07.10.2019

Zollkosten: So sparen Sie im Import

Wissen Sie, wie viel Geld Sie jährlich an die Eidgenössische Zollverwaltung zahlen? Erfahren Sie in diesem Artikel, wie Sie mit einem einfachen System Ihre Importbelege optimieren können.

Von: Lea Derendinger  DruckenTeilen 

Lea Derendinger

Lea Derendinger, Zollfachfrau mit eidg. FA, eidg. dipl. Speditionsfachfrau. Bei der FineSolutions AG in Zürich ist Lea Derendinger als vielseitige Zollberaterin im Einsatz. Aufgrund ihrer 20-jährigen Praxiserfahrungen in den verschiedenen Bereichen wie Zollverwaltung, Industrie und Logistik legt sie grossen Wert auf praxisorientierte Trainings und Beratungen.

 

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Zollkosten

Zollkosten sparen

Viele Unternehmerinnen und Unternehmen denken, dass die elektronische Veranlagungsverfügung (eVV) Import durch die Zollverwaltung erstellt wird. Darum vertrauen sie darauf, dass die Angaben in dieser «Zollquittung» korrekt sein müssen. Das stimmt so nicht: Die Verzollung im Import wird meist von einem Zolldeklaranten durchgeführt, der Angestellter einer Speditionsfirma oder einer Verzollungsagentur ist.

Die Daten, die der eVV Import zugrunde liegen, werden aufgrund der Angaben in der ausländischen Lieferantenrechnung erfasst. Oft fehlen in diesen Lieferantenrechnungen wichtige Angaben, was zu Falschverzollungen führen kann. Dadurch können Ihnen unnötige Kosten entstehen.

 

Begriffserklärungen
Zollkosten – Zollabgaben – Zölle
Der Begriff Zollabgaben oder umgangssprachlich «Zölle» steht offiziell für die durch die Eidgenössische Zollverwaltung in Rechnung gestellten Zollkosten, die sich in der Schweiz zumeist aufgrund des Bruttogewichts einer importierten Ware berechnen lassen.
Zollgebühren – Verzollungsgebühren
Zollgebühren, oder auch Verzollungsgebühren genannt, werden von Firmen erhoben (Spediteure und Verzollungsdienstleister), welche für die Durchführung der Verzollung beauftragt wurden. Die Zollgebühren können individuell festgelegt werden und richten sich oftmals nach der Anzahl Verzollungen und Verzollungspositionen.

Die Lieferantenrechnung als Basis der Verzollung

Prüfen Sie Ihre Lieferantenrechnungen! Dann werden Sie feststellen, dass von vielen ausländischen Lieferanten die wichtigsten Aussenhandelsdaten nicht korrekt sind oder dass Angaben fehlen.

Diese Lieferantenrechnung bildet jedoch die Grundlage für die Verzollung und damit für die eVV Import. Aufgrund dieser Daten werden die Zoll- und Mehrwertsteuerabgaben beim Käufer der Waren (Importeur) erhoben. In vielen Firmen werden die Veranlagungsverfügungen direkt in der Buchhaltung verwaltet. Die Daten, welche als Erhebungsmerkmale der Zollkosten dienen, werden von der Buchhaltung oft nicht oder nur ungenügend kontrolliert. So kann es vorkommen, dass Sie jahrelang zu viele Zollabgaben bezahlen. Mit unseren Tipps entwickeln Sie ein einfaches System, das Sie dabei unterstützt, Zollkosten zu sparen.

Lieferanten in die Pflichtnehmen: Mindestangaben fordern!

Wir empfehlen Ihnen: Nehmen Sie die Lieferanten in die Pflicht und fordern Sie die Mindestangaben auf den grenzüberschreitenden Rechnungen! Verankern Sie diese Mindestangaben in Ihren Allgemeinen Einkaufsbedingungen (AEB) oder halten Sie die entsprechenden Punkte im Vertrag mit Ihrem Lieferanten fest.

Sie können diese Aussenhandelsdaten auch mit jeder Bestellung beim Lieferanten einfordern. Wichtig: Verlangen Sie die notwendigen Daten von Ihren Lieferanten und überprüfen Sie, ob die Informationen auf der Rechnung vollständig sind.

Teilen Sie Ihren Lieferanten ausserdem mit, dass Mehrkosten der Zollabgaben, die durch falsche Angaben in deren Rechnungen entstehen, zurückbelasten werden.

Zollkosten sparen: Kontrollieren Sie die Rechnungen

Gerade EU-Lieferanten, die hauptsächlich in der EU Waren verkaufen, kennen sich mit Aussenhandelsdaten selten gut aus. Bei einer innergemeinschaftlichen Lieferung innerhalb der EU werden diese Informationen oft nicht benötigt. Dies führt dazu, dass viele Aussenhandelsdaten in der Lieferantenrechnung fehlerhaft deklariert werden. Auch Lieferanten aus dem asiatischen Raum stellen ungenügende Rechnungen aus, da sie die Angaben für eine korrekte Importverzollung in die Schweiz schlichtweg nicht kennen.

 

Tipp!
Mindestangaben der grenzüberschreitenden Rechnung:
  • eindeutige Artikelnummer
  • aussagekräftige Warenbezeichnung
  • Einzelpreis und Gesamtpreis anhand der gelieferten Stückzahlen
  • Zolltarifnummer (HS-Code) je Artikel
  • autonomes Ursprungsland jedes Artikels
  • Präferenzeigenschaft je Artikel
  • Angaben zu internationalen Exportkontrollen zu jedem Artikel
  • Incoterms® mit Angabe der Ortschaft und Version (z.B. FCA Shanghai Airport – Incoterms 2010)
  • Ihre Bestellnummer oder Referenz

Optional, jedoch hilfreich für den Zolldeklaranten/Verzollungsdienstleister:
  • Ihre UID-Nummer (Unternehmens-Identifikationsnummer)
  • Ihr ZAZ-Konto (zentrale Abrechnungskontonummer Zoll)
  • Ihre MWST-Nummer (Mehrwertsteuer-Nummer)
 

Checkliste erstellen für Ihre Lieferanten

Mit einer Checkliste unterstützen Sie Ihre Lieferanten optimal. Die Liste sollte alle benötigten Rechnungsinformationen enthalten. Erklären Sie auch, warum es so wichtig ist, dass diese Angaben korrekt sind.

Natürlich unterstützen Sie nur Lieferanten ohne Angaben oder mit fehlerhaften Angaben in den Rechnungen. Lieferanten, die alle Daten vorbildlich in der grenzüberschreitenden Rechnung ausweisen, schreiben Sie nicht an.

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Senken Sie Ihre Zollkosten langfristig

Damit Sie nicht alle Lieferantenrechnungen «durchkämmen» müssen, können Sie die Optimierung der Zollabgaben auch auf der Basis der Veranlagungsverfügungen durchführen.

Seit der Umstellung auf elektronische Importbelege wegen des Obligatoriums im März 2018 sind bei vielen Firmen die Importdaten in einer eVV-Importsoftwarelösung vorhanden. Wenn die Software Auswertungsmöglichkeiten anbietet, können Sie sich zuerst auf diejenigen Lieferanten fokussieren, bei welchen Sie regelmässig hohe Zollabgaben bezahlen müssen. Mit dem Fokus auf die wertmässig hohen Zollabgaben können Sie einfach bei wenigen Lieferanten Optimierungen vornehmen, die schnell zu erheblichen Zolleinsparungen führen.

Die Auswertung Ihrer Importdaten zeigt ganz klar auf, bei welchen Lieferungen Sie hohe Zollabgaben bezahlen und wie gross Ihr Einsparpotenzial ist.

Folgende Fehlerquellen sind häufig:

  • keine Angabe der Zolltarifnummer
    auf der Lieferantenrechnung -> Die gleichen Waren werden oft mit unterschiedlichen Zolltarifnummern deklariert, und der Zolldeklarant wählt eher eine Nummer aus, die höhere Zollkosten zur Folge hat.
  • Angabe einer falschen Zolltarifnummer
    Sie zahlen regelmässig zu hohe Zölle.
  • falsch angewendete Incoterms
  • Der Lieferant liefert präferenzbegünstigte Ursprungswaren, jedoch ist der Präferenznachweis wie zum Beispiel die Ursprungserklärung auf der Rechnung formell ungültig oder das EUR.1 wurde nicht korrekt erstellt. -> Sie bezahlen regelmässig Zölle auf Waren, die zollfrei eingeführt werden könnten.
  • Unwissen: Sie kaufen Güter aus Entwicklungsländern ein wie zum Beispiel aus Indien, Malaysia, Vietnam, Thailand, und Ihr Lieferant kennt sich mit dem APS (Allgemeines Präferenzsystem für Entwicklungsländer) oder englisch GSP (Generalized System of Preferences) nicht aus. -> Sie bezahlen bei jeder Lieferung Zollabgaben, obwohl die Güter vielleicht mit dem entsprechenden Nachweis zollfrei importiert werden könnten.
  • Ihr Lieferant in der EU liefert Ihnen Waren, die er in einem Land einkauft, mit dem die Schweiz ein Freihandelsabkommen hat. -> Beim Umstellen auf Direktlieferung können Sie vom Abkommen profitieren und die Güter zollfrei importieren.

Falschverzollungen erkennen

Nachdem Sie die Optimierungen aufseiten Ihrer Lieferanten durchgeführt haben, werden Sie feststellen, dass die Qualität Ihrer Veranlagungsverfügungen um ein Vielfaches besser wird. Dennoch wird es noch vorkommen, dass der Zolldeklarant bei der Erfassung der eVV-Importdaten einen Fehler in der Zollanmeldung macht.

Die Zusammenführung der eVV Import mit dem entsprechenden Geschäftsfall ist für Schweizer Importeure Pflicht (Prüfspur). Es ist also auch wichtig, dass Sie den Abgleich der Lieferantenrechnung mit der eVV Import durchführen und Verzollungsfehler erkennen. Die eVV Import kann in den meisten Fällen innert der Korrekturfrist von 30 Tagen korrigiert werden.

Teilen Sie dem Zolldeklaranten eine Falschverzollung rechtzeitig mit und bitten Sie um eine Korrektur der entsprechenden eVV. Ob eine eVV korrigiert werden darf, entscheidet die Zollstelle, über die die Waren importiert wurden.

Dafür muss der Zolldeklarant der Zollstelle ein Gesuch um Korrektur stellen, das folgende Mindestangaben beinhalten muss:

  • Begehren des Beschwerdeführers: Was soll geändert werden?
  • Begründung: Weshalb ist die Veranlagungsverfügung fehlerhaft?
  • Angabe der Beweismittel: alle Belege einreichen, inkl. angefochtener eVV als PDF-Datei.
  • Unterschrift des Gesuchstellers oder seines Vertreters

 

Tipp!

Wenn immer wieder Falschverzollungen passieren, erteilen Sie dem Zolldeklaranten Verzollungsinstruktionen. Darin teilen Sie ihm alle benötigten Angaben wie Ihr ZAZ-Konto, Ihre UID-Nummer usw. mit und halten die bei Ihren Verzollungen zu beachtenden Punkte fest.

Die Prüfspur zum Geschäftsfall gewährleisten Sie, indem Sie dem Zolldeklaranten auch die Referenznummer (z.B. Ihre Bestellnummer) melden, die auf jeder eVV Import deklariert werden soll. Somit wird die Zuordnung der entsprechenden eVV zum Geschäftsfall vereinfacht und der administrative Aufwand reduziert.

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