01.12.2014

Erbschaftssteuer-Initiative: Bedeutung der Initiative für Schweizer KMU

Die 2013 zustande gekommene Erbschaftssteuer-Initiative möchte eine Erbschafts- und Schenkungssteuer einführen. Eine Annahme hätte für die Schweiz als KMU-Land einschneidende Auswirkungen. Die Autoren zeigen auf, warum der Status quo für den Wirtschaftsstandort Schweiz von Vorteil ist.

Von: Fabian Petrus, Otmar Sieber   Drucken Teilen   Kommentieren  

Fabian Petrus, lic.oec. HSG et lic.iur. HSG, dipl. Steuerexperte

Fabian Petrus, lic.oec. HSG et lic.iur. HSG, dipl. Steuerexperte, Partner, OBT AG, studierte Betriebswissenschaft und Rechtswissenschaft an der Universität St. Gallen und erwarb im Jahr 2002 das Diplom zum dipl. Steuerexperten. Nach dem Studium spezialisierte er sich in den Bereichen der nationalen und internationalen Steuerberatung sowie mit der Besteuerung von Immobilien.

Fabian Petrus ist Fachbereichsleiter Steuern und Recht und Mitglied der Geschäftsleitung bei der OBT AG in Zürich. Er ist Koautor des Buches «Das KM Unternehmen – Rechtliche Aspekte von der Gründung bis zur Nachfolge» und ist regelmässig als Referent bei verschiedenen Weiterbildungsinstitutionen tätig, so unterrichtet er an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich sowie am Unternehmer Forum Schweiz und bei weiteren Veranstaltungen.

 zum Portrait

Otmar Sieber

Otmar Sieber ist Partner und Bereichsleiter Steuern/Recht bei der OBT AG in St. Gallen. Seine Beratungsschwerpunkte sind Umstrukturierungen von Unternehmen, Nachfolgeplanungen und -regelungen sowie Spezialfragen in den Bereichen Sozialversicherungsrecht und Mehrwertsteuer. Er ist Dozent bei verschiedenen Weiterbildungsveranstaltungen und war Mitglied des MWST-Kompetenzzentrums der Schweizer Treuhandkammer sowie langjähriger nebenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht Appenzell A. Rh.

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Erbschaftssteuer-Initiative

Die Volksinitiative „Millionen-Erbschaften für unsere AHV besteuern (Erbschaftssteuerreform)“ wurde am 16. August 2011 lanciert, zustande gekommen ist sie im März 2013. Deren Inhalt kann wie folgt zusammengefasst werden: Bisher konnten nur die Kantone Erbschaften und Schenkungen besteuern. Neu soll die Besteuerungskompetenz der Kantone aufgehoben und auf Bundesebene eine Erbschafts- und Schenkungssteuer eingeführt werden. Der Steuersatz beträgt einheitlich 20 %, wobei ein einmaliger Freibetrag von CHF 2 Mio. geltend gemacht werden kann. Übergangsmässig werden alle Schenkungen rückwirkend ab 1. Januar 2012 dem Nachlass zugerechnet. Die Erträge aus diesen Steuern gehen zu zwei Dritteln an die AHV. und zu einem Drittel an die Kantone.

Ist-Situation

Die Erbschafts- und Schenkungssteuern unterliegen heute dem kantonalen Recht und bis auf den Kanton Schwyz kennt jeder Kanton eine Erbschafts- und Schenkungssteuer. Die meisten Kantone erheben jedoch bei Erbschaften respektive Schenkungen an den Ehegatten und an die Kinder keine Erbschafts- und Schenkungssteuer.

Besteuerung des Vermögens

In der Schweiz wird das Vermögen besteuert und nicht bloss die erzielten Erträge. Es handelt sich also um eine reine Substanzsteuer. Damit ist die Schweiz eines der wenigen Länder, die eine Vermögenssteuer haben, die meisten EU-Länder erheben keine Vermögenssteuer.

Das Beispiel einer Mehrfachbesteuerung in Abbildung 1 zeigt auf, dass das Vermögen während der Jahre schon erheblich besteuert wird und somit bei Annahme der Initiative noch ein weiteres Mal besteuert werden würde.

Je nach Wohnort wird bereits eine grosse Vermögenssteuer pro Jahr bezahlt. Hält man das Vermögen über eine Dauer von 15 Jahren und vererbt es danach, entsteht eine sehr grosse Steuerlast unabhängig von den Vermögenserträgen, welche zusätzlich besteuert werden.

Dies kann vor allem für Unternehmen stossend sein. Falls aufgrund von Investitionen oder Wachstum keine Dividenden bezahlt und nur geringe Löhne bezogen werden, muss die Vermögenssteuer aus der Substanz oder anderen Einkünften bezahlt werden. Die Vermögenssteuer stellt damit einen Vermögensverzehr dar. In der Initiative ist zwar eine reduzierte Besteuerung von Unternehmen vorgesehen, da diese aber nicht konkretisiert ist, bestehen hier zumindest grosse Unsicherheiten. Aufgrund der Vermögenssteuer, wie sie heute existiert, plus einer allfälligen Erbschafts- und Schenkungssteuer liegt ein erheblicher Vermögensverzehr vor.

Gemäss einer Studie der Stiftung KMU Next vom November 2013 beurteilen 70 % aller befragten KMU die Nachfolgeregelung innerhalb der Familie als gefährdet, falls die Erbschaftssteuer in der Höhe von 20 % eingeführt würde.

Erbschafts- und Schenkungssteuer in der EU

Gewisse politische Lager stellen die Schweiz sehr gerne als „Steuerparadies“ dar. Für die Erbschaftssteuer gilt dies nicht. Innerhalb der EU kennen zehn Länder gar keine Erbschaftssteuer, so beispielsweise das Nachbarland Österreich. Weiter befreien die meisten anderen EU-Länder die Erbschaften und Schenkungen an Ehegatten und Kinder. Nur gerade acht Länder erheben eine Erbschaftssteuer auch bei Zuwendungen an Ehegatten und Kinder.

Die Einführung einer Erbschafts- und Schenkungssteuer in der Schweiz würde die Attraktivität der Schweiz sehr stark einschränken. Damit die heutige Lebensqualität in der Schweiz beibehalten werden kann, brauchen wir eine gewisse Attraktivität im internationalen Vergleich. Die vermögendsten 20 % der Privatpersonen und die Unternehmen finanzieren heute den Schweizer Staat zu rund 60 %. Hingegen bezahlt jeder fünfte Steuerpflichtige beim Bund keine Steuern.

Fazit

Die Annahme der Erbschaftssteuer- Initiative würde den Wirtschaftsstandort Schweiz erheblich schwächen. Die Schweiz ist ein typisches KMU-Land. Unternehmer müssen jährlich ihren Wert der Unternehmung als Vermögen deklarieren und darauf Vermögenssteuer bezahlen. Oftmals kann das KMU jedoch keine Dividenden ausschütten, da die Gesellschaft die Gelder für Wachstum, Innovation etc. benötigt. Somit stellt die Vermögenssteuerbelastung häufig einen reinen Substanzverzehr dar. Wird dann am Ende nochmals die Erbschafts- oder Schenkungssteuer fällig, beträgt die Belastung eben nicht „nur“ 20 %, sondern über die Jahre hinweg betrachtet ein Vielfaches davon. Falls wir unsere Attraktivität im internationalen Verhältnis nicht aufgeben wollen, ist der Status quo beizubehalten.

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