22.12.2014

Schwangerschaft: So bereiten Sie sich als Arbeitgeber darauf vor

Erwerbstätige schwangere Frauen werden durch verschiedene Erlasse geschützt. Das Obligationenrecht (OR) sieht einen Kündigungsschutz und das Arbeitsgesetz einige Schutzbestimmungen für die Gesundheit der schwangeren Frau und ihres ungeborenen Babys vor. Welche Massnahmen Sie als Arbeitgeber bei einer allfälligen Schwangerschaft einer Ihrer Mitarbeiterinnen treffen müssen, erfahren Sie hier.

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Schwangerschaft

Schritt 1 – Sie informieren das Kader

Machen Sie alle Vorgesetzten in der Linie mit dem Thema Mutterschutz während der Schwangerschaft, dem Mutterschaftsurlaub und der Stillzeit vertraut.

Im Arbeitsgesetz (ArG), in der Verordnung dazu (ArGV 1) und in der Mutterschutzverordnung (MuSchV) finden sich zahlreiche Einschränkungen für die Beschäftigung von schwangeren Frauen. Diese Schutzbestimmungen gelten auch für die meisten sonst grundsätzlich betrieblich oder persönlich vom ArG ausgenommenen beschäftigten Arbeitnehmenden.

Der Arbeitgeber darf eine schwangere Frau nur mit deren Einverständnis beschäftigen (ArG, Art. 35a) und hat ihre Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass ihre Gesundheit und die Gesundheit des Kindes nicht beeinträchtigt werden (ArG, Art. 35, Abs. 1).

Arbeitszeit
Planen und organisieren Sie die Einsätze Ihrer Mitarbeitenden, damit die tägliche Arbeitszeit der schwangeren Frau das vertragliche Arbeitspensum (max. neun Stunden) nicht übersteigt.
Beachten Sie dabei auch das Arbeitsverbot ab der achten Woche vor der Niederkunft und der 16 folgenden Wochen von 20:00 bis 06:00 Uhr.

Überstunden
Überstunden sind ab Beginn der Schwangerschaft verboten. (Das gilt auch für die Stillzeit.)

Schichtarbeit und Akkordsysteme
Überprüfen Sie, ob Schichtwechsel oder eine andere gleichwertige Tätigkeit möglich sind.

Bei hauptsächlich stehender Tätigkeit
Planen und organisieren Sie die Einsatze Ihrer Mitarbeitenden, damit die schwangere Frau ab dem 4. Schwangerschaftsmonat nebst den ordentlichen Pausen alle zwei Stunden zusätzliche Kurzpausen von zehn Minuten einlegen kann und eine tägliche Ruhezeit von 12 Stunden erhält (ab dem 6. Schwangerschaftsmonat ist die Arbeitszeit auf vier Stunden pro Tag beschränkt).

Keine schweren Lasten
Planen und organisieren Sie die Einsätze Ihrer Mitarbeitenden, damit die schwangere Frau nicht regelmässig Lasten über 5 kg (höchstens gelegentlich Lasten bis 10 kg) versetzen muss. Ab dem 7. Schwangerschaftsmonat dürfen gar keine Lasten über 5 kg mehr versetzt werden.

Kälte, Hitze
Ideale Raumtemperaturen sind 15°C bis 28°C. Stellen Sie sicher, das bei anderen zulässigen Raumtemperaturen die geeigneten Schutzmassnahmen getroffen werden (warme Getränke, Thermo-Schutzkleidung oder eine Ersatztätigkeit möglich ist.)

Keine Arbeit bei Nässe
Achten Sie darauf, dass Arbeiten im Freien bei Nässe im Freien während der Schwangerschaft verboten ist.

Strecken, Beugen, Kauern usw.
Planen Sie den Einsatz einer schwangeren Frau so, dass sie nicht vorzeitig ermüdet.  Dazu gehören Tätigkeiten wie z. B. sich erheblich Strecken oder Beugen, dauernd Kauern oder sich gebückt Halten sowie Tätigkeiten mit fixierten Körperhaltungen ohne Bewegungsmöglichkeit. (Tipps: Hilfsmittel, wie kleine Leiter, Putzmaschinen mit Teleskopgriffen usw. zur Verfügung stellen).

Lärm, ionisierende Strahlung, chemische Gefahrsstoffe und Überdruck
Beachten Sie die besonderen Bestimmungen der MuSchV (auch bei Passivrauchen).

Schritt 2 – Regeln von kurzfristigen Absenzen

Die schwangere Frau hat das Recht auf blosse Anzeige hin der Arbeit fernzubleiben (ArG, Art. 35a). Dazu benötigt sie grundsätzlich kein Arztzeugnis. Sie sollte aber mit dem Arbeitgeber in Kontakt bleiben. Gestützt auf OR, Art. 324a, Abs. 3 hat sie Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.

Bei einer längeren Abwesenheit (meist zwei bis drei Tage) sollte sie ein Arztzeugnis beibringen, wenn der Arbeitgeber über eine Kranken-Taggeldversicherung verfügt. Diese Taggeldversicherungen sehen regelmässig vor, dass eine Arbeitsunfähigkeit erst anerkannt wird, wenn sich die versicherte Person in ärztliche Behandlung begibt.

Fördern Sie die Teamarbeit und die Hilfsbereitschaft aller Mitarbeitenden, wenn eine schwangere Frau kurzfristig ausfällt.

Schritt 3 – Wichtige Telefonnummern

Erstellen Sie eine Telefonliste.

Neben der allgemeinen Notfallnummer müssen sich darauf auch die Telefonnummer/n des Vaters und des Frauenarztes/der Frauenärztin finden.

Schritt 4 – Stressfreie Arbeit

Mit zunehmender Schwangerschaft sollte die Mitarbeitende möglichst stressfrei und vermehrt in ruhigeren Bereichen arbeiten können.

Planen Sie deren Einsatzmöglichkeiten und allenfalls Stellvertretungen.

Schritt 5 – Ruheraum / Liegemöglichkeit am Arbeitsplatz

Suchen Sie nach einer Möglichkeit eines Ruheraums mit Liegemöglichkeit. Ein solcher muss bis zum Ende der Stillzeit vorhanden sein. Benachbarte KMU können auch gemeinsam einen Ruheraum einrichten.

Schwangere und stillende Frauen müssen sich unter geeigneten Bedingungen hinlegen und ausruhen können (ArGV 3, Art. 34). Als geeignete Ruhegelegenheit gilt eine bequeme Liege in einem separaten Raum mit guten klimatischen Bedingungen zu bezeichnen. Der Kopfteil und wenn möglich auch der Fussteil der Liege sollten neigbar sein. Allenfalls kann der Ruheraum durch ständiges Abtrennen eines anderen ruhigen Raumes eingerichtet werden. Es gibt auch die Möglichkeit, dass mehrere Kleinbetriebe in unmittelbarer Nachbarschaft gemeinsam einen Ruheraum einrichten.

Schritt 6 – Arbeitsgesetzliche Vorschriften

Überprüfen Sie, wie Sie bei Schwangerschaft und Mutterschaft einer Mitarbeitenden die arbeitsgesetzlichen Vorschriften erfüllen können oder ob Anpassungen vorzunehmen sind.

Schwangere Frauen dürfen nur dann gefährliche und beschwerliche Arbeiten verrichten, wenn aufgrund einer Risikobeurteilung feststeht, dass keine gesundheitliche Belastung für Mutter und Kind vorliegt, oder wenn eine solche Belastung durch Schutzmassnahmen ausgeschaltet werden kann (ArGV 1, Art. 62). Bei den in Art 7 bis 13 der MuSchV genannten Tätigkeiten handelt wird eine solche Gefährdung vermutet. Die Risikobeurteilung muss durch eine fachlich kompetente Person vorgenommen werden.

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