29.12.2015

Pensionskassenvergleich: Der Weg zur optimalen Pensionskasse

Durch eine attraktive Pensionskassenlösung können Arbeitgeber bei bestehenden und potenziellen Mitarbeitenden punkten. Ein Pensionskassenvergleich ist daher zu empfehlen. Wie sich die berufliche Vorsorge in sechs Schritten optimieren lässt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Von: Josef Zopp   Drucken Teilen   Kommentieren  

Josef Zopp

Josef Zopp ist Partner und Bereichsleiter Personenversicherungen bei der Weibel Hess & Partner AG. Er berät Firmen bei der Analyse und Optimierung der berufl ichen Vorsorge. Zudem ist er der Verfasser des jährlichen Pensionskassenvergleichs.

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Pensionskasse

Arbeitgeber suchen bei der Rekrutierung und bei der Personalbindung nebst dem Gehalt nach attraktiven Zusatzleistungen, um sich gegenüber anderen Arbeitgebern abzuheben. Oft wird dabei die Bedeutung einer attraktiven Pensionskassenlösung unterschätzt. Doch wie sollen Firmen vorgehen, wenn sie mit ihrer beruflichen Vorsorge bei ihren Mitarbeitenden punkten wollen?

1. Analyse der aktuellen Verträge

Der Weg zur optimalen Pensionskasse beginnt mit einer Überprüfung der bestehenden Verträge. In den Anschlussverträgen sind die Kündigungsmodalitäten festgehalten. Im Normalfall haben Pensionskassenverträge eine feste Laufzeit von drei bis fünf Jahren. Ist die Vertragslaufzeit abgelaufen, verlängern sich die Verträge meist stillschweigend um ein weiteres Jahr, falls sie nicht mit einer sechsmonatigen Kündigungsfrist auf Ende eines Kalenderjahres gekündigt werden. Das heisst, dass die Kündigung in der Regel bis zum 30. Juni eingehen muss. Zudem wird im Pensionskassenvertrag geregelt, was mit den bestehenden Rentnern geschieht. Bleiben sie bei der heutigen Pensionskasse oder ist ein Wechsel zum neuen Versicherer vorgesehen? Weiter sind das Vorgehen und die Kostenfolge Bestandteil des Vertragsinhalts.

Für die Mitarbeitenden stehen bei der Wahl der Pensionskasse auch die Höhe der Verzinsung der Altersguthaben sowie der Umwandlungssatz im Vordergrund.

Bei der Analyse der aktuellen Verträge sind auch die Versicherungsleistungen kritisch zu hinterfragen. Es zahlt sich aus, wenn der Leistungskatalog Schritt für Schritt festgelegt wird. Darin sind nebst der Höhe der Sparbeiträge für die Bildung der Altersvorsorge auch die versicherten Leistungen bei Invalidität und im Todesfall festzulegen. Für eine massgeschneiderte Vorsorgelösung sind die Lebenssituationen der Mitarbeitenden zu berücksichtigen. Es stehen Fragen im Vordergrund wie:

  • Wie viele Mitarbeitende sind verheiratet?
  • Leben viele Mitarbeitende im Konkubinat?
  • Wie sieht die Altersstruktur der Belegschaft aus?
  • Sind viele Mitarbeitende unterstützungspflichtig?

Ein wesentlicher Aspekt ist auch die Höhe des Arbeitgeberbeitrages. Finanziert der Arbeitgeber nur die gesetzlich erforderlichen 50 Prozent an die Pensionskasse? Oder leistet der Arbeitgeber «Goodwill» und übernimmt einen höheren Anteil der Beiträge, damit den Mitarbeitenden ein paar Franken mehr in der Tasche bleiben?

2. Offerten bei Anbietern einholen

Wenn der Leistungskatalog definiert ist, gilt es abzuwägen, welche Pensionskassenmodelle im Vordergrund stehen. Kommen Pensionskassen infrage, die eine Vollversicherungsgarantie gewähren, oder sind teilautonome Sammelstiftungen zu favorisieren, bei denen Chancen auf höhere Anlageerträge und damit höhere Altersleistungen möglich sind? Bei einigen Kassen können die angeschlossenen Firmen auch mitbestimmen, wie die Vorsorgegelder angelegt werden. Für die Erstellung der Offertendossiers ist den Pensionskassen eine Frist von zwei bis drei Wochen einzuräumen.

3. Marktvergleich mit Vorselektion

Sobald die Offerten der Pensionskassen eintreffen, sind sie auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Stimmen die offerierten Leistungen mit der Anfrage überein? Sind für sämtliche Personen die richtigen Daten übernommen und die versicherten Leistungen korrekt offeriert? Dabei sind folgende Parameter zu beachten:

a) Kostenvergleich: Die Prämien beeinflussen den Entscheid bei der Pensionskassenwahl mit. Diese sind in Sparbeiträge zur Bildung der Altersvorsorge sowie in Risiko- und Verwaltungskosten zu unterteilen. Die Sparbeiträge werden den Versicherten direkt gutgeschrieben und sollten bei allen Pensionskassen gleich hoch sein. Grosse Unterschiede gibt es bei den Risiko- und Verwaltungskosten. Mit den Risikokosten finanzieren die Kassen die Invaliditäts- und Todesfallleistungen. Die Verwaltungskosten decken die administrativen Tätigkeiten.

b) Finanzielles Gleichgewicht: Nebst dem Kostenvergleich sind weitere wesentliche Bereiche zu analysieren. Die finanzielle Lage der Pensionskassen kann aufgrund des Deckungsgrades und der zugrunde liegenden versicherungstechnischen Parameter beurteilt werden. Für das finanzielle Gleichgewicht ist zudem die Versichertenstruktur wesentlich. Hierzu gilt es zu berechnen, wie hoch der Anteil der Rentner im Verhältnis zu den aktiv Versicherten steht. Aufgepasst: Ein hoher Rentneranteil kann die finanzielle Lage einer Kasse aus dem Gleichgewicht bringen.

c) Altersleistungen: Für die Mitarbeitenden stehen bei der Wahl der Pensionskasse auch die Höhe der Verzinsung der Altersguthaben sowie der Umwandlungssatz im Vordergrund. Wird das Altersguthaben über ein Arbeitsleben von 40 Jahren bei einem versicherten Lohn von 80 000 Franken mit einem Prozent mehr verzinst, nimmt das gesamte Alterskapital um rund 120 000 Franken zu. Damit steigt die lebenslange Altersrente um über 7200 Franken pro Jahr. Ausschlaggebend für die Berechnung der Altersrente ist ferner auch der Umwandlungssatz. Dieser ist insbesondere für Mitarbeitende, die kurz vor der Pensionierung stehen, ein zentraler Aspekt.

Aufgrund der erwähnten Parameter kann eine erste Vorselektion bei den Angeboten durchgeführt werden. Es ist zu empfehlen, nebst der aktuellen Pensionskasse maximal 3–4 Kassen in der engeren Auswahl zu berücksichtigen.

4. Detailanalyse und Entscheid

Bei den ausgewählten Pensionskassen können nun auch organisatorische Kriterien unter die Lupe genommen werden (Abläufe, Mitsprache, Organisation). Zudem sind die Kosten und Leistungen für jeden einzelnen Mitarbeitenden zu vergleichen.

In einer Detailanalyse der Reglemente werden die Unterschiede beim Kleingedruckten deutlich. Oft kommen erst hier die Unterschiede bei den verschiedenen Pensionskassen zum Vorschein. Zentrale Aspekte dabei sind beispielsweise:

  • Kann bei Pensionierung das gesamte Altersguthaben in Kapitalform bezogen werden?
  • Ab welchem IV-Grad werden Invaliditätsleistungen ausgerichtet?
  • Welches sind die Bedingungen für Ehegatten- und Lebenspartnerrenten?
  • Wer erhält das angesparte Kapital im Todesfall?
  • Müssen sich die Versicherten in die Reserven der neuen Pensionskasse einkaufen?
  • Wann sind die Prämien fällig? Quartalsweise oder vorschüssig?

Da der Entscheid zur Wahl der Pensionskasse facettenreich ist, hilft oft die Gegenüberstellung der wesentlichen Kriterien in einer Entscheidungsmatrix. Sollte daraus die definitive Wahl noch nicht klar sein, können zwei, allenfalls drei Pensionskassen für ein persönliches Gespräch eingeladen werden. So können allfällige Informationslücken geschlossen werden und man erhält von den Vertretern der Pensionskassen einen persönlichen Eindruck. Im Anschluss an diese Präsentationen kann im Normalfall der Entscheid zur zukünftigen Pensionskasse gefällt werden.

5. Kommunikation des Entscheids

Mit dem Entscheid für einen Wechsel oder auch für die Weiterführung der beruflichen Vorsorge bei der bisherigen Pensionskasse ist der Prozess längst nicht abgeschlossen. Nun gilt es, die Mitarbeitenden über diesen Entscheid zu informieren. Insbesondere bei einem Pensionskassenwechsel ist es von Vorteil, eine Informationsveranstaltung zu organisieren. Dabei sind die Mitarbeitenden über den bisherigen Ablauf, den Entscheid und allfällige Veränderungen zu informieren. Für diese Information ist es hilfreich, wenn sich die Versicherten mit einem provisorischen Vorsorgeausweis über die neue Vorsorgesituation ein Bild machen können.

Empfehlenswert ist es, den Mitarbeitenden zusätzlich die Möglichkeit anzubieten, bei einem persönlichen Gespräch auf die eigene Vorsorgesituation einzugehen. Erfahrungsgemäss machen 10–15 Prozent der Mitarbeitenden von dieser Möglichkeit Gebrauch. Diese Einzelgespräche sind vor allem auch dann hilfreich, wenn die Vorsorgekommission nicht allein entscheiden kann und eine Mitarbeiter-Abstimmung für den Pensionskassenwechsel erforderlich ist.

6. Erledigen der Formalitäten

Kündigen Sie nie einen Vertrag, bevor Ihnen nicht die schriftliche Deckungszusage der neuen Pensionskasse vorliegt! Prüfen Sie auch die neuen Verträge. Insbesondere Auflösungskosten, Teilliquidation und allfällige Verpflichtungen des Arbeitgebers sind kritisch zu hinterfragen.

Am Ende dieses Projektes steht bei einem Pensionskassenwechsel der Übertrag der Vorsorgegelder von der bisherigen zur neuen Pensionskasse an. Es gilt zu kontrollieren, dass die Versichertendaten richtig erfasst sind und die Altersguthaben korrekt eingebucht wurden.

Von einer erfolgreichen Optimierung der Pensionskasse kann erst dann gesprochen werden, wenn für sämtliche Versicherte eine nachhaltige Vorsorgesituation erzielt werden konnte. Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden ist das Ziel jeder zukunftsgerichteten Personalpolitik und zeichnet ein erfolgreiches Unternehmen aus.

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