11.08.2014

Fachkräftemangel in den Spitälern: Prämien und weitere Massnahmen

Als langjähriger HR-Leiter einer Universitätsklinik habe ich mein Augenmerk besonders auf die kürzlich erschienenen Schlagzeilen in der Tagespresse gerichtet. Darin wird von akuten Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von qualifiziertem Pflegepersonal – besonders für Spezialgebiete – berichtet, und zwar querbeet durch die ganze Schweiz, so stand es in der Basler Zeitung.

Von: Alex Müller   Drucken Teilen   Kommentieren  

Alex Müller

Alex Müller war nach längeren Auslandaufenthalten als Personalverantwortlicher bei einer grösseren Bank und später als HR-Leiter einer psychiatrischen Universitätsklinik tätig, wo er reiche Erfahrungen in allen Sparten des Personalmanagements sammeln konnte. Heute arbeitet er als freier Fachautor und Publizist sowie als selbstständiger Berater von Führungskräften, mit Schwerpunkt Out-/Newplacement.

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
Fachkräftemangel in den Spitälern

Angespannte Situation auf Notfall- und Intensivstationen

In den Bereichen Notfall, Intensivmedizin und Anästhesie ist die Personalsituation in etlichen Spitälern äusserst angespannt, weil hier die benötigten Fachkräfte nicht ohne weiteres aus dem Ausland «geholt» werden können. Wie die NZZ am Sonntag dazu schreibt, entspreche die Ausbildung in Deutschland nicht den Erfordernissen bei uns, so dass diese potenziellen Mitarbeitenden noch zusätzlich geschult werden müssten.

Das Kantonsspital Graubünden in Chur ist gemäss eines Berichts der Basler Zeitung äusserst stark vom Fachkräftemangel in den Spitälern betroffen. Dabei würden sich die Schwierigkeiten nicht ausschliesslich auf die Rekrutierung beschränken, wegen der andauernden Arbeitsbelastung sei es zudem eine zusätzliche Herausforderung, diese Schlüsselpersonen über einen längeren Zeitraum im Betrieb halten zu können. So müssten wegen entstehender Vakanzen auf der Notfall- und Intensivstation Patienten in andere Spitäler verlegt und/oder nicht dringende Eingriffe auf einen späteren Termin verschoben werden.

Pflegefachstellen im Operationsbereich und in der Intensivpflege sind schwierig zu besetzen

Gemäss dem gleichen Pressebericht haben die Verantwortlichen des Unispitals Basel auf die Rekrutierungsprobleme mit verschiedenen Massnahmen reagiert; es sind dies:

  • eine noch professionellere Rekrutierung
  • die Erhöhung der Ausbildungsstellen
  • eine punktuelle Anpassung der Löhne
  • eine gezieltere Unterstützung der Berufseinsteiger

Durch diese substanzielle Verbesserung der Rahmenbedingungen habe sich die Personalsituation in der Zwischenzeit deutlich verbessert. Auch würde man die Anstellungsbedingungen im Rahmen der Möglichkeiten laufend überprüfen, mit dem Ziel, die Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen und damit den Status eines Employers of Choice zu erreichen.

Prämien für die Vermittlung neuer Fachkräfte aufgrund Fachkräftemangel in den Spitälern

Im Unispital Zürich werden an Mitarbeitende, die neue Fachkräfte vermitteln, tausend Franken Prämie ausgerichtet, ebenso im Kantonsspital St. Gallen. Obwohl man in Basel wie erwähnt primär auf professionellere Rekrutierung setzt und nicht zuletzt von den zahlreichen Grenzgängern aus der badischen und elsässischen Nachbarschaft profitiert, wird auch hier eine Prämie ausbezahlt – pro Vermittlung fünfhundert Franken und jeweils nach bestandener Probezeit.

Auch im Kanton Baselland gibt es neuerdings eine Belohnung für die Personalvermittlung. Man hofft durch  persönliche Empfehlungen neue, fachlich gut qualifizierte und teamfähige Mitarbeitende für die drei Standorte zu gewinnen. Zudem würde man Wert auf ein gutes Arbeitsklima legen, ebenso auf die Förderung der Fort- und Weiterbildung sowie auf die laufende Anpassung von Arbeitsabläufen und -prozessen.

Im weiteren wurde im erwähnten Pressebericht noch erwähnt, dass der Fachkräftemangel in den Spitälern auf den Notfallstationen zusätzlich verschärft wird, weil nicht wenige potenzielle Patienten in der Grössenordnung von zehn bis vierzig Prozent dorthin kommen, auch wenn kein echter Notfall vorliegt.

«Mit gezielter Weiterbildungspolitik gegen Fachkräfteknappheit»

Diese Worte stammen von Frau Dr. Ursula Renold, Direktorin des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie/BBT. So müsse sich die Schweiz auf die Situation vorbereiten, dass der wachsende Fachkräftebedarf der Wirtschaft nicht wie in den vergangenen Jahren durch Rekrutierung ausländischer Fachkräfte abgedeckt werden könne. Auch unsere Nachbarstaaten würden sich über zu wenig verfügbare Fachkräfte beklagen und versuchen, ihre qualifizierten Arbeitskräfte im eigenen Land zu halten. Hinzu käme die allseits bekannte demographische Entwicklung, so dass Fachkräfte bei bestehendem Wirtschaftswachstum immer knapper würden – so das Fazit von Frau Dr. Renold.

Diese – bereits vor eineinhalb Jahren – geäusserten Gedanken haben nach wie vor ihre volle Gültigkeit und beziehen sich natürlich nicht ausschliesslich auf die Wirtschaft, sondern auch auf den Dienstleistungssektor, wie der in diesem Beitrag geschilderte Fachkräftemangel in den Spitälern aufzeigt. Diejenigen HR- und Ausbildungsverantwortlichen unter Ihnen, welche in diesem personalintensiven Bereich tätig sind, wissen, was das heisst und können die Worte von Frau Dr. Ursula Renold nur bestätigen – und daraus für ihr Unternehmen die erforderlichen Konsequenzen ziehen!

Weiterbildung als integraler Bestandteil der Personal- und Unternehmenspolitik

Weil der Bedarf an Fachkräften à la longue nicht mehr alleine durch Rekrutierung gedeckt werden kann, kommt der internen und externen Weiterbildung eine immer grössere Bedeutung zu; sie soll vermehrt auch berufsbegleitend mit einer Erwerbsarbeit verbunden werden können,  auch in leitenden Funktionen. Im Weiteren sollte eine Nachqualifizierung auch über Umschulungen möglich sein. All dies setzt natürlich flexible Arbeitsbedingungen voraus.

Der zunehmende Mangel an Fachkräften – nicht nur in den Spitälern – bedeutet eine grosse Herausforderung für die Unternehmen. Dabei nehmen Sie als Personal – und Ausbildungsverantwortliche bei der Beschreitung neuer, zukunftsweisender Wege eine tragende Rolle ein!

Produkt-Empfehlungen

  • HR-Professional

    HR-Professional

    Maximale Unterstützung bei Ihrer Personalarbeit dank HR-Fachwissen sowie über 1300 zeitsparenden Vorlagen und Arbeitshilfen.

    ab CHF 290.00

Seminar-Empfehlung

Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

Gezielte Personalentwicklung und -bindung

Instrumente der Personalentwicklung für die gesamte Lebensarbeitszeit

Nächster Termin: 12. April 2018

mehr Infos