10.05.2016

Steuerersparnisse: Kann man mit Schulden Steuern sparen?

Glücklich ist, wer vermögend ist, trägt doch materieller Wohlstand zu einem positiven Lebensgefühl wesentlich bei. Lohnt es sich nun, für Steuerersparnisse Schulden zu machen? Die Frage zielt auf die steueroptimale Zusammensetzung des Vermögens ab. In einer differenzierten Beurteilung wird ein allgemeines Vorurteil widerlegt.

Von: Dr. iur. Bernhard Madörin   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. iur. Bernhard Madörin

Dr. iur. Bernhard Madörin ist in Basel geboren und aufgewachsen. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Gymnasiums studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Basel und beendete sein Studium mit der Dissertation im Steuerrecht. Erste Berufserfahrungen im Treuhandbereich sammelte er in den Jahren 1983 bis 1998 als Mitarbeiter und späterer Partner im Treuhandbüro seines Vaters, wodurch er sich in der Branche etablierte. Mit der Gründung seines eigenen Treuhandbüro «Treuhand Dr. iur. Bernhard Madörin» im Jahre 1998 machte er sich selbstständig. Seit 2000 ist Dr. iur. Madörin nun Partner und langjähriges Mitglied des Verwaltungsrates der artax Fide Consult AG. Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer hat er als Steuer- und Treuhandexperte die Gesamtverantwortung für die Bereiche Steuern, Recht und Unternehmungsberatung inne und kann heute auf rund 30 Jahre Berufserfahrung als Treuhänder und selbständiger Unternehmer zurückblicken. Um das Angebot im Bereich einer umfassenden Finanzberatung abzurunden, hat Herr Dr. iur. Madörin die Ausbildung zum Versicherungsvermittler VBV erfolgreich abgeschlossen und sich über ein Partnerunternehmen im Vermittlerregister der FINMA eintragen lassen.

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Steuerersparnisse

Wann lohnt es sich Schulden zu machen?

Es hat keinen Sinn, Schulden zu machen, um der Steuern willen. Einfach nur mehr auszugeben als einzunehmen, um keine Vermögenssteuern zahlen zu müssen, ist sinnlos. Dies abgesehen davon, dass die Vermögenssteuer erst ab einem gewissen Vermögensbetrag substanziell als Steuerlast zum Tragen kommt. Erst wenn ein Vermögen mit einem siebenstelligen Frankenbetrag vorhanden ist, lohnen sich Steuerüberlegungen bezüglich Vermögenssteuer. Somit kann bedenkenlos ein erhebliches Sparziel erreicht werden, dies ohne massgebliche Steuerfolgen. Wer trotzdem Schulden macht, sei es in Form von Darlehen oder Konsumkrediten, kann seine Schuldzinsen vom Einkommen abziehen.

Schuldzinsen

Schuldzinsen müssen auch erarbeitet werden. Bei Konsumkrediten oder Leasingverträgen führen sie dazu, dass diese Güter 30% bis 60% teurer zu stehen kommen. Wenn dann in dieser Rechnung noch berücksichtigt wird, dass die Zinsen von der Einkommenssteuer abgezogen werden können, verbleibt immer noch ein Verteuerungsfaktor gegenüber dem Barkauf von 20% bis 40%. Dies ist eine Pauschalberechnung. Die genauen Werte ergeben sich aus dem Kreditzinssatz sowie der Lebensdauer des gekauften Gegenstandes und dem Einkommenssteuersatz. Damit ist ein Barkauf in aller Regel günstiger als ein Kreditkauf. Die Steuerersparnis wegen der abzugsfähigen Schuldzinsen ist immer weniger hoch als die zu bezahlenden Schuldzinsen. Dies liegt daran, dass unsere Steuersätze weniger als 100% betragen und damit die Mehrkosten immer nur zum Steuerprozentfaktor abgezogen werden können. Erst bei einem Steuersatz von über 100% müsste diese Beurteilung ändern, womit dies nur reine Theorie wäre.

Praxisbeispiel
Lohnt es sich, Schulden zu machen, wenn einmal Vermögen vorhanden ist? Ein Beispiel wäre, dass jemand mit CHF 1 Mio. Vermögen ein Darlehen aufnimmt, um den Vermögensertrag zu steigern, und dann noch die Schuldzinsen auf dem Darlehen abziehen kann. Auch hier kommen wir wieder zur Basisaussage, dass es sich nicht lohnt, Vermögensverschiebungen zu machen, rein um der Steuern willen.

In unserem Beispiel führt die Erhöhung des Wertschriftenvermögens von CHF 1 Mio. auf CHF 2 Mio. zu einer Verdopplung des Vermögensertrages. Neben diesem doppelten Ertrag (der zu versteuern ist) kann nun der Schuldzins abgezogen werden. Ist der Schuldzins gleich hoch wie der erwirtschaftete Vermögensertrag, ist die steuerliche Folge null. Haben wir keinen Erfolg und erwirtschaften weniger Ertrag als Schuldzins, verlieren wir. Einen kleinen Rabatt bekommen wir noch: Wir können den Verlust (hier als Differenz zwischen Passiv- und Aktivzins) vom Einkommen abziehen. Damit ist die Frage beantwortet, ob man seine Hypothekarschulden zurückzahlen soll. In den meisten Fällen ist dies die beste Lösung, da man nicht so viel Zins erwirtschaftet wie die Bank. Die Beurteilung ändert sich natürlich, wenn wir eine höhere Rendite als unsere Bankzinsen erwirtschaften. Dann ist es aber nicht mehr eine steuerliche Überlegung, sondern eine rein kaufmännische.

Steuerliche Rahmenbedingungen

Die steuerliche Komponente ist immer nur ein Bestandteil des Ganzen, wie der geneigte Leser dies sicher schon als Vorbehalt für sich formuliert hat. Es lohnt sich auf jeden Fall nicht, Schulden nur wegen der Steuern einzugehen. Eine weitere, komplexere Frage ist diejenige der Vermögensumschichtung. Sie zielt darauf ab, das Vermögen steuerlich und ökonomisch optimal zu gestalten. Beispiele sind der Kauf einer Lebensversicherung mit Einmaleinlage. Ein solcher führt – unter Beachtung der steuerlichen Rahmenbedingungen – zu steuerfreiem (oder steuer-reduziertem) Ertrag. Oder nennen wir die Bildung eines Wertschriftenportefeuilles. Dies führt – unter Beachtung der steuerlichen Rahmenbedingungen – zu steuerfreien Kapitalgewinnen oder (wie die Vergangenheit lehrt) zu steuerfreien Kapitalverlusten.

Mit einem Grundstückkauf treten anstelle von beweglichem Vermögen und entsprechendem Ertrag Grundeigentum mit entsprechendem Ertrag und Schuldzinsen für die Hypothek. In einer ersten Phase führt dies zu einer steuerlichen Entlastung. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es für den Abzug von Passivzinsen steuerliche Limiten gibt, welche unbedingt beachtet werden müssen. Der steuerbare bewegliche Vermögensertrag ist in aller Regel höher als der Eigenmietwert unter Abzug des Liegenschaftsunterhaltes und der Schuldzinsen. Für eine längerfristige Periode ist diese Aussage aber unsicher. Unter Berücksichtigung der verschiedenen Faktoren wie Immobilität, Teuerung, Zinsniveau, Grundstückgewinnsteuer etc. kann dies zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Die steuerliche Komponente ist hier auch nur ein Teil. Grundeigentum sollte deshalb nie nur aus fiskalischen Motiven erworben werden, dafür müssen noch andere Überlegungen vorliegen.

Fazit

Für substanzielle Steuerersparnisse bedarf es einer individuellen Analyse. Schulden bringen auf erste Lesung hin keine Ersparnisse, sondern allenfalls im Rahmen einer ganzheitlichen Beurteilung ist dies möglich.

Quelle: Dieser Beitrag stammt aus unserem Print-Newsletter «Treuhand kompakt».

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