16.08.2017

Transponierung: Grundlagen, Verfahren und Steuerfolgen

Bei der Transponierung geht es um nat├╝rliche Personen, welche Beteiligungsrechte verkaufen. Aufgrund der Tatsache, dass die zu verkaufenden Aktien aus dem Privatverm├Âgen stammen, geht der Verk├Ąufer aufgrund der entsprechenden gesetzlichen Grundlage (siehe Art. 16 Abs. 3 des Bundesgesetzes ├╝ber die direkte Bundessteuer) davon aus, dass er den Ver├Ąusserungsgewinn steuerfrei realisieren kann. Dies ist eine ├ťbersicht des Verfahrens, von den Gesetzesgrundlagen zu den Steuerfolgen.

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Transponierung

Grundlagen

In diesen F├Ąllen werden die Beteiligungsrechte vom Privatverm├Âgen des Verk├Ąufers (wo das steuerliche Nominalwertprinzip bzw. Kapitaleinlageprinzip [seit 1. Januar 2011] gilt) ins Gesch├Ąftsverm├Âgen der Aktienk├Ąuferin transferiert. Aufgrund der Tatsache, dass im Gesch├Ąftsverm├Âgen das sog. Buchwertprinzip gilt, wird mit einer solchen Transaktion das beim verkaufenden Aktion├Ąr bisher latent vorhandene Besteuerungssubstrat beseitigt (latente Einkommenssteuern).

Das folgende Zahlenbeispiel illustriert die mit einem Verkauf ins Gesch├Ąftsverm├Âgen verbundene "Vernichtung" von latentem Einkommenssteuersubstrat. Aktion├Ąr X ist Eigent├╝mer s├Ąmtlicher Aktien der Y-AG. Deren Eigenkapital von CHF 10 Mio. setzt sich wie folgt zusammen:

  • Aktienkapital CHF 100 000
  • Reserven aus Gewinnen CHF 9 900 000

Sch├╝ttet die Y-AG die thesaurierten Gewinne von CHF 9,9 Mio. via Dividenden an ihren Aktion├Ąr aus, dann schuldet dieser aufgrund des sog. Nominalwert- bzw. Kapitaleinlageprinzips darauf Einkommenssteuern (mit Anspruch auf Teilbesteuerung dieser Dividende, sofern die entsprechenden Voraussetzungen erf├╝llt sind).

Verkauft er hingegen die zum Privatverm├Âgen geh├Ârenden Aktien zu CHF 10 Mio., dann realisiert er einen grunds├Ątzlich steuerfreien Kapitalgewinn. Mit anderen Worten ist mit dem Verkauf die latente Einkommenssteuerlast von Gr├Âssenordnung CHF 2 Mio. bis CHF 4 Mio. beseitigt.

Auf diesen dargestellten ┬źBeseitigungseffekt┬╗ zielen die drei gesetzlich normierten Instrumente der direkten und der indirekten Teilliquidation sowie der Transponierung. Liegt ein entsprechender Anwendungsfall vor, dann kommt es beim Aktienverk├Ąufer wider Erwarten zu Einkommenssteuerfolgen (steuerliche Umqualifikation des vermeintlich steuerfreien privaten Kapitalgewinns in steuerbares Einkommen).

Transponierung

In dieser Konstellation ist beispielsweise Herr X Eigent├╝mer mehrerer Aktiengesellschaften. Er verkauft nun die Aktien der einen Gesellschaft an eine andere ihm ebenfalls geh├Ârende Gesellschaft (man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem ┬źVerkauf an sich selber┬╗).

Steuerfolgen einer Transponierung

Gesetzliche Grundlage: Artikel 20a Absatz 1 Buchstabe b des Bundesgesetzes ├╝ber die direkte Bundessteuer (DBG).

Von einem "Verkauf an sich selber" (d.h. von einem Transponierungsfall) kann nur dann die Rede sein, wenn die folgenden Voraussetzungen kumulativ erf├╝llt werden:

  • Der Verk├Ąufer ist an der Aktienk├Ąuferin (gem├Ąss der vorhergehenden Grafik an der Z-AG) nach der Transaktion zu mindestens 50% beteiligt (massgebend ist die kapital- und nicht die stimmenm├Ąssige Beteiligungsquote).
  • Der Aktienverk├Ąufer ├╝bertr├Ągt mindestens 5% (Kapitalanteil).
  • Der Erl├Âs (in der Form von nominellem Aktienkapital oder Guthaben) ├╝berschreitet den Nennwert der ├╝bertragenen Beteiligung.

Sind diese Voraussetzungen gegeben, dann kommt es sofort zu Einkommenssteuerfolgen, indem die Differenz zwischen dem Erl├Âs und dem Nennwert als Verm├Âgensertrag der Einkommenssteuer unterliegt.

Hinweis:
Manchmal wird versucht, entsprechende Steuerfolgen durch eine zeitliche und/oder personelle Staffelung zu vermeiden. Im letzten Satz von Artikel 20a Absatz 1 Buchstabe b DBG ist ausdr├╝cklich festgehalten, dass eine Transponierung auch dann vorliegt, wenn mehrere Beteiligte (welche je weniger als 5% ├╝bertragen) die ├ťbertragung gemeinsam vornehmen. Damit ist gesagt, dass zeitlich oder personell gestaffelte Transaktionen immer dann als Einheit betrachtet und steuerlich behandelt werden k├Ânnen, wenn sie auf einer einheitlichen Willensbildung und Entscheidfindung basieren.

Soll eine solche Umstrukturierung (┬źVerkauf an sich selber┬╗) aus anderen als steuerlichen Gr├╝nden dennoch vollzogen werden, dann gibt es mehrere steuerneutrale Auswege:

  • Die Aktien werden maximal zum Nominalwert (plus allf├Ąllige Reserven aus Kapitaleinlagen) eingebracht bzw. verkauft.
  • Die Aktien werden ├╝ber dem Nominalwert (plus allf├Ąllige Reserven aus Kapitaleinlagen) eingebracht oder verkauft und der ├ťberschuss wird ÔÇô statt als Nennwert oder als Gutschrift ausgerichtet bzw. verbucht ÔÇô den Reserven der Aktienk├Ąuferin gutgeschrieben (sog. Agio-L├Âsung).

Achtung

Die aus der Agio-l├Âsung resultierende Agio-Reserve gilt nicht als Kapitaleinlagereserve im Sinn des Kapitaleinlageprinzips. Mit dieser Verbuchung will man das latent vorhandene Einkommenssteuersubstrat erhalten, was man mit einer Kapitaleinlage gerade nicht erreicht h├Ątte. Diese Reserve ist steuerlich somit als freie Reserve zu qualifizieren, mit der Folge, dass beim Empf├Ąnger Einkommenssteuerfolgen entstehen, wenn diese Reserve dereinst ausgesch├╝ttet wird.

Wenn die Aktien ├╝ber dem Nennwert eingebracht oder verkauft werden, dann muss man unbedingt auch die entsprechenden Auswirkungen auf den Aktiensteuerwert ÔÇô und damit auf das steuerbare Verm├Âgen des Aktion├Ąrs ÔÇô im Auge behalten. Ein Vollzug ├╝ber dem Aktiensteuerwert f├╝hrt tendenziell zu einer Erh├Âhung der Verm├Âgenssteuern beim einbringenden Aktion├Ąr.

Damit kommt dem ├ťbertragungswert einerseits und der H├Âhe und der Zusammensetzung des Erl├Âses andererseits eine sehr grosse steuerliche Bedeutung zu, die man bei der Planung einer solchen Restrukturierung unbedingt ganz genau im Auge behalten muss.

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