24.02.2020

Krankenversicherung Schweiz: Diese Kosten trägt der Arbeitgeber

Schweizer Arbeitgeber beteiligen sich nicht an den Kosten für die Krankenversicherung ihrer Angestellten, für Grund- und Zusatzversicherung müssen die Versicherten allein aufkommen. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wie Deutschland und Österreich sind Arbeitgeber in der Schweiz nämlich nicht dazu verpflichtet. Für Arbeitnehmer herrscht allerdings Versicherungspflicht: Jeder, der mindestens drei Monate über einen Wohnsitz in der Schweiz verfügt, muss eine Grundversicherung abgeschlossen haben.

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Krankenversicherung Schweiz

Als Grenzgänger kann man sich zwar von der Versicherungspflicht in der Schweiz befreien lassen, um weiterhin bei einer Krankenversicherung im Heimatland versichert zu bleiben. Hier sollte man aber zunächst überprüfen, ob sich diese Befreiung lohnt: Zwar scheinen viele Krankenversicherungen aus dem europäischen Ausland zunächst günstiger, bieten mitunter aber auch geringere Leistungen als die Schweizer Grundversicherung.

Mehr Selbstbestimmung in Sachen Krankenversicherung

Der Grund dafür, dass die Arbeitgeber in der Schweiz keine Kosten im Bereich der Krankenversicherung übernehmen, liegt vor allem darin, den Versicherten mehr Selbstbestimmung und Eigenverantwortung zu ermöglichen. Nur in der Schweiz können Versicherte ihren Versicherungsschutz unabhängig von ihrem Arbeitgeber wählen, wichtig ist allein, welche Ansprüche man an den eigenen Versicherungsschutz hat. So kann man bei der Grundversicherung nicht nur den Anbieter, sondern auch die Art der Leistungserbringung frei bestimmen. Vom klassischen Tarif über Hausarzt-Modelle bis hin zu verschiedenen Varianten der Telemedizin hat man einige Wahlmöglichkeiten.

Eine Ausnahme bildet die Unfalldeckung in der Grundversicherung. Arbeitet man in der Schweiz mehr als 8 Stunden wöchentlich für denselben Arbeitgeber, muss dieser den Arbeitnehmer gegen Unfälle absichern. Dieser Schutz gilt dann auch für Unfälle, die im Haushalt oder in der Freizeit passieren. Mehr Informationen zur Unfalldeckung finden Sie auch beim Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV).

Steigende Krankenkassenprämien belasten Arbeitnehmer

Alle anderen Versicherungskosten muss man als Arbeitnehmer allein tragen. Da die Kosten für die Grundversicherung seit Jahren kontinuierlich steigen, bedeutet dies für viele eine erhöhte finanzielle Belastung, die sie mitunter nur mit Mühe leisten können. Über ein Viertel der Schweizer Versicherten wird derzeit gemäss NZZ in Form der Prämienverbilligung bei den monatlichen Prämien unterstützt. Auch die politischen Massnahmen zur Senkung der Krankenkassenprämien zeigen bisher nur begrenzt Wirkung, eine Entspannung der Situation ist derzeit nicht in Sicht.

Arbeitnehmer, die ihre monatlichen Beiträge reduzieren möchten, haben aber dennoch verschiedene Möglichkeiten, um in Sachen Krankenversicherung zu sparen:

1. Tipp: Versicherungspolice regelmässig überprüfen

Es lohnt sich, die aktuelle Versicherungspolice in regelmässigen Abständen zu überprüfen. Neben der Zufriedenheit mit dem derzeitigen Anbieter sollte man vor allem kontrollieren, ob die abgeschlossene Versicherung noch zu den eigenen Bedürfnissen und der aktuellen Lebenssituation passt. So sollte beispielsweise die Franchise passend zur Anzahl der jährlichen Arzttermine und das Tarifmodell abhängig von der gewünschten Leistungserbringung gewählt werden. Je häufiger man im Jahr zum Arzt geht, desto niedriger sollte die Franchise gewählt werden. Geht man bei den meisten Erkrankungen sowieso zunächst zum eigenen Hausarzt, könnte ein Hausarzt- oder HMO-Modell die richtige Wahl sein. Beide Anpassungen - ob Franchise oder gewähltes Sparmodell - können, je nach getroffener Auswahl, die monatliche Prämie bereits deutlich senken.

Ist in der Grundversicherung eine Unfalldeckung eingeschlossen, sollte man ausserdem überprüfen, ob diese überhaupt benötigt wird: Sobald eine Unfalldeckung über den Arbeitgeber besteht, kann die Unfalldeckung aus der Grundversicherung ausgeschlossen werden, wodurch die Prämie automatisch sinkt. Schlechter versorgt ist man dadurch nicht, im Gegenteil: Die Unfallversicherung über den Arbeitgeber bietet deutlich bessere Leistungen als der Unfallschutz der Grundversicherung. So werden neben der medizinischen Versorgung auch andere Kosten übernommen, beispielsweise ein Taggeld zum Ausgleich des Verdienstausfalls während der Genesung.

2. Tipp: Tarife der Schweizer Krankenkassen vergleichen

Die Leistungen der Grundversicherung sind in der Schweiz gesetzlich vorgeschrieben, weswegen sie bei allen Krankenkassen identisch ausfallen. Trotzdem gibt es im eigenen Wohnkanton oftmals einen Anbieter, der die Grundversicherung für eine günstigere Prämie anbietet. Aus diesem Grund lohnt es sich regelmässig einen Krankenkassenvergleich vorzunehmen. So können Versicherte überprüfen, ob die eigene Prämie unverhältnismässig hoch ausfällt und welches Sparpotenzial bei einem Wechsel des Tarifs oder der Krankenkasse besteht. Bei insgesamt rund 60 Anbietern von Grundversicherung in der Schweiz findet sich fast immer ein Versicherer, der die gleichen Leistungen zu einem niedrigeren Preis offeriert.

Mit einem regelmässigen Vergleich können Arbeitnehmer also sicherstellen, dass sie für die eigene Krankenversicherung nicht zu viel bezahlen. Da die Beiträge für die Krankenkasse in der Schweiz immer zu Beginn des Kalenderjahrs angepasst werden, sollte man mindestens einmal im Jahr vergleichen. Am besten macht man dies Ende September bzw. Anfang Oktober, wenn die neuen Prämien für das kommende Jahr vom BAG veröffentlicht werden. So haben Versicherte noch ausreichend Zeit, die neuen Angebote zu prüfen und gegebenenfalls einen Versicherungswechsel innerhalb der Kündigungsfrist Ende November vorzunehmen.

Auch eine Beitragserhöhung im laufenden Jahr müssen Versicherte nicht einfach hinnehmen. In diesem Fall kann man das Sonderkündigungsrecht in Anspruch nehmen und mit einer Frist von einem Monat kündigen.

Fazit

Schweizer Angestellte können in Sachen Krankenversicherung zwar nicht von einer Kostenbeteiligung durch den Arbeitgeber profitieren, im Gegenzug steht es Arbeitnehmern allerdings frei, ihren Versicherungsschutz ganz nach den eigenen Wünschen und Anforderungen zu gestalten. Stimmt man diesen bestmöglich auf die persönliche Situation ab und vergleicht regelmässig die Angebote der Schweizer Krankenkassen lässt sich die finanzielle Belastung deutlich reduzieren.

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