18.01.2019

Pensionskassenstabilität: Beurteilung der finanziellen Sicherheit

Um die Vorsorgeleistung der Versicherten im eintretenden Vorsorgefall zu gewährleisten, bildet die finanzielle Sicherheit einer Pensionskasse eine zentrale Voraussetzung. Für die Beurteilung der finanziellen Verhältnisse von Pensionskassen können verschiedene finanztechnische und auch versicherungstechnische Kennzahlen zum Einsatz kommen.

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Pensionskassenstabilität

Kennzahlen der finanziellen Sicherheit von Pensionskassen

Vor allem die Jahresrechnung ermöglicht es dem Stiftungsrat einer Pensionskasse wie auch den Versicherten sowie weiteren Interessierten, sich mittels Kennzahlen einen Überblick über die finanzielle Lage einer Vorsorgeeinrichtung zu machen. Dies setzt allerdings voraus, dass bei der Erstellung und Gestaltung der Jahresrechnung die nötige Transparenz gewahrt wurde, sodass das verantwortliche Leitungsorgan der Vorsorgeeinrichtung seine Führungsaufgabe wahrnehmen kann und gleichzeitig die Informationspflichten gegenüber den Versicherten erfüllt werden können.

Zur Sicherstellung der garantierten Leistungen einer Vorsorgeeinrichtung ist eine kontinuierliche Messung und Beobachtung der finanziellen Sicherheit unabdingbar. Es daher wünschenswert zu ermitteln, anhand welcher Kennzahl(en) die finanzielle Sicherheit im Zusammenhang mit der Leistungserbringung sowie im Vergleich zu anderen Vorsorgeeinrichtungen transparent und eindeutig gemessen werden kann.

Im vorliegenden Beitrag werden die wichtigsten Kennzahlen für die Beurteilung der finanziellen Sicherheit von Pensionskassen vorgestellt und erläutert.

Der technische Deckungsgrad als Kennzahl zur finanziellen Lage einer Pensionskasse

Eine allgemeine Definition der finanziellen Sicherheit für eine Vorsorgeeinrichtung existiert nicht. Allerdings erfolgt die Sicherstellung des Leistungsversprechens einer Pensionskasse regelmässig mit Vermögen, welches gemäss Swiss GAAP FER 26 zu Marktwerten bilanziert werden muss. Diesem Vermögen gegenüber gestellt werden die Verpflichtungen und somit ergibt sich der sogenannte technische Deckungsgrad als Verhältnis zwischen Vermögen und Verpflichtungen.

Vor allem für die interessierte Öffentlichkeit gilt jedoch dieser Deckungsgrad gemäss Art. 44 BVV 2 (Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge) einer Pensionskasse als zentraler Indikator für die finanzielle Sicherheit, welcher sich wie folgt berechnet:

Deckungsgrad einer Vorsorgeeinrichtung =    Vorsorgevermögen (Vv)
                                               ____________________________

                                                    Vorsorgekapital (Vk)

Das Vorsorgevermögen nicht öffentlich-rechtlicher Vorsorgeeinrichtungen entspricht den gesamten per Bilanzstichtag zu Marktwerten bilanzierten Aktiven, gegebenenfalls erhöht um die Aktiven aus Versicherungsverträgen, vermindert um Verbindlichkeiten, passive Rechnungsabgrenzungen, Arbeitgeberbeitragsreserven ohne Verwendungsverzicht und nicht-technische Rückstellungen (siehe FER 26).

Das versicherungstechnisch notwendige Vorsorgekapital umfasst die Vorsorgekapitalien der aktiven Versicherten und Rentner, alle gemäss BVV2 Art. 48e gebildeten technischen Rückstellungen sowie allfällige Passiven aus Versicherungsverträgen.

Bei einer vollständigen Kapitalisierung muss der Deckungsgrad mindestens 100 Prozent betragen. Der Deckungsgrad muss seit dem Jahr 2005 gemäss BVV 2 von allen Pensionskassen in deren Jahresabschlüssen ausgewiesen werden.

Auch wenn der technische Deckungsgrad grösser oder gleich 100 Prozent beträgt, ist dennoch zu bedenken, dass die Sicherheit der Leistungserbringung stark vom Zinsniveau abhängig ist. Ausserdem wird bei dem aktuell niedrigen Zinsniveau implizit die Bereitschaft bzw. Pflicht der Risikoträger eingerechnet, dass sie das bei der Rentenbewertung eingerechnete Anlagerisiko ohne Prämie tragen. Es gilt daher, dass der Wert und die Interpretation des technischen Deckungsgrads stark vom technischen Zinssatz abhängig sind.

Der ökonomische Deckungsgrad als bessere Alternative zum technischen Deckungsgrad

Im Unterschied zum oben dargestellten technischen Deckungsgrad gilt beim ökonomischen Deckungsgrad, dass die Verpflichtungen der Vorsorgeeinrichtung eine ökonomische Bewertung erfahren. Hierbei gelten die beiden folgenden Prinzipien:

  1. Die erwarteten zukünftigen Belastungen (meist Rentenzahlungen) werden nicht mit einem fixen technischen Zinssatz diskontiert, sondern mit den aktuellen Marktzinsen berechnet.
  2. Die (mutmassliche) zukünftige Zunahme der Lebenserwartung wird bei der Rentenbewertung dadurch mitberücksichtigt, dass eine Bilanzierung unter Anwendung von Generationentafeln erfolgt.

Vor allem die Bewertung der Vorsorgeverpflichtungen zu Marktwerten (Zinskurve) führt im Unterschied zum technischen Deckungsgrad zu einer besseren Vergleichbarkeit des ökonmischen Deckungsgrades.

Ein ökonmischer Deckungsgrad von 100% würde für eine Pensionskasse bedeuten, dass sie in der Lage ist, versprochene bzw. vorgesehene Leistungen risikolos zu finanzieren, wobei die Sicherheit der Leistungserbringung unabhängig vom Zinsniveau gegeben ist. Auch würde dies bedeuten, dass Anlagerisiken vollständig von den Risikoträgern übernommen werden (bei entsprechender Risikoprämie als Gegenleistung).

Auch wenn der ökonomische Deckungsgrad aus Sicht der finanziellen Sicherheit die bessere Kennzahl darstellt, so berücksichtigen doch weder der technische noch der ökonomische Deckungsgrad die strukturelle Zusammensetzung der Vorsorgeeinrichtung betreffend das Verhältnis aus aktiv Versicherten und Rentnern. Dies führt dazu, dass ein Risikotransfer zwischen diesen beiden Gruppen ebenfalls unberücksichtigt bleibt. Im Falle einer Verschiebung hin zu mehr Rentnern und weniger aktiv Versicherten würden daher weder technischer noch ökonomischer Deckungsgrad reagieren, obwohl sich die Sicherheit verschlechtert und eine Deckungslücke aufgrund von weniger Risikoträgern entsteht.

5 Die Soll-Rendite als Kennzahl zur Beurteilung der laufenden Finanzierung einer Pensionskasse

Als weitere wichtige finanzielle Orientierungsgrösse für die Bestimmung der finanziellen Sicherheit und der Anlagestrategie ist die Soll-Rendite zu nennen. Als Soll-Rendite wird die notwendige Rendite bei den Vermögensanlagen einer Vorsorgeeinrichtung verstanden, um den aktuellen Deckungsgrad über einen bestimmten Zeitraum stabil zu halten. Die Soll-Rendite setzt sich zusammen aus

  • dem technischen Zinssatz,
  • den Kosten für die Verwaltung der Pensionskasse und
  • den Rückstellungen für die erhöhte Lebenserwartung.

Die Soll-Rendite setzt sich primär aus der Zielverzinsung der Altersguthaben, dem technischen Zinssatz und anderen mit Vermögenserträgen zu finanzierenden Leistungen oder Aufwendungen zusammen. Ohne die Erwirtschaftung einer ausreichenden Soll-Rendite ist es einer Pensionskasse unmöglich, ihren langfristigen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.

Die im Vorsorgeplan eingerechnete Anlagerendite entspricht der Soll-Rendite und ist zudem Teil der Zielrendite einer Vorsorgeeinrichtung, wobei den Unterschied zwischen beiden die erwartete Marge darstellt, welche dazu dient, die finanziellen Anlagen weiter auszubauen sowie weitere Rücklagen zu bilden. Um die Sicherheit des Finanzierungsgleichgewichts und somit zugleich das finanzielle Risiko einer Vorsorgeeinrichtung zu senken, sollte die erwartete Anlagerendite nach dem Grundsatz der Vorsicht festgelegt werden, denn in Zeiten eines niedrigen Zinsniveaus ist es umso schwieriger die entsprechenden Soll-Renditen zu erwirtschaften, da der technische Zinssatz – welcher die Basis für die Renditen bildet – längerfristig festgelegt ist.

Liegt die Soll-Rendite über der erwarteten Rendite, so sinkt der Deckungsgrad im Erwartungswert und zeigt ein Risiko zum finanziellen Gleichgewicht an.

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