zu sehen, dass die HR-Manager und die BGM-Verantwortlichen immer über «Betriebliches Gesundheitsmanagement » oder «Corporate Wellness» sprechen und fast nie über «Corporate Wellbeing». Wohlbefinden und Wellness sind verschieden und benötigen unterschiedliche Konzepte. Keines ist besser oder wichtiger. Beide haben einen sehr grossen Einfluss auf die Gesundheit der Mitarbeitenden. Beide können Teil von einem BGM (Betriebliches Gesundheitsmanagement) Programm sein! Corporate Wellness ist mehr auf die körperliche Gesundheit konzentriert. Es hat zwar eine ganzheitliche Ausrichtung, der Schwerpunkt liegt jedoch auf der körperlichen Verfassung. Bei Wellness wird immer auch ein Fortschritt gesucht. Wohlbefinden ist ein ganzheitlicher Seinszustand, ein insgesamt positives Leben, das emotional, spirituell, sozial und geistig begründet wird.

Wodurch unterscheidet sich Corporate Wellbeing, wie Sie es anbieten, von einem herkömmlichen Betrieblichen Gesundheitsmanagement?

Gesundheit wird im betrieblichen Umfeld sehr unterschiedlich behandelt. BGM oder «Corporate Health Management » ist eigentlich ein systematisches Vorgehen auf allen Ebenen der Betriebsführung (Kultur-Ebene und Prozess- Ebene). Die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) konzentriert sich auf die aktive Förderung der psychischen und physischen Gesundheit aller Mitarbeiter im Rahmen der Primärprävention und enthält Corporate Wellness und Corporate Wellbeing. Aber der Schlüssel zu einem erfolgreichen Corporate- Health-Programm ist die Förderung des allgemeinen Wohlbefindens. Ich sage manchmal: Corporate Wellness ist «die Hardware» und Corporate Wellbeing ist «die Software».

Wie sind Sie auf die Idee, Corporate Wellbeing anzubieten, gekommen?

Nach über 15 Jahren Arbeit in verschiedenen internationalen Firmen kenne ich aus eigener Erfahrung das anspruchsvolle Corporate Arbeitsumfeld. Ich weiss, dass sehr viele Angestellte jeden Tag ohne ein Lächeln arbeiten. Mitarbeiter, die nicht glücklich oder gesund sind, haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und Aufgaben zu erledigen, sodass es für die Arbeitgeber Sinn macht, Hilfe zu leisten. Das hat mich motiviert, um ein Business in diesem Bereich zu starten. Ich möchte etwas ändern, etwas Gutes für andere Menschen tun. «Corporate Wellbeing » klingt vielleicht banal! Ich möchte den Leuten zeigen, wie wichtig es eigentlich ist und wie stark es unsere Gesundheit beeinflussen kann. Alles wurde schon wissenschaftlich bewiesen und in Amerika oder Australien schon seit Jahren mit viel Erfolg eingeführt.

Sie bieten kreative Workshops für Corporate Wellbeing an. Was hat es damit auf sich?

Die kreativen Workshops ermöglichen den Mitarbeitenden, sich von ihren professionellen und persönlichen täglichen Anforderungen kurz zu lösen. Sie kehren danach erholter und konzentrierter zu ihren Aufgaben zurück. So viel Spass die Arbeit macht, man braucht einfach Erholungsphasen. Es ist niemand in der Lage, sich acht Stunden am Stück zu konzentrieren. Wenn lange Zeit ohne Erholungspause gearbeitet wird, leidet die Qualität der Arbeit. Die Frage ist: Was soll man während diesen Mikro-Pausen tun? Die Forschung hat gezeigt, dass Personen direkt nach einem kreativen Workshop oder einem Lachtherapie-Workshop eine erhöhte Produktivität von durchschnittlich 12 Prozent haben. Auch die aktive künstlerische Betätigung führt zu einer Steigerung der funktionellen Verbindungen im Ruhenetzwerk des Gehirns. Daraufhin erhöhen sich die psychologische Widerstandsfähigkeit und das subjektive Wohlbefinden. Wer keine Hobbys als Ausgleich zum Alltag hat, läuft eher Gefahr, vor Stress krank zu werden, sei es mit einem echten Burnout oder auch mit ständigen Infekten. Das Problem ist aber, dass ein Mensch mehr als ein Drittel seiner Wachstunden bei der Arbeit verbringt! Dann kommt da noch die Familie, die ebenfalls wichtig ist, aber für Hobbys bleibt einfach keine Zeit. Deswegen sind Hobby-Workshops am Arbeitsplatz eine sehr gute Lösung. Solche Workshops haben mehrere Funktionen: Entspannung, kreative Erholungspause, Produktivitätssteigerung und das Wichtigste: Wir sensibilisieren die Leute für ein insgesamt gesundes Leben und regen den Appetit für Hobbys an.

Sie sind als erste Firma in der Schweiz als «Corporate Wellness Specialist» zertifiziert ...

Ja, das stimmt. Im Schweizer Businessmarkt und sogar in Zentraleuropa haben wir die erste CHWA Zertifizierung «Certified Corporate Wellness Specialist®» unter den neusten Anforderungen. Das ist eine zusätzliche Bestätigung und Anerkennung von Kompetenzen im Bereich Corporate Health. Wir nehmen jedes Jahr an dem «Employer Healthcare & Benefits » Kongress in Amerika teil. So sind wir immer up-to-date mit allen neuen Anforderungen, Studien, Informationen und Arbeitspraktiken in unserem Arbeitsbereich. Corporate Wellbeing «Man braucht Erholungsphasen» Programme, die das Wohlbefinden fördern, werden für Unternehmen immer wichtiger. Mit Mara Lascar, Gründerin von Joy Corporate GmbH, sprechen wir über Corporate Wellbeing. Interview geführt von Kevin Hofer

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf Corporate Wellbeing?

Diese Entwicklung hat natürlich Vorteile und Nachteile. Ich bin aber sehr enthusiastisch und glaube, dass die Digitalisierung viele neue Möglichkeiten eröffnet. Aber nur wenn man das begrenzt und bewusst nutzt. Ein digitales betriebliches Gesundheitsmanagement ergibt auch viele neue Möglichkeiten, um für die Gesundheit der Mitarbeiter zu sorgen. Moderne und attraktive Gesundheitsangebote könnten zudem ein Anreiz für mögliche Bewerber sein, einen Arbeitsvertrag mit einem vorausdenkenden Unternehmen abzuschliessen. Joy Corporate entwickelt jetzt eine App für Corporate Wellbeing. Es ist ein ganz spannendes Projekt, das mir am Herzen liegt.

Wie effizient sind BGM-Massnahmen und lassen sie sich messen?

BGM-Massnahmen lassen sich leider nicht so gut messen. Natürlich weiss man schon, dass bei BGM-Massnahmen ein Return on Investment von ungefähr 3:1 erwirtschaftet werden kann. Wir können natürlich die Senkung der Fluktuation oder die Absenzen beobachten, aber wie kann man die Mitarbeiterzufriedenheit genau messen? Es gibt noch einen Aspekt, der sich schwer messen lässt: Arbeitnehmende im kritischen Bereich sind anwesend, können jedoch nicht ihre volle Leistung erbringen. Man geht davon aus, dass dieses Phänomen den Unternehmen zwei bis drei Mal mehr Kosten verursacht als Absenzen. Es ist die Vorstufe für Langzeitausfälle. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass wir nicht nur die Zahlen anschauen, sondern die Mitarbeiter als Menschen sehen und ein Arbeitsklima schaffen, bei dem sich die Mitarbeitenden wohler fühlen und dadurch auch mehr leisten können, sodass

Inwiefern unterscheidet sich der Schweizer BGM-Markt von anderen Ländern?

Das Engagement der Schweizer Arbeitskräfte ist immer noch eine ganz klare Schwäche der Wirtschaft. Gemäss Gesundheitsförderung Schweiz kostet Stress die Arbeitgeber rund CHF 5,7 Mrd. pro Jahr. Wie schon erwähnt, wird Gesundheit im betrieblichen Umfeld sehr unterschiedlich behandelt. Ich denke, dass der Schweizer Business-Markt sehr viele Gelegenheiten anbietet und eine offene Kultur braucht. Grundsätzlich glauben die Leute an alternative Profylaxe, aber im Corporate Umfeld sind sie immer noch skeptisch. Natürlich haben die grossen Unternehmen schon typische Wellness-Massnahmen eingeführt wie z.B. Meditation oder Yoga-Kurse am Arbeitsplatz. Aber man kann noch viel mehr machen! Nehmen wir als Beispiel Konzerte klassischer Musik live am Arbeitsplatz, Maltherapie, tiergeschützte Therapie oder Schreibtherapie. Solche Aktivitäten senken auf Dauer den Stresslevel und damit das Risiko, an bestimmten Krankheiten – wie zum Beispiel Blutdruck-Beschwerden oder Depressionen – zu erkranken. Warum klassische Musik? Alleine durch das Hören laufen zahlreiche psychische Prozesse im menschlichen Körper ab. Klassische Musik kann Entspannung, Wohlbefinden, Balance, neue Kraft und Lebensenergie bringen. Zudem hat sie positive Auswirkungen auf die geistigen und intellektuellen Prozesse und beeinflusst Herzschlag, Blutdruck, Verdauung und Atemfrequenz. Wir unterstützen auch Projekte für soziales Engagement, weil wir überzeugt sind, dass soziale Hilfe die Menschen besser und glücklicher macht. Letztlich kann so jeder Einzelne die Welt ein kleines Stück besser machen.

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