06.09.2017

Altersvorsorge 2020: Aktueller Stand vom Bundesrat

Am 17. März 2017 hat das Parlament die Altersvorsorge 2020 verabschiedet. Sie enthält ein gesamtheitliches Paket von Massnahmen in der 1. und der 2. Säule, mit dem Ziel, die finanzielle Stabilität zu sichern und das bisherige Rentenniveau beizubehalten. Die Reform soll bereits im Jahr 2018 in Kraft treten und am 24. September 2017 dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden.

Von: Markus Schneeberger, Richard Köppel   Drucken Teilen   Kommentieren  

Markus Schneeberger

Jurist. Er arbeitet als Direktor im Pension Consulting Team von PwC in der Schweiz (Standort Basel) mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der beruflichen Vorsorge.

Richard Köppel

MSc in Mathematik, Pensionskassen-Experte SKPE. Er arbeitet als Senior Manager im Pension Consulting Team von PwC in der Schweiz (Standort Zürich) mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in der beruflichen Vorsorge.

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Altersvorsorge 2020

Eckdaten der Altersvorsorge 2020

Die grundlegenden Neuerungen in der beruflichen Vorsorge der Altersvorsorge 2020 sind die folgenden:

  • Pensionierungsalter: Erhöhung des Referenzalters für Frauen von 64 auf 65 und Erhöhung des frühestmöglichen Rücktrittsalters von 58 auf grundsätzlich 62 (Ausnahmen möglich).
  • Umwandlungssatz: schrittweise Senkung des Mindestumwandlungssatzes von 6,8% auf 6,0% über vier Jahre beginnend nach dem 31. Dezember des Jahres des Inkrafttretens der Altersvorsorge 2020 (beginnend ab 1. Januar 2019).
  • versicherter Lohn: Erhöhung durch Senkung und Flexibilisierung des Koordinationsabzugs; dieser entspricht 40% des massgebenden Jahreslohns gemäss BVG, mindestens aber der minimalen und höchstens 75% der maximalen AHV-Rente (ebenfalls ab 1. Januar 2019).
  • Spargutschriften: Erhöhung der Spargutschriften im BVG-Obligatorium um 1% des obligatorisch versicherten Lohns von Alter 35 bis 54 (ebenfalls ab 1. Januar 2019).
  • Übergangsgeneration: Leistungsgarantie berechnet gemäss bisherigem Gesetz ab Alter 45 und älter mit Stichtag ein Jahr nach Inkrafttreten der Altersvorsorge 2020, finanziert durch Zuschüsse des Sicherheitsfonds BVG.
  • Weiterführung ab Alter 58: bei Ausscheiden aus der obligatorischen Vorsorge als Folge der Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber ist eine Weiterführung der bisherigen Vorsorge auf Verlangen des Versicherten möglich.

Herausforderungen für umhüllende Vorsorgepläne

Nicht alle Massnahmen der Reform haben für umhüllende Vorsorgepläne, die höhere Leistungen als im BVG-Obligatorium erbringen, die gleiche Relevanz. Dabei ist zentral, wie gross die Umhüllung innerhalb des Vorsorgeplans ist. Es ist nicht zwingend, dass die Altersvorsorge 2020 innerhalb eines umhüllenden Vorsorgeplans zu höheren Beiträgen für den Arbeitgeber und die Versicherten führt. Dennoch stellen sich für umhüllende Vorsorgepläne verschiedene Herausforderungen:

  • Pensionsalter: Eine rasche Übernahme des neuen Referenzalters für Frauen und eine Anpassung der Regelung für vorzeitige Pensionierung drängen sich auf. Folglich wird das Leistungsziel für Frauen neu justiert, was auch zu einer Anpassung der reglementarischen Umwandlungssätze für Frauen führen kann.
  • Umwandlungssatz: Die Senkung des obligatorischen Umwandlungssatzes erhöht die Umhüllung in Bezug auf die Altersrente. Dies erhöht insbesondere bei Vorsorgeplänen mit einer geringen Umhüllung das Potenzial für eine Reduktion der reglementarischen Umwandlungssätze.
  • versicherter Lohn/Spargutschriften: Durch die Erhöhung des obligatorisch versicherten Lohns und die Erhöhung der obligatorischen Sparbeiträge reduziert sich die Umhüllung im Sparprozess. Falls der (umhüllende) Sparprozess unverändert weitergeführt wird, kann zur Sicherstellung der Austrittsleistung unter Umständen ein zusätzlicher Rückstellungs- und Finanzierungsbedarf entstehen.
  • Übergangsgeneration: Durch die Garantie der nach aktuell geltendem Recht berechneten Renten kann eine zusätzliche BVG-Schattenrechnung für Versicherte der Übergangsgeneration notwendig werden (Details durch den Bundesrat zu regeln). Dadurch erhöht sich (einmal mehr) die in der beruflichen Vorsorge enthaltene Komplexität, was zu Mehraufwänden in der technischen Verwaltung führen kann (einmalig: Anpassung Systeme; laufend: Abrechnung Zuschüsse mit Sicherheitsfonds BVG).
  • Weiterführung ab Alter 58: Unter Berücksichtigung der erwähnten Voraussetzungen entsteht zukünftig die Verpflichtung, externe Versicherungen auf Antrag zu führen. Die Beitragsabwicklung (Sparen, falls weitergeführt, sowie Risiko und Kosten) erfolgt dabei nicht mehr über den Arbeitgeber, sondern über die Versicherten. Als Folge dessen entstehen Mehraufwände für die Vorsorgeeinrichtungen. Diese müssen sich unter Umständen vermehrt mit ausstehenden Beiträgen solcher Versicherter auseinandersetzen.

Weitere Herausforderungen der Altersreform 2020

Neben diesen Herausforderungen werden sich noch weitere Neuerungen für Vorsorgepläne ergeben, bei denen man auf die Umsetzung in der Praxis gespannt sein kann. Darunter fällt beispielsweise die neu geschaffene gesetzliche Grundlage in Art. 17 FZG, wonach bei der Ermittlung der Mindest-Austrittsleistung gemäss Art. 17 FZG ein Beitrag zur Finanzierung des Ausgleichs von Rentenumwandlungsverlusten von den Beiträgen der Versicherten in Abzug gebracht werden können. Ein solcher Beitrag zur Finanzierung von Rentenumwandlungsverlusten war im Kapitaldeckungsverfahren der 2. Säule bisher so explizit noch nicht vorgesehen.

Die Volksabstimmung über die Altersvorsorge 2020 findet am 24. September 2017 statt. Dabei ist noch unklar, ob nur der dem obligatorischen Referendum unterstehende Bundesbeschluss über die Zusatzfinanzierung der AHV durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer zur Abstimmung gelangt, oder ob das Referendum gegen das Bundesgesetz über die Reform der Altersvorsorge 2020 zustande kommt und auch darüber abgestimmt wird. Unabhängig davon ist es nicht vorhersehbar, wie die Reform im Volk aufgenommen wird. Denn die Vorzüge der 1. Säule werden gegen die Vorzüge der 2. Säule ausgespielt. Dennoch können Stiftungsräte oder Vorsorgekommissionen von umhüllenden Vorsorgeplänen bei strategischen Entscheidungen zum Pensionskassen-Set-up aus unserer Sicht die Reform nicht (mehr) ignorieren.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Print-Newsletter Treuhand kompakt. Möchten Sie noch weitere spannende Beiträge aus dem Treuhand Bereich lesen? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Print-Newsletter Treuhand kompakt!

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