17.11.2020

Steuererklärung: Möglichkeiten durch Digitalisierung

Die Digitalisierung breitet sich auch im Steuerrecht immer mehr aus und bietet attraktive und bequeme Lösungen an, die sich sowohl seitens des Fiskus als auch bei den Steuerpflichtigen auswirken. Die Steuererhebung erfolgt in immer mehr Steuerbereichen in elektronischer Form. Dieser Beitrag soll einen Überblick über die Digitalisierungsfortschritte in den betroffenen Steuerbereichen geben sowie auch die Vor- und Nachteile der einzelnen Produkte aufzeigen.

Von: Dr. Alain Villard  DruckenTeilen 

Dr. Alain Villard, EMBA Taxation

Dr. Alain Villard, EMBA Taxation, ist als Steuerberater bei der Bratschi AG tätig und war zuvor 6 Jahre Konzernsteuerberater. Er berät vorwiegend Privatpersonen bei Steuerfragen und allgemeinen rechtlichen Belangen sowie Unternehmen in den Bereichen Steuer- und Gesellschaftsrecht. Seine Tätigkeitsbereiche umfassen das Mehrwertsteuerrecht, das Unternehmenssteuerrecht, das Steuerverfahrensrecht und das internationale Steuerrecht sowie auch das Verrechnungssteuer-, das Stempelabgabe-, das Grundstückgewinnsteuer- und das Einkommenssteuerrecht. Berufsbegleitend absolvierte er einen EMBA im Steuerrecht. Seit 2014 ist er Prüfungssteller bei den Diplomarbeiten der Steuerexpertenprüfungen. Seit 2017 ist er Mitherausgeber und Autor des Praxiskommentars zum Basler Steuergesetz.

Steuererklärung

Digitalisierung bei den direkten Steuern

Angebote der Steuerverwaltungen

Bereits seit Längerem bekannt und bewährt sind die Steuerrechner und die Steuerdeklarationsprogramme (BS: BalTax; BL: EasyTax; SO SolothurnTAX NP; BE TaxME Online; ZH: ZHprivateTax Online etc.), die die kantonalen Steuerverwaltungen anbieten. Diese decken nicht nur die Staats- und Gemeindesteuern ab, sondern berechnen auch die direkte Bundessteuer, sodass der Steuerpflichtige fast auf den Franken genau seine jährliche Steuerbelastung abschätzen und die Akontozahlungen einrichten kann und sich Abweichungen von definitiven Veranlagungen lediglich auf verweigerte Abzüge oder sonstige unerwartete Aufrechnungen reduzieren lassen. Mit Blick auf die Steuerrechner für Unternehmen ist hervorzuheben, dass die meisten Steuerrechner die Berechnung "vor Steuern" und "nach Steuern" anbieten. Es ist darauf hinzuweisen, dass diese Berechnungen keine rechtliche Bindung schaffen, verbindlich ist lediglich die definitive Veranlagung von der zuständigen Steuerverwaltung.

Der grösste Vorteil der Deklarationsprogramme ist sicherlich die spezifische Berücksichtigung der kantonalen Eigenheiten des jeweiligen Fiskus, sodass dem Steuerpflichtigen bei der korrekten Eingabe der Stammdaten (persönliche Lebensverhältnisse, Nachwuchs etc.) in der Regel alle damit direkt verbundenen und ihm vom Steuerrecht zugestandenen Abzüge (Kinderabzug, Doppelverdienerabzug etc.) automatisch berechnet werden. Diese automatischen Abzüge sind in der Regel steuermindernde Tatsachen, die nicht mittels Belegen durch den Steuerpflichtigen nachzuweisen sind, sondern Pauschalabzüge. Gleichwohl ist hervorzuheben, dass diese Programme eine gewisse digitale Affinität des Anwenders erfordern. Ein Arbeitszimmerabzug z.B. kann im EasyTax (BL) nur in der weiteren Rubrik ‹übr. Kosten› unter dem jeweiligen Einkommensbestandteil ‹übrige berufsnotwendige Kosten Staat› eingetragen werden. Unabhängig davon sollte die Steuerverwaltung dem Steuerpflichtigen auch einen lediglich in den Schlussbemerkungen geltend gemachten Abzug, indes genügend belegt, durchaus gewähren. Es wäre nicht statthaft und wäre wohl als überspitzter Formalismus zu qualifizieren, wenn ein Abzug nur deshalb nicht gewährt wird, weil er elektronisch nicht korrekt im dafür vorgesehenen Feld deklariert worden ist.

Schliesslich ist hervorzuheben, dass sowohl die Steuerrechner als auch die Deklarationsprogramme von den Steuerpflichtigen kostenlos in Anspruch genommen werden können.

Angebote von privaten Herstellern

Die nennenswertesten der von privaten Herstellern angebotenen Steuerrechner und Deklarationsprogramme sind zweifelsfrei TaxWare und Dr. Tax, wobei Ersteres die Berechnung stärker im Fokus hat und Letzteres die Deklaration. Beide Programme berücksichtigen alle kantonalen Eigenheiten wie z.B. Abzüge und Steuersätze und werden laufend aktualisiert, sodass der Anwender jederzeit auf dem neuesten Stand ist. Beide Anwendungen eignen sich sowohl für natürliche als auch für juristische Personen und werden insbesondere in der externen, aber auch in der internen Steuerberatung verwendet. Mit Bezug auf TaxWare speziell hervorzuheben sind die Möglichkeiten bei den Spezialsteuern wie Grundstückgewinnsteuer, Erbschaft- und Schenkungssteuer oder die Berechnungsmöglichkeit der Steuerfolgen bei Vorsorgefragen. Das Programm bietet aber auch sehr hilfreiche Excel-Vorlagen wie z.B. für die Liquidation einer Einzelfirma oder bei der Steuerausscheidung von natürlichen Personen. Vermutlich etwas unglücklich eingeordnet, aber umso hilfreicher ist die Vorlage zur Erstellung eines Berechnungsvorschlags im Zusammenhang mit einer straflosen Selbstanzeige, die unter dem Button ‹Banking› zu finden ist. Alle Steuerberechnungen lassen sich auch ausdrucken und als nützliche Beilage zu einer gegebenenfalls aus einem anderen Programm generierten Steuerdeklaration ergänzend einreichen und sind auch von den Steuerverwaltungen anerkannt.

Die Einreichung der Steuerdeklaration kann sowohl bei Dr. Tax als auch bei jenen der Steuerverwaltungen elektronisch erfolgen. Für die Steuerperiode 2019 muss bei den kantonalen Programmen das Barcodeblatt noch unterzeichnet werden. Die Beilagen können aber mittlerweile in vielen Kantonen elektronisch eingereicht werden.

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Dr. Tax bietet mit Bezug auf die Beilagen mit ‹E-Dossier› einen Beilagencontainer an, in welchem die Beilagen zur Steuererklärung in verschiedenen Formaten elektronisch der Steuererklärung hinzugefügt, kategorisiert und schliesslich auch elektronisch eingereicht werden können. Technisch wird die Steuererklärung samt Beilagen nach der Übermittlung zunächst in einem geschützten Bereich bei der Steuerverwaltung zwischengespeichert, in welchem sie noch 96 Stunden bearbeitet werden kann, bevor sie definitiv in die Weiterverarbeitung der Steuerverwaltung gelangt, wo der Steuerpflichtige bzw. der Einreicher keinen Einfluss mehr hat. Die formelle Unterschrift im Sinne einer separaten Bestätigung, die postalisch eingereicht werden muss, ist in gewissen Kantonen immer noch erforderlich. Nachfolgende Liste zeigt den Stand (19.6.2020) jener Kantone, bei denen eine elektronische Einreichung über Dr. Tax möglich ist:

1. Kanton AR

  • Steuererklärung für natürliche Personen (NP)(ab Formulare 2019)
  • Freigabe: unterschriftsfrei (ohne Freigabequittung) oder mit Freigabequittung
  • elektronische Einreichung von Belegen möglich (max. 5 MB pro Beleg, max. 100 Belege, max. alle Belege: < 40 MB)

2. Kanton BE

  • in Bearbeitung, NP ab Formulare 2020

3. Kanton FR

  • Steuererklärung für natürliche Personen (NP)
  • elektronische Einreichung von Belegen möglich
  • Freigabe: unterschriftsfrei (ohne Freigabequittung)

4. Kanton GE

  • Steuererklärung für natürliche Personen (NP)
  • elektronische Einreichung von Belegen möglich
  • mit Freigabequittung (einzureichen per Post)

5. Kanton GR

  • Steuererklärung für natürliche Personen (NP)
  • Steuererklärung für juristische Personen(JP)(ab Formulare 2019)
  • elektronische Einreichung von Belegen möglich (nur JP, NP ab Formulare 2019 in Bearbeitung)
  • mit Freigabequittung (einzureichen per Post)

6. Kanton LU

  • Steuererklärung für natürliche Personen(NP)
  • Steuererklärung für juristische Personen (JP)(ab Formulare 2019)
  • elektronische Einreichung von Belegen möglich
  • für Formulare 2018: max. 20 Belege, per Beleg max. 5 MB, alle Anhänge zusammen aber nicht mehr als 45 MB
  • ab Formulare 2019: max. 50 Belege, per Beleg max. 10 MB, alle Anhänge zusammen aber nicht mehr als 100 MB
  • Freigabe: Die Steuererklärung gilt als definitiv eingereicht, wenn nicht innerhalb von fünf Tagen (120 Stunden) eine neue Steuererklärung elektronisch eingereicht wird. Es muss keine Freigabequittung an das Steueramt übermittelt werden.

7. Kanton NE

  • Steuererklärung für natürliche Personen (NP)
  • elektronische Einreichung von Belegen möglich 

8. Kanton NW

  • Die elektronische Einreichung inklusive Belege ist ab Steuererklärung 2019 obligatorisch. (NP + JP)
  • Freigabe: unterschriftsfrei (ohne Freigabequittung) oder mit Freigabequittung
  • Die übermittelten Steuerdaten werden unterschriftsfrei automatisch innert 72 Stunden freigegeben. Korrektureinreichungen innerhalb dieser Frist sind möglich.

9. Kanton OW

  • Steuererklärung für natürliche und juristische Personen (NP + JP)
  • elektronische Einreichung von Belegen möglich (max. 3 MB pro Beleg)
  • Freigabe: unterschriftsfrei oder mit Freigabequittung

10. Kanton SG

  • Steuererklärung für natürliche Personen (NP)
  • Belege sind per Post einzureichen
  • Freigabe: mit unterschriebener Freigabequittung (einzureichen per Post)

11. Kanton SO

  • optional für Steuererklärungen natürliche und juristische Personen (NP + JP)(ab Formulare 2019)
  • Die Unterschrift entfällt bei der elektronischen Übermittlung.
  • Die übermittelten Steuerdaten werden automatisch innert 72 Stunden freigegeben. Korrektureinreichungen innerhalb dieser Frist sind möglich.

12. Kanton SZ

  • Informationen folgen …(NP + JP)(ab Formulare 2020)

13. Kanton TG

  • Steuererklärung für natürliche Personen (NP)
  • elektronische Einreichung von Belegen möglich
  • Freigabe: mit unterschriebener Freigabequittung (einzureichen per Post)

14. Kanton TI

  • optional für Steuererklärung natürliche Personen inklusive Belege (NP)(ab Formulare 2019)
  • Für die definitive Einreichung muss die Freigabequittung unterschrieben und per Post eingereicht werden.

15. Kanton VD

  • Steuererklärung für natürliche Personen (NP)
  • elektronische Einreichung von Belegen möglich

16. Kanon VS

  • Steuererklärung für natürliche Personen (NP)
  • elektronische Einreichung von Belegen möglich
  • Freigabe: mit unterschriebener Freigabequittung (einzureichen per Post)

17. Kanton ZG

  • Steuererklärung für natürliche Personen inkl. allen Belegen (NP)
  • Nach erfolgreicher Übermittlung wird auf dem ‹Zug-Login›-Konto die Steuererklärung für die Veranlagung freigegeben (bei Ehepaaren müssen sich beide einloggen, damit die Steuererklärung eingereicht werden kann).
  • elektronische Einreichung von Belegen möglich (max. 5 MB pro Beleg, max. 100 Belege, max. aller Belege < 100 MB)

18. Kanton ZH

  • Steuererklärung für natürliche Personen (NP)
  • Konto beim Treuhänder-Register ist obligatorisch
  • Belege sind per Post einzureichen
  • Freigabe: mit unterschriebener Freigabequittung (einzureichen per Post)

In den übrigen Kantonen ist eine Einreichung via E-Filing von Dr. Tax noch nicht möglich. Schliesslich gilt es darauf hinzuweisen, dass Dr. Tax und TaxWare kostenpflichtig sind und mit unterschiedlicher Anzahl von Lizenzen für mehr oder weniger Benutzer freigeschaltet werden können.

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