17.01.2018

Grenzgängerbesteuerung CH – LI: Aktuelle Neuerungen für die Besteuerung der Grenzgänger

Die Schweiz hat die Besteuerung für Grenzgänger von und nach Liechtenstein seit dem 1. Januar 2017 in einem Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) neu geregelt. Auf den ersten Blick ändert sich nichts, denn demnach werden Grenzgänger nur dort besteuert, wo sie wohnen. Das DBA lässt Diskussionsspielraum bei den Einschränkungen des Grenzgängerstatus aufgrund von Nichtrückkehrtagen. Arbeitgeber tun gut daran, die Bestimmungen im Detail zu kennen und die notwendigen Vorkehrungen zu treffen.

Von: Brigitte Zulauf, Martin Meyer   Drucken Teilen   Kommentieren  

Brigitte Zulauf

Brigitte Zulauf, PwC, Partner, Leiterin Treuhand Schweiz, absolvierte die Grundausbildung Wirtschaftsmatura, erwarb anschliessend das Lehrerpatent und 1992 den Fachausweis Treuhänder. Sie bildet sich seitdem laufend weiter und hat im November 2013 den Master of Advanced Studies ZFH in Human Capital Management abgeschlossen. Nebst der Gesamtverantwortung für den Bereich Treuhand bei PwC prägt sie vor allem die Weiterentwicklung der Outsourcing- und Beratungsdienstleistungen rund um die Personal- und Saläradministration.

 

 

 

Martin Meyer

Martin Meyer, Steuerberater, Leiter Financial & Private Wealth Services Ostschweiz und Liechtenstein, Schweizer Steuerexperte und liechtensteinischer Treuhandexperte. Director bei PwC in Vaduz.

 

 

 

 

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
Grenzgängerbesteuerung CH – LI

Weiteres zur Grenzgängerbesteuerung CH – LI

Am 1. Januar 2017 ist das überarbeitete Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein in Kraft getreten. Damit wurde die Fassung von 1995 in diversen Punkten angepasst und erweitert. Im Bereich der Einkommenssteuern beinhaltet das neue DBA insbesondere Neuerungen für Grenzgänger, die im einen Staat ihren steuerlichen Wohnsitz haben und im anderen Staat arbeiten. Dazu lautet Art. 15 Abs. 4 DBA CH-FL wie folgt:

«Unter Vorbehalt von Artikel 19 Absatz 1 (Anm. d. Autoren: Vergütungen aus öffentlichem Dienst) können Einkünfte aus unselbstständiger Arbeit von Personen, die in einem Vertragsstaat ihren Wohnsitz und im anderen Vertragsstaat ihren Arbeitsort haben und sich in der Regel an jedem Arbeitstag von ihrem Wohnsitz an den Arbeitsort begeben (Grenzgänger), nur in dem Vertragsstaat besteuert werden, in dem sie ansässig sind.»

Grenzgängerstatus

Das Abkommen definiert Grenzgänger als Arbeitnehmer, die in der Regel an jedem Arbeitstag von ihrem Wohnsitz (Hauptsteuerdomizil) zum Arbeitsort im anderen Vertragsstaat über die Grenze pendeln. Den Grenzgängerstatus nicht zugesprochen erhalten Personen, die im Wohnsitzstaat keine steuerliche Ansässigkeit haben. Ebenfalls von diesem Status ausgeschlossen sind neu Personen, die an mehr als 45 Arbeitstagen pro Kalenderjahr nach Arbeitsende aus beruflichen Gründen nicht an ihren Wohnsitz zurückkehren. Zu den Nichtrückkehrtagen gehören Geschäftsreisen, Übernachtungen in einem Hotel oder in einer Zweitwohnung, sofern die tägliche Pendelstrecke mehr als 45 Minuten Fahrzeit beträgt. Ist die tägliche Fahrzeit kürzer, muss die Nichtrückkehr durch aussergewöhnlich hohe Arbeitsbelastung oder Geschäftsessen begründet werden. Auch Pikettdienst und Weiterbildungsaufenthalte (sofern der Arbeitgeber die Übernachtungskosten übernimmt) können Nichtrückkehrtage bewirken. Bei Schichtarbeitern und Personal mit Nachtdienst oder Bereitschaftsdienst, bei denen die übliche Arbeitszeit über die Tagesgrenze hinaus dauert, ist nicht per se von Nichtrückkehrtagen auszugehen.

Nichtrückkehrtage

Ist unklar, ob es sich bei regelmässigen Übernachtungen in der Nähe des Arbeitsorts um Nichtrückkehrtage handelt, müssen sich die betroffenen Personen zunächst an die zuständige Veranlagungsbehörde wenden. Kommt diese nicht zu einem eindeutigen Schluss oder zeichnet sich ausgehend von deren Einschätzung und der Besteuerung in Liechtenstein eine Doppelbesteuerung ab, können die Betroffenen ein Verständigungsverfahren einleiten. In der Schweiz ist das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen SIF dafür zuständig. Verständigungsverfahren sind formlos und können grundsätzlich ohne Beizug eines Beraters oder Anwalts angestossen werden.

Bei unterjährigen Arbeitsverhältnissen und bei Mitarbeitern mit Teilzeitpensen ist eine Proratisierung der Schwelle der Nichtrückkehrtage vorgesehen. Teilzeitarbeit an fünf Tagen pro Woche führt zu keiner Änderung der 45-Tage-Schwelle. Arbeitet ein Arbeitnehmer hingegen zum Beispiel an drei Tagen pro Woche, reduziert sich die Schwelle auf 27 Nichtrückkehrtage. Wechselt jemand während des laufenden Kalenderjahrs im gleichen Land den Arbeitgeber, so werden die Nichtrückkehrtage für das laufende Kalenderjahr weitergezählt.

Der Nachweis, dass die 45-Tage-Schwelle überschritten wurde, muss bis spätestens im Februar des Folgejahrs an die zuständige Steuerverwaltung eingereicht werden und die folgenden Unterlagen enthalten: eine Aufstellung über die Nichtrückkehrtage durch den Arbeitgeber inklusive Angaben zu An- und Abreisedatum, Ort, Land, Zweck des Aufenthalts, Anzahl der Nichtrückkehrtage und ein Lohnausweis.

Rechtsfolgen Nichtrückkehr

Arbeitnehmer, die keine Grenzgänger sind, weil sie im Wohnsitzstaat keine steuerliche Ansässigkeit vorweisen können, sind im Arbeitsland beschränkt steuerpflichtig. Sie erhalten in der Regel einen Quellensteuerabzug. Eine ordentliche Veranlagung kann beantragt werden oder ist zwingend, wenn die Einkommensschwelle nach nationalem Recht nicht erreicht oder überschritten wird. Diese Einkommensschwelle liegt in der Schweiz bei CHF 120 000.–, in Liechtenstein bei CHF 150 000.– pro Kalenderjahr.

Arbeitnehmer, die aufgrund einer Überschreitung der 45 Nichtrückkehrtage pro Kalenderjahr keinen Grenzgängerstatus besitzen, werden im Land der Erwerbstätigkeit für die dort geleisteten Arbeitstage besteuert. Arbeiten sie in einem dritten Staat, so hat der Ansässigkeitsstaat1 das Besteuerungsrecht.

Der Arbeitgeber ist für die Prüfung des Grenzgängerstatus verantwortlich. Die liechtensteinischen Behörden werden voraussichtlich für alle Betroffenen Ansässigkeitsbescheinigungen einfordern. Die Schweizer Behörden dürften die Bescheinigung nur in Zweifelsfällen verlangen. In Liechtenstein muss die Ansässigkeitsbescheinigung bis zum 31. Dezember 2017 von allen betroffenen Mitarbeitern und für neu angestellte Arbeitnehmer mit Wohnsitz in der Schweiz eingeholt werden.

In Liechtenstein muss sich der Arbeitgeber bei Adressänderungen die Ansässigkeit neu bestätigen lassen. Zudem muss er jährlich eine Liste mit den Namen und Adressangaben sämtlicher Grenzgänger aus dem anderen Land an die jeweilige Steuerverwaltung senden. Diese Liste muss bis Mitte Februar des Folgejahrs bei der Steuerverwaltung eintreffen, sofern die Daten nicht bereits anderweitig, etwa über die Quellensteuerdeklaration, übermittelt wurden.

 Vorhandener Diskussionsbedarf

Das neue Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein ist noch nicht lange in Kraft. Darum fehlen derzeit Erfahrungswerte, und im Rahmen der Verständigungsgespräche (die in einer Verständigungsvereinbarung mündeten) können in aller Regel nicht sämtliche Detailfragen aller Einzelfälle behandelt werden. Die diesbezüglichen Gespräche zwischen den zuständigen Behörden werden fortgesetzt und können zu Anpassungen oder Ergänzungen in der Umsetzung des DBA führen. Konkret bieten beispielsweise folgende Punkte die Grundlage für weitere Gespräche respektive für Verständigungsverfahren:

• In der Verständigungsvereinbarung zwischen den Parteien wurde vereinbart, dass bei Mitarbeitern mit einem Arbeitsweg von über 45 Minuten, die über eine Zweitwohnung im oder grenznah beim anderen Vertragsstaat verfügen, der Grenzgängerstatus entfällt. Die zeitliche Begrenzung ist mit 45 Minuten verglichen mit anderen DBA sehr klein. Wir gehen davon aus, dass die Behörden in solchen Fällen genau prüfen, ob die Zweitwohnung effektiv genutzt wird oder lediglich nur zur Steueroptimierung angemietet wurde. Das könnte die Grundlage für Diskussionen darstellen.

Die Verteilung des steuerbaren Einkommens auf die beiden Staaten bei beschränkter Steuerpflicht birgt ebenfalls Konfliktpotenzial. Die liechtensteinischen Behörden gehen grundsätzlich davon aus, dass Mitarbeiter mit einem liechtensteinischen Arbeitgeber grundsätzlich auch dort ihre Arbeit verrichten. Dies kann bei intensiver Reisetätigkeit dazu führen, dass zu viele Arbeitstage in Liechtenstein berücksichtigt werden. Die Schweiz hat vorgesehen, dass ein Mitarbeiter, der steuermindernde Tatsachen geltend machen will, diese beweisen muss. Konkret sollte ein Mitarbeiter mit viel Reisetätigkeit einen detaillierten Reisekalender führen und diesen vom Arbeitgeber bestätigen lassen.

Quellensteuerabzüge

Klassische Grenzgänger gemäss Definition im Abkommen sind nicht der Quellensteuer unterstellt. Gilt eine Person aufgrund mangelnder steuerlicher Ansässigkeit im Wohnsitzland nicht als Grenzgänger, erfolgt grundsätzlich ein Quellensteuerabzug. Dazu sind die Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz oder Liechtenstein und den Ländern, in denen die betroffenen Mitarbeiter ihre steuerliche Ansässigkeit haben, zu konsultieren.

Bei Mitarbeitern, die aufgrund der 45-Tage-Regel ihre Grenzgängereigenschaft verlieren, variiert das Vorgehen in Liechtenstein je nach Situation. Steht bereits zu Jahresbeginn fest, dass ein Mitarbeiter die 45 Nichtrückkehrtage höchstwahrscheinlich überschreitet, kann der Arbeitgeber nach Rücksprache mit dem betroffenen Mitarbeiter ab Jahresbeginn einen Quellensteuerabzug vornehmen. Überschreitet der Mitarbeiter die 45 Tage erst später, so kann der Arbeitgeber ab diesem Zeitpunkt Quellensteuerabzüge vornehmen. Satzbestimmend ist immer das Bruttoeinkommen. In der Schweiz sind die jeweiligen Merkblätter zur Ablieferung der Quellensteuer massgebend.

Weitere Informationen zur Grenzgängerbesteuerung CH – LI

Weitere Informationen finden sich auf den Webseiten der Steuerverwaltungen der Schweiz und Liechtensteins. Die liechtensteinischen Behörden haben bereits eine Vorlage für die Bescheinigung über die Nichtrückkehrtage sowie ein Muster für die Aufstellung der Nichtrückkehrtage unter dem Link hinterlegt. Diese Dokumente sind für Arbeitgeber in Liechtenstein relevant. Die Behörden in der Schweiz werden entsprechende Muster voraussichtlich ab 2018 erstellen und online zur Verfügung stellen. Im Idealfall werden sich die Behörden beider Staaten auf ein gemeinsames Formular einigen. Andernfalls kommen zwei separate Formulare zur Anwendung. Arbeitgeber in der Schweiz sollten die liechtensteinischen Formulare derzeit nicht anwenden. Relevant für sie ist die Verständigungsvereinbarung.

Fussnoten:

1 Beachten Sie hierzu den Fokustext.

Dieser Beitrag stammt aus dem Print-Newsletter Finanz- und Rechnungswesen. Möchten Sie weitere spannende Beiträge rund um das Thema Finanz- und Rechnungswesen lesen? Dann abonnieren Sie unseren Print-Newsletter Finanz- und Rechnungswesen!

Produkt-Empfehlungen

  • Steuer- und Finanzratgeber für Unternehmen

    Steuer- und Finanzratgeber für Unternehmen

    Steuertipps. Vorsorge- und Finanzplanung. Kostenoptimierungen.

    CHF 78.00

  • SteuerPraxis

    SteuerPraxis

    Der Schweizer Steuerkommentar für rechtssichere Massnahmen und laufende Steueroptimierungen.

    Mehr Infos

  • FinanzberatungsPraxis

    FinanzberatungsPraxis

    Die griffigsten Methoden und die erfolgreichsten Vorgehensweisen zur individuellen Finanzberatung.

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, ½ Tag, ZWB, Zürich

    Update Steueroptimierungen

    BVG, Spesen, FABI, Sozialversicherungen, KMU-Steuerfallen

    Nächster Termin: 19. September 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    International Human Resource Management I

    Grundlagenwissen Quellensteuer, Sozialversicherungen, Bewilligungen

    Nächster Termin: 05. September 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Sozialversicherungen und Quellensteuern in der Lohnbuchhaltung

    Spezielle Fälle in der Lohnbuchhaltung sicher umsetzen

    Nächster Termin: 24. Oktober 2018

    mehr Infos

Um unsere Website laufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos