09.05.2019

SV17: Das Wichtigste zur Steuerreform und AHV-Finanzierung

Am 9. Juni 2017 hat der Bundesrat die Eckwerte der Steuervorlage 17 (SV17), die dem Ergebnis der Referendumsabstimmung vom Februar 2017 über die Unternehmenssteuerreform III Rechnung trägt, verabschiedet. Die Botschaft zur SV17 wurde am 21. März 2018 veröffentlicht und hat sich aufgrund der Änderungen der Vorlage durch den Ständerat zur Steuerreform und AHV-Finanzierung (nachfolgend «STAF») entwickelt. Die Vorlage wurde am 28. September 2018 durch das Parlament genehmigt. Die Vorlage kommt am 19. Mai 2019 vors Volk.

Von: Pascal Zgraggen  DruckenTeilen 

Pascal Zgraggen

Pascal Zgraggen, Pascal Zgraggen schloss sein Rechtsstudium 2010 an der Universität Luzern nach einem Aufenthalt an der Law School der Northwestern University in Chicago ab und wurde 2013 als Rechtsanwalt zugelassen. Er arbeitete bei einer führenden Wirtschaftskanzlei und einer führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Im Jahre 2017 erwarb er das Steuerexpertendiplom. Das Team von Bratschi AG verstärkt er seit 2018.

SV17

Ziele der STAF

Die Ziele der STAF sind insbesondere die Wiederherstellung der internationalen Akzeptanz des Schweizer Steuersystems, der Erhalt der Standortattraktivität und die Sicherung von angemessenen Steuereinnahmen. Der effektive Steuersatz wird für Unternehmen in einigen Kantonen auf im internationalen Vergleich attraktive 12-13% sinken. Insbesondere aufgrund der Gewinnsteuersatzsenkungen in den Kantonen wird die Steuerbelastung auch für KMU tendenziell sinken. Für die natürlichen Personen wird die Steuerbelastung – mit Ausnahme gewisser Aktionäre – vermutlich gleich bleiben.

Die Steuerreform und AHV-Finanzierung einfach erklärt

Die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes ist Grundpfeiler des Wohlstandes der Schweiz. Dabei ist insbesondere auch die Steuerbelastung für Unternehmen wichtig. Die bisherigen Regelungen in den Steuergesetzen werden durch neue, international akzeptierte Steuerinstrumente abgelöst. Die STAF trägt damit insbesondere der Tatsache Rechnung, dass die geltende Privilegierung der kantonalen Statusgesellschaften nicht mehr im Einklang mit den internationalen Standards steht und bei international tätigen Unternehmen zu Rechts- und Planungsunsicherheiten führt. Diese Rechts- und Planungsunsicherheiten schaden dem Standort sowie der Reputation der Schweiz. Die Statusgesellschaften sind volkswirtschaftlich von beträchtlicher Bedeutung und tragen gemäss Eidgenössischer Steuerverwaltung zu rund der Hälfte aller Gewinnsteuereinnahmen des Bundes bei. Die Einführung von international akzeptierten Steuerinstrumenten durch die STAF sichert Arbeitsplätze und Steuereinnahmen für die Zukunft. Zudem stellt die Verknüpfung mit der AHV-Finanzierung einen sozialen Ausgleich sicher.

Eine Ablehnung der STAF hätte vermutlich einen Verlust von Wettbewerbsfähigkeit und Reputation der Schweiz zur Folge. Es ist nicht auszuschliessen, dass internationale Unternehmen im Falle einer Ablehnung der STAF Aktivitäten (teilweise) ins Ausland verlagern werden.

Übersicht über Massnahmen der Steuerreform und AHV-Finanzierung

Die Vorlage zur STAF, die voraussichtlich am 1. Januar 2020 in Kraft treten soll, enthält insbesondere die nachfolgenden Massnahmen:

 

MassnahmeInhalt
PatentboxObligatorische Einführung einer Patentbox gemäss OECD-Standard mit einer maximalen Entlastung von 90%.
F&E-AbzügeZusätzliche, für die Kantone fakultative F&E-Abzüge im Umfang von maximal 50%.
Abzug EigenfinanzierungFakultativer Abzug für die Eigenfinanzierung für Kantone mit einer gewissen Mindeststeuerbelastung (voraussichtlich im Kanton Zürich).
EntlastungsbegrenzungObligatorische Entlastungsbegrenzung von 70% resultierend aus der Patent-box, dem F&E-Abzug und dem Abzug für die Eigenfinanzierung.
StatusgesellschaftenAufhebung der Regelungen für Statusgesellschaften (gemischte Gesellschaften, Holdinggesellschaften, Domizilgesellschaften).
Aufdeckung stiller ReservenSteuerneutrale Aufdeckung stiller Reserven inkl. Goodwill beim Zuzug.
Aufdeckung stiller Reserven für StatusgesellschaftenGesonderte Besteuerung der stillen Reserven während 5 Jahren (Sondersatzmodell).
GewinnsteuersätzeSenkung der kantonalen Gewinnsteuersätze.
Entlastung bei der KapitalsteuerFakultative Entlastung bei der Kapitalsteuer auf dem Eigenkapital, das auf Be-teiligungen, Gruppendarlehen und Patente entfällt.
Einschränkung bei der KapitalsteuerEinführung einer Proportionalitätsregel bei Dividenden und Teilliquidationen für an einer Schweizer Börse kotierte Unternehmen.
Pauschale SteueranrechnungSchweizer Betriebsstätten können von der pauschalen Steueranrechnung profitieren, um die internationale Doppelbesteuerung zu vermeiden.
Erhöhung Dividendenbesteuerung aus qualifizierten BeteiligungenBund: 70%, Kantone: Mind. 50% mit Vereinheitlichung der Entlastungsmethode.
Anpassungen der TransponierungAufhebung der Mindestübertragungsquote von 5%.
Kantonsanteil an der direkten BundessteuerErhöhung des Kantonsanteils an der direkten Bundessteuer von 17% auf 21.2%.
FinanzausgleichAnpassung Finanzausgleich.
GemeindeklauselEinführung einer Gemeindeklausel im Zusammenhang mit der Erhöhung des Kantonsanteils an der direkten Bundessteuer / Abgeltungen der Auswirkungen der Steuerreform auf die Gemeinden durch die Kantone.
Zusatzfinanzierung AHVZusatzfinanzierung der AHV im Umfang von CHF 2 Milliarden.

 Mehr zur AHV-Finanzierung erfahren Sie in unserem Beitrag "AHV Abstimmung: Kann ein Ja die AHV retten?".

Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich für Unternehmen, insbesondere lokale KMU, und ge-wisse Aktionäre, die Massnahmen der STAF frühzeitig zu analysieren. Dies stellt sicher, dass die erforderlichen Vorkehrungen frühzeitig getroffen werden, um sich an die veränderten steuerlichen Bedingungen anzupassen und in optimaler Weise von den Entlastungsmassnahmen profitieren zu können. Insbesondere die Steuerrisiken der Aktionäre, welche einen Verkauf von Anteilen unter 5% beabsichtigen, eine Dividende aus Kapitaleinlagereserven einer in der Schweiz kotierten Ge-sellschaft oder Erträge aus einer qualifizierten Beteiligung (Beteiligungsquote von mehr als 10%) erwarten, können mittels geeigneter bzw. frühzeitig getroffener Massnahmen minimiert werden.

Quelle: Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter «Tax Newsletter» vom November 2018. Mit freundlicher Genehmigung von bratschi.

Produkt-Empfehlungen

  • Treuhand Professional

    Treuhand Professional

    So erarbeiten Sie effizient und sicher die ideale Lösung für Ihre Kunden

    ab CHF 290.00

  • Newsletter Treuhand kompakt

    Newsletter Treuhand kompakt

    Kompaktes Know-how mit aktuellen Themen, kommentierten Entscheiden und Praxisfällen.

    Mehr Infos

  • Newsletter Mehrwertsteuer

    Newsletter Mehrwertsteuer

    Praxisorientierte Beiträge von Fachexperten und Fälle aus der CH- und EU-Praxis. Speziell für MWST-Verantwortliche.

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, ½ Tag, ZWB, Zürich

    Steuerreform - STAF

    Auf die Änderungen aus dem Steuerbereich vorbereitet sein

    Nächster Termin: 26. September 2019

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Steuer-Update für das Finanz- und Rechnungswesen

    Neuerungen im Schweizer Steuerrecht mit Folgen für Unternehmen

    Nächster Termin: 18. Juni 2020

    mehr Infos

  • Fachkongress, 1 Tag, Technopark, Zürich

    Rechnungswesen und Steuern 2019

    Aktuelles und Neuerungen aus dem Finanz- und Steuerbereich

    Nächster Termin: 19. November 2019

    mehr Infos

Um unsere Website laufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos