29.03.2016

Tatort Arbeitsplatz: Vom einfachen Diebstahl zum «Psychopath in Nadelstreifen»

Kriminelle Handlungen am Arbeitsplatz stellen für viele Betroffenen eine grosse Herausforderung dar. Anstelle diese zu klären, wird sehr oft ein Delikt und das damit verbundene Verhalten aus Gründen der Loyalität verschwiegen. Der dabei erlittene Schaden stellt für das Unternehmen, wie auch in vielen Fällen für die Betroffenen, eine hohe Belastung dar welche je nach Ausmass zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen kann.

Von: Stephan Siegfried   Drucken Teilen   Kommentieren  

Stephan Siegfried, lic. iur.

Stephan Siegfried, Jurist, ist auf Analyse, Beratung und Schulung im Umgang mit «kriminellen Elementen» und deren Verhalten spezialisiert. Er hat über 25 Jahre Projekt- und Führungserfahrung aus diversen Organisationen in öffentlichen Verwaltungen, der Privatwirtschaft und NGO. Nachdem er sich mehrmals beruflich und privat mit alltäglich kriminellem Verhalten auseinandergesetzt hatte, gründete er Anfang 2015 die 1-prozent GmbH.

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
Tatort Arbeitsplatz

So erkennen Sie echte Phychopathen am Arbeitsplatz

Ein Balanceakt des gesunden Menschenverstandes

Vor allem wenn unredliche Vorgesetzte ihrer Vorbildfunktion nicht nachkommen, aber auch wenn Mitarbeitende sich auf Kosten des Arbeitgebers bereichern, verzichten Angestellte oder Kollegen oftmals, entsprechend aktiv zu werden. Wer will schon wegen eines entwendeten Kugelschreiber die Wahrheit sagen und dabei seinen Job aufs Spiel setzen? Doch wo ist die Grenze des ethisch-moralisch vertretbaren? Wann ist eine entsprechende Personalmassnahme in Form eines Verweises angezeigt und wann ist es eine strafrechtlich relevante Tat? Welchen Herausforderungen stehen die HR-Verantwortlichen gegenüber? Wie kann dabei ein grösserer Schaden, der in vielen Fällen letztlich eintrifft, bereits frühzeitig vermieden werden ohne eine Stimmung des Misstrauens zu erzeugen?

Wenn jemand einen Kugelschreiber des Betriebes mit nach Hause nimmt und diesen dort für private Angelegenheiten verwendet, so dürfte dies im Rahmen des Tolerierbaren liegen. Vor allem dann, wenn diese Person auch schon private Schreibutensilien für das Büro verwendet hat und den Gegenstand auch wieder zurückbringt. Die Grenze ist aber in vielen Fällen nicht so einfach. Während in gewissen Firmen vieles intern (über-)reglementiert wird, steht für andere der gesunde Menschenverstand im Vordergrund. Dies sicherzustellen ist oft ein Balanceakt: denn wenn jemand kriminell agieren will, dann wird diese Person dies zum gegebenen Zeitpunkt auch tun. In diesen Fällen stellen auch die entsprechenden Gesetze und Reglemente keine Abschreckung dar. Menschen die kein ausgeprägtes Gewissen haben, verüben in den meisten Fällen früher oder später eine oder gar mehrere kriminelle Handlungen. Demgegenüber wird es Menschen mit einem ausgeprägten Gewissen äusserst schwerer fallen, eine Straftat zu begehen oder eben zu verheimlichen.

Kriminell schädliches Verhalten erkennen und rechtzeitig handeln

Einfache Betrugsfälle lassen sich mittels des Fraud- (Betrug) Managements erklären. Bereits Ende der 50er Jahre hat der Wirtschaftskriminologe Dr. Donald Cressey das Betrugsdreieck erkannt, in dem Menschen dann kriminell werden, wenn sich eine Gelegenheit ergibt, ein Druck besteht und letztlich sich dieser Mensch einer inneren Rechtfertigung bedient. 

Eine grosse Herausforderung für Vorgesetzte und Mitarbeitende des Human Ressources, ist das rechtzeitige Erkennen von den so genannten Psychopathen in Nadelstreifen. Diese spielen in einer anderen Liga als die Gelegenheitskriminellen. Dabei bevorzugen sie Tätigkeiten, bei denen ihrem Bedürfnis nach Geld und Macht entsprochen werden kann. Durch ihre unerschrockene Art andere zu belügen und zu manipulieren, können sie sich oftmals sehr lange schadlos halten. Früher oder später richten sie einen beträchtlichen, in gewissen Fällen sogar desaströsen Schaden an. Der meistgehasste 32 jährige Manager Martin Shkreli ist nur ein Beispiel von vielen.

Achtsam bei der Rekrutierung

Die oftmals nur auf den zweiten Blick erkennbaren psychopathischen Verhaltensmuster stellen bereits bei der Personalselektion eine grosse Herausforderung dar. Der Psychoanalytiker Otto F. Kernberg beispielsweise warnt im Zusammenhang mit Assessements davor, sich bei der Wahl einer neuen Führungskraft auf den «oberflächlichen Eindruck scheinbarer Anpassungsfähigkeit und charmanter Umgangsweisen zu verlassen.

Das Geschick, augenblickliche Situationen einzuschätzen, die Fähigkeit, Konflikte kurzfristig zu klären, die Neigung, sich niemanden zum Feind zu machen und ungestümer Ehrgeiz sind nicht unbedingt Merkmale einer guten Führungskraft». Stattdessen kann für das Personalmanagement bei der Rekrutierung die Beantwortung folgender Fragen relevant sein:

  1. Wie gross ist die Kreativität, die der Kandidat in der Vergangenheit auf seinem Gebiet bewiesen hat?
  2. Inwieweit bezieht er seine Erfüllung aus seiner beruflichen Tätigkeit, und inwieweit bleibt ihm diese Quelle erhalten, sobald er seine Managementfunktion übernommen hat?
  3. Inwieweit wird ihn seine eigene Kreativität als Manager befriedigen, ohne dass er auf Beifall und Bewunderung anderer angewiesen ist?
  4. Ist sich die künftige Führungskraft «grundlegender professioneller Werte» bewusst und fühlt sich ihnen verpflichtet, statt das Augenmerk auf Aspekte zu richten, die gerade in sind und kurzfristig (für ihn) als gewinnträchtig erscheinen?
  5. Inwieweit hat der Kandidat den Mut bewiesen, offen über seine Überzeugungen einzutreten, statt Konflikte mit Rücksicht auf Macht und Prestige auszunutzen?
  6. Kann sich der Kandidat über das Wachstum und die Entwicklung anderer Menschen wirklich freuen?
  7. Verfügt der Bewerber über dauerhafte Hobbys, an denen er - trotz Mühen und Zeitmangel - festzuhalten vermag?
  8. Führt der Bewerber eine glückliche respektvolle (private) Beziehung?
  9. Ist er in der Lage, Menschen mit weniger hoch qualifizierten Tätigkeiten, anständig zu behandeln?

Es geht letztlich vor allem darum, dass psychopathische Persönlichkeits-Merkmale nicht fälschlicherweise als Führungsqualitäten interpretiert werden sollten. Zwar sind manche psychopathischen Eigenschaften in gewissen Berufen durchaus gefragt und erwünscht, führen jedoch in Kombination mit anderen Kern-Eigenschaften der Psychopathie zu riskanten Folgen für das Unternehmen. Dabei die richtigen Personalentscheide zu treffen stellt eine grosse Herausforderung dar.

Mögliche Auswirkungen psychopatischen Verhaltens am Arbeitsplatz

  • Mobbing der Mitarbeiter am Arbeitsplatz
  • Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz
  • Rechtliche Verbindlichkeiten
  • Aktionäre verlieren ihre Investitionen
  • Kapitalismus verliert an Glaubwürdigkeit
  • Mitarbeiter verschwenden Zeit
  • mässige Leistung der Mitarbeiter
  • erhöhte Arbeitsbelastung
  • schwierige Arbeitsbedingungen
  • schlechte Zufriedenheit am Arbeitsplatz
  • Geringe Wahrnehmung der sozialen Verantwortung des Unternehmens
  • Erhöhte Fluktuationsraten
  • Arbeitsversäumnis
  • erhöhtes Mass an Konflikten – einseitige Argumente, schreien, Grobheit nach dem Motto teile und herrsche
  • Kontraproduktives Arbeitsverhalten

Möchten Sie erfahren wie Sie Psychopathen am Arbeitsplatz identifizieren können? Hier erhalten Sie eine kostenlose Checkliste zum Download dazu.

Produkt-Empfehlungen

  • Newsletter Arbeitsrecht

    Newsletter Arbeitsrecht

    Die neusten Gerichtsentscheide und Praxisfälle, verständlich kommentiert.

    CHF 98.00

  • Schwierige Gespräche führen

    Schwierige Gespräche führen

    Praktischer Leitfaden für Personalfachleute und Vorgesetzte.

    Mehr Infos

  • ArbeitsrechtPraxis Professional

    ArbeitsrechtPraxis Professional

    Kommentiertes Schweizer Arbeitsrecht-Wissen für Personal-Verantwortliche.

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Schweizer Arbeitsrecht für Profis mit Prof. Dr. Thomas Geiser

    Neuste Rechtsprechung und aktuelle Gerichtspraxis

    Nächster Termin: 25. Oktober 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Rechtssichere Verwarnung und Kündigung in der Praxis

    Rechtskonform vorgehen und kommunizieren

    Nächster Termin: 27. September 2018

    mehr Infos

Um unsere Website laufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos