11.02.2020

Konfliktvermeidung: Mit schwierigen Menschen klarkommen

Wer kennt sie nicht: Menschen, mit denen fast jede Begegnung zum Hürdenlauf wird. Kollegen, die ständig etwas missverstehen, Familienmitglieder, die herumnörgeln oder beleidigen. Wie kann man mit diesen Menschen so umgehen, dass man dabei nicht auf der Strecke bleibt? Schlagfertigkeit? Ein dickes Fell? Hier ein paar Tipps zur Konfliktvermeidung für alle, die unter Cholerikern, Drama-Queens und Dauernörglern leiden.

Von: Silke Weinig  DruckenTeilen 

Silke Weinig

Silke Weinig ist Coach, Trainerin und Bloggerin für Selbstmanagement und Potenzialentfaltung. Ihr Ziel ist es, wirksame Instrumente und kreative Impulse zu geben, mit denen jeder seinen Alltag nach den eigenen Bedürfnissen gestalten kann.

Konfliktvermeidung

Konfliktvermeidung

Konfliktvermeidung

Gleich vorweg: Schwierige Personen darauf hinzuweisen, dass man sie als anstrengend erlebt, oder sie gar um eine Veränderung zu bitten, ist zu 100 Prozent vergebene Liebesmüh! Warum? Mit grosser Sicherheit wird der Person überhaupt nicht bewusst sein, dass sie schwierig ist. Besser ist es daher, Strategien zu entwickeln, wie Sie mit diesen Menschen umgehen. Das schont Ihre Nerven und bewahrt Ihre geistige Gesundheit, da es schwierigen Menschen ansonsten immer wieder gelingt, negative Gefühle in Ihnen auszulösen.

Es ist hilfreich, zu klären, mit welchem Typus von Plagegeist man zu tun hat. Sicher, die Charakterzüge unserer unangenehmen Zeitgenossen treten selten in Reinform auf. Meist treffen wir auf «Mischwesen». Dennoch − wenn wir das Grundmuster des Quälgeists erkannt haben, können wir beginnen, Strategien für den künftigen Umgang zu entwickeln. So haben wir die Möglichkeit, souverän emotionale Distanz zu bewahren, damit wir uns nicht persönlich angegriffen, verletzt, übervorteilt oder ausgenutzt fühlen.

Der Egoist

Egoisten befinden sich in einem ständigen Wettbewerb. Sie wollen immer gewinnen und benutzen jede Art von Beziehung, Konversation oder Aktivität als Aktionsfeld für ihre Wettbewerbsspielchen, um sich als die Besseren zu beweisen. Egoisten kommandieren gerne und spielen oft den Boss. Sie können nicht gut zuhören und kennen keine Kompromisse. Egoisten setzen oft sehr erfolgreich ihren Willen durch, da sie wie Dampfwalzen Gegenargumente oder andere Ideen plattmachen. Ihr Selbstbewusstsein kann einschüchternd wirken. Sie argumentieren gerne schwarzweiss und manipulieren, bis der Gesprächspartner einknickt.

Bieten Sie Egoisten keine Angriffsfläche! Kontrollieren Sie sich gut, zeigen Sie keine Schwächen und befeuern Sie die Angriffslust des Egoisten nicht mit Gegenargumenten – egal, wie vernünftig diese sind. Der Egoist braucht viel Aufmerksamkeit – im Grunde ist er sehr einsam. Auch wenn es Ihnen widerstrebt: Bieten Sie ihm die Bühne, hören Sie aufmerksam zu, und falls er etwas Sinnvolles sagt, geben Sie eine positive Rückmeldung. Ein Lob oder Kompliment macht ihn möglicherweise zugänglicher für Gegenargumente. Bleiben Sie freundlich und halten Sie Augenkontakt, ohne zu fixieren. Aber lassen Sie nicht zu, dass der Egoist Sie dominiert.

Der Choleriker

Ohne Vorwarnung zu explodieren, ist typisch für Choleriker. Sie gehören zur Gattung der Rechthaber und wirken oft genervt oder schlecht gelaunt. Choleriker sind sehr impulsiv und damit leicht erregbar. Viele schaffen es kaum bis gar nicht, ihre negativen Gefühle zu kontrollieren. Choleriker sind unsichere Menschen, die sich nach Zuneigung und Anerkennung sehnen. Die kleinste Kritik kann ihr zerbrechliches Ego zum Einsturz bringen. Choleriker reagieren mit Trotz und schlagen verbal mit Beleidigungen um sich.

Bei sich selbst zu bleiben und adäquat sowie besonnen zu reagieren, ist das Wichtigste, wenn ein Choleriker erst einmal in Fahrt gekommen ist. Da hilft nur, den Tornado an sich vorbeiziehen zu lassen und nichts in die Glut zu werfen, was zur nächsten Explosion führen könnte. Achten Sie lieber auf eine gute Psychohygiene für sich selbst. Nehmen Sie bloss nichts persönlich! Sobald der Choleriker abgekühlt ist, können Sie einen neuen Gesprächsversuch starten, aber achten Sie auf mögliche Tretminen. Für eine gute Psychohygiene ist es auch wichtig, dem Choleriker Grenzen zu setzen: Falls er Sie verbal angegriffen hat, sollte er das in seiner «Ruhephase » erfahren. Erwarten Sie aber keine Entschuldigung, als Rechthaber und Besserwisser ist das für Choleriker unmöglich.

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Die Drama-Queen

Ein theatralischer Mensch wird unabhängig von seinem Geschlecht als «Drama-Queen» bezeichnet. Diese Personen nehmen sich sehr wichtig. Sie streben nach Aufmerksamkeit und tun in grosser Regelmässigkeit alles dafür, um diese zu bekommen. Es sind passiv- aggressive Menschen, die aufgrund von ungelösten Konflikten viel innere Wut aufgestaut haben. Beim Dampfablassen gehen sie eher subtil vor und zwingen oftmals ihrem Gegenüber lästige Pflichtgefühle auf. Ein «Nein, ich brauche keine Hilfe» bedeutet das genaue Gegenteil. Wird nicht wie gewünscht reagiert, sind sie beleidigt.

Machen Sie das Theater nicht mit! Lassen Sie keine Ausreden zu, die Sie zu faulen Kompromissen verführen. Eine Drama-Queen verhält sich nicht mit Absicht passiv-aggressiv. Ihr ist ihr feindseliges Verhalten nicht bewusst. Ebenso wenig weiss sie, wie sie ihre Wünsche und Bedürfnisse auf bessere Art ausdrücken könnte. Für diese Personen ist es eine grosse Hilfe, wenn Sie sie dabei unterstützen, ihre Wünsche und Bedürfnisse anzusprechen und selbstbewusst um etwas zu bitten. Da sich Drama-Queens nach Aufmerksamkeit sehnen, reicht es oft, wenn man ihnen einfach nur zuhört. Erkennen Sie ihre Gefühle an, aber setzen Sie auch klare Grenzen.

Der Neurotiker

Neurotiker sehen das Leben als hürdenreiche Berg- und Talfahrt. Meist sind sie ängstliche und pessimistische Menschen, die in jeder Suppe ein Haar finden. Sie beziehen die geringste Kritik direkt auf sich, weil sie ständig befürchten, etwas falsch zu machen. Ferner gehören sie zur Gruppe der Neinsager, die an jedem Vorschlag etwas zum Nörgeln finden. Sie glauben, dass sie es nur gut meinen, wenn sie auf mögliche Schwierigkeiten hinweisen, merken aber nicht, wie anstrengend ihre Unkenrufe und das Dauergejammer für andere sind.

In Gesprächen mit Neurotikern, vor allem in Konfliktgesprächen, ist es wichtig, klarzumachen, dass es um die Sache geht und nicht um sie. Achten Sie darauf, eine klare, sachliche Position zu vertreten. Freundlich gemeinte Konjunktiv-Floskeln wie «So könnte es vielleicht sein ...» bringen den unsicheren Neurotiker ins Schwanken. Ganz wichtig: Setzen Sie klare Grenzen, insbesondere dann, wenn Neurotiker versuchen, mit einem «Ja, aber ...» wieder von vorne mit dem Genörgel oder Gejammer zu beginnen.

Die Mimose

Mimosen sind sehr unsichere Menschen und abhängig von der Zuneigung anderer. Sie halten sich für schwach und idealisieren stärkere Personen. Gleichzeitig fühlen sie sich ständig benachteiligt, glauben, in der zweiten Reihe zu stehen, und neigen zu Stimmungsschwankungen – oft ohne Vorwarnung! Sie rechnen ständig mit dem Schlimmsten. Je nach Stimmung wittert die Mimose hinter jedem Blick, jedem gesprochenen oder unausgesprochenen Wort einen Beweis für Ablehnung. Ihr Gefühlsleben gleicht einer Achterbahn und kann mit «himmelhochjauchzend, zum Tode betrübt» beschrieben werden.

Kommunizieren Sie mit Mimosen sehr achtsam – verbal wie nonverbal. Lassen Sie sich durch ihr unberechenbares Verhalten nicht einschüchtern, indem Sie zum Beispiel Zugeständnisse machen, weil Sie trösten wollen. Ironie oder spassige Sprüche können leicht missverstanden werden. Reden Sie eindeutig und lassen Sie keinen Interpretationsspielraum. Fragen Sie immer wieder mal nach, wie es geht, damit die Mimose Sie als wohlgesinnt wahrnimmt. Mimosen sind hochsensibel. Legen Sie grossen Wert auf Höflichkeit und vergessen Sie auf keinen Fall ihren Geburtstag!

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