31.05.2017

MWST-Risiko für Holdinggesellschaften: Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts

Dieser Artikel soll einen Überblick über die jüngste MWST-Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts geben, die für Holdinggesellschaften von Interesse sein kann.

Von: Susanne Gantenbein, Leila Otmani   Drucken Teilen   1 Kommentar  

Susanne Gantenbein

Susanne Gantenbein ist Vizedirektorin der T+R AG in Gümligen (www.t-r.ch). Ihre Beratungsschwerpunkte sind nationale und internationale Mehrwertsteuer- und Zollberatung.

Leila Otmani

Senior Consultant, MAS in international Law der Universität Genf, Commodity Trading Operator Certificate (STSA), Praktikantin bei WTO bis 2010. Ansiedlungsbeamtin für das UNHCR in Jordanien bis 2008. Seit 2011 bei der Ernst & Young AG im indirekten Steuerbereich tätig.

 
am 31.05.17 10:41 schreibt Ivo Gut
Typo, es sind 2 resp. 3 Promille, nicht Prozent des Holdingvermögens.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
MWST-Risiko für Holdinggesellschafen

Einleitende Anmerkungen

In zwei neuen Entscheiden (A-1668/2015, A-1679/2015) bestätigte das Bundesverwaltungsgericht die angewandte Praxis der Eidgenössischen Steuerverwaltung, Hauptabteilung Mehrwertsteuer (ESTV) hinsichtlich der Kostenschätzung für die strategische Führung der Gruppe.

In einem der Fälle belief sich die neu ermittelte (und nicht erstattungsfähige) Mehrwertsteuer für einen Zeitraum von fünf Jahren auf fast CHF 4 Mio. Gegen beide Entscheide wurde Berufung beim Bundesgericht eingelegt.

Praxis der ESTV

Die ESTV geht davon aus, dass die Leistungen für die strategische Führung der Gruppe von einem Gruppenunternehmen (in der Schweiz oder im Ausland) erbracht werden, wenn eine Holdinggesellschaft nicht über eigene Mitarbeitende verfügt.

Werden diese «Shareholder Costs» nicht weiterverrechnet und sind keine detaillierten, zuverlässigen Daten verfügbar, wendet die ESTV eine Pauschalmethode an, um den Wert dieser «erbrachten» Dienstleistungen zu ermitteln (d.h. 2‰ der Aktiven der Holdinggesellschaft bei einer Familien- oder Zwischenholding und 3‰ in allen anderen Fällen).

Wenn sich also das Vermögen einer Holdinggesellschaft zum Beispiel auf CHF 10 Mio. beläuft, beträgt die für die «erbrachten» Dienstleistungen des strategischen Managements der Gruppe geschuldete MWST CHF 1600.– bzw. CHF 2400.– pro Jahr. Ist die Holdinggesellschaft nicht für Mehrwertsteuerzwecke registriert, handelt es sich um eine finale Belastung.

Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte die Vorgehensweise der ESTV in seinen jüngsten Entscheiden und war der Auffassung, dass die Beweislast bei der Holdinggesellschaft liegt, wenn sie es versäumte, die «Shareholder Costs» zu buchen oder zu dokumentieren.

In einem solchen Fall muss die ESTV nicht mehr beweisen, dass die Holdinggesellschaft selbst das strategische Management der Gruppe innehat (und dass ihr für diese Aufgabe Kosten entstanden sind), sondern die Holdinggesellschaft muss den Nachweis erbringen, dass sie tatsächlich nicht in das strategische Management der Gruppe eingebunden ist. Versäumt es die Holdinggesellschaft, einen ausreichenden Nachweis zu erbringen, ist die ESTV berechtigt, die Pauschalmethode anzuwenden.

Der Einwand, die Pauschalmethode führe zu einem eindeutigen, erheblichen Steuernachteil, ist aufgrund der Versäumnisse hinsichtlich Vollständigkeit und Zuverlässigkeit der Buchführung nicht zulässig.

Mehrwertsteuerrisiko für Holdinggesellschaften mit Sitz in der Schweiz

Die Auswirkungen der Praxis der ESTV, die vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt wurde, sollten nicht nur von rein schweizerischen Gruppen bedacht werden, sondern auch von multinationalen Konzernen, welche in der Schweiz ansässige (Zwischen-)Holdinggesellschaften ohne eigene Mitarbeiter haben.

Das Risiko einer finalen Mehrwertsteuerbelastung kann mittels Registrierung der Holdinggesellschaft für Mehrwertsteuerzwecke gemindert oder sogar vermieden werden. Eine derartige freiwillige MWST-Registrierung ist jedoch nur im laufenden Steuerjahr und nicht rückwirkend für die gesamte Verjährungsfrist von fünf Jahren möglich.

Möchten Sie noch mehr spannende und informative Beiträge aus dem Bereich Mehrwertsteuer? Dann abonnieren Sie unseren Print-Newsletter «Mehrwertsteuer».

Produkt-Empfehlungen

  • Treuhand-Paket

    Treuhand-Paket

    Die Branchen-Lösung für Schweizer Treuhänder - neu inkl. WEKA-Mustervertragssammlung

    ab CHF 680.00

  • Newsletter Mehrwertsteuer

    Newsletter Mehrwertsteuer

    Praxisorientierte Fachexpertenbeiträge und Fälle aus der Praxis, die MWST-Verantwortliche im Alltag beschäftigen.

    Mehr Infos

  • Jahrbuch Finanz- und Rechnungswesen 2018

    Jahrbuch Finanz- und Rechnungswesen 2018

    Hochkarätige Autoren informieren Sie über die aktuellen Trends im Finanz- und Rechnungswesen.

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 2 Tage, ZWB, Zürich

    MWST International I+II

    Mehr Sicherheit bei internationalen Geschäften

    Nächster Termin: 07. Juni 2018 und 14. Juni 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    MWST - BASIC

    Grundlagen kennen, MWST-Risiken vermeiden

    Nächster Termin: 06. September 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    MWST - ADVANCED

    Komplexe MWST-Fälle sicher abwickeln

    Nächster Termin: 13. September 2018

    mehr Infos