13.09.2017

Altersvorsorge: Quo vadis?

Unserer Altersvorsorge droht der Babyboomer-Tsunami. Die Generation, die ein Erwerbsleben zum Wohlstand der Schweiz beigetragen und die Altersvorsorge tüchtig finanziert hat, geht heute und in den nächsten Jahren in Pension. Zeit sich Gedanken darüber zu machen, wohin die Altersvorsorge geht.

Von: René Mettler   Drucken Teilen   Kommentieren  

René Mettler, eidg. dipl. Versicherungsfachmann

René Mettler arbeitet nach über zwanzigjähriger Erfahrung in den Schadenabteilungen von Versicherungsgesellschaften und nach seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Schleudertrauma-Verbandes seit 2002 als selbständiger Berater für verunfallte und erkrankte Personen in Versicherungs- und Leistungsfällen. Er ist in den Bereichen Haftpflicht-, Versicherungs- und Sozialversicherungsrecht Dozent an verschiedenen Schulen/Fachhochschulen.

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Altersvorsorge

Einleitung

2012 hat Bundesrat Alain Berset die Leitlinien für eine Reform der Altersvorsorge vorgelegt. Inhalt war die Erhaltung des Generationenvertrags1 und des Leistungsniveaus der Altersvorsorge in der 1. (AHV) und der 2. Säule (BVG).2 Am 16. März 2017 hat der Ständerat mit grossem Mehr einer reduzierten Botschaft des Bundesrats zugestimmt. Im Nationalrat waren es exakt die 101 Stimmen, die es benötigt, um die Reformvorlage zu retten. Was wird sich nun per 1. Januar 2019 ändern, wenn das Stimmvolk am 24. September 2017 der Reform zustimmt?

Rentenalter der Frauen

Das Referenzalter der Frauen wird von 64 auf 65 Jahre erhöht. Die Erhöhung wird ab Inkrafttreten der Reform in vier Schritten um jeweils drei Monaten erfolgen und in drei Jahren abgeschlossen sein.

Durch die Erhöhung des Rentenalters für Frauen ergeben sich im Jahr 2030 bei der AHV Einsparungen von CHF Mio. 1320, bei den Ergänzungsleistungen zur AHV/IV (EL) von CHF Mio. 50.3

Flexibler Rentenbezug in der AHV

Neu soll die Möglichkeit des Rentenbezugs um ein Jahr früher möglich sein (Alter 62 für Frauen und Männer). Die fehlenden Beitragsjahre werden bei der Rentenberechnung berücksichtigt. Neu wird ein Teilrentenvorbezug und Teilrentenaufschub eingeführt. Kürzungssätze und Aufschubszuschläge werden an die Lebenserwartung angepasst, d.h. gekürzt. Die Mehrausgaben im Jahr 2030 belaufen sich auf CHF Mio. 230.

Flexibler Altersrücktritt in der 2. Säule (BVG)

Altersleistungen können neu erst ab dem 60. Altersjahr bezogen werden. Die Ausnahmen wird der Bundesrat auf dem Verordnungsweg regeln. Nach dem 65. Altersjahr besteht keine Beitragspflicht mehr. Die Vorsorgeeinrichtungen können den Versicherten aber die Möglichkeit geben, den Sparprozess weiterzuführen.

Erwerbstätigkeit nach Erreichen des Rentenalters

Der Freibetrag (CHF 1400.–/Monat) für Altersrentner wird aufgehoben. Dagegen werden nach dem Rentenbezug geleistete Beiträge berücksichtigt. Personen, welche weiterarbeiten und Beiträge bezahlen, können bis zum 70. Altersjahr einmal eine Neuberechnung der Rente verlangen. 2030 werden so CHF Mio. 130 eingespart.

Hinterlassenenrenten in der AHV

Neu werden Witwenrenten nur noch ausgerichtet, wenn die Witwe zum Zeitpunkt der Verwitwung Kinder hat, welche entweder einen Anspruch auf eine Waisenrente haben oder einen Anspruch auf Betreuungsgutschriften. Der Ansatz wird von 80 Prozent auf 60 Prozent der Altersrente reduziert, bei gleichzeitiger Erhöhung des Ansatzes der Waisenrenten von 40 Prozent auf 50 Prozent der Altersrente. Dadurch ergeben sich 2030 Einsparungen von CHF Mio. 410. Belastet werden die Ergänzungsleistungen um CHF Mio. 30.

Beitrag des Bundes an die Finanzierung der AHV

1999 wurde die Mehrwertsteuer um einen Prozentpunkt zugunsten der AHV erhöht (Demografieprozent). Neu soll der volle Ertrag des Demografieprozents (CHF Mio. 610) der AHV gutgeschrieben werden.

Zusatzfinanzierung durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer

Auf den 1. Januar 2018 soll die Mehrwertsteuer in einem ersten Schritt um 0,3 Prozentpunkte erhöht werden. Diese erste Erhöhung kann nur umgesetzt werden, wenn auch das gleiche Referenzalter für Frauen und Männer im Gesetz verankert ist. Die zweite Erhöhung um 0,3 Prozentpunkte soll auf den 1. Januar 2021 vorgenommen werden. Bezogen auf das Jahr 2030 ergibt dies für die AHV zusätzliche Einnahmen in der Höhe von CHF Mio. 2140.

Senkung des Rentenumwandlungssatzes4 (BVG)

Der Mindestumwandlungssatz von heute 6,8 Prozent wird in vier Schritten von je 0,2 Prozentpunkten pro Jahr auf 6 Prozent gesenkt. Das ergibt rund 12 Prozent geringere Altersrenten.

Senkung des Koordinationsabzugs5 (BVG)

Der Koordinationsabzug soll auf 40% des AHV-Lohns (für Löhne bis CHF 84’600) mindestens jedoch 100% der minimalen und höchstens 75% der maximalen AHV-Altersrente angepasst werden (bisher: fixer Betrag CHF 24’675 =7/8 der maximalen einfachen AHV-Altersrente).

Altersgutschriften (BVG)

Die Altersgutschriftensätze zwischen 35 und 44 Jahren werden auf 11 Prozentpunkte erhöht. Die Altersgutschriftensätze ab Alter 45 betragen 13,5 Prozentpunkte und werden bis zum Referenzalter nicht mehr erhöht.

Erhöhung der AHV-Renten

Die Senkung des Mindestumwandlungssatzes im BVG soll über die AHV kompensiert werden. Deshalb wird auf alle neu entstehenden Altersrenten der AHV ein Zuschlag von CHF 70.– pro Monat ausgerichtet. 

Fussnoten

  1. Der Generationenvertrag wurde 1948 mit der Einführung der AHV geschlossen. Er beinhaltet, dass jüngere Generationen für ihre Vorfahren aufkommen und deren Verarmung im Alter vorbeugen.
  2. Mediendokumentation des EDI vom 21.11.2012.
  3. Stand: 2016. Der Bund trägt zu den EL 40 Prozent, die Kantone 60 Prozent bei.
  4. Der Rentenumwandlungssatz ist der Multiplikator, mit welchem das Altersguthaben in die jährliche Altersrente umgewandelt wird.
  5. Der Koordinationsabzug ist derjenige Teil des AHVLohns, der nicht im BVG versichert wird. Er beträgt derzeit 7/8 der maximalen Altersrente der AHV.

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