31.01.2017

Gesundheitsmanagement: Psychosoziale Risiken und Stress

Jeder vierte Erwerbstätige fühlt sich gestresst und erschöpft. Die Betriebe kostet dies jährlich 5,7 Mrd. CHF – es besteht also Handlungsbedarf! Mittels «Workshop ABS Gruppe» können auf einfache und günstige Weise die Belastungen ermittelt und Massnahmen erarbeitet werden.

Von: Hansjörg Huwiler   Drucken Teilen   Kommentieren  

Hansjörg Huwiler

Hansjörg Huwiler ist Leiter Corporate Health bei AEH Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG in Zürich (www.aeh.ch). Er ist qualifizierter Moderator und darf die geschützte Methode «ABS – Arbeits-Bewertungs-Skala Gruppe (2015)» anwenden.

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Psychosoziale Risiken, kurz «PSR», sind diejenigen Arbeitsmerkmale, die sich psychisch, körperlich und sozial negativ auswirken können. Beispiele sind hohe Arbeitsanforderungen, Zeitdruck, fehlende soziale Unterstützung, Emotionsarbeit oder lange Arbeitszeiten. «Aggressive Kunden» (61 Prozent) sowie «belastende Arbeitszeiten» (43 Prozent) sind aktuell laut einer Seco-Studie bei 400 Unternehmen am häufigsten belastend (Tagesanzeiger, 28.09.16). Diese Risiken können Ursachen für Gesundheitsprobleme («Fehlbeanspruchungen») wie Stress, Burnout oder Suchtverhalten sein. Laut Gesundheitsförderung Schweiz fühlt sich 2016 jeder vierte Erwerbstätige gestresst und erschöpft, was die Arbeitgeber hochgerechnet 5,7 Mrd. CHF durch Produktivitätseinbussen und Ausfälle kostet.

Arbeitsinspektoren schauen genau hin

Da psychische Gesundheitsprobleme zunehmen, wurden die «PSR» vom SECO für die Jahre 2014 bis 2018 als Vollzugsschwerpunkt gewählt. Die Arbeitsinspektoren überprüfen in diesen Jahren die Umsetzung des Gesundheitsschutzes in diesem Thema, v.a. den Stand bezüglich Schutz der persönlichen Integrität (Reglement, vertrauliche Ansprechstellen etc.), des Schutzes vor psychischen Fehlbeanspruchungen (Erfassung Belastungen, Schulung Führungskräfte etc.) und ob Hinweise auf Gesundheitsbeeinträchtigungen vorhanden (hohe Gleitzeitsaldi, erhöhte Fehlzeiten, erhöhte Fluktuation, gemeldete Mobbingfälle etc.) sind.

Was sollen die Betriebe tun?

  • Ermittlung der Belastungssituation im Betrieb und Prävention. Wichtig ist die Auswahl des geeigneten Vorgehens (Analyse mittels Checklisten, Befragungen, Audits, Workshops, Beizug von Experten etc.). Im Bedarfsfall wird die Arbeitsgestaltung mit geeigneten Massnahmen optimiert.
  • Sensibilisierung der Führungskräfte. Diese müssen verstehen, was «PSR» sind, was ihre Rolle und ihre Verantwortung ist und wie sie Mitarbeitenden mit Beanspruchungsreaktionen oder psychischen Störungen erkennen und unterstützen können.
  • Gewährleisten des Schutzes der persönlichen Integrität (Leitbild, Reglement, Schulung und Information, Anlaufstellen). Betroffene sollen im Bedarfsfall durch eine geeignete Stelle unterstützt werden.
  • Thematisierung Stress und Burnout (Fehlbeanspruchungen) und Ausbildung. Die Mitarbeitenden sollen befähigt werden, mit den Arbeitsbelastung und Stress umgehen zu können.

Workshop ABS Gruppe

«PSR» sind weit verbreitet. Eine einfache und effiziente Möglichkeit zur Ermittlung von «PSR» im Betrieb ist das von der österreichischen Firma humanware GmbH entwickelte Verfahren ABS Gruppe (Arbeits-Bewertungs-Skala). Das Verfahren ist auch in der entsprechenden Seco-Broschüre zum Thema sowie in der BAuA-Toolbox zu finden.

Das Verfahren ist im Wesentlichen ein standardisierter Workshop in Form eines Gruppen-Interviews, mit dem die relevanten, arbeitsbezogenen psychischen Belastungsfaktoren ermittelt werden. Der Moderationsprozess dauert für eine Gruppe von maximal 12 Personen ca. 4 Std. und erfolgt, nach einem Vorgespräch mit dem Auftraggeber, mit Hilfe eines vorgegebenen Ablaufs und einem Paket von fixen Moderationsunterlagen mit folgenden Schritten:

  1. Individuelles Ausfüllen des «ABS Gruppe (2015) Fragebogen»: wie ist meine persönliche Einschätzung der Arbeitssituation? Jede/r Teilnehmende bewertet individuell folgende Aspekte (vier Skalen, 22 Items): ·       
    • Arbeitsmerkmale
      Arbeit kompliziert, ständige Konzentration, viele gleichzeitige Aufgaben, Freundlichkeitsdruck, hohe Verantwortung      
    • Organisationskultur
      Wenig Unterstützung der Kollegen, wenig Unterstützung der Führungskraft, zu wenig Rückmeldungen, unzureichende Schulung, unzureichende Entwicklungsmöglichkeiten, wenig Mitsprache
    • Arbeitsumgebung und Arbeitszeit
      Lichtverhältnisse unzureichend, Beengtheit, Ausstattung unzureichend, hohe Sinnesanforderungen, unzureichende Arbeitszeit, Erholung zu kurz
    • Arbeitsabläufe
      Prioritäten unklar, Arbeitsaufträge widersprüchlich, Zuständigkeiten unklar, Informationen fehlen, Informationen unklar
  2. Sammeln der «Belastungsschwerpunkte»: welches sind die Hauptthemen aller Teilnehmenden aus den Einzelfragebogen?
  3. Formulierung der «Entlastungskonkretisierung»: Was ist gut bei uns / hilft uns bei der Arbeit, wo sind unsere Ressourcen?
  4. Formulierung der «Belastungskonkretisierung»: was ist ungünstig und belastend, was behindert uns bei der Arbeit?
  5. «Massnahmenentwicklung»: Entwicklung und Konkretisierung von Ideen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen - was müsste als Wichtigstes angegangen werden, was sind unsere konkreten Vorschläge?

Dieses Verfahren ist besonders geeignet für kleinere Organisationen oder Abteilungen, für die eine schriftliche Befragung (z.B. IMPULS2, AEH - Befragung) überdimensioniert ist oder wenn Mitarbeitende damit nicht gut erreicht werden können. Ein besonderer Vorteil besteht darin, dass gleichzeitig mit der Erhebung entsprechende Massnahmenvorschläge erarbeitet werden. Dies unter Nutzung des internen Betriebswissens in Kombination mit externer Facherfahrung.

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