06.10.2020

PK-Bezug: Q&A zum Bezug bei Firmengründung

Der Pensionskassenbezug (PK-Bezug) kann in der Praxis Fragen aufwerfen. Gerade wenn es um den Bezug für eine Firmengründung geht, gilt es einiges zu beachten. Finden Sie mithilfe eines anonymisierten Praxisfalls und Expertenantworten die nötigen Informationen zu steuerrechtlichen Fragen.

Von: Dr. Alain Villard  DruckenTeilen 

Dr. Alain Villard, EMBA Taxation

Dr. Alain Villard, EMBA Taxation, ist als Steuerberater bei der Bratschi AG tätig und war zuvor 6 Jahre Konzernsteuerberater. Er berät vorwiegend Privatpersonen bei Steuerfragen und allgemeinen rechtlichen Belangen sowie Unternehmen in den Bereichen Steuer- und Gesellschaftsrecht. Seine Tätigkeitsbereiche umfassen das Mehrwertsteuerrecht, das Unternehmenssteuerrecht, das Steuerverfahrensrecht und das internationale Steuerrecht sowie auch das Verrechnungssteuer-, das Stempelabgabe-, das Grundstückgewinnsteuer- und das Einkommenssteuerrecht. Berufsbegleitend absolvierte er einen EMBA im Steuerrecht. Seit 2014 ist er Prüfungssteller bei den Diplomarbeiten der Steuerexpertenprüfungen. Seit 2017 ist er Mitherausgeber und Autor des Praxiskommentars zum Basler Steuergesetz.

PK-Bezug

PK-Bezug als selbständig Erwerbender im Hauptberuf

Es soll eine Einzelfirma für Max Muster im Haupterwerb bei der AHV angemeldet werden. Max Muster, welcher heute noch unselbständig erwerbstätigen ist, möchte ein PK-Bezug vornehmen. Parallel zur Einzelfirma wird eine GmbH gegründet. Max Muster ist bei der GmbH Gesellschafter zu 50%. Max Muster möchte die Einzelfirma so rasch wie möglich wieder auflösen.

1. M.E. muss Max Muster einen ganzen PK-Bezug vornehmen? Oder kann er auch nur einen Teil beziehen?

Das gesamte PK-Vermögen wird ausbezahlt, entweder in Form einer Rente oder als Kapitalauszahlung. Der Bezug lediglich eines Teils des Vorsorgeguthabens ist nur bei der 3. Säule möglich, wenn mehrere Konten bestehen.

2. Max Muster bezieht das PK m.E. als Privatperson. Bekommt er Schwierigkeiten, wenn er das Kapital verwendet, um der GmbH ein Darlehen zu gewähren?

Um zu beurteilen, ob einem Barauszahlungsgesuch stattgeben werden darf, müssen zwei Fragen bejaht werden können: Handelt es sich bei dem ausgeübten Erwerb um einen selbständigen Erwerb? Und handelt es sich dabei um einen Haupterwerb? Wenn Ihr Kunde die Einzelfirma löscht und nur noch bei der GmbH angestellt ist, ist er nicht mehr selbständig und der gewährte Steuerabzug würde vereitelt. Ich rate daher von dieser Variante ab.

3. Wie lange sollte Max Muster mit der Einzelfirma aktiv sein, damit er wegen PK-Bezugs nicht in Schwierigkeiten (Steuerumgehung etc.) gerät? Genügt ein Kalenderjahr? Ist es relevant, dass er mit der Einzelfirma einen höheren Gewinn erzielt, als er in der GmbH Lohn erhält?

Der Ertrag aus der selbständigen Erwerbstätigkeit (Einzelfirma) darf nicht als Nebenerwerb qualifizieren, insofern, lautet die Antwort ja, er sollte mit der GmbH keinen höheren Gewinn als mit der Einzelfirma erwirtschaften. Eine fixe Frist, wie lange die Einzelfirma geführt werden muss damit keine Steuerumgehung vorliegt, gibt es in dem Sinne nicht. Vielmehr sollte sich dies aus den wirtschaftlichen Umständen ergeben, und sicherlich nicht bereits bei Aufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeit absehbar sein, dass diese innert kurzer Zeit wieder eingestellt wird.

4. Gibt es noch weitere Aspekte, welche berücksichtigt werden sollten? Ja:

Für das Gesuch um Barauszahlung gilt es eine Jahresfrist zu berücksichtigen. Die "Jahresfrist" ist die Frist, innerhalb welcher Versicherte, die bei Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit die Freizügigkeitsleistung bar auszahlen lassen möchten, gemäss gefestigter Praxis bei ihrer Vorsorge-oder Freizügigkeitseinrichtung das entsprechende Gesuch stellen müssen. Versicherte dürfen die Barauszahlung verlangen, wenn sie eine selbständige Erwerbstätigkeit aufnehmen und der obligatorischen beruflichen Vorsorge nicht mehr unterstehen (Art. 5 Abs. 1 FZG, BGE 139 V 367).

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