19.04.2017

Unternehmensverkauf: Die anderen Formen der Nachfolgeregelung im Unternehmen

Der Beitrag „Familieninterne Nachfolge: Eine Form der Nachfolgeregelung im Unternehmen“ informiert Sie über die meist angewandte Form der Nachfolgeregelung in der Schweiz. Was jedoch, wenn keine realistische familieninterne Nachfolge in Sicht ist? Dieser Beitrag zeigt Ihnen drei weitere wichtige Möglichkeiten der Nachfolgeregelung auf. Laden Sie sich zudem am Schluss eine sehr ausführliche, 11-seitige Checkliste Due Diligence für die Nachfolgeplanung herunter.

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Unternehmensverkauf

1. Verkauf ans Management

Bedingungen

Es ist keine realistische familieninterne Nachfolge in Sicht.

Es besteht das Vertrauen in das bestehende Management, dass dieses in der Lage ist von der Rolle der Angestellten in die Rolle der verantwortlichen Unternehmer zu wechseln.

Gesunde Finanzielle Basis des Unternehmens hinsichtlich Erträge und Cash Flow, damit die Finanzierung des Kaufpreises gewährleistet werden kann.

Allfällige Bereitschaft der Besitzerfamilie bei der Finanzierung durch Darlehen zu helfen. Genügend Eigenmittel des kaufenden Managements.

Vertrauen der Banken, dass die Käufer das Unternehmen erfolgreich weiterführen. Dies ist die Voraussetzung, dass die Finanzierung des Kaufs und die Sicherung der notwendigen Liquidität durch die Banken sicher gestellt ist.

Vorteile

Der oft vorkommende Widerstand des Managements gegenüber einem externen Nachfolger fällt weg.

Auch für die Mitarbeitenden entsteht so eine  gewisse Kontinuität und viele Unsicherheiten, die bei einer externen Lösung entstehen kommen nicht auf.

Die bei einem Unternehmensverkauf an externe Nachfolger notwendige Offenlegung von Informationen entfällt und damit auch die Gefahr, dass diese Informationen an Stellen gelangen, die man nicht wünscht.

Gefahren

Risiko, dass gute Managementmitglieder nicht unbedingt gute Unternehmer sind und damit der Erfolg ausbleibt.

Management übernimmt sich mit der Finanzierung und wird dadurch auch privat übermässig belastet.

Bei Übernahme durch mehrere Managementmitglieder besteht die Gefahr von Konflikten über Vorstellungen von Führung, Strategie und Kompetenzen.

2. Verkauf an aussenstehende Dritte

Der Verkauf an aussenstehende Dritte kann unterschiedliche Formen aufweisen:

  • Verkauf an eine Person oder Personengruppe, die das Unternehmen kauft und die Geschäftsführung selber übernimmt.
  • Verkauf an Finanzinvestoren, die die Geschäftsführung an einen angestellten Geschäftsführer übergeben.
  • Verkauf an eine andere Unternehmung, die das Unternehmen mit dem eigenen fusioniert.

Bedingungen beim Verkauf an Einzelpersonen

Familieninterne Nachfolgeoptionen und Übernahme durch Management sind nicht gegeben, sei es aus Gründen mangelnden Interesses, mangelnder Fähigkeiten oder mangelnder finanziellen Möglichkeiten.

Es finden sich externe Interessenten, die sowohl den finanziellen als auch den professionellen Hintergrund haben um das Unternehmen zu übernehmen und zu führen.

Bedingungen beim Verkauf an Finanzinvestoren

Diese Variante setzt in den meisten Fällen eine minimale Grösse des Unternehmens voraus. Finanzinvestoren interessieren sich nur in seltenen Fällen für Unternehmen mit weniger als 10 Millionen Franken Umsatz und selbst bei dieser Grösse sind es nur sehr Wenige.

Bedingungen beim Verkauf an ein anderes Unternehmen

Diese Möglichkeit setzt voraus, dass ein Konkurrenzunternehmen an den Kunden des zum Verkauf stehenden Unternehmens interessiert ist. Mit dem Kauf und der Integration des Unternehmens ist ein Konkurrent weniger auf dem Markt und zumindest ein Teil der Kunden kann übernommen werden.

Eine andere Variante besteht darin, dass ausländische Unternehmen mit dem Zukauf die Möglichkeit sehen, im Schweizer Markt Fuss zu fassen. Dies ist vielfach einfacher indem ein Unternehmen, das bereits im Markt verankert ist gekauft wird als die Gründung eines neuen Unternehmens mit hohen Kosten für die Marktpositionierung.

Chancen und Risiken beim Unternehmensverkauf an Einzelpersonen

Gerade bei kleineren Unternehmen hat die Übernahme und Weiterführung durch eine Einzelperson den Vorteil, dass für Mitarbeitende und Kunden eine gewisse Kontinuität gewahrt ist. Es ist sehr selten, dass in diesen Fällen sofort grundlegende Veränderungen initiiert werden, sondern dass die Anpassungen an die Vorstellungen der neuen Besitzer in engerer Zusammenarbeit mit dem bestehenden Personal entwickelt und umgesetzt werden.

Anders sieht das natürlich dann aus, wenn es sich beim verkauften Unternehmen um einen Sanierungsfall handelt. Aber auch in diesem Falle ist die Übernahme und Führung durch dieselbe Person vielfach ein grosser Vorteil. Das Engagement und der Einsatz für die Gesundung der Unternehmung sind in diesem Falle sicher besonders hoch, da das eigene persönliche Schicksal mit dem Erfolg direkt verbunden ist.

Der Unternehmensverkauf an eine Einzelperson ist immer mit einem Risiko bezüglich Fähigkeiten und Kompetenzen dieser Person behaftet. Es ist immer sehr schwierig abzuschätzen wie jemand den Wechsel vom Angestellten zum Unternehmer schafft. Selbst bei Personen, die bisher in sehr anspruchsvollen Managementpositionen waren kann der Übergang zum Unternehmer misslingen.

Chancen und Risiken beim Unternehmensverkauf an Finanzinvestoren

Durch die Finanzstärke von sogenannten Private Equity firmen kann das Wachstum des Unternehmens in hohem Masse beschleunigt werden, da die Mittel für Investitionen vorhanden sind und falls betriebswirtschaftlich lohnend auch eingesetzt werden. Hinzu kommt, dass solche Investoren oft gezielt in spezifische Branchen investieren. Dadurch entstehen Synergien, die für den Investor einen zusätzlichen Mehrwert ergeben. In einem sogenannten Auktionsverfahren, in dem mehrere Bieter Preise offerieren, kann dieser Mehrwert eine wichtige Rolle spielen, indem bei der Kaufpreisberechnung die möglichen Synergien mit eingerechnet werden und so ein höherer Preis geboten werden kann.

Beispiel:
Der mit den gängigen Methoden, wie EBIT-Multiple. Ertragswertmethode oder Discounted Free Cash Flow-Methode errechnete Preis eines Unternehmens entspricht im Schnitt 30 Mio. CHF. In einer ersten Angebotsrunde werden voraussichtlich alle ernsthaften Bieter sich in diesem Preisrahmen bewegen.
In einer zweiten Angebotsrunde werden die Bieter zusätzlich zum errechneten Preis intern Synergiepotenziale einbeziehen um so zu eruieren, wie viel der gebotene Preis erhöht werden kann um doch noch rentabel zu sein. Je mehr solche Synergiepotenziale ein Bieter besitzt desto mehr wird er bereit sein, sein preisliches Angebot zu erhöhen. Dieser Mechanismus kann vor allem bei stark nachgefragten Untenehmen zu einem erheblichen Mehrpreis führen.

Die starke Fokussierung vieler Investmentfirmen auf eine relativ kurzfristige Wertsteigerung des gekauften Unternehmens führt oft dazu, dass langfristige Ziele einer kurzfristigen Gewinnoptimierung untergeordnet werden. Folgen davon sind Spannungen mit der bisherigen Belegschaft und der Verlust von Know-How und Erfahrung durch den Abgang wichtiger Mitarbeiter. Um diese Risiko zu minimieren kann im Vorfeld es Verkaufs auf einfache Weise geklärten werden, welche Motive eine Investmentgesellschaft verfolgt, indem man sich über bereits erfolgte Transaktionen dieser Gesellschaft erkundigt.

Chancen und Risiken beim Verkauf an ein anderes Unternehmen

Im Grunde genommen unterscheidet sich der Verkauf an ein anderes Unternehmen vom Verkauf an eine Investitionsgesellschaft vor allem im Motiv und der Fristigkeit des Investments. Finanzgesellschaften orientieren sich wie bereits erwähnt in der Regel eher kurzfristig auf schnelle Ertragsoptimierung. Im gleichen Geschäft tätige Unternehmen hingegen sind vor allem an der Übernahme der Kunden und/oder der Ausweitung des eigenen Marktgebietes interessiert. Selbstverständlich spielt auch hier der Mechanismus des Nutzens von Synergiepotenzialen. Dessen Wirkung ist dieselbe wie beim Finanzinvestor: Je grösser die vorhandenen Synergien, desto höher die Bereitschaft, einen höheren Preis zu zahlen.

Nutzung von Synergien bedeutet praktisch auch immer Anpassung von Strukturen und Prozessen, nur so können potenzielle Synergien auch realisiert werden. Auch hier sind Spannungen zwischen neuer Führung und bisheriger Belegschaft oft eine Begleiterscheinung. In diesem Falle ist das entsprechende Risiko jedoch geringer als bei der Investmentgesellschaft, da das notwendige Know-How zur Führung des Unternehmens bereits im Mutterunternehmen vorhanden ist. Trotzdem können grosse Spannungen und „Kulturschocks“ zu einer grossen Demotivation führen und so nicht zuletzt langjährig auf persönlichen Beziehungen aufgebaute Kundenbeziehungen gefährden.

3. Börsengang

Eine weitere Möglichkeit, ein Unternehmensverkauf eines im Privatbesitz befindliches Unternehmen zu tätigen ist der Börsengang in einem sogenannten IPO (Initial Public Offering).

Diese Variante setzt allerdings sehr viele Bedingungen voraus, die zu erfüllen sind. Neben der Offenlegung von einer grossen Zahl von Firmeninformationen setzt ein Börsengang auch ein sehr attraktives Entwicklungspotenzial des entsprechenden Unternehmens voraus. Da die meisten Anleger an der Börse mit ihrem Investment keine strategischen Absichten verfolgen, sondern die kurz oder langfristige Wertsteigerung der Aktien im Fokus haben, ist die Aussicht auf ein schnelles und rentables Wachstum einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren für das Gelingen eines Börsengangs.

Vielfach entsteht aufgrund dieser Tatsache ein externer Druck auf die Unternehmensführung kurzfristig gute Zahlen vorzuweisen. Die damit verbundene Gefahr ist dann, dass langfristig wichtige Unterfangen, die kurzfristig nur Kosten verursachen vernachlässigt werden um den Kurs der Aktien nicht zu gefährden.

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