03.11.2015

Fachkräftemangel: Branchenwettbewerb nimmt zu

Beim beobachteten und besorgniserregenden Fachkräftemangel handelt es sich um ein strukturelles Problem sowie ein konjunkturelles Geschehen. Wie die Entwicklung weitergeht und welche Auswirkungen es für die Unternehmen gibt.

Von: Thomas Wachter   Drucken Teilen   Kommentieren  

Thomas Wachter

Nach mehreren Stellen in verschiedenen Unternehmungen, arbeitet T. Wachter nun seit 12 Jahren im Personalamt des Kantons Luzern. Früher als Bereichspersonalleiter, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung, aktuell als Leiter HR-Support sowie Mitglied der Geschäftsleitung. Weitere Tätigkeiten sind: Lehrgangsleitungen und Dozent für Personalmanagement, -administration und -führung. T.Wachter ist unter anderem Autor und Herausgeber der WEKA-Werke «PersonalPraxis» und «Praxisleitfaden Personal».

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Fachkräftemangel

Bildungsniveau der Schweizer Bevölkerung

Das Bildungsniveau der Schweizer Bevölkerung ist in den letzten Jahren gestiegen und dürfte sich – so das Bundesamt für Statistik – auch in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. Der Anteil der Inhaber eines Tertiärabschlusses (Studium oder Zusatzausbildungen nach der Berufslehre) dürfte steigen. Dies geht zulasten des Anteils der Personen, die einzig über einen Abschluss der Sekundarstufe II (Berufslehre) verfügen oder keine nachobligatorische Ausbildung (Volksschulabschluss) absolviert haben. Diese Tendenz ist auch durch das «Upgrading» von Bildungswegen – das heisst die Verschiebung von Ausbildungen von der Sekundarstufe II zur Tertiärstufe – bedingt.

 

19952010ca. 2018 2060
Tertiärabschluss22%35%45%ca. 59%
Berufslehre ohne Zusatzausbildung62%52%45%ca. 33%
keine Berufsausbildung18%13%10%ca. 8%
Total 100%100%100%100%

Ungefähre Entwicklung des Bildungsniveaus (mittleres Szenarium, BFS 2010)

Es bestehen strukturell massive Engpässe bei hochqualifizierten Mitarbeitenden vor allem im technischen Bereich, aber auch im Finanzbereich sowie in vielen andern Branchen. Die Frage ist also nicht, ob generell zu wenige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, sondern in welchen Bereichen die entsprechend ausgebildeten Fachkräfte fehlen.

Fehlende MINT-Fachkräfte

Vor allem fehlen hochqualifizierte technische Fachkräfte. Der Bericht des Bundesrates von 2010 zeigt auf, dass in der Schweiz ein Mangel an MINT-Fachkräften (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) herrscht. Besonders ausgeprägt ist er in den Bereichen Informatik, Technik und Bauwesen. Bei insgesamt 173 000 beschäftigten MINT-Fachkräften in der Schweiz stehen 16 000 offenen MINT-Stellen rund 2000 stellensuchende MINT-Fachkräfte gegenüber. Trotz einer hohen Einwanderungsquote von MINT-Fachkräften konnte die Lücke nicht gedeckt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch in Deutschland die entsprechenden Fachkräfte fehlen. Die deutschen Arbeitgeber beklagen einen Mangel von 60 000 Arbeitskräften in den MINT-Bereichen.

Dazu kommt die Tatsache, dass der Anteil der Jungen auf dem Arbeitsmarkt abnimmt. Die Zahl der Studienabschlüsse in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) vermag den stark wachsenden Fachkräftebedarf bei weitem nicht zu befriedigen. Wohl wird – so der Bericht des Bundesrates – an den Universitäten ein Anstieg im MINT-Bereich von heute rund 3200 auf rund 4100 Abschlüsse (etwa +30%) bis 2018 erwartet. An den Fachhochschulen ist allerdings eine leicht sinkende Tendenz im MINT-Bereich zu erwarten. Damit fehlen unter anderem auch die Fachkräfte, welche mit neustem Know-how von den Ausbildungs- und Forschungsstellen kommen.

Fachkräftemangel und Nachteile für die Unternehmen

Neben Einschränkungen bei der Leistungserstellung oder Innovation hat der Fachkräftemangel folgende Nachteile für die Unternehmen:

  • Fluktuation infolge der Abwerbung von eigenen Mitarbeitenden durch Konkurrenzunternehmen;
  • mehr Rekrutierungsaufwand: aufwändigeres Rekrutierungsverfahren, teilweise auch im Ausland;
  • Verzögerungen bei Neueinstellungen;
  • Höhere Personalkosten infolge der gestiegenen Löhne von Fachkräften sowie der allfällig erforderlichen Nachqualifikation.

Branchenwettbewerb

Durch den Fachkräftemangel hat der Branchenwettbewerb stark zugenommen, und hier wird teilweise mit ungleich langen Spiessen gerungen. Besonders die kleinen und mittleren Unternehmen sind im Nachteil gegenüber den grösseren Industrie- und Technologieunternehmen.

An der Spitze steht jedoch der Finanzbereich. Dieser kann mit seinen finanziellen Möglichkeiten und den Entwicklungschancen ungleich attraktivere Anstellungsbedingungen bieten. In diesem Bereich werden nicht nur Wirtschaftswissenschaftler, sondern zunehmend und mit grossem Erfolg Fachkräfte aus den besonders umworbenen Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) rekrutiert. Dieser Herausforderung müssen sich die andern Branchen stellen und ihre Vorteile gegenüber der Finanzindustrie herausstreichen.

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