13.08.2019

Richtig Lernen: Tipps für erfolgreiches und effizientes Lernen

Es lässt sich nicht vermeiden: Um sich zu entwickeln, muss man manchmal wohl oder übel die Schulbank drücken. Wir haben für Sie — aufbauend auf der empirischen Lernpsychologie und der Neurologie — die relevantesten und hilfreichsten Regeln herausgesucht.

Von: Marco De Micheli  DruckenTeilen 

Marco De Micheli

Chefredaktor des HR-Blogshrpraxis.ch und Autor mehrerer Bücher. Zum Thema dieses Beitrags empfiehlt er Praxisratgeber zur Personalentwicklung aus dem PRAXIUM-Verlag. Mehr dazu unter www.hrmbooks.ch.

Richtig Lernen

Richtig Lernen – aber wie?

Ganz gleich, ob Sie eine Fremdsprache lernen, in der Personalentwicklung das Lernen für Ihre Mitarbeitenden effizienter und erfolgreicher machen möchten, selber eine HR-Aus- und Weiterbildung beginnen oder sich einfach nur der Bedeutung des lebenslangen und selbstverantwortlichen Lernens bewusst sind – die nachfolgenden praktischen Regeln und Empfehlungen zum Richtig Lernen sind mit Sicherheit hilfreich. Wichtig ist aber auf jeden Fall, dass Sie dabei immer Sie selber bleiben. Wählen Sie also jene aus, die am besten zu Ihrem individuellen Lernverhalten passen und mit denen Sie schon in der Vergangenheit erfolgreich waren.

1. Wiederholen – wiederholen – wiederholen

Die wichtigste Regel überhaupt. Das weiss die Werbung schon lange. Sie ist einfach, erfordert aber Disziplin. Systematisch Wiederholtes wird vom Gehirn besser behalten, weil es dessen Funktionsweise entspricht. Die Lernmotivation und das vollumfängliche Verstehen des Lernstoffes gehören dazu. Möglichst in wechselnden Intervallen und veränderten Lernstoff-Aufbereitungen gelingt dies noch besser. Gut ist hier auch der Einsatz von digitalen Aufgaben- oder Termin- Remindern.

2. Bilder und Mindmaps

Unser Gehirn bzw. Unterbewusstsein mag und bevorzugt Bilder. Gelerntes also möglichst visualisieren, mit Bildern assoziieren und Mindmaps erstellen, welche zugleich auch hervorragende Zusammenfassungen des Wesentlichen sind. Dafür gibt es hilfreiche Software, wie diese Mindmapping-Tools. Auch Bildrecherchen bei Google oder die Suche nach PowerPoint-Präsentationen (bei Google unter den Einstellungen als Dateityp einrichtbar) zu Lernthemen sind ein Weg. Ein hervorragendes und innovatives Visualisierungs-Instrument ist auch Prezi.

3. Arten der Wissensaufnahme

Wissen permanent auf die gleiche Weise eintrichtern ist ineffizient. Verschiedene Methoden wie Lesen, Hören, Lernsoftware, Diskussionen, Videoreportagen, praktisches Handling sind ergiebiger und aktivieren die Gehirnzellen stärker. Besonders Youtube bietet sich hier mit vielen Aufbereitungsarten (Reportagen, Vorträge, Demonstrationen, Storys, Schaubilder usw.) an. Schnelllesetechniken wie Rapid-Reading sind ebenfalls empfehlenswert.

4. Das Wundermittel Flow

Mit höchster Konzentration und Hingabe geraten wir in einen meditationsähnlichen Flow, der einen freien Gedankenfl uss und damit höchste Aufnahmekapazitäten erzeugt. Mit positiven Emotionen aus eigenem Erleben verbundenes Lernen gelingt dann noch besser und dringt in tiefe Sphären des Unterbewusstseins.

5. Verschiedene Sinnesorgane einsetzen

Gelerntes mit einem Audio-Book oder Podcast hören, in Mediatheken oder auf Youtube nach einer Dokumentation suchen, Spracheingaben von Kerninhalten in das Smartphone oder die Teilnahme an einem Webinar: Möglichkeiten gibt es viele. Wer verschiedene Sinnesorgane einsetzt, verstärkt die Aufnahmebereitschaft des Gehirns. Ob es den visuellen oder den auditiven Lerntyp wirklich gibt, ist man sich übrigens nicht mehr sicher.

6. Weg von PC und Büchern

Ablenkung mit einem Spaziergang in der Natur oder Musikhören zwischendurch entspannt und steigert die Aufnahmefähigkeit des Gehirns. Dabei sollte es sich um möglichst gewohnheitsmässige routiniert ablaufende Aktivitäten handeln, damit Raum für Lernreflexionen und Stoffverarbeitung bleibt. Optimal sind Pausen nach ein oder zwei Stunden von 15 bzw. 30 Minuten. Hier wirkt auch der sogenannte Recency-Effekt, nach dem jeweils bei einem Lernunterbruch die letzten Lerninhalte im Gedächtnis gespeichert werden.

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7. Praxisnähe und Praxisbezug

Was persönlichen Bezug zu eigenen Erfahrungen, Kenntnissen, Erlebnissen, Vorlieben, Aufgaben und Talenten hat, wird eher aufgenommen als trockene, theoretische Details. Die Verbindung und Assoziation des Lernstoffes mit eigenen Erfahrungen und Arbeitssituationen vor allem emotionaler Art verbessert das «Richtig Lernen» nachhaltig, denn das Verknüpfen neuer Informationen mit bereits vorhandenen beschleunigt den Lernprozess. Ideal ist die sofortige Anwendung in der Praxis, wenn es um neue Arbeitshilfsmittel oder Verhaltensweisen geht. Die Methode des Learning on doing – auch wieder mit Wiederholungen – ist ebenfalls sehr wirksam.

8. Eigenständiges Erarbeiten

Kurzvorträge mit eigenen Worten halten, Zusammenfassungen in einem neuen Kontext schreiben oder Notizen in Evernote oder via Sprachmemo auf Handy. Eigenständig erarbeiteter und veränderter Lernstoff wirkt stärker, da man sich aktiv damit auseinandersetzt. Wichtig ist dabei auch: Keep it simple, Lernstoff auf das Wesentliche reduzieren und vereinfachen. Die anschliessenden Schritte der a) Fokussierung, b) der Reduktion und dann c) des Intensivierens verhelfen zu noch mehr Lerneffizienz.

9. Omnipräsenz des Lernstoffes

Möglichst oft präsenten Lernstoff in diversen Darstellungsformen einrichten und sichtbar machen. Post-its auf dem PC-Desktop oder in der Jackentasche, Lern-Stichwörter in der digitalen Agenda oder im Notizbuch, Zusammenfassungen oder Mindmaps auf dem Smartphone oder neben dem Lesesessel sind einige Beispiele.

10. Richtig Lernen zur Gewohnheit machen

Unser Gehirn liebt Routine und Gewohnheiten, es versucht, unnötigen kognitiven Aufwand zu vermeiden. Machen Sie es sich zur Gewohnheit zu lernen, Neues anzuwenden, zu wiederholen und Erlerntes zu vertiefen. Lernen zur Routine machen geht einher mit selbstverantwortlichem und lebenslangem Lernen. Das Lernen sollte wenn immer möglich in den Alltag integriert werden. Empfehlenswert sind bestimmte Lerntage und Lernzeiten.

11. Erlerntes im Gespräch verwenden

Mit Kollegen und vor allem auch im Team über das Lernthema reden, Meinungen einholen, Fragen stellen, Lebenspartner oder Familienmitglieder um ein Abfragen des Stoffes bitten, sich zum Thema interviewen lassen – was in den aktiven Dialog und ins Gespräch gelangt, bleibt besser haften und dringt tiefer in das Gedächtnis ein.

12. Lernen-Schlafen-Lernen

Genügend Schlaf ist für den Lernerfolg sehr wichtig, auch der Wechsel von Lernen-Schlafen-Lernen ist hilfreich. Neue Studien zeigen, dass schon mit einer Stunde Schlaf ähnliche Lernerfolge erzielt werden können wie mit einem Nachtschlaf. Intensives Lernen nach autogenem Training oder anderen Entspannungsübungen ist besonders effektiv.

13. Ordnung schaffen mit Strukturen

Unser Gehirn liebt Ordnung und Strukturen. Deshalb ist das Strukturieren und Ordnen von Lernstoff in Themenblöcke oder Lektionen oder der Einsatz von Lernkarten wie bei Quizlet, auch online möglich, sehr hilfreich. Auch die Strukturierung der Aufnahme und Wissensverarbeitung gehört dazu. Bei einer PowerPoint-Präsentation lernt man gleich doppelt: beim Erstellen und Strukturieren der Folien und beim Referat im Team.

14. Spielerisch lernen

Spielerisches Lernen mit Spass, vor allem im Team, entkrampft, erhöht die Aufnahmebereitschaft und ist je nach Stoff, Lerntyp und Lernziel eine empfehlenswerte Methode, die auch zur Lernmotivation beiträgt. Sogar Sketches zu Lernthemen sind möglich. Ein Beispiel für spielerisches Lernen im Unternehmen bieten Simulatoren von Gamelearn.

15. Digitale Medien nutzen

Das E-Learning, auch online und in der Cloud, beinhaltet viele dieser Regeln, zum Beispiel mit Lernfortschritts-Angaben, Wiederholungs-Funktionen, wichtigem Lern-Feedback, verschiedenen Lernformen mit visuellen oder animierten Zugaben und mehr. Auch das noch wenig bekannte Social Learning in sozialen Netzwerken oder das Bilden von Lerngruppen, beispielsweise bei Facebook, kann einen Versuch wert sein. Hier lassen sich auch die Lernperspektiven erweitern und der Erfahrungsaustausch intensivieren. Das sehr empfehlenswerte und kostenlose Online-Lernkarten-System Quizlet oder der Sprachkurs Babbel zum Englisch lernen sind zwei gute Beispiele. Zu Lern-Kernthemen bietet sich auch Google Alerts an, wo man via Stichworteingabe Alerts zu neuen Websites zum Lern thema erhält. Auch Buchzusammenfassungen wie Getabstract (hier kann man sich Texte, beispielsweise auf Smartphones, auch anhören) sind nützlich und erweitern den Lernstoff.

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