24.01.2018

Nachfolge Unternehmen: Gesellschaftsrechtliche Aspekte

Bei der Unternehmensnachfolge spielen die Gestaltungsmöglichkeiten des Gesellschaftsrechts eine prominente Rolle. Sie gehen von einer wirtschaftlichen/unternehmerischen Auslegeordnung des «abgebenden» Unternehmers aus. Zentrale Aspekte sind der Übergang des Eigentums am Unternehmen und die Einbindung eines Nachfolgeunternehmers.

Von: Marco Mathis  DruckenTeilen Kommentieren 

Marco Mathis

Marco Mathis ist seit 1987 als selbstständiger Zürcher Rechtsanwalt tätig. Er verfügt über profunde Kenntnisse im gesamten Wirtschaftsrecht und betreut eine schweizerische und ausländische Klientschaft.

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Gesellschaftsrecht

Das Gesellschaftsrecht spielt bei der Querschnittmaterie «Nachfolge Unternehmen» eine wichtige, aber nicht immer die entscheidende Rolle. Wichtig deshalb, da Unternehmen meistens in Gesellschaftsform organisiert sind: Als juristische Personen wie AG, GmbH, Genossenschaft und Verein oder als Personengesellschaften wie Kollektiv und Kommanditgesellschaft. Nicht darunter fällt die Einfache Gesellschaft, welche, sobald sie ein Unternehmen betreibt, als Kollektivgesellschaft umqualifiziert wird. Unternehmen können aber auch in nicht-gesellschaftsrechtlicher Form geführt werden, vorab als Einzelfirma, oder als (Unternehmens-) Stiftung. Ausserdem gibt es Unternehmen in öffentlich-rechtlicher Gestalt (Körperschaften und Anstalten).

Bei den rechtlichen Aspekten der Unternehmensformen im Rahmen der Unternehmensnachfolge muss man entsprechend etwas über den gesellschaftsrechtlichen Tellerrand hinausdenken. Ausserdem bilden diese Aspekte nur einen Teil der rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten. Sie sind insbesondere mit denjenigen des Familien- und des Erbrechts abzustimmen und stehen manchmal gar nicht im Vordergrund.

So kann es z.B. im Falle eines Grafikateliers in der Form einer Einzelfirma richtig sein, diese (z.B. per Erbrecht) an den einzigen Nachkommen des Unternehmers zu überzuführen, der ebenfalls begabter Grafiker und bereit ist, das Unternehmen fortzuführen. Hat hingegen der Unternehmer z.B. zwei Nachkommen, die das Geschäft nicht fortführen können oder wollen, so kann dessen Überführung in eine AG sinnvoll sein, die den Nachkommen zwar gehört, nicht aber von diesen, sondern von einem professionellen Management geführt wird.

Rechtstipp: In diesem Fall ist also für die Gestaltung der Unternehmensnachfolge nicht das Gesellschaftsrecht ausschlaggebend, sondern die familiäre Ausgangslage.

Wie kann sich ein Unternehmer (oder können sich mehrere Unternehmer als Partner) für die «richtige» Nachfolgelösung und -struktur im Fundus der rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten zurechtfinden? Es wäre falsch, dabei mit den unternehmensrechtlichen Strukturierungsmöglichkeiten zu beginnen, oder auch mit den familen-, erb-, steuer- oder anderweitigen rechtlichen Optionen. Der Unternehmer muss zunächst eine von rechtlichen Überlegungen losgelöste Auslegeordnung vornehmen:

Auslegeordnung

a) Unternehmen: Wie ist die aktuelle wirtschaftliche Situation, wie sehen die Entwicklungsmöglichkeiten mittel- bis langfristig aus, welcher personeller und finanzieller Mittel bedarf es, um diese Entwicklungsmöglichkeiten wahrzunehmen? Diese Analyse nimmt der Unternehmer, der sein Geschäft am besten kennt, nach wirtschaftlichen, unternehmerischen Gesichtspunkten vor.

b) Ziel für das Unternehmen bei der Nachfolge: «Es soll weiterleben, auch ohne mich», das mag der Unternehmer wünschen, was aber zu allgemein ist. Nach welchen Grundsätzen soll es sich entwickeln (Wachstum ja/nein, wenn ja, wo/ wie), soll es möglichst lange «in Familienhand» bleiben oder – bald oder später – Dritten oder dem Publikum geöffnet werden usw.? Dabei soll der Unternehmer seine Vision des Unternehmensfortbestands nach seinem Ausscheiden möglichst konkretisieren.

c) Aus den Ergebnissen zu a) und b) lässt sich dann die Konklusion ziehen, was nach dem Wunsch des Unternehmers mit der Nachfolgelösung erreicht werden kann und soll. Erst jetzt kommen die rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten ins Spiel, und, richtig angewendet, auch zum Tragen.

Dazu ist der gesellschaftsrechtliche – bzw. besser «unternehmensrechtliche» – Werkzeugkasten gut ausgerüstet. Unternehmen lassen sich, je nach Bedarf, in andere Unternehmensformen (Gesellschaften und andere) «umwandeln », aufspalten, fusionieren oder per «Vermögensübertragung» von dem einen auf einen anderen Rechtsträger überführen. Das Fusionsgesetz (FusG) erlaubt eine Vielzahl solcher Umformungen, und dies erst noch grundsätzlich ohne besondere Besteuerung der Transaktionen.

Nachfolge Unternehmen

Bei der Unternehmensnachfolge stehen in der Regel zwei Hauptaspekte im Vordergrund, einerseits der Übergang des Eigentums am Unternehmen und andererseits die Definition und Einbindung eines oder mehrerer Nachfolgeunternehmer. Bei mittelständischen Unternehmen sind oftmals familieninterne Lösungen gesucht, es kommen aber alle Kombinationen vor.

Unternehmensbewerung

Bei allen Nachfolgelösungen kommt der Unternehmensbewertung eine zentrale Bedeutung zu. Diese ist eine wichtige Grösse schon bei der vorgängigen Auslegeordnung des Unternehmers. Dabei ist zu berücksichtigen, welche Auswirkungen der beabsichtigte Führungswechsel auf die nachhaltige Ertragskraft des Unternehmens haben wird (positiv oder negativ). Der Unternehmer muss sich bewusst sein, dass es weniger um einen «richtigen », allgemeingültigen oder objektiven Wert des Unternehmens geht als vielmehr um den Wert aus der Sicht des Nachfolgeunternehmers. Falls der Unternehmer nicht selbst Fachmann auf dem Gebiet ist, sollte er zur Unternehmensbewertung professionellen Rat beiziehen. Die beliebte (weil einfache) Bewertung nach einer bestimmten Gewichtung von Substanz- und Ertragswert (z.B. im Verhältnis von 1 : 2) mag als Ausgangspunkt dienen, dürfte aber in der Regel zu wenig differenziert sein verglichen mit der Unternehmensbewertung durch den Experten.

Rechtstipp: Sodann sollten die Bewertungsfragen nicht losgelöst von allenfalls auch zum Tragen kommenden familien- oder erbrechtlichen Vorgängen beurteilt werden (Heirat, Güterstandsänderung, Scheidung, Erbvorbezug, Erbfolge), die teilweise eigene Bewertungsregeln kennen. Und nicht zuletzt ist auch die Sicht des Fiskus mit einzubeziehen, der in puncto Bewertung bei Unternehmensnachfolge-T ransaktionen gewissermassen das letzte Wort hat.

Dort lauern gefährliche Fallgruben; die Übertragungen von Beteiligungen im Privatvermögen natürlicher Personen auf Kapitalgesellschaften oder in das Geschäftsvermögen natürlicher Personen stehen immer im Fokus der Steuerbehörden. Bekannte Unternehmer sind schon in die teure Falle der «Transponierung» oder der «indirekten Teilliquidation» getappt, etwa wenn ein Unternehmenskäufer (ein Nachfolgeunternehmer) den Unternehmenserwerb in unzulässiger Weise letztlich aus dem erworbenen Unternehmen selbst finanziert hat. Die Richtlinien in diesem Zusammenhang sind den einschlägigen Kreisschreiben der Eidg. Steuerverwaltung zu entnehmen (insbesondere Nr. 29, 29a und 32). Die komplexe Materie darf nicht unterschätzt werden, und der Beizug eines Steuerfachmanns für eine beabsichtigte Unternehmensnachfolge-Transaktion ist letztlich unerlässlich.

Eigentumsnachfolge bei «Nachfolge Unternehmen»

Mit den im Einzelfall geeigneten Unternehmensrechtsformen und Beteiligungsstrukturen wird vorab die oben erwähnte Eigentumsnachfolge geregelt. Die für die Unternehmensnachfolge gerade so wichtige Führungsnachfolge durch den/die Nachfolgeunternehmer sollte dabei durch Aktionärs- oder Gesellschafterbindungsverträge («ABV») flankiert werden. Regeln zur Geschäftspolitik, zur Unternehmensführung und zum Zusammenwirken mehrerer Parteien und vielem mehr, was im Einzelfall einer Unternehmensnachfolge wichtig ist, lässt sich nicht immer genügend durch gesellschaftsrechtliche Regularien erfassen (Statuten, Reglemente) und wird zweckmässigerweise im Rahmen von ABVs geregelt.

Fazit

Für die Unternehmensnachfolge gibt es keine Patentlösung. Nur massgeschneidert schafft sie bestmögliche Voraussetzungen für die Vision und Zielsetzung des abgebenden Unternehmers. Sie bedient sich der geeigneten Instrumente vor allem aus den gesellschafts-, familien- und erbrechtlichen Werkzeugkästen. Unternehmensnachfolge ist ein anspruchsvolles, teilweise komplexes Thema, welches vom Laien ohne fachliche Unterstützung leider nur allzu oft mit unbefriedigendem Ergebnis gelöst wird.

Rechtstipp: Dem Unternehmer ist zu empfehlen, die Unternehmensnachfolge nicht dem Schicksal zu überlassen, wenn sie ihm am Herzen liegt, sie frühzeitig zu planen und dem Nachfolgeunternehmer eine angemessene Einstiegs- und Bewährungsperiode zu ermöglichen. Dabei kommt dem Know-how-Transfer vom abgebenden zum übernehmenden Unternehmer eine möglicherweise matchentscheidende Bedeutung zu. Last but not least ist zu erwähnen, dass der abgebende Unternehmer oftmals die Bedeutung eines Punkts gewaltig unterschätzt: Eine Unternehmensnachfolge kann nicht funktionieren, wenn der abgebende Unternehmer nicht «loslassen» kann und nicht bereit ist, das Geschäft im Rahmen der Nachfolgeplanung auch wirklich «abzugeben».

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