18.01.2017

Beteiligungsrechte: So positionieren Sie diese steueroptimal

Grundsachverhalt: Eine natürliche Person mit Wohnsitz in der Schweiz hat die Möglichkeit, sämtliche Aktien einer ebenfalls in der Schweiz ansässigen operativen Gesellschaft zu erwerben.

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Beteiligungsrechte

Rechtlichen Ausgestaltungen für den Kaufinteressenten

Dabei können sich dem Kaufinteressenten die folgenden rechtlichen Ausgestaltungen anbieten:

  • Erwerb der Aktien als Privatperson (Privatvermögen)
  • Qualifikation der gekauften Aktien als sog. gewillkürtes Geschäftsvermögen
  • Übernahme in eine bereits bestehende Personenunternehmung
  • Kauf durch eine ihm bereits gehörende operative Kapitalgesellschaft
  • Einschaltung einer bereits bestehenden Holdinggesellschaft oder Gründung einer für die Abwicklung des Erwerbs bestimmten Holding.

Selbstverständlich haben alle diese sich anbietenden Optionen unterschiedliche steuerliche Auswirkungen. Die grundsätzlichen Unterschiede sollen in der Folge etwas herausgearbeitet werden. Dabei ist unbedingt zu beachten, dass die Entscheidfindung letztlich auch enorm stark von den mittel- und langfristigen Zielen und Absichten des neuen Eigentümers abhängig ist. Mit anderen Worten muss auch eine spätere Exit-Strategie beim Entscheid unbedingt mitberücksichtigt werden.

Wenn der Verkäufer der Aktien eine Privatperson ist, dann ist dessen Einkommenssteuerfreiheit unter anderem von der indirekten Teilliquidation bedroht (Art. 20a Abs. 1 Bst. a DBG). Diese Bedrohung wird für den (privaten) Verkäufer insbesondere dann sehr real, wenn die Aktien beim Erwerber ins Geschäftsvermögen einer natürlichen oder juristischen Person übergehen. In den meisten der sich bietenden und nachfolgend ausgeführten Varianten ist das der Fall, weshalb der Verkäufer im Kaufvertrag entsprechende Klauseln aufnehmen muss, die ihn bezüglich allfälliger Steuerfolgen schadlos halten.

Hinweis

Das Thema indirekte Teilliquidation ist für den Verkäufer dann besonderes heikel, wenn als Erwerber der Beteiligungsrechte eine natürliche Person auftritt. Diesfalls erkennt der Verkäufer nämlich nicht auf den ersten Blick, ob die Aktien beim Käufer ins Privat- oder ins (originäre oder gewillkürte) Geschäftsvermögen gehen. Gestützt darauf könnte der Verkäufer den Fehler machen, auf eine vertragliche Klausel für die indirekte Teilliquidation zu verzichten. Wir empfehlen jedoch dringend, in jedem Fall eine solche vertragliche Bestimmung in den Vertrag aufzunehmen und zwar selbst dann, wenn man annehmen könnte, dass die Aktien ins Privatvermögen gehen.

Gesetzliche Grundlagen

Erwerb der Aktien als Privatperson (Privatvermögen)

Diese Form der Gestaltung hat in der Regel die folgenden steuerlichen Auswirkungen:

  • Die Aktien sind Bestandteil des steuerbaren Vermögens (zum Aktiensteuerwert) und Dividendenausschüttungen unterliegen den Einkommenssteuern (grundsätzlich verbunden mit dem Anspruch auf Teilbesteuerung)
  • Schuldzinsen auf für den Erwerb aufgenommenem Fremdkapital können einkommenssteuerlich grundsätzlich in Abzug gebracht werden (Achtung: Limitierung des Abzugs auf Vermögensertrag plus CF 50‘000.-, siehe Art. 33 Abs. 1 Bst. a DBG)
  • Wertsteigerungen und Kapitalgewinne bei Veräusserung sind grundsätzlich einkommenssteuerfrei (Art. 16 Abs. 3 DBG). Allerdings sind dabei die entsprechenden klassischen Einschränkungen zu beachten (wie Gewerbsmässigkeit, Transponierung, direkte und indirekte Teilliquidation, Mantelhandel)
  • Wertverminderungen und Kapitalverluste sind spiegelbildlich ebenfalls ohne Auswirkung auf die Einkommenssteuern
  • Wenn daneben noch eine Personenunternehmung besteht, kann der (vermeintlich) private Erwerb der Aktien dazu führen, dass sie von den Steuerbehörden dennoch als Geschäftsvermögen qualifiziert werden (insbesondere dann, wenn die beiden Geschäfte vergleichbar sind und/oder wenn auch noch gegenseitige wirtschaftliche Beziehungen bestehen).

Qualifikation der gekauften Aktien als sog. gewillkürtes Geschäftsvermögen

Dieser Fall ist relativ selten anzutreffen. Wie vorne gesehen, sind Privatpersonen mit einer Begrenzung des Schuldzinsenabzugs konfrontiert (Art. 33 Abs. 1 Bst. a DBG). Wenn nun eine Privatperson Aktien kauft und den Kauf fremdfinanziert, dann kann es sein, dass sie nicht sämtliche Schuldzinsen einkommenssteuerlich abziehen kann.

Wie dem Gesetzestext entnommen werden kann, bezieht sich diese Einschränkung einzig auf private Schuldzinsen. Um dies abzufedern, hat der Gesetzgeber in Art. 18 Abs. 2 DBG die Möglichkeit geschaffen, die Aktien im Zeitpunkt des Erwerbs selber zu Geschäftsvermögen zu erklären. Damit entfällt die Begrenzung des Schuldzinsenabzugs.

Selbstverständlich sind die Aktien dann tatsächlich Geschäftsvermögen und zwar mit allen damit verbundenen steuerlichen Vor- und Nachteilen; siehe dazu die Ausführungen im nachfolgenden Kapitel.

Übernahme in eine bereits bestehende Personenunternehmung

Wenn eine bereits vorhandene Personenunternehmung als Käuferin der Beteiligungsrechte auftritt, dann werden die fraglichen Aktien nicht zu Privat-, sondern zu Geschäftsvermögen. Das hat die folgenden buchhalterischen und steuerlichen Auswirkungen:

  • Die Aktien werden zum Bestandteil des Eigenkapitals und damit des steuerbaren Vermögens (zum Buchwert) und Dividenden unterliegen den Einkommenssteuern (mit grundsätzlichem Anspruch auf Teilbesteuerung)
  • Die Dividendenerträge gehören zum Gewinn aus selbständiger Erwerbstätigkeit und unterliegen damit auch der AHV-Beitragspflicht
  • Für den Abzug von Schuldzinsen auf dem Erwerb der Aktien besteht im Geschäftsvermögen keine Einschränkung
  • Eingetretene (aber noch nicht realisierte) Wertsteigerungen können, müssen aber nicht verbucht – und damit versteuert – werden
  • Der Gewinn aus der Veräusserung der Beteiligungsrechte unterliegt demgegenüber der Einkommenssteuer (ebenfalls mit Anspruch auf Teilbesteuerung gemäss Art. 18b DBG)
  • Eingetretene Wertverminderungen können mit Abschreibungen oder mit Wertberichtigungen berücksichtigt werden
  • Kapitalverluste bei der Veräusserung wirken ebenfalls einkommenssteuermindernd
  • Allfällige aus Abschreibungen/Wertberichtigungen oder Kapitalverlusten resultierende Verluste aus der selbständigen Erwerbstätigkeit können entweder mit übrigem (privatem) Einkommen verrechnet bzw. vorgetragen werden (Art. 31 DBG).

Kauf durch eine dem Käufer bereits gehörende operative Kapitalgesellschaft

Das ist eine sehr gute Variante, weil hier ein steueroptimaler Schuldendienst ermöglicht wird (Verzinsung bzw. insbesondere Amortisation der für den Erwerb allenfalls aufgenommenen Schulden). Folgende Unterschiede bestehen zum privaten Erwerb:

  • Wenn die Privatperson entsprechend aufgenommene Schulden amortisieren will, dann braucht sie dafür entsprechende Einkünfte (Lohn aus der Gesellschaft oder Dividendenausschüttungen). Diese Einkünfte unterliegen den Einkommenssteuern (Dividenden mit Teilbesteuerung), womit letztlich nur noch die Einkünfte nach Steuern für die Amortisation zur Verfügung stehen
  • Eine juristische Person kann mit dem sog. Beteiligungsabzug (Art. 69 und Art. 70 DBG) Gewinnsteuern auf Dividendenerträgen (und auch auf realisierten Kapitalgewinnen bei Veräusserung) weitgehend vermeiden, d.h. die ganze Dividende steht nahezu ungekürzt um Steuern für den Schuldendienst zur Verfügung.

Selbstverständlich kann die Erwerberin allfällige mit dem Erwerb der Beteiligung verbundene Schuldzinsen gewinnsteuerlich in Abzug bringen.

Im Übrigen gelten in Bezug auf die steuerliche Behandlung von erkannten bzw. realisierten Wertverminderungen und Wertsteigerungen ähnliche Voraussetzungen wie im Geschäftsvermögen einer natürlichen Person. Ein wesentlicher Unterschied besteht in Bezug auf Dividendenerträge:

  • Im Geschäftsvermögen einer natürlichen Person gibt es bestenfalls das Teilbesteuerungsverfahren
  • Nur Kapitalgesellschaften und Genossenschaften haben jedoch Anspruch auf den Beteiligungsabzug, der eine Gewinnsteuerbelastung bei der Empfängerin von Dividenden fast vollständig beseitigt

Hinweis/1

Unter gewissen Voraussetzungen ist auch eine steuerneutrale Fusion der beiden Gesellschaften ohne weiteres möglich. Dabei ist jedoch insbesondere auf die unter Umständen zu beachtende fünfjährige Entreicherungssperre aus indirekter Teilliquidation zu achten (Art. 20a Abs. 1 Bst. a DBG).

Hinweis/2

Die Fusion der übernommenen Gesellschaft mit der die Beteiligungsrechte erwerbenden Muttergesellschaft stellt aus der Sicht der indirekten Teilliquidation nicht eine Teil-, sondern eine Totalliquidation dar. Sofern die übrigen Voraussetzungen dafür erfüllt sind, lassen sich nachträgliche Einkommenssteuerfolgen für den Verkäufer dabei nicht vermeiden. Eine rechtliche und wirtschaftliche Integration einer gekauften Gesellschaft innerhalb der Entreicherungssperre von fünf Jahren ist jedoch nicht in jedem Fall verunmöglicht. So ist beispielsweise eine Fusion nicht mit der Mutter-, sondern mit einer Schwestergesellschaft grundsätzlich ohne Folgen unter dem Titel der indirekten Teilliquidation möglich.

Wenn die übernommene Gesellschaft keine nichtbetriebsnotwendigen Aktiven aufweist oder keine handelsrechtlich ausschüttungsfähigen Reserven vorhanden sind, dann ist sogar eine Fusion mit der Muttergesellschaft innert fünf Jahren ohne Steuerfolgen aus indirekter Teilliquidation möglich. Diese Fälle sichert man vorzugsweise mit vorgängig einzuholenden Rulings ab.

Einschaltung einer bereits bestehenden Holdinggesellschaft oder Gründung einer für die Abwicklung des Erwerbs bestimmten Holding

Auch das ist eine sehr gute Variante. Im Gegensatz zum vorhergehenden Kapitel (Kauf durch eine dem Käufer bereits gehörende operative Kapitalgesellschaft) entrichtet eine reine Holding für Kantons- und Gemeindesteuern überhaupt keine Gewinnsteuern, sondern nur eine reduzierte Kapitalsteuer (sog. Holdingstatus oder Holdingprivileg). Damit kann eine Holding innerhalb gewisser Limiten auch Nichtbeteiligungserträge (wie Zinsen, Management Fees, Lizenzen) vereinnahmen, ohne darauf Gewinnsteuern entrichten zu müssen (Kantons- und Gemeindesteuern).

Das hat jedoch eine Kehrseite, indem Schuldzinsen auf allfälligem Fremdkapital gewinnsteuerlich ebenfalls ins Leere gehen (für Kantons- und Gemeindesteuern; bei der direkten Bundessteuer erfolgt unter Umständen eine Verrechnung dieser Schuldzinsen mit steuerlich privilegiertem Beteiligungsertrag, was ebenfalls suboptimal ist). Vielfach wird versucht, diesen Nachteil durch eine Fusion zu beheben (Fusion entweder sofort oder nach Ablauf der fünfjährigen Entreicherungssperre aus indirekter Teilliquidation). Mit einer Fusion werden die beiden Komplexe von Aktiven und Passiven zusammengeführt, was zur Folge hat, dass die Fremdkapitalzinsen des Aktienkaufpreises buchhalterisch vom operativen Ergebnis der gekauften Unternehmung in Abzug gebracht werden. Mit anderen Worten trägt das operative Ergebnis somit die Zinsen auf dem Erwerb der Unternehmung.

In den meisten Kantonen führt das dazu, dass die Steuerbehörden diese Schuldzinsen grundsätzlich nicht zum Abzug zulassen, sondern gewinnsteuerlich aufrechnen und zwar solange, bis die Kaufpreisschuld abgetragen ist. Oftmals ist nicht klar ersichtlich, unter welchem Titel die Steuerbehörden diese Korrekturen vornehmen. Würden sie es unter dem Blickwinkel der "Steuerumgehung" tun, dann hätte man die Möglichkeit der Argumentation, dass für das gewählte Vorgehen andere als steuerliche Gründe verantwortlich sind. Das wird in der Regel jedoch nicht gehört, d.h. die Korrektur erfolgt nicht unter dem Titel der Steuerumgehung.

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