29.08.2018

Barauszahlung Pensionskassenguthaben: So werden ohne Risiken Steuern eingespart

Bei einem vorzeitigen Bezug des Pensionskassenguthabens bei einem definitiven Wegzug ins Ausland lassen sich mit wenig administrativem Aufwand und ohne Risiken erhebliche Steuereinsparungen realisieren.

Von: Dominic Nazareno  DruckenTeilen Kommentieren 

Dominic Nazareno

Dominic Nazareno, M.A. HSG, dipl. Steuerexperte und Manager bei PrimeTax AG in Stans.

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Barauszahlung Pensionskassenguthaben: Ausgangslage

Unselbstständig erwerbende Personen unterliegen in der Schweiz dem Schweizer Sozialversicherungsrecht und leisten u.a. Beiträge in die 2. Säule. Das angesparte Alterskapital ist in der Regel bis zur Erreichung des Rentenalters gebunden. Ein vorzeitiger Bezug in Form einer Kapitalauszahlung ist bei der Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit, beim Erwerb von selbst bewohntem Wohneigentum oder bei der definitiven Ausreise aus der Schweiz möglich. Letzteres ist insbesondere bei Expatriates häufig anzutreffen, da deren Einsatz in der Schweiz meist zeitlich beschränkt ist. Im Beratungsalltag wird immer wieder festgestellt, dass Expatriates, aber auch deren Arbeitgeber nicht bewusst ist, dass bei der definitiven Ausreise ins Ausland mit wenig administrativem Aufwand und ohne Risiken erhebliche Steuern eingespart werden können.

Bestimmungen der Doppelbesteuerungsabkommen (DBA)

Die Höhe des möglichen Kapitalbezugs ist davon abhängig, in welches Land der auswandernde Schweizer resp. der heimkehrende Ausländer zieht. Zum einen muss beachtet werden, dass ein vollständiger Bezug nur für jene Personen möglich ist, die sich ausserhalb der EU-/EFTA-Staaten niederlassen oder innerhalb dieser Staaten keiner Versicherung für Alter, Invalidität und Hinterlassenenleistungen unterstellt sind. Alle anderen Personen können nur den überobligatorischen Teil ihres Guthabens beziehen.

Sieht das DBA vor, dass die Besteuerungskompetenz auf den Zuzugsort fällt, und kann die Schweizer Steuer lediglich zurückgefordert bzw. angerechnet werden, lässt sich eine Steuerersparnis nur in vereinzelten Fällen umsetzen, wenn beispielsweise die Steuerbelastung in der Schweiz über derjenigen am Zuzugsort liegt und die dortige Steueranrechnung auf die schweizerische Steuerbelastung begrenzt ist. Die Steuerersparnis ist grundsätzlich in jenen Fällen am höchsten, in welchen die Bestimmungen der Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und dem Zuzugsstaat das Besteuerungsrecht ausschliesslich der Schweiz zuweisen oder kein DBA vorhanden ist.

Abbildung 1: Länder ohne Rückforderungsmöglichkeit der Schweizer Quellensteuer auf privatrechtlichen Vorsorgebeiträgen

 Berechnungsbeispiel zu möglichen Steuereinsparungen:
Die aus Grossbritannien stammende Person hat während 10 Jahren als leitender Angestellter im Kanton Basel-Stadt gearbeitet und in dieser Zeit ein beträchtliches BVG-Altersguthaben von CHF 1 000 000.– angespart. Mit 60 Jahren entscheidet die Person, in ihre Heimat zurückzukehren. Nach dem Wegzug stellt sich die Frage, ob die Person ihr Vorsorgeguthaben über ein Freizügigkeitskonto im Kanton Basel-Stadt (ehemaliger Wohn- und Arbeitsort) oder über ein Freizügigkeitskonto im Kanton Schwyz ausbezahlen lassen soll. Wie der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen ist, resultiert bei der Auszahlung des Vorsorgekapitals und bei vorgängiger Übertragung des Vorsorgekapitals auf ein Freizügigkeitskonto im Kanton Schwyz eine Steuerersparnis von CHF 51 750.–. Bei einem Teilbezug (Splitting) des Vorsorgeguthabens im Kanton Schwyz können nochmals zusätzlich CHF 2350.– eingespart werden.

Abbildung 2: Berechnungsbeispiel zu möglichen Steuereinsparungen

Planung des Kapitalbezugs

Besteht Klarheit über die bilateralen Bestimmungen zwischen der Schweiz und dem Zuzugsort, sollte die Auszahlung des Vorsorgekapitals sorgfältig geplant werden. Wichtig ist, dass die Barauszahlung des Pensionskassenguthabens erst beantragt wird, nachdem der Wohnsitz ins Ausland verlegt wurde. Nur dann ist sichergestellt, dass der Vorsorgebezug nicht im ordentlichen, sondern im Quellensteuerverfahren durchgeführt wird. Dies ist deshalb entscheidend, weil die Quellensteuer am Sitz der Vorsorgeeinrichtung oder Freizügigkeitsstiftung und nicht etwa am letzten Wohnsitzort erhoben wird. Vor diesem Hintergrund soll das BVG-Guthaben vor der Auszahlung der Pensionskasse des Arbeitgebers in eine Freizügigkeitsstiftung eines steuergünstigen Kantons transferiert werden. Nur dann kommen zum Zeitpunkt der Auszahlung die dortigen tiefen Steuersätze zur Anwendung. Hierbei gilt es lediglich zu beachten, dass nach einem Transfer noch 30 Tage abgewartet werden müssen, bis das Kapital schliesslich bezogen werden kann.

Die Steuerersparnis lässt sich zusätzlich steigern, sofern das Vorsorgekapital bei der Überweisung auf verschiedene Freizügigkeitskonten transferiert wird (sog. «Splitting»). Durch den gestaffelten Bezug kann der auf Bundesebene ausgestaltete progressive Steuersatz gebrochen werden. Diesbezüglich gilt es lediglich zu beachten, dass die Aufteilung des Guthabens zwingend vor der Überweisung auf die Freizügigkeitskonten festgelegt werden muss, da später keine Aufteilung mehr möglich ist. Des Weiteren ermöglicht das Splitting einen Teilbezug.

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