04.09.2017

«Individuelles Employer Branding»: Instant Communication

Mit den sozialen Medien hat sich das Kommunikationsverhalten fundamental verändert. Weg von zeitlich versetzter Kommunikation hin zu Instant-Messaging. Mit Martin Scherrer, Mitgründer der yooture AG, sprechen wir über diese Art der Kommunikation.

Von: Kevin Hofer / COMM   Drucken Teilen   Kommentieren  

Kevin Hofer / COMM

 

Kevin Hofer ist Chefredaktor des HR-Magazins personalSCHWEIZ.

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personalSCHWEIZ, Kevin Hofer: Was genau bedeutet Instant Messaging?

Martin Scherrer: Im Grundsatz bedeutet es sofortige Kommunikation. Also das Weglassen von zeitlicher Verzögerung in der Kommunikation. Sie schreiben eine Nachricht und erhalten sofort oder mindestens sehr zeitnah eine Antwort. Ein digitales Gespräch sozusagen.

Welche Vorteile hat Instant Messaging?

Zeitgewinn und einen unmittelbareren Austausch. In der Arbeitswelt werden Instant Messaging Dienste wie bspw. Slack eingesetzt, um die Kommunikation zwischen geografisch getrennt arbeitenden Teams zu erleichtern.

Und welche Nachteile?

Na ja, wir kennen es wohl alle aus eigener Erfahrung. Die Form kann leiden, die kurzen Formulierungen können zu Missverständnissen führen und sicherlich werden auch mal Aussagen gemacht, die mit einer gewissen Bedenkzeit so nicht gemacht würden. Alles Punkte, die wir auch von einem persönlichen Gespräch her kennen. Aber letztlich geht es nicht darum, ob Instant Messaging gut oder schlecht ist. Unser Kommunikations-Verhalten hat sich schlicht in diese Richtung bewegt. Instant Messaging ist zu einer Realität geworden, vor der wir uns auch im Recruiting nicht verschliessen können.

Welchen Einfluss hat Instant Communication auf Recruiting?

Der Kommunikationsfluss im heutigen Recruiting ähnelt vielfach noch Mustern, die wir von der guten alten Briefpost kennen. Als Kandidat bewerbe ich mich, schicke meine Dokumente ein und höre dann lange nichts mehr. Dies entspricht nicht mehr den Erwartungen, insbesondere wenn der Bewerbungsprozess online abläuft. Die Leute sind es sich gewohnt und erwarten in viel kürzeren Abständen interagieren zu können.

Bedeutet das nicht viel mehr Aufwand für den Recruiter?

Ja und nein. Selbstverständlich kommt eine neue Komponente zum Rekrutierungsprozess hinzu: Die Kommunikation mit den Kandidaten in der Zeit zwischen dem Einreichen einer Bewerbung und einer Einladung zu einem Interview oder einer Absage. Allerdings kann dieser Austausch auch dazu genutzt werden, offene Fragen unkompliziert und schnell zu klären. Und zwar auf Seiten des Kandidaten und dem Recruiter. Ein schöner Nebeneffekt davon ist, dass die Bewerbung beiderseits durch die Klärung von Fragen qualifiziert wird. Es werden dann zwar allenfalls weniger Kandidaten zu einem Gespräch eingeladen, aber dafür steigt die Wahrscheinlichkeit eines Abschlusses, weil allfällige Missverständnisse früh aus dem Weg geräumt wurden. Über den gesamten Prozess hinweg gesehen glaube ich daher fest daran, dass Instant-Messaging dabei hilft, den Aufwand beim Recruiting zu reduzieren. Und dann gibt es da noch einen weiteren Aspekt, den wir nicht aus den Augen verlieren sollten. Ein Kandidat bewirbt sich ja meistens nicht nur auf eine, sondern auf mehrere Stellen gleichzeitig. Besonders bei den Juwelen unter den Kandidaten konkurrieren Arbeitgeber dann darum, wo sie unterzeichnen werden. Wenn ich nun mit diesen Kandidaten vom Moment der Bewerbung stets kommuniziere, kann ich das nutzen, um noch vor dem ersten Gespräch eine positive Bindung zum Unternehmen aufzubauen, was wiederum die Abschlusswahrscheinlichkeit erhöht. Individuelles Employer Branding sozusagen.

Das hört sich dennoch nach mehr Arbeit für Recruiter an. Bei der Flut an Bewerbungen zusätzlich mit Instant Messaging zu kommunizieren scheint in der Praxis schlicht unmöglich…

Zwei Antworten darauf. Erstens müssen Sie ja nicht zwingend mit allen Kandidaten via Instant-Messaging kommunizieren. Konzentrieren Sie sich auf die Kandidaten, die vielversprechend aussehen. Oder wo noch Fragen offen sind. Und zweitens sind wir überzeugt davon, dass Chat Bots einen Teil der Kommunikation übernehmen werden. Siroop setzt bspw. schon heute einen Chat Bot ein, um im frühen Rekrutierungsprozess mit Kandidaten zu kommunizieren.

Sind Chat Bots nicht unpersönlich und daher kontraproduktiv?

Nein, wenn Sie intelligent eingesetzt werden, haben sie absolut ihre Berechtigung. Als Kandidat möchte ich bspw. vor oder nach meiner Bewerbung mehr über ein Unternehmen oder den weiteren Bewerbungsprozess erfahren. Bei Standard Fragen kann ein Chat Bot helfen, die Fragen sofort zu beantworten. Dies schafft ein positives Erlebnis auf Seiten des Kandidaten, ganz egal, ob mir ein Mensch oder ein Chat Bot die gewünschte Information geliefert hat. Gleiches gilt auch für Firmen. Vielleicht haben Sie ein Standard-Set von Fragen, die sie vor einem ersten Gespräch mit jedem ihrer Kandidaten klären möchten. Auch hier könnten Chat Bots eingesetzt werden.

Aber wie sieht es in der Praxis aus? Wie verbreitet ist Instant Messaging in der Rekrutierung und sind Unternehmen damit wirklich erfolgreicher?

Ohne auf konkrete Zahlen zurückgreifen zu können: Instant Messaging wird noch nicht allzu häufig eingesetzt, steckt also noch in den Kinderschuhen was das Recruiting angeht. Aber aus der Praxis unserer Kunden können wir klar sagen, dass Instant Messaging ungemein hilfreich ist. Sowohl in unserer Firmenlösung als auch in den Kanälen, die wir Jobsuchenden anbieten, ist Instant-Messaging daher ein zentraler Bestandteil. In der Praxis funktioniert dass dann bspw. so: Ein Kandidat bekundet auf unserer YOOTURE Job App Interesse für einen Job. Die entsprechende Firma überfliegt das Profil des Kandidaten. Falls der Kandidat gefällt, schickt sie diesem eine kurze Nachricht. Am erfolgreichsten sind dann die Firmen, die den klassichen Recruiting-Prozess auf den Kopf stellen. Also nicht dem Schema «danke für den CV, sie hören wieder von uns» folgen, sondern nach der Kontaktaufnahme in einen persönlichen Dialog mit dem Kandidaten treten. Dabei können offene Fragen einfach geklärt werden und böse Überraschungen im späteren Prozess vermieden werden. Aber fast noch wichtiger ist folgender Effekt: Sie geben dem Kandidaten das Gefühl, dass da auf der ‚Gegenseite jemand ist, der sich für ihn interessiert und sich um ihn und seine Bewerbung kümmert. Perfekt, um schon in einer frühen Phase eine persönliche Bindung an das entsprechende Unternehmen zu schaffen und viel effektiver als jedes noch so ausgefeilte Employer Branding Konzept. Meist kommt es dann auch ziemlich früh zu einem ersten, informellen Telefonat. Wenn auch das beiderseitig gut ausfällt, geht es dann in den formalisierten Prozess inkl. Dokumentation mit CV und Zeugnissen. Etwas mehr Aufwand zu Beginn des Prozesses, doch der Lohn ist eine viel höhere Abschlussquote.

Sehen Sie noch weiter Vorteile im Instant Messaging?

Ich denke, wir sind uns alle einig, dass die sogenannten Soft Skills, der kulturelle Fit, etc. eine immer wichtigere Rolle spielen. Gemäss einer internationalen Studie der Hay Group aus dem Jahr 2015 sind mehr als 90 Prozent der HR-Verantwortlichen und Linien-Manager überzeugt davon, das passende Soft Skills Voraussetzung dafür sind, um in einem Job erfolgreich zu sein. Sie werden wohl kaum einen CV oder Motivationsschreiben finden, in dem die Kandidaten nicht genau die Soft Skills oder Werte hervorheben, die für den jeweiligen Job wichtig sind. Selbstverständlich können Sie nun Persönlichkeitstests etc. anwenden, um die Soft Skills und Wertvorstellungen zu überprüfen. Ist jedoch meistens aufwendig und nicht für alle praktikabel. Und wir alle haben eigentlich ein sehr gutes Gefühl dafür, wie unser Gegenüber so tickt. In einem klassischen Interview Setting werden sich Kandidaten vorbereiten und sich immer in einem vorteilhaften Licht präsentieren. Verwickeln sie die Kandidaten schon vorher in ein Gespräch, bspw. via Instant Messaging und sie werden erstaunt sein, wie viel mehr Sie über die Kandidaten erfahren werden. Insbesondere was Ihre Persönlichkeit und Ihre Motivation bei Ihnen zu arbeiten angeht.

Zur Person

Martin Scherrer ist neben Claudio Lehmann und Dominik Bartholdi Mitgründer von YOOTURE. Seit mehr als 15 Jahren befasst er sich mit dem Thema Digitaliserung von Industrien und Geschäftsmodellen. Seine Freizeit verbringt er gerne im Velo-Sattel. Das Zürcher Start-Up YOOTURE nutzt intelligentes Matching, um Kandidaten und Arbeitgeber schnell und einfach zusammenzuführen. Online Dating für Jobs sozusagen. Die YOOTURE Job App für Kandidaten wächst rasant und zählt bereits mehr als 180'000 Downloads. Knapp 1'000 Unternehmen haben YOOTURE Corporates bisher in der Rekrutierung eingesetzt.

www.firmen.yooture.com

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