16.03.2020

Echtes Commitment: Willi Wer?

Sowohl Forscher als auch die evidenzbasierten Daten des Swiss Arbeitgeber Awards zeigen klar: Willi ist DER Mitarbeitende der Zukunft — committed, verantwortungsvoll, wichtige Ziele stets im Blick. Es gilt, ihn zu fördern.

Von: Sven Bühler  DruckenTeilen 

Sven Bühler

Sven Bühler lic. phil., Psychologe, ist Geschäftsführer des Beratungs- und Befragungsunternehmens icommit, das jährlich die Befragung zum Swiss Arbeitgeber Award durchführt. www.icommit.ch/www.swissarbeitgeberaward.ch

Echtes Commitment

Echtes Commitment

Vielleicht haben Sie das Glück, bereits den ein oder anderen Willi bei sich im Unternehmen zu haben. Vielleicht kennen Sie einen Willi. Oder vielleicht wissen Sie noch nicht einmal, dass es einen Willi in Ihrer Belegschaft gibt. Fest steht, Sie sollten Willi unbedingt kennenlernen. Denn er könnte schon heute, ganz sicher aber morgen ein unverzichtbarer Mitarbeitender für Ihr Unternehmen sein. Lassen Sie mich ihn also kurz vorstellen:

Willis Geschichte beginnt am Fisher College of Business der Ohio State Universität. Dort hat Professor Howard J. Klein ein, wie ich finde, bahnbrechendes neues Konzept von Commitment entwickelt, das nach 40 Jahren Commitment-Forschung wieder Licht in das Dickicht verschiedener Ansätze bringt. Vereinfacht ausgedrückt, definiert Klein auf Basis von unterschiedlichen Ausprägungen des psychologischen Involvements drei Formen der Bindung an einen Arbeitgeber. Jedoch bezeichnet er nur eine davon als echtes Commitment.

Denn Bindung entsteht beispielsweise auch, wenn ein Mitarbeitender keine Alternativen hat. Ihn prägt eine gewisse Gleichgültigkeit, seine Anstrengungen sind nur minimal, und er versucht, sich vor allem Negativen zu schützen. Ich würde diesen ersten Bindungstypen als «Knasti» bezeichnen, denn er ist ein Gefangener seiner Umstände. Dann gibt es da noch den «Egon», wie ich ihn nenne. Auch seine Bindung an den Arbeitgeber ist noch durch ein «Müssen» statt durch ein «Wollen» definiert. Er ist der berechnende, egogetriebene Typ, daher sein Name. Für ihn zählt das Einkommen oder auch die Work-Life-Balance, denn er ist immer auf seinen eigenen Vorteil bedacht.

Ein echtes Commitment oder Involvement gibt es erst bei Willi – der will! Er sieht Bedeutung in den Aufgaben, die er bekommt, kümmert sich um gesetzte Ziele, seine Anstrengungen für das Unternehmen sind hoch, seine Motivation völlig autonom. Kurz: Der perfekte Mitarbeitende, echt committed.

Swiss Arbeitgeber Award: Viele Willis = hohes Commitment

Ich begegne Willis schon seit ein paar Jahren – jedoch ist mir das erst bei der Auswertung des diesjährigen Swiss Arbeitgeber Awards so richtig klar geworden. Denn während überall von einer starken Zunahme von Burn-out und anderer stressbedingter Arbeitsausfälle gesprochen wird, ist der Einfluss einer ausgewogenen Work-Life-Balance auf das Commitment einer Belegschaft sehr klein. Die Unternehmensstrategie wird hingegen immer wichtiger – so wichtig, dass sie, bezogen auf das Commitment, von Platz 6 bei der Befragung 2013 seit 2017 den ersten Platz erobert hat. Schaut man sich die weitere Rangfolge der Zusammenhänge zwischen den organisatorischen Rahmenbedingungen und dem Commitment der für den Swiss Arbeitgeber Award 2019 befragten Belegschaften an, wird klar, hier sprechen Willis (siehe Grafik). Arbeitsinhalt, Einbindung der Mitarbeitenden sowie ihre Förderung sind neben der Unternehmensstrategie alles Dinge, die auf das Commitment einzahlen. Natürlich, denn Willi hat Verantwortungsgefühl, ist hoch motiviert, wenn er das Ziel kennt, und ist dann auch bereit, Veränderungen in Kauf zu nehmen.

Ein Blick auf die hinteren Platzierungen dieses Rankings zeigt hingegen Aspekte wie die Vergütung, Zielvereinbarungen, den Arbeitsplatz und die zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel oder eben Arbeit und Freizeit. An wen erinnert das? Richtig, den Egon, der aus all diesen Dingen das Maximum für sich herausholen will. Mit echtem Commitment hat das nichts zu tun – sagt nicht nur Professor Klein, sondern eben auch unsere Auswertung der diesjährigen Befragung zum Swiss Arbeitgeber Award.

Die Unternehmen, die in diesem Jahr ausgezeichnet wurden – eine Übersicht der Top drei Schweizer Arbeitgeber nach Unternehmensgrösse finden Sie in der Tabelle –, haben also das grosse Glück, sich bereits über eine ganze Reihe von Willis unter ihren Mitarbeitenden freuen zu können. Für alle anderen gilt: Sie können eine Menge tun, um attraktiver für die Willis zu werden. Ich würde sogar so weit gehen, dass selbst aus einem Knasti oder Egon mit der richtigen Förderung ein Willi werden kann.

Willis fördern

Nach den bisherigen Ausführungen dürfte klar sein, dass man mit gezielten Massnahmen entweder ein Umfeld für Egons oder aber für Willis schaffen kann. Denn auch hier gibt unsere Auswertung aus den Befragungen zum Swiss Arbeitgeber Award der letzten sieben Jahre aufschlussreiche Erkenntnisse. Zum einen, dass sich nicht alles verändert hat.

Denn der Arbeitsinhalt, die Einbindung der Mitarbeitenden oder auch die Zusammenarbeit im Unternehmen waren und sind wichtige Einflussgrössen für das Commitment einer Belegschaft. Das erklärt auch, warum es vielen der Unternehmen, die sich seit Jahren dem Feedback ihrer Mitarbeitenden im Rahmen des Swiss Arbeitgeber Awards stellen, gelingt, konstant gute Platzierungen zu erzielen. Sie gehen eben genau die Themen an, die Willis, also committete Kolleginnen und Kollegen, schätzen.

Es hat sich in den letzten Jahren jedoch auch einiges getan. Beispielsweise ist die Kundenorientierung vom letzten Platz als Einflussgrösse auf das Commitment im Jahr 2013 mittlerweile um sechs Plätze auf den zehnten Rang nach oben gerückt. Kein Wunder, denn schliesslich leben wir in einer Welt, in der die Kundenwünsche immer wichtiger werden. Committete Mitarbeitende wissen um die Wichtigkeit und schätzen eine starke Kundenorientierung entsprechend. Umgekehrt lässt sich daraus schliessen, dass Unternehmen, die ihre Kundenorientierung verbessern wollen, ganz dringend mehr Willis in ihrer Belegschaft benötigen. Es wird auch immer wichtiger, wie Unternehmen mit Veränderungen umgehen. 2013 noch auf den unteren Rängen, ist 2019 auch dieser Einflussfaktor um vier Plätze nach oben geklettert.

Das legt nahe, dass Willis in Zukunft wohl noch wichtiger für Unternehmen werden. Denn in global engen Märkten mit einem harten Wettbewerb, einem sich schnell wandelnden Marktumfeld und einem hohen Grad an Individualisierung braucht es eine Belegschaft, die hinter dem steht, was sie tut – Willis. Und die sind übrigens geschlechterneutral. Ob Wilhelm oder Wilhelmine, es ist echtes Commitment, das zählt.

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