04.01.2017

BVV2: Art. 53 – Forderung oder alternative Anlage?

Im Jahr 2016 wurden die Jahresrechnungen erstmals nach den neuen Vorschriften der BVV2 revidiert. Im Zentrum stand eine Erneuerung der Anlagevorschriften: engere Definition der Forderungen, Erweiterung Liste der alternativen Anlagen, Erweiterung Verbot Hebelwirkung, Regelung Wertschriftenleihe und Repo-Geschäfte.

Von: Daniel Hunziker   Drucken Teilen   Kommentieren  

Daniel Hunziker

Daniel Hunziker, lic. oec. publ., eidg. dipl. Finanzanalytiker und Vermögensverwalter, Mitglied der Schweizerischen Vereinigung für Finanzanalytiker SFAA, Gründungsmitglied der Obligationenkommission Schweiz OKS, Portfoliomanager und Geschäftsführer VI VorsorgeInvest AG in Wetzikon.

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BVV2

Umklassifizierungen von Forderungen

Wir haben festgestellt, dass Umklassifizierungen von Forderungen zu den alternativen Anlagen einiges Stirnrunzeln erzeugt haben und Stiftungsräte in die Pflicht genommen wurden. Nach wie vor gibt es Interpretationsspielraum, der aber häufig durch die Revisionsgesellschaften unterbunden wird. Wir möchten hier auf einige Spielarten hinweisen, insbesondere auf die Abs. 1 (Bst. b), 3 und 4 des Art. 53 BVV2.

Anleihensobligationen

Hier wird explizit der Einschluss von Wandel- und Optionsanleihen genannt. Häufig taucht die Frage auf, wozu Wandelanleihen (-fonds) gezählt werden. Obwohl es sich um ein hybrides Instrument handelt, werden sie eindeutig zu den Forderungen bzw. Nominalwertanlagen gezählt. Und dies unabhängig vom Aktiendelta! Pflichtwandelanleihen (Co-Cos) hingegen gehören zu den alternativen Anlagen.

Für Anleihensobligationen gilt eine erhöhte Transparenz. Gefordert werden Prospekt und regelmässige Publikation der Jahresrechnung. Für Darlehen und «Private Placements» gelten diese Transparenzvorschriften nicht, weshalb diese den alternativen Anlagen zugeordnet werden.

Zwar wird in Art. 71 BVG und Art. 50 BVV2 auf die Sicherheit und Risikoverteilung bezüglich der Aktiven hingewiesen, aber Anlagen mit Bonitäten aus dem «Non Investment»-Bereich (tiefere Ratings als BBB-/Baa3) werden nicht explizit ausgeschlossen. Deshalb gehören Anleihen aus dem traditionellen «High Yield»-Segment wie auch Schwellenländeranleihen zu den Forderungen.

Perpetuals werden in den Mitteilungen über die berufliche Vorsorge Nr. 138 (915) als alternativ bezeichnet, mit dem Hinweis, dass es sich nicht um Forderungen auf einen festen Geldbetrag handelt.

Besicherte Anleihen

Hier kommt es immer wieder zu Verwirrungen, weil schweizerische Grundpfandtitel separat erwähnt werden und «besicherte Anleihen» wie Asset Backed Securities und Secured Loans via Art. 53 Abs. 3 BVV2 explizit den alternativen Anlagen zugeordnet werden.

Eine Besicherung der Anleihe ist also nicht hinreichend für die Zulässigkeit als Anlage. Zusätzlich muss der Emittent für die Erfüllung der Schuld haften. Deshalb gelten klassische europäische Pfandbriefe auch als zulässige Anlagen. Dies wird auch so in den Mitteilungen über die berufliche Vorsorge Nr. 138 (915) bestätigt, obwohl in den Erläuterungen zur Änderung der Anlagevorschriften (vom 6.6.2014) ausländische Grundpfandtitel als alternativ qualifiziert wurden.

Schuldanerkennungen von schweizerischen öffentlich-rechtlichen Körperschaften

Verbreitet sind Darlehen an Gemeinden, Städte und Kantone (inkl. Private Placements). In Mode gekommen sind Darlehen an Spitäler. Hier muss abgeklärt werden, ob das Darlehen direkt an eine öffentlich-rechtliche Körperschaft geht oder ob eine Aktiengesellschaft dazwischengeschaltet wird. Geht das Darlehen an eine AG, gilt diese Forderung als alternativ, auch wenn der alleinige Aktionär eine öffentlich-rechtliche Körperschaft ist.

Hier ist noch einmal der Hinweis angebracht, dass Darlehen an Private/Unternehmen (inkl. Private Placements) als alternativ gelten.

In einem weitverbreiteten Bond-Index enthaltene Forderungen

Alternative Anlagen nach Art. 53 BVV2, die in einem weitverbreiteten Index enthalten sind, gelten als zulässige Anlagen. Für die Schweiz gilt sicherlich der Swiss Bond Index (SBI) als weitverbreitet, für globale Bond Indices sind dies sicherlich der Barclays Global Aggregate Bond Index und der J.P. Morgan Global Aggregate Bond Index. Alle diese Indices beinhalten einen gewissen Anteil an Asset Backed Securities im weiteren Sinne.

Nun ist es aber nicht so, dass das verwaltete Portfolio nur aus solchen zulässigen «Asset Backed Securities» bestehen darf. In den Mitteilungen über die berufliche Vorsorge Nr. 138 wird dies beschränkt: Der Anteil der alternativen Anlagen im Bondportfolio darf den Anteil der alternativen Anlagen im Benchmark um nicht mehr als 5% überschreiten.

Es gilt aber zu beachten, dass dann, wenn eine Anleihe aus dem Benchmark ausgeschlossen wird (am häufigsten wegen unterjähriger Laufzeit), diese nicht mehr als zulässige Anlage gilt.

  Rechtliche Grundlage
BVV2
Art. 53 Zulässige Anlagen
(Art. 71 Abs. 1 BVG)
¹Als Anlagen für das Vermögen einer Vorsorgeeinrichtung sind zulässig:
a. Bargeld;
b. folgende Forderungen, die auf einen festen Geldbetrag lauten:
1. Postcheck- und Bankguthaben,
2. Geldmarktanlagen mit einer Laufzeit von bis zu 12 Monaten,
3. Kassenobligationen,
4. Anleihensobligationen, einschliesslich solcher mit Wandel- oder Optionsrechten,
5. besicherte Anleihen,
6. schweizerische Grundpfandtitel,
7. Schuldanerkennungen von schweizerischen öffentlich-rechtlichen Körperschaften,
8. Rückkaufswerte aus Kollektivversicherungsverträgen,
9. im Falle von Anlagen, die auf einen gebräuchlichen, breit diversifizierten und weit verbreiteten Bond-Index ausgerichtet sind: die im Index enthaltenen Forderungen;
c. Immobilien im Allein- oder Miteigentum, einschliesslich Bauten im Baurecht sowie Bauland;
d. Beteiligungen an Gesellschaften wie Aktien und Partizipationsscheine, ähnliche Wertschriften wie Genussscheine, sowie Genossenschaftsanteilscheine; Beteiligungen an Gesellschaften und ähnlichen Wertschriften sind zugelassen, wenn sie an einer Börse kotiert sind oder an einem anderen geregelten, dem Publikum offenstehenden Markt gehandelt werden;
e. alternative Anlagen wie solche in Hedge Funds, Private Equity, Insurance Linked Securities, Rohstoffen und Infrastrukturen.  

²Die Anlagen nach Absatz 1 Buchstaben a–d können als direkte Anlagen oder mittels kollektiver Anlagen nach Artikel 56 oder derivativer Finanzinstrumente nach Artikel 56a vorgenommen werden.  

³Forderungen, die nicht in Absatz 1 Buchstabe b aufgeführt sind, gelten als alternative Anlagen, insbesondere:

a. Forderungen, die nicht auf einen festen Geldbetrag lauten oder deren ganze oder teilweise Rückzahlung von Bedingungen abhängig ist;

b. verbriefte Forderungen wie Asset Backed Securities oder andere Forderungen, die aufgrund eines Risikotransfers zustande gekommen sind, wie Forderungen gegenüber einer Zweckgesellschaft oder Forderungen auf Basis von Kreditderivaten;

c. Senior Secured Loans.  

4Alternative Anlagen dürfen nur mittels diversifizierter kollektiver Anlagen, diversifizierter Zertifikate oder diversifizierter strukturierter Produkte vorgenommen werden.  

5Ein Hebel ist nur zulässig in:
a. alternativen Anlagen;
b. regulierten kollektiven Anlagen in Immobilien, wenn die Belehnungsquote auf 50 Prozent des Verkehrswertes begrenzt ist;
c. einer Anlage in einer einzelnen Immobilie nach Artikel 54b Absatz 2;
d. Anlagen in derivativen Finanzinstrumenten, wenn keine Hebelwirkung auf das Gesamtvermögen der Vorsorgeeinrichtung ausgeübt wird.  

6Im Falle von Effektenleihe und Pensionsgeschäften gelten das Kollektivanlagegesetz vom 23. Juni 2062 und seine Ausführungsbestimmungen sinngemäss. Pensionsgeschäfte, bei denen die Vorsorgeeinrichtung als Pensionsgeberin handelt, sind unzulässig.

Nicht explizit erwähnte Forderungen (Art. 53 Abs. 1 BVV2)

Nicht explizit genannte Forderungen unter Abs. 1 gelten als alternativ. Abs. 3 erwähnt insbesondere eine Liste von Beispielen, die aber nicht abschliessend ist. Weitere Beispiele finden sich in den Mitteilungen über die berufliche Vorsorge.  

Zwingende Diversifizierung alternativer Anlagen

Aus unserer Sicht ist dies ein heikler Punkt, insbesondere für den Stiftungsrat. Der Gesetzgeber wollte ganz klar durchsetzen, dass alternative Anlagen nur in Form von diversifizierten Kollektivanlagen vorgenommen werden.

Während vor der Gesetzesreform mehr oder weniger alle Arten von Forderungen als zulässige Anlagen galten und normalerweise durch einen Portfoliomanager (professionell) beurteilt wurden, gelten nun einzelne Forderungen als alternative Anlagen. Ein Problem entsteht nun, dass die Mehrheit dieser «alternativen» Forderungen nicht diversifiziert ist (zum Beispiel Darlehen an Unternehmen) und somit eigentlich keine zulässigen alternativen Anlagen darstellt. Dieser Missstand kann die Vorsorgeeinrichtung via «Ausnahmeartikel» Art. 50 Abs. 4 BBV2 beseitigen und die Abweichung im Anhang der Jahresrechnung schlüssig begründen. Der Stiftungsrat übernimmt hier die Aufgabe des professionellen Portfoliomanagers bezüglich der Einschätzung der Anlage. Wir bezweifeln, dass hier immer das nötige Know-how vorhanden ist.

Schlussbemerkung

Die oben diskutierten Fälle sind nicht abschliessend, und häufig liegt der Teufel im Detail. Es gibt auch Interpretationsspielraum, der aber vorgängig mit der Revisionsstelle abgesprochen werden sollte. Hilfe bei der Abklärung von zulässigen Forderungen bieten oft die «Mitteilungen über die berufliche Vorsorge» (bisher die Nr. 138 vom 16.03.2015) des Bundesamtes für Sozialversicherungen – BSV. Nützlich finden wir auch den «Leitfaden zu den neuen BVV2 Anlagevorschriften» (vom Januar 2016) des Schweizerischen Verbandes der Anlageexperten und Investment-Consultants in der beruflichen Vorsorge (www.swisspfconsultants.com).

Dieser Beitrag «Neue Forderungen oder alternative Anlage (Art. 53 BVV2)», stammt aus dem Print-Newsletter «Treuhand kompakt – Ausgabe 10». Möchten Sie die vollständige Ausgabe mit noch mehr Fachexperten-Beiträgen kaufen? Hier geht es zur kompletten Ausgabe.

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