14.02.2018

Steueroptimale Vermögensstruktur: Lohnt es sich, um Steuern zu sparen, Schulden zu machen?

Glücklich ist, wer vermögend ist, trägt doch materieller Wohlstand zu einem positiven Lebensgefühl wesentlich bei. Lohnt es sich nun, um Steuern zu sparen, Schulden zu machen? Die Antwort auf diese Frage zielt auf die steueroptimale Zusammensetzung des Vermögens.

Von: Dr. iur. Bernhard Madörin   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. iur. Bernhard Madörin

Dr. iur. Bernhard Madörin ist in Basel geboren und aufgewachsen. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Gymnasiums studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Basel und beendete sein Studium mit der Dissertation im Steuerrecht. Erste Berufserfahrungen im Treuhandbereich sammelte er in den Jahren 1983 bis 1998 als Mitarbeiter und späterer Partner im Treuhandbüro seines Vaters, wodurch er sich in der Branche etablierte. Mit der Gründung seines eigenen Treuhandbüro «Treuhand Dr. iur. Bernhard Madörin» im Jahre 1998 machte er sich selbstständig. Seit 2000 ist Dr. iur. Madörin nun Partner und langjähriges Mitglied des Verwaltungsrates der artax Fide Consult AG. Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer hat er als Steuer- und Treuhandexperte die Gesamtverantwortung für die Bereiche Steuern, Recht und Unternehmungsberatung inne und kann heute auf rund 30 Jahre Berufserfahrung als Treuhänder und selbständiger Unternehmer zurückblicken. Um das Angebot im Bereich einer umfassenden Finanzberatung abzurunden, hat Herr Dr. iur. Madörin die Ausbildung zum Versicherungsvermittler VBV erfolgreich abgeschlossen und sich über ein Partnerunternehmen im Vermittlerregister der FINMA eintragen lassen.

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Steueroptimale Vermögensstruktur

Wichtiges zur steueroptimalen Vermögensstruktur

Die zu bezahlenden Steuern richten sich nach dem Einkommen und Vermögen. Wenn wir uns hier überlegen, ob wir mit Schulden Steuern sparen können, dann lassen wir das Erwerbseinkommen ausser Acht. Wir analysieren das Vermögen, wie etwa Wertschriften und Immobilien, woraus passives Einkommen generiert wird. Wir analysieren Schulden, wie Hypotheken und Kredite, woraus negatives Einkommen in Form von Zinsen das Einkommen reduziert. Nun gehen wir der Frage nach, ob es sich lohnt, Schulden zu machen oder ob es sinnvoll ist, Hypotheken bestehen zu lassen und nicht zurückzuzahlen. Was keinen Sinn ergibt: Schulden zu machen um der Steuern willen. Einfach nur mehr auszugeben als einzunehmen, um keine Vermögenssteuern zahlen zu müssen, ist sinnlos. Was nicht heisst, dass einige Menschen generell mehr ausgeben als einnehmen. Das ist aber ein anderes Thema.

Vorweg ist noch zu bemerken: Erst wenn Vermögen im siebenstelligen Frankenbetrag vorhanden ist, lohnen sich Steuerüberlegungen bezüglich Vermögenssteuer, da diese im tiefen Bereich marginal ist. Somit kann bedenkenlos ein erhebliches Sparziel erreicht werden ohne massgebliche Steuerfolgen.

Schuldzinsen versus Vermögensertrag

Wer Schulden hat, sei es in Form von Darlehen oder Konsumkrediten, kann seine Schuldzinsen vom Einkommen abziehen. Wer Vermögen hat, sei es in Form von Wertschriften oder Immobilen, realisiert zu versteuerndes Einkommen (wir lassen einmal die Negativzinsen vorweg).

Lohnt es sich, auf seinem Vermögen Kredit (Lombardkredit) aufzunehmen und damit Aktien zu kaufen?

Betrachten wir nun die Auswirkungen einer Vermögensveränderung, wie zum Beispiel die Aufnahme eines Darlehens von CHF 1 Mio. für den Kauf von Wertschriften. In unserem Fall führt die Erhöhung des Wertschriftenvermögens um CHF 1 Mio. zu einer Erhöhung des Vermögensertrages. Neben diesem zusätzlichen Ertrag, der zu versteuern ist, kann nun der zusätzliche Schuldzins abgezogen werden.

Zinsintensive Vermögensanlage

Nehmen wir zuerst die Bildung eines konservativen Wertschriftenportefeuilles mit hohem Zinseinkommen. Dies führt – unter Beachtung der steuerlichen Rahmenbedingungen – zu steuerbarem Zinseinkommen. Ist der Schuldzins gleich hoch wie der erwirtschaftete Vermögensertrag, ist die steuerliche Folge null. Haben wir keinen Erfolg und erwirtschaften weniger Zinsertrag als Schuldzinsen anfallen, verlieren wir Geld. Wir können den Verlust, hier als Differenz zwischen Passiv- und Aktivzins, vom Einkommen abziehen. In der Summe haben wir eine Aufwandzunahme auch nach Steuern, was somit im Ergebnis immer noch zu netto weniger Einkommen führt.

Kapitalgewinnintensive Vermögensanlage

Oder nehmen wir als zweites Beispiel die Bildung eines Wertschriftenportefeuilles mit hohem Aktienanteil. Dies führt – unter Beachtung der steuerlichen Rahmenbedingungen – zu steuerfreien Kapitalgewinnen oder, wie die Vergangenheit lehrt, zu steuerfreien Kapitalverlusten. Hier führt der Abzug der Schuldzinsen unmittelbar zu einem Steuerersparnis.

 Fazit
Weniger Einkommen als bei anderen Methoden und steuerfreier Kapitalertrag, allerdings positiv oder negativ mit entsprechendem Risiko!

Lohnt es sich, die Hypothek zu erhöhen um Steuern zu sparen?

In den meisten Fällen ist dies eine suboptimale Lösung, da man nicht so viel Zins erwirtschaftet wie die Bank. Die Beurteilung ändert sich natürlich, wenn wir eine höhere Rendite als unsere Bankzinsen erwirtschaften. Dann ist es aber nicht mehr eine steuerliche Überlegung, sondern eine rein kaufmännische. Somit lohnt sich eine Erhöhung der Hypothek immer nur dann, wenn wir mit einer neuen Investition eine höhere Rendite erwirtschaften als die Bankzinsen.

Fazit I

Damit kommen wir zur zentralen Aussage, wonach Schulden immer nur als kaufmännische Grundlage einer Finanzierung ihren Zweck haben sollen. Nur alleine steuerliche Gründe gehen am Ziel vorbei

Kann man auch anders Steuern sparen (Einkauf in die Pensionskasse)?

Die Steuerplanung kann positive steuerliche Effekte bewirken. Beispiele sind der Kauf einer Lebensversicherung mit Einmaleinlage und einer Bankschuld. Eine solche Versicherung führt – unter Beachtung der steuerlichen Rahmenbedingungen – zu einer steuerfreien oder steuerreduzierten Versicherungsleistung.

Das Gleiche gilt für den fremdfinanzierten Einkauf in die Pensionskasse. Wir realisieren ein erhöhtes Pensionsvermögen und haben dafür Schulden und Zinsen zum Abzug. Hierbei handelt es sich jedoch um einen sehr komplexen Fall. Positive Effekte: Weniger Vermögen und Zins auf dem einbezahlten Kapital. Negative Effekte: Zu bezahlender Zins vermindert um den Steuervorteil. Angesichts der individuellen Faktoren ist spezifisch hier eine allgemeine Aussage nicht möglich.

Führt der Kauf einer Immobilie zu Steuerreduktion?

Mit einem Grundstückkauf treten anstelle von beweglichem Vermögen und entsprechendem Ertrag Grundeigentum mit entsprechendem Ertrag und Schuldzinsen für die Hypothek. In einer ersten Phase führt dies zu einer steuerlichen Entlastung. In einer späteren Phase halten sich Grundeigentum versus Kapitalertrag die Waage, mit einer tendenziellen Besserstellung der Grundeigentümer.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es für den Abzug von Passivzinsen steuerliche Limiten gibt, welche unbedingt beachtet werden müssen. Grundeigentum sollte deshalb nie nur aus fiskalischen Motiven erworben werden, dafür müssen noch andere Überlegungen vorliegen.

Fazit II

Für substanzielle Steuerersparnisse bedarf es einer individuellen Analyse. Schulden bringen aufs erste keine Ersparnisse; allenfalls im Rahmen einer ganzheitlichen Beurteilung ist dies möglich.

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