17.07.2018

Holdingprivileg: Bevorstehender Wegfall der privilegierten Besteuerung

Durch den bevorstehenden Wegfall der privilegierten Besteuerung von Holdinggesellschaften drohen die Realisation und ordentliche Besteuerung stiller Reserven. Frühzeitige Planung kann hier zu massiven Steuerentlastungen führen.

Von: Nicolas Facincani, Reto Sutter   Drucken Teilen   Kommentieren  

Nicolas Facincani, lic. iur., LL.M., Rechtsanwalt

Nicolas Facincani, lic. iur., LL.M., Partner der Anwaltskanzlei Voillat Facincani Sutter + Partner. Er ist als Rechtsanwalt tätig und berät Unternehmen und Private vorwiegend in wirtschaftsrechtlichen Belangen.

Dr. iur. Reto Sutter, LL.M., Rechtsanwalt, dipl. Steuerexperte

Dr. iur. Reto Sutter, LL.M., Rechtsanwalt und dipl. Steuerexperte sowie Partner der Anwaltskanzlei Voillat Facincani Sutter + Partner. Er berät Unternehmen und Private vorwiegend in wirtschafts- und steuerrechtlichen Angelegenheiten.

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Holdingprivileg

Umsetzung der Steuervorlage 17

Die Aufgabe der heutigen Steuervergünstigungen im Sinne von Art. 28 ff. des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG) betreffend die Statusgesellschaften war bereits in der Unternehmenssteuerreform III (USTR III) vorgesehen und ist nun auch Inhalt der Steuervorlage 17 (SV17). Damit entfallen die Steuerbefreiung auf Staats- und Gemeindeebene sowie die gesonderten Kapitalsteuersätze für Holdinggesellschaften.

Der Bundesrat hat im Januar 2018 den ambitionierten Zeitplan für die SV17 bestätigt. Demnach soll noch dieses Frühjahr die Botschaft zuhanden des Parlaments unterbreitet und die parlamentarische Beratung bereits in der Herbstsession 2018 abgeschlossen werden. Falls kein Referendum ergriffen wird, könnten die ersten Massnahmen der SV17 auf Anfang 2019 und der Hauptteil der Massnahmen ab 2020 in Kraft treten. Für den Bundesrat ist der Handlungsbedarf im Bereich der Unternehmenssteuern dringlich. Damit werden voraussichtlich im Jahr 2020 die Steuerstatus (Holding-, Domizil- und gemischte Gesellschaften) beseitigt.

Dass die kantonalen Steuerstatus aufgegeben werden, dürfte unbestritten sein. Mit Blick auf den Wegfall der Steuerstatus ist vor allem die Behandlung der stillen Reserven beim Übertritt in die ordentliche Besteuerung interessant.

Stille Reserven kann eine Holdinggesellschaft entweder in einzelnen Vermögensgegenständen wie z.B. Immaterialgüterrechten, Forderungen, Beteiligungen und Wertschriften oder im selbst geschaffenen Mehrwert, sog. Goodwill, haben.

Mit Umsetzung der SV17 können während einer Übergangsfrist von maximal fünf Jahren, also bis Ende 2024, Abschreibungen auf zuvor unter dem Steuerstatus gebildeten und korrekt aufgedeckten stillen Reserven nach dem einheitlichen Schema der SV17 vorgenommen werden (Sondersatzregelung).

Bereits unter der aktuellen Steuerpraxis bieten die Kantone beim Verzicht auf den bisherigen besonderen Steuerstatus eine Übergangslösung an (altrechtlicher Step-up).

Der altrechtliche Step-up unterscheidet sich jedoch von der in der SV 17 vorgesehenen Sondersatzlösung, weshalb es zu überlegen gilt, welche Methode für die jeweilige Holding oder gemischte Gesellschaft die steueroptimalere ist.

Die steueroptimale Realisation der stillen Reserven hängt von der individuellen Situation des Unternehmens sowie der definitiven Umsetzung der SV17 ab. Das Zeitfenster zur Planung und Gestaltung des Statuswechsels schliesst sich langsam. Bis Ende 2019 sollte die Planung abgeschlossen sein, wobei eine frühzeitige Planung den Spielraum vergrössert.

Dabei wird neu auch der steueroptimale Standort für die Gesellschaft unter der ordentlichen Besteuerung zu prüfen sein. Die Steuerlandschaft war unter dem aktuellen Regime weit weniger ausschlaggebend für die Standortwahl.

Daneben können auch Umstrukturierungen zu Kosteneinsparungen führen und steuerlichen Planungsspielraum schaffen, weshalb auch diese Möglichkeiten in die Analyse und Planung miteinzubeziehen sind.

Sondersatzlösung

Die SV17 sieht vor, dass bei bestehenden stillen Reserven, einschliesslich des selbst geschaffenen Mehrwerts (Goodwill) bei ihrer Realisation innert der fünf Jahre nach Statuswechsel gesondert besteuert werden. Der anwendbare Sondersteuersatz kann von den Kantonen individuell festgelegt werden.

Der Steuereffekt entsteht hier nicht über Abschreibungen, sondern durch eine gesonderte Besteuerung der stillen Reserven, sobald diese als Erträge realisiert werden. Zum Zeitpunkt des Statuswechsels muss die Höhe der entsprechenden stillen Reserven qua Verfügung festgesetzt werden.

Aufgrund des Sondersteuersatzes müssen keine latenten Steuern ausgewiesen werden, und es kommt nicht durch Aufdeckung der stillen Reserven zu einer Erhöhung der Bemessungsgrundlage bei der Kapitalsteuer. Beachtlich im internationalen Umfeld ist, dass die Verfügung über den Bestand von stillen Reserven bei Statuswechsel wohl nicht dem spontanen Informationsaustausch von Steuerrulings unterliegen wird. Bei der Planung darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Sondersatzlösung nur für fünf Jahre gilt, sodass die festgestellten stillen Reserven danach unter Umständen «ungenutzt» verfallen, wenn keine ausreichenden Erträge erzielt worden sind.

Noch weitgehend ungeklärt ist die Frage, wie die stillen Reserven bestimmt werden sollen. Vorgesehen ist, dass die stillen Reserven nach allgemein anerkannten Bewertungsregeln festzulegen sind, sodass grundsätzlich die gleichen Massstäbe wie beim Step-up gelten dürften.

Voraussichtlich unterliegen stille Reserven auf Immobilien in der Schweiz nicht dem Sondersteuersatz. Der Gesetzeswortlaut in Art. 78g des Vernehmlassungsentwurfs zur Revision des StHG deutet drauf hin, dass mit Bezug auf Beteiligungen in Holdinggesellschaften nur die Differenz zwischen Gestehungskosten und Buchwert (bei Realisierung) dem Sondersatz unterliegen wird. Nachdem keine steuerrelevante Anpassung der Gestehungskosten vorgenommen werden kann, wird die Differenz zwischen Buchwert und Gestehungskosten nach Ablauf der Sondersatzlösung (wohl 2025) der normalen Besteuerung unterliegen. Hier kann die Step-up-Lösung unter Umständen die steueroptimaleren Lösungen bieten.

Unter der SV17 soll den Kantonen in diesem Sinn möglich sein, Eigenkapital, das auf Beteiligungsrechte nach Art. 28 Abs. 1 StHG und auf Patente sowie vergleichbare Rechte entfallen, bei der Kapitalsteuer eine Steuerermässigung vorzusehen. Ob diese Steuerermässigung auch auf Darlehen an Konzerngesellschaften angewendet werden kann, ist noch offen.

Was ist ein Step-up und wann darf dieser angewendet werden?

Die Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie im vollständigen Beitrag «Bevorstehender Wegfall der privilegierten Besteuerung» aus dem Print-Newsletter Treuhand kompakt  von den Herausgebern Nicolas Facincani, lic. iur., LL.M., Rechtsanwalt und Reto Sutter, Dr. iur., LL.M., Rechtsanwalt, dipl. Steuerexperte.

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